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Zorya: The Celestial Sisters

Zorya: The Celestial Sisters

Mateusz

Lange Zeit dachte man, dass der Couch-Coop ausgestorben sei. Selbst den absoluten Couch-Klassiker FIFA spielte man eher online, da dort mehr Features möglich waren. Doch seit einigen Jahren und bestimmt auch dank unserer genialen Hybridkonsole erreichen die Gamerwelt immer Spiele, die zwei oder gleich mehrere Spieler vor den gemeinsamen Bildschirm bringen. Das Spiel über zwei getrennte Göttinnenschwestern, Zorya: The Celestial Sisters, geht sogar einen Schritt weiter, denn es ist nur kooperativ spielbar und überrascht mit einem gänzlich neuen Konzept. Ob sich das Puzzlegame göttergleich auf dem Spielemarkt niederlässt oder doch ein wenig übernommen hat, klärt der nun folgende Test.

Zorya: The Celestial Sisters

NSW

Entwickler
TLM Partners
Publisher
TLM Partners
Konsole
NSW
Spieler
2 lokal
Freigabe
USK ab 6

Auf den Blickwinkel kommt es an

Für einen weniger bekannten Indietitel komm Zorya schon von Beginn an extrem episch daher. Die mystischen Klänge und himmlischen Melodien stimmen den Spieler augenblicklich auf das göttliche Setting ein, welches sich rund um die beiden Schwestern Aysu und Solveig erspinnt. Aysu, die Göttin der Nacht, ist auf die Erde gekommen und kann nicht aus eigener Kraft wieder zurück in den Himmel. Die Göttin der Sonne, Solveig, muss sie dabei also unterstützen. Aber wie? Wo doch Aysu, als Nachtwesen, sich nur im Schatten bewegen kann, während ihre Schwester die ganze Welt, notgedrungen durchgängig, mit Licht flutet. Aus diesem Widerspruch ergibt sich eine ganz wunderbare kooperative Prämisse, die den roten Faden des Gameplays bildet. Jeder der beiden Spieler hat einen eigenen Splitscreen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. Wo wir Aysu in alter Third Person Manier, ähnlich einem Zeldatitel, steuern, sieht Solveig alles aus der Vogelperspektive und muss durch geschicktes drehen des Blickwinkels und der Sonnenhöhe die Schatten auf der Erde manipulieren. Dadurch kann sich Aysu durchs Dunkel Fortbewegen. Klingt kompliziert? Ist es auch, aber auf ganz charmante Weise. Zorya ist kein Kooperativspiel, dass mit einer zweiten Person einfach nur netter oder gar leichter wird; es verlangt hervorragende Kommunikation, Geduld und Köpfchen. Da Aysu schnell das zeitliche segnet, wenn sie ins Licht gerät, muss immer wieder genau geschaut werden, wie ihr Schattenwege gebaut werden können, damit sie ihre Kräfte am Ende der Levels einsammeln kann, um so irgendwann den Planeten verlassen zu können. Natürlich gibt es immer wieder Hindernisse und Gegner, die nur dank Solveig beseitigt werden können, sodass es hin und wieder zu lauten Wortgefechten zwischen den Couchpotatoes am Controller kommen kann. Wenn beispielsweise der Solveig-Spieler gerade noch hin und her probieren muss, in welche Richtung der Schatten jetzt vergrößert werden kann und soll, Aysu aber in Lebensgefahr schwebt und gleichzeitig, auf Grund fehlender Schattenwege nicht weg kann, ist der Puls schon mal am Limit. Aber genau das sind die Sonnen- und Schattenseiten des Coop-Gamings – Freud und Leid zugleich.

Augenweide und Klangerlebnis

Einen besonderen Augenmerk haben die Entwickler auf die optische und akustische Präsentation gelegt. Während die isometrische Vogelperspektive an eine schöne und verträumte Aufbausimulation erinnert, präsentiert sich Aysus Spielebereich in einem, an Breath of the Wild erinnernden, Celshadinglook. Beides untermalt die sphärische Atmosphäre des Spiels und sieht insgesamt besser aus, als man es von einem unbekannten Indietitel erwarten würde. Das Ganz wird mit melancholisch-schönen Klängen untermalt, die gleichzeitig leicht und eindrucksvoll daherkommen. Man fühlt sich schnell an (die besseren) Kompositionen aus aktuellen JRPGs erinnert. Da reihen sich die Zeichnungen in den Zwischensequenzen gut ein, denn auch diese erinnern an epische Geschichten aus komplexeren Gefilden, als dem Puzzlespiel. Die in wunderschönen Standbildern erzählte Geschichte, wird begleitet von einer sehr guten, englischen Synchronisation und schafft es mit wenigen Worten einen epischen, ohne unnötigen Bombast beladenen, Hintergrund zu schaffen, der einen die mitunter etwas monotonen Aufgaben verschmerzen lässt.

Gut, aber nicht göttlich

Während man bis hierhin von einer versteckten Perle des Genres ausgehen könnte, zeigen sich bei genauerem Hingucken die ein oder andere Schwäche. Das größte Alleinstellungsmerkmal beispielsweise, die verschiedenen Perspektiven, können immer wieder zu Wutanfällen führen. Während Solveig aus der Ferne manchmal so gut wie gar nichts sieht (durch Bäume, Wände etc.), ist Aysu so nah dran, dass sie auch nicht viel zur Übersicht beitragen kann. Meist lassen sich solche Probleme durch gute Kommunikation lösen, aber dennoch wünscht man sich immer wieder eine Zoomfunktion für die beiden Göttinen.

Ein gutes Puzzlegame profitiert von einem sich selbst erklärenden Tutorial, welches manchmal gar nicht als solches benannt werden muss. Eine angenehme Lernkurve, die jede neue Spielmechanik organisch integriert und dadurch eine sanfte Suchtspirale auslöst. Dies bietet Zorya nur bedingt. In den ersten Leveln muss sich vor allem Solveig eingrooven und auf die teils sperrige Steuerung zurecht kommen. Während dessen hat Aysu nur simpelste Laufaufgaben zu erledigen. Später lernt Aysu Fähigkeiten, deren Meisterung, das Spiel für Solveig ins Stocken bringt. Es ist also nicht ganz ausgeglichen, wer, wann an welchem Entwicklungsschritt ankommt und so kann sich manchmal der eine langweilen, während der andere am Finger sortieren ist.

Der letzte und leider auch gravierendste Kritikpunkt ist die Monotonie im Aufbau der Puzzles. Es geht nämlich fast immer um das Gleiche: suche den richtigen Weg, besiege die Gegner (also Solveig oder Aysu) und sammle die Kraft ein. Next Level. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich zudem nicht durch kniffligere Rätsel, sondern nur durch noch mehr nötige Absprachen. Das ist zwar in einem Coop-Game ein wichtiges Element, aber eben nicht das einzige, was den Spielspaß am Laufen hält. Da hätten die Entwickler mit wenig Mühe so viel mehr herausholen können.

Zwei Zum Preis von Einem

Es würde dem Spiel aber nicht gerecht werden, wenn die Review mit harscher Kritik enden sollte. Die Entwickler haben sich nämlich voll und ganz dem kooperativen Spiel verschrieben. Man kann es vor dem Fernseher oder online mit einem Freund spielen. Dabei muss nur einer von beiden das Spiel auch kaufen. Das ist extrem kundenorientiert und könnte ruhig häufiger in der Gaminglandschaft praktiziert werden. Auch die Crossplayfunktion mit PC Spielern ist gern gesehen und baut Brücken, wo der jahrelange Konsolenkrieg gespalten hat.

7.5Wertung

Fazit

Zorya: The Celestial Sisters ist ein gutes Koopspiel in allen Belangen. Wer alleine spielen möchte und zudem kein Teamplayer ist, sollte die Finger davon lassen, während alle anderen gerne einen Blick riskieren dürfen. Das wahrlich einzigartige Gameplay, dass gänzlich unterschiedliche Perspektiven zu verbinden weiß, kann trotz einiger, gravierender Schwächen überzeugen und sorgt für mehrstündigen Puzzlespaß. Egal ob auf der Couch, online mit einem Freund und sogar im Crossplay – eure Team- und Kommunikationsfähigkeit wird zu 100% zum Einsatz kommen.

Design
8.5
Sound
9.0
  • Geniales Spiel mit den Perspektiven
  • Nur ein Spieler braucht das Spiel
  • Coop-Game durch und durch
  • Wunderschöne Musik und Optik
  • Unausgewogenes Tutorial
  • Manchmal unübersichtlich
  • Auf Dauer monoton

Vielen Dank an die Firma TLM Partners für die Bereitstellung des Testmusters.

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