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Pokemon-Legenden: Arceus

Pokemon-Legenden: Arceus

Maik

Nachdem ihr vergangenen Winter die Neuauflagen von Pokémon Diamant und Perl erleben durftet, bleiben wir mit Pokémon Legenden Arceus in der gleichen Region, jedoch viele Jahre zuvor. Was ihr vom Spiel erwarten könnt und ob Gamefreak mit einem neuen Gameplay-Ansatz der große Wurf geglückt ist, erfahrt ihr in dieser Review.

Pokemon-Legenden: Arceus

NSW

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
NSW
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 12

Die Anfänge der Sinnoh-Region

Alles beginnt mit einer Interaktion zum mystischen Pokémon Arceus. Plötzlich werdet ihr durch ein Raum-Zeit-Gefüge in die Hisui-Region befördert und fallt wortwörtlich vom Himmel. Euer Smartphone ist zu einem Arceus-Phone geworden und berichtet euch von nun an von bedeutsamen Ereignissen in der Region, die eure Aufmerksamkeit erfordern. Ihr lernt den hiesigen Professor Laven kennen, der euch, wie soll es anders sein, um die Erforschung der regionalen Pokémon bittet. Er möchte den ersten Pokédex erstellen und braucht dafür entsprechend reichhaltige Informationen zu jeder einzelnen Spezies. Es trifft sich an dieser Stelle hervorragend, dass er Teil des Galaktik Expeditionsteams ist. Dieser Forschungstrupp erkundet Biom für Biom und ihr seid ein wichtiger Teil davon, sobald ihr dazustoßt. Ehe es dazu kommt, werdet ihr in einem Tutorial in die Kunst des Pokémon Fangens eingeführt. Laven zeigt euch, wie ihr euch an Pokémon heranschleicht, sie kampflos durch den Wurf eines Pokéballs fangt oder in einen Kampf verwickelt, um siegreich durch Gewinn oder Einfangen hervorzugehen. Kurz darauf dürft ihr die Wahl eures Starter-Pokémons treffen. Die Entscheidung fällt zwischen dem Feuerpokémon Feurigel, dem Wasserpokémon Ottaro oder dem Pflanzenpokémon Bauz.

Was euch auf der Reise erwartet

Während ihr euch zu den Abenteuern durch Hisui aufmacht, werdet ihr schnell feststellen, dass man sich im Spielstil einem feudalen Japan angenähert hat. Entsprechend dieser Zeit sind die Gebäude geprägt, Kleidungsstücke entworfen und das Miteinander frei von Technologie. Stattdessen gibt es fünf Biome mit vielen kleineren Gebieten, die jeweils von einem König bzw. einer Königin der Pokémon angeführt werden. So macht ihr bereits im Startbiom, dem Obisdian-Grasland mit dem König Anxator Bekanntschaft. Dieser ist, wie die ihm nachfolgenden Herrscher der Gebiete in Rage verfallen, nachdem ihr durch die Raum-Zeit-Verschiebung samt mächtiger Blitzeinschläge vom Himmel auf den Boden der Hisui-Region gefallen seid. Entsprechend werdet ihr als Expeditionsmitglied vom Expeditionsleiter Denboku und der Anführerin Zelestis beauftragt, die Ruhe in den Regionen wiederherzustellen und den König:innen Frieden zu geben. Macht ihr, nach Begutachtung des Professors, entsprechende Fortschritte, honoriert Zelestis eure Forschungen mit einer Erhöhung eures Mitgliedsranges, von denen es zehn gibt. Je höher ihr kommt, desto stärkere Pokémon sind beherrschbar, ihr erhaltet zudem neue Anleitungen, etwa für den Super- oder Zentnerball.

Auf eurer Reise werdet ihr von diversen weiteren Charakteren begleitet. Da wären zum Beispiel Diam vom Diamant-Clan und Perla vom Perl-Clan. Beide stehen in gewisser Rivalität zueinander, wünschen sich aber gleichermaßen den Einklang von Mensch und Pokémon in Hisui. Sie begleiten euch während eurer Abenteuer mit Rat und Tat und stehen euch auch gelegentlich bei Kämpfen gegen Widersachern zur Seite. Neben ihnen gibt es wandernde Händler wie Ginnan und Volo, die euch mit wichtigen Waren wie Crafting-Materialien versorgen oder auch wertvolle Gegenstände ankaufen, um für eure Liquidität zu sorgen. In den einzelnen Gebieten gibt es zudem sogenannte Wächter, die die Könige und Königinnen unter den Pokémon schützen. Ihnen bereitet die anhaltende Rage ihrer Anführer besonders Sorge, weshalb sie für eure Unterstützung dankbar sind.

So macht ihr euch nach dem Obsidian-Grasland auf in das Rote Sumpfland und rettet unter anderem eine Königin vor ihrem Unheil. Danach geht ihr ins Kobalt-Küstenland, erforscht das Kraterberg-Hochland und zuletzt das weiße Frostland. Seid ihr in all diesen Biomen unterwegs gewesen, habt ihr vermutlich längst die 15 Spielstunden überschritten. Dies liegt an unterschiedlichen Dingen. Zum einen baut Pokémon Legenden Arceus auf ein Open-World-Spielprinzip, sodass ihr entsprechende Reichweiten zurücklegen müsst, zum anderen werdet ihr durch eine Haupt- und Nebenqueststruktur mit allerlei Aufgaben versorgt. Zum aktuellen Zeitpunkt warten etwa 100 Nebenquests neben der Story auf euch. Häufig wünschen sich die Dorfbewohner eurer Basis „Jubeldorf“ die Vorstellung eines vollständigen Eintrages zu einem Pokémon, sodass eure Reisen durchaus mit dem ein oder anderen Grinding verbunden sein werden. Häufig sollt ihr aber auch Zutaten liefern. Für eine geschnitzte Holzpuppe etwa wird Holz benötigt, eine Köchin braucht ein Kleinstein als Unterstützung und einem anderen NPC wurde von zwei aufmüpfigen Griffel etwas entwendet. So werdet ihr während der Hauptgeschichte immer wieder auf kleinere Anekdoten verwiesen, die ihr verfolgen könnt, jedoch nie müsst. Zum Fortschritt der Geschichte, insbesondere zum Bestehen gegen stärkere Pokémon, ist es dennoch ratsam, sich der ein oder anderen Nebenaufgabe anzunehmen, um Erfahrung und Level dazuzugewinnen und Items zu sammeln.

Ein ansehnlicher Aufmarsch legendärer Pokémon

Hinsichtlich Umfang bietet Pokémon Legenden Arceus aber noch einiges mehr. Auch in diesem Ableger dürft ihr euch auf spannende Herausforderungen beim Fangen legendärer Pokémon freuen. Neben dem Titel-Pokémon Arceus, welches sich euch ganz zum Schluss zeigt, sobald ihr den gesamten Hisui-Pokédex vervollständigt habt, könnt ihr diverse andere Legendaries fangen. Hier wären zum Beispiel die Wetterpokémon Boreos, Voltolos, Dementos, die einiges an Strategie verlangen, nachdem ihr sie über eine der letzten Quests aufsucht. Die richtigen Bälle, Ablenkungsmanöver und das richtige Timing für das Starten des Kampfes sind hier erfolgskritisch. Habt ihr alle drei in der Tasche, dürft ihr euch einen Hinweis zum vierten und neu hinzugekommenen Wettermacher abholen. Cupidos wartet dann nämlich schon am Purpurroten Moor, nach einem packenden Kampf in eure Sammlung überzugehen. Natürlich dürfen auch nicht die drei Pokémon fehlen, die ihr schon von den Seen der Wahrheit, Stärke und Kühnheit aus Pokémon Strahlender Diamant und Leuchtende Perle kennt: Vesprit, Tobutz und Selfe. Heatran wartet am Vulkan auf euch und auch Cresselia, Regigigas und Giratina können gefangen werden. Selbst Manaphy und Phione sind Teil einer Nebenquest. Ihr seht also schon, wollt ihr alles erledigen und vor allem alle Legendaries euer Eigen nennen, kommen viele packende Spielstunden oben drauf.

Elite-Pokémon, massive Aufläufe und Raum-Zeit-Verschiebungen

Interessant ist auch die Erweiterung um Elite-Pokémon. In Pokémon Legenden Arceus werdet ihr besondere Exemplare der vorhandenen Pokémon-Spezies in der Region finden, die sich durch eine extreme Größe, Stärke und rote Augen auszeichnen. Sie wirken ebenfalls in Rage und haben eine lange Zeit des Spielverlaufs ein höheres Level als eurer Pokémon-Team, weshalb das Fangen dieser Taschenmonster umso schwerer ist. Sie sind mit extrem starken Attacken ausgestattet und werden euch das Leben ordentlich schwer machen, ehe ihr sie euer Eigen nennen könnt. Hinzu kommt, dass das Kampfsystem hier deutlich zu Gunsten der Elite-Pokémon geht. Nicht selten werden sie ihre Angriffe mit einer Stärke von mindestens 100 Punkten zwei- oder dreimal nacheinander abfeuern dürfen, ehe euch die Chance zu einem nächsten Zug eingeräumt wird. Dann müsst ihr euch entscheiden: einen weiteren Ball werfen oder noch einmal mit einer Attacke nachlegen, um das Pokémon möglichst schwach und mit einem Statuseffekt belastet einfangen zu können. Hier liegen jedoch Timing und Balancing denkbar ungünstig. Egal wie erfahren und trainiert ihr seid, die Elite-Pokémon werden für viel Frust sorgen. Häufig kämpft ihr solang gegeneinander, bis euer gesamtes Team kampfunfähig ist, natürlich nachdem ihr zeitgleich 20 Bälle verbraten habt. Der Einsatz des Items „Beleber“ und KP-heilender Beutel-Inhalte ist hier elementar und inflationär zugleich. Schafft ihr es aber endlich, den fiesen Elite-Gegner in die Tasche zu stecken, ist die Genugtuung riesengroß. Nicht selten mussten wir uns beim Test erwischen, wie wir von Kopfschütteln zu einer geballten Faust wechselten, wenn wir schlussendlich ein gigantisches Hippoterus, ein gemeines Walraisa oder einen unermüdlichen Mantax für unser Elite-Team gewonnen hatten.

Bei massiven Aufläufen, die nach der Befreiung Axantors von seiner Rage jederzeit in allen Gebieten der Region stattfinden können, ist der Schwierigkeitsgrad ein völlig anderer. Diese optionalen Ereignisse sorgen für die Ballung spezifischer Pokémon. Sobald ihr am Ort des Geschehens ankommt, warten beispielsweise etliche Magmar auf euch. Vorteil hier für alle Jäger und Sammler schillernder, sogenannter „Shiny“ Pokémon: Die Chance nach dem Fangen etlicher gleichartiger Pokémon ein schillerndes zu entdecken und zu Fangen ist massiv erhöht. Darum solltet ihr die massiven Pokémon-Aufläufe keineswegs aus dem Auge verlieren – denn wer möchte denn nicht ein rosarotes Skaraborn statt eines blauen sein Eigen nennen?

Das dritte wesentliche, aber randomisierte Ereignis in Hisui sind die Raum-Zeit-Verschiebungen. Diese kündigen sich euch durch ein Wirbel-Icon auf der Karte, die ihr jederzeit mit Minus (-) aufrufen könnt, an. Sobald sich diese verstetigen, erscheint eine riesige, fluoreszierende Kuppel am Himmel. Tretet ihr in diese ein, verdunkelt sich eure Umgebung, Blitze sausen vom Himmel und bringen mächtige Pokémon, die sonst kaum oder gar nicht anzutreffen sind, mit. Je nach Biom unterscheiden sich diese und können auch Entwicklungsstufen umfassen, die sonst nur durch bestimmte Entwicklungsitems oder den Tausch möglich sind. Simsala und Magbrant sind nur zwei Beispiele. Zusätzlich lassen sich wertvolle Items aufsammeln, etwa Sternenstücke oder mystische Tafeln, die Pokémon gegeben oder verkauft werden können. Seid also aufmerksam und schnell, sollte sich eine Verschiebung auftun, denn euer Pokédex vervollständigt sich nicht von allein und ein hohes Forschungslevel je Pokémon erhöht ebenfalls die Chance, ein weiteres von ihm als schillernde Variante zu finden.

Gameplay-Mechaniken und ihre Tücken

Natürlich entwickeln sich mit zunehmender Spielzeit auch eure Möglichkeiten und die Eingriffstiefe im Spiel. Ihr werdet während der Hauptgeschichte auf einige NPCs und Wächter treffen, die euch Hinweise zu Transportpokémon geben. Zuerst erhaltet ihr die Pokéflöte und könnt von dortan auf einem majestätischen Damythir durch die Wälder reiten. Später kommen Pokémon dazu, die Items ergraben können, euch über die Gewässer zu Inseln und Höhlen bringen oder durch die Lüfte befördern, wie es durch Hisui-Washakwil der Fall ist.

Neben der Fortbewegung werdet ihr viel mit dem Herstellen von Verbrauchsgegenständen beschäftigt sein. Da ihr euch deutlich vor unserer Zeit befindet, warten in den Gegenden leider keine Pokémon-Center oder -Märkte auf euch, um das ein oder andere Item im Überfluss in euren Besitz übergehen zu lassen. Stattdessen braucht ihr Pflanzen, Steine und Obst-Hülsen, um euch Tränke zu brauen und Pokébälle verschiedener Art zu konfigurieren. Beeren können ebenfalls die KP oder AP eurer Pokémon auffüllen. Durch das Voranschreiten in der Expedition werdet ihr auch sukzessive in allen Biomen ein oder mehrere Basislager aufschlagen. Hier wartet überraschenderweise stets der Professor, der scheinbar geistesgegenwärtig dort ist, wo ihr ihn gerade brauchen könntet sowie Mitarbeiter des Expeditionstrupps. Während der Professor jederzeit euren Pokédex begutachten und euch mit Geld und Forschungspunkten für eure Entdeckungen, Fänge und erledigte Pokédex-Forschungsaufgaben belohnt, sorgt der Forschungsmitarbeiter für eurer Wohl, die Ausstattung und Pokémon. Ihr könnt euch ausruhen und die Ruhezeit so festlegen, dass ihr den Tag-Nacht-Zyklus beeinflusst. Das ist allein deshalb spannend, da sich bei unterschiedlichen Tageszeiten und variierendem Wetter diverse Pokémon zeigen. Gewisse Quests lassen sich auch nur zu bestimmten Zeiten verfolgen. So haben wir beispielsweise ein Zwirrklopp nachts in einem gruseligen Wald fangen müssen, damit wir mit einer seiner Attacke ein Gericht zubereiten konnten, das uns den Zugang zu Salmagnis, unserem Wasser-Transportpokémon erlaubte.

Wenn ihr Pokémon fangt, könnt ihr euch durch das hohe Gras oder von hinten an sie heranschleichen bzw. generell langsam annähern. Seid ihr hier mit einem guten Timing unterwegs, könnt ihr einen Pokéball werfen und werdet nicht selten mit dem ersten Wurf zum Erfolg kommen. Hier schlägt das Balancing eher zu euren Gunsten aus. In früheren Pokémon Spielen wäre es undenkbar gewesen, ein Pokémon auf Level 53 mit einem Pokéball zu fangen, ohne es auch nur ansatzweise verwundet zu haben. Doch auch hier folgt Pokémon Legenden Arceus seiner ganz eigenen Logik, die zugegebenermaßen viel Spaß bringt, weil ihr so regelrecht in einen Sammel- und Fangrausch geratet, der bei unserem Test nicht selten zu einer mehrstündigen Spielpartie führte, obwohl wir „nur mal schnell“ das ein oder andere Feature nachtesten oder erforschen wollten.

Die Zugänglichkeit von Gebieten ist gerade in den ersten Spielstunden, solang ihr nur über Damythir zur Fortbewegung und die Schnellreise zu bekannten Orten verfügt, recht eingeschränkt. Ihr werdet häufig gebirgsähnliche Strukturen entdecken, über die ihr auch mit eurem flinken Hirsch kaum rennen oder springen könnt. Auf diese Weise dreht ihr die ein oder andere frustrierte Extrarunde, ehe ihr einen entsprechenden Weg zu eurem nächsten Questziel, dass sich per Map anpinnen lässt, findet. Wir erlebten beispielsweise einmal einen Fall, indem die vermeintliche offene Spielwelt durch seine topografischen Gebietsgrenzen nicht ermöglichte, dass wir ein Ziel erreichten, ohne ein zuvor erreichten Schnellreisepunkt anzusteuern. Hier agiert Pokémon Legenden Arceus häufig zu wenig intuitiv.

Die Herausforderungen des neuen Kampf- und Fangsystems

Wenn es um eines der Herzstücke des Pokémon-Franchises - dem Kämpfen - geht, versucht Pokémon Legenden Arceus ebenfalls das ein oder andere anders zu gestalten. Wie bereits erwähnt könnt ihr nun nicht mehr davon ausgehen, dass ihr wechselseitig Angriffe ausübt. Stattdessen werden durch verschiedene Parameter wie Pokémon Level, getragene Items und den Zufall die Zugreihenfolge festgelegt. Was sich besonders schmerzlich in Kämpfen gegen starke Elite-Pokémon bemerkbar macht, trägt auch in normalen Kämpfen in der Wildnis zu Tage. Es ist nämlich auch so, dass ihr in der freien Wildbahn einen Kampf mit einem Pokémon starten könntet, während in unmittelbarer Nähe weitere Pokémon lauern. Kommen diese näher, können sie dem laufenden Kampf beitreten. Auf diese Weise werdet ihr regelmäßig Kämpfe gegen zwei oder drei Pokémon bestreiten, während ihr selbst nur ein Pokémon aktiv am Kampf beteiligen lassen könnt. Habt ihr dann noch zusätzliches Zugpech, werdet ihr bei drei gleichzeitigen Gegnern mehr als drei unterschiedlich starke Attacken erdulden müssen, ehe ihr euren nächsten Zug machen könnt. Dies ist nicht nur aus Gesichtspunkten der Spielbalance extrem unglücklich, sondern auch aus Sicht des Gameplays. Fair wäre hier die Implementierung von Paar-Kämpfen gewesen.

Bereits in früheren Spielen bestand die Option von 2:2-Kämpfen. Hier wird euch aber nicht die Chance gegeben, weitere Unterstützung zum Kampf hinzuzuziehen. Dadurch werden vermeintlich schwächere Gegner in der Gruppe einen entscheidenden Vorteil haben und euch das Leben und somit den Schwierigkeitsgrad deutlich erschweren. In einzelnen dieser Situationen haben wir uns die unscharfe Fang-Mechanik normaler Pokémon zunutze gemacht, um den Angriffsdruck zu reduzieren. Statt eines Angriffs unsererseits, der nicht immer auf einen Schlag zur Niederlage eines der Pokémon auf der Gegnerseite geführt hätte, haben wir einen Ball geworfen, der häufig direkt das Pokémon einfängt. So ließen sich Kämpfe schneller beenden und der Pokédex zusätzlich befüllen.

Auffallend war auch, dass wir, geschlaucht durch Elite-Pokémonkämpfe, einen Ruheort häufig schmerzlich vermissten. Sei es auf der hohen See oder in einer Höhle – nicht immer war ein Basislager in der Nähe oder die Schnellreise möglich. So blieb nur die Selbstversorgung mit Items wie Belebern und Tränken. War uns das nicht möglich, etwa weil nicht genug Herstellungsmaterialien gefunden werden konnten oder der Weg von einem Schnellreisepunkt zum aktuellen Standort weit war, war dies mehrfach ernüchternd. Amüsanter Weise liefen wir dadurch mehrfach in storybasierte Kämpfe mit nur einem oder zwei verbliebenen, aber grundsätzlich gut trainierten Pokémon. Wurden wir mangels Genesungsoptionen geschlagen, wurden wir nicht „nach Hause“ oder in ein Basislager befördert, sondern erhielten die Einblendung Trainiere deine Pokémon besser und versuche es erneut . Nach solchen Niederlagen verloren wir weder Geld noch Items und konnten, nun mit vollständig geheiltem Team wieder in den eben noch verlorenen Kampf einsteigen und ihn mühelos meistern. Dies fühlte sich an, als wäre dies hier entwicklungsseitig aufgrund von Alternativlosigkeit, statt durch glänzende Kreativität implementiert worden.

Wann immer wir im normalen Spielverlauf in freien Kämpfen zu einem kampfunfähigen Team kamen und dann mit der eigenen Gesundheit in der Bredouille standen, führte ein ernsthafter Schaden zur Ohnmacht und dortigem Itemverlust. Dies geht bei Pokémon Legenden Arceus schneller als man denkt. Denn Pokémon, denen man zu nahe kommt, die in Rage sind oder die man erfolglos mit Bällen beworfen hat, jagen euch als Spieler. Wie häufig wurden wir vergiftet oder durch wütende Octillerys mit Aquawellen beschossen, ehe wir das Weite suchen konnten. In diesen Kontexten der Verfolgung zeigt das Spiel ebenfalls Schwächen auf. Denn obwohl ihr euch aus dem Sichtfeld der wilden Pokémon bewegen könnt, das mit einem roten Auge im HUD angezeigt wird, sehen diese euch häufig durch magische Weise weiterhin. Das besagte Octillery schien minutenlang mit uns an einem Küstenstreifen hinter einem Felsen im Sand Verstecken spielen zu wollen. Wir waren nicht in Sichtweite und trotzdem feuerte es unentwegt Angriffe gegen den Felsen, hinter dem wir standen. Auch hier wurden wir daran gehindert schnell inkognito zu werden, um einen weiteren Fangversuch zu unternehmen. Bitter war dies dann, wenn kein kampffähiges Pokémon verfügbar war, wir auf die Zurückreise zu einem Lager verzichten wollten und auf die Stealth-Fangmechanik zu setzen beabsichtigten. So wurde der Fang nahezu unmöglich, obwohl das Aktivieren des Kampfes durch ein Pokémon den Fang von Octillery quasi zu einem Selbstläufer gemacht hätte. Somit stimmt auch hier das Balancing nicht.

Technische Umsetzung

Hinsichtlich der technischen Umsetzung von Pokémon Legenden Arceus sind wir bei Nintendofans.de ebenso in die genaue Prüfung gegangen. Die technische Stabilität ist sowohl im Handheld als auch im Docked-Modus leider nicht immer gegeben. Gerade in Sequenzen, in denen wir mit mehreren Pokémon im Kampf verhaftet sind, geht die Framerate gern einmal in die Knie. Ebenso bei sehr schneller Fortbewegung. Dies ist jedoch aufgrund der überschaubaren Detailvielfalt des Spiels schade und ist bei anderen Publishern und Drittherstellern bereits deutlich besser gelöst worden.

Wechselt ihr per Schnellreise zu einem Biom oder verlasst das Jubeldorf, müsst ihr euch auf Ladezeiten einstellen. Diese sind zwar moderat, fallen aber auf. Auffälliger hingegen sind die Bugs. Nicht selten werden eure eingesetzten Pokémon so platziert, dass diese euch die Sicht versperren. Eine angepasste Kamera ist nicht zu erwarten. Zusätzlich könnt ihr auch durch die Pokémon laufen, da ihr als Trainer zu jederzeit mitten im Kampfgeschehen seid. Auch dies stört die Immersion. Gleiches haben wir bei verschiedenen Objekten in der Spielwelt erlebt.

Wollt ihr zu viel, zeigt euch das Spiel schnell an: Dieser Bereich ist nicht verfügbar was so viel heißt wie: „die offene Spielwelt hat hier ihre Grenzen“. Etwas gravierender fallen die sehr häufig nachladenden Texturen auf. So könnt ihr euch im Kreis drehen und die Bäume ploppen wortwörtlich auf. Auch beim Reiten durch die Umgebung wird so der Genuss und Spielfluss gestört. Freezes oder andere Fehler konnten wir glücklicherweise nicht feststellen.

Keine Augenweide

Leider ist festzustellen, dass Pokémon Legenden Arceus, obwohl es einiges an Geschichte und fangbaren Pokémon zu bieten hat, keine Augenweide ist. Die Landschaften sind bis auf die Pokémon, wiederkehrende Bäume und einsammelbare Items, recht leer. Hier und da ein Blümchen, ein Tümpel oder etwas Wetter-Animation ist alles, was ihr grafisch erwarten dürft.

Was euch stattdessen deutlich häufiger begegnen wird, sind unsaubere Designs. Wir sind etwa in einer Höhle mit mäßiger Beleuchtung und schwachen Kontrasten unterwegs gewesen. Unsere Spielfigur und die Pokémon wurden dargestellt, als wären sie per Paint ausgeschnitten und eingefügt worden, da sich als Kontur diverse weiße, pixelige Artefakte feststellen ließen. Am gravierendsten waren die Begegnungen auf dem Wasser. Kam es dort zu Pokémon-Kämpfen, konnten wir auch Nicht-Wasserpokémon einsetzen. Diese werden auf einer extrem verpixelten Plattform positioniert. Geworfene Pokéballe sehen so retro aus, als wären es die Icons der blauen und roten Edition und das Wasser gibt nichts her außer einer gleichförmigen Schaukelbewegung – Weitsicht ist hier nicht gegeben. Dies sind Kleinigkeiten, die sich in Summe aber negativ auf die Spielwahrnehmung des Abenteuers auswirken.

Auch im Umfang der Details, der Variation von Animationen und Texturen kann das Spiel Potenziale nicht ausschöpfen. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Abschluss von Hauptmissionen. Sind uns diese geglückt, treffen wir uns mit Kollegen des Forschungstrupps in Jubeldorf. Leider wird jedoch in gefühlter Dauerschleife im exakt gleichen Restaurant gespeist – samt gleicher Bilder, Animationen und nahezu identischer Texte. Das ist nicht nur wenig kreativ, sondern auch langweilig.

Sound-Standards

Wo wir Unvollkommenheiten im Design bzw. der grafischen Umsetzung feststellten, so wurde dies beim Sound fortgeführt. Im ersten „offenen“ Pokémon-Abenteuer mit 3D-Stil vermissen wir in den Dialogen schmerzlich die Synchronisation. Hier sind wichtige Chancen vertan worden, bietet es sich in einem Rollenspiel doch gerade über die Dialoge an, Stimmung und Tiefe zu erzeugen. Stattdessen erwarten euch Remakes bekannter Sounds und Assets, die häufig eine düstere Facette erhalten haben. Hier wäre, auch wenn Pokémon Legenden Arceus zeitlich vor den übrigen Titeln spielt, eine größere Wiedererkennbarkeit von Sounds wünschenswert gewesen, um die Basis des Franchise stärker im Sounddesign zu würdigen. Zeitweilig wird in hitzigen Momenten der Geschichte auf das Mittel „viel Hilft viel“ gesetzt, statt akzentuierte Töne einzusetzen. Eine hohe Lautstärke, Paukenschläge und wiederholende Sounds sind hier eher der Standard.

Ein weiterer Aspekt ist die Einbindung von Vibrationen. Gerade in Kämpfen, indem das Attacken-Feature Turbo oder Kraft genutzt wird, wird mit permanenter Vibration mit sehr hoher Intensität ergänzt. Diese Vibration lässt sich in den Spieleinstellungen jedoch nicht ausstellen und wirkt im Handheld-Betrieb auf Dauer ernsthaft störend, besonders wenn in einem Kampf vermehrt diese Attacken-Formen eingesetzt werden. In Summe hätte beim Sound vieles beibehalten werden können, wofür Spieler Pokémon lieben. An anderen Stellen wäre ein wenig mehr Liebe zum Sounddetail wünschenswert gewesen.

Multiplayer und soziale Features

Wünscht ihr euch eine umfangreiche Mehrspieler-Komponente, so werdet ihr mit Pokémon Legenden Arceus nur bedingt glücklich. Hier wird sich auf eine reduzierte Tauschoption beschränkt. Die Händlerin Felicitas in Jubeldorf ermöglicht euch das Tauschen, lokal und online. Wollt ihr lokal tauschen, wird über die Switch-Geräte im Umkreis die Verbindung aufgebaut, soll es online in den Tausch gehen, habt ihr die Möglichkeit jeweils einen identischen, individuellen Zahlencode einzugeben, der euch zueinander bringt.

Übrige Kampfoptionen sind derzeit nicht eingebunden, ebenso wenig ein kompetitives Turnier-System. Als sonstiges soziales Feature ist das Auffinden verloren gegangenen Inventars vorgesehen. So wie ihr selbst Items verliert, wenn ihr kampfunfähig und ohnmächtig werdet, so tun dies auch andere. Findet ihr anderer Spieler Beutel oder diese eure, so können sie zum Besitzer gesendet werden und der Finder erhält als Dank Dankespunkte bzw. Items. Die DP könnt ihr im Shop gegen Items einsetzen, die zum Beispiel die Entwicklung stimulieren. Ein wertvolles darunter ist das „Linkkabel“, welches die Entwicklung eines Pokémons auslöst, das sonst nur über einen Tausch die Entwicklung vollziehen würde. Auf diese Weise seid ihr in Pokémon Legenden Arceus erstmals in einem Pokémon Abenteuer als Einzelspieler in der Lage, euren Pokédex ohne fremde Unterstützung zu vervollständigen.

Wer sich darüber hinaus die Integration des Pokémon Cloud Speicherdienstes Pokémon Home wünscht, muss sich derzeit noch in Geduld üben, bisher ist dieses Feature nicht integriert.

7.5Wertung

Fazit

Pokémon Legenden Arceus ist ungemein aufregend und demotivierend zugleich. Neue Wege zu gehen mit einer freieren Welt, diese aber nicht mit ausreichend Inhalten und Technik zu befüttern, ist ein Versäumnis bei einer so großen Chance für ein etabliertes Franchise wie Pokémon. Das Gameplay zieht den Spieler dennoch rasch in seinen Bann und entfacht unumstritten die Sammelsucht. Das Verfolgen von Haupt- und Nebenquests sowie die Beruhigung in Rage geratener, Pokémon sind hingegen erfrischend, ebenso die Idee der mächtigen Elite-Pokémon. Berücksichtigt man aber die vergebenen Potenziale bei der Vertonung, Performance und Grafik, ist eine unkritische Lobeshymne auf den neuesten Eintrag im Pokémon-Universum, dem es teilweise an Balance mangelt, undenkbar.

Design
6.5
Sound
6.5
Online Multiplayer
7.0
  • Fantastische Pokémon-Begegnungen
  • Entscheidungsfreiheit beim Erkundungsstil
  • Elite und Hisui-Pokémon reizen
  • Transportpokémon neu gedacht
  • Pokédex-Grinding unerlässlich
  • Matschig-veraltete Grafik
  • mäßige Performance, keine Synchronisation
  • Detailarme Semi-Open-World

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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