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Actraiser Renaissance

Actraiser Renaissance

Mateusz

Es gibt Spiele von damals, die benötigen kein Remake. Die funktionieren bis heute genauso gut, wie zu ihrem Release und können dadurch auch jüngere Gamer immer wieder in ihren Bann ziehen. Und dann gibt es die Spiele, bei denen Fans nicht abnehmbare rosarote Brillen tragen, sodass sie ihre Lieblinge immer noch mit den Augen von damals spielen können. Betrachtet man es aber objektiv, so zeigen sich oftmals Details, die ordentlich am Zahn der Zeit zu knabbern haben. Wie sich das mit Actraiser, bzw. mit dem vorliegenden Remake Actraiser Renaissance verhält, klärt der folgende Test.

Actraiser Renaissance

NSW

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Eine Reise in die Vergangenheit

Das Original Actraiser für das Super Nintendo gilt unter Kennern als verstecktes Schmankerl und wird unter all den Megahits der Konsole oft übersehen. Von Enix, bzw. Quintet programmiert wird es oft als Teil einer inoffiziellen Reihe mit Titeln wie Soul Blazer, Illusion of Time und Terranigma genannt. Allesamt erstklassige Spiele, die aus heutiger Sicht viel zu wenig Aufmerksamkeit genießen. Während man die drei eher RPG, bzw. Action-Adventure lastigen Teile auch heute noch sehr gut spielen kann, benötigt es bei Actraiser schon ein wenig mehr Wohlwollen. Zugegeben, die Musik ist bis heute ein Meisterwerk und über jeden Zweifel erhaben und auch einen Gott zu spielen macht heute noch Spaß, aber die sperrige Steuerung bei den Jump and Slay Passagen, der Schwierigkeitsgrad bei den Endgegnern und die sehr rudimentäre Aufbausimulation reißen heute niemanden mehr so richtig vom Hocker. Ja, richtig gelesen. Das Spiel bot damals eine irre Kombination aus Jump and Run, mit ordentlichen Hack’n’Slay-Anleihen, sowie Sim City ähnlichen Siedlerpassagen. Damals konnte man aber (im Gegensatz zum heutigen Remake) einen Actionmode wählen, in dem es nur die Platformer Passagen zu spielen gab. Legt man das Original allerdings heute nochmal in die Konsole ein, werden einem die Limitationen, die eine solch verrückte Genrekombi auf einem SNES Modul mit sich bringt, schmerzlich bewusst. Zudem werden die vielen Textpassagen von einem klirrenden „Schreibsound“ begleitet, der einem nach spätestens fünf Minuten das Blut aus den Ohren laufen lässt. Kurz gesagt: Was früher eine kleine Sensation war ist mit den Augen von heute nur noch eine nette Idee, die man heute wesentlich besser umsetzen würde. Und da kommt Square Enix mit Actraiser Renaissance ins Spiel.

Die Renaissance

Die Renaissance belebte die kulturellen Leistungen der alten Römer wieder, in Kombination mit neuen Perspektiven und Werten. Es ist also ein durchaus gewagter, wenn auch passender Begriff für ein Remake. Vor allem im vorliegenden Fall. Denn innerhalb von Sekunden wird dem geneigten Spieler klar, dass man es hier mit einer Ehrerbietung sondergleichen zu tun hat. Zunächst ein mal die Tatsache, dass nur die wenigsten mit diesem Remake gerechnet haben. Actraiser ist keins dieser Spiele, wo sich weltweite Initiativen zur Forderung einer Neuauflage organisiert hätten. Und dennoch hat man sich im Hause Square Enix die Mühe gemacht den Klassiker im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Und zwar nicht lieb- und seelenlos wie im Secret of Mana Remake, sondern mit Respekt vor dem Original und den Fans. Sicher werden neue Spieler mit dem Look des Games weniger anfangen können, aber das liegt eben daran, dass der Geist des Originals vollständig erhalten bleibt, trotz grafischer und musikalischer Frischzellenkur. Man entschied sich die 2D Optik beizubehalten und sogar die etwas klobige Steuerung des Gott-Ritters wurde zwar um einige Moves erweitert, präsentiert sich aber trotzdem gewohnt schwerfällig. Interessanterweise passt das aber auch sehr gut zu der schweren Rüstung, die der nach uns benannte Gott trägt. Im Gegensatz zu früher, kann man jetzt in die Höhe schlagen, Stampfattacken, sowie ein Ausweichmanöver ausführen. Das frischt das Gameplay im idealen Maße auf, ohne das Original zu sehr zu verwaschen. Da die Grafik aber definitiv nicht an heutige Standards heranreicht, spielt sich das Spiel im Handheldmodus genauso gut, wie am großen Fernseher.

Es gibt nur einen Gott

Die größten Unterschiede zum Original finden sich in der Aufbausimulation, die im Kern an die Anno und Siedler Reihe erinnert, in Actraiser Renaissance aber um kleine und feine Updates erweitert wurde. Aber zunächst zu der Frage, wie denn diese zwei so unterschiedlichen Genres eigentlich zueinander passen. Zuerst gar nicht. Man schnetzelt sich gerade mit großer Freude, zu der fantastischen Musik von Yuzo Koshiro, durch den Monster verseuchten Wald und wird plötzlich mit einem unendlich langen Tutorial zum Aufbau einer Stadt gequält. Hier gilt es einige Minuten durchzuhalten, denn das Warten wird entsprechend belohnt. Der Engel, den wir während der Aufbausimulation steuern, hat einiges zu erzählen und auch die Dorfbewohner beten in regelmäßigen Abständen zu ihrem Gott. Nach kurzer Zeit hat man den Dreh aber raus und weiß auch welche Gespräche man skippen kann und welche man sich besser aufmerksam durchliest. Im Endeffekt basiert die ganze Städteplanung auf dem Ziehen von Wegen, wodurch die Bewohner Häuser, Werkstätten und Felder bauen. Dadurch steigt die Population und es werden nützliche Items hergestellt. Zum Beispiel Tränke, die uns die nötige magische Kraft geben, um Wunder zu bewirken. Dadurch können wir Monster in die Flucht schlagen, lästige Bäume verbrennen oder ausgetrocknete Felder bewässern. Die Monsterhöhlen wurden früher von den Menschen automatisch versiegelt, heute darf das glücklicherweise der Spieler erledigen. Denn hier erlebt man immer wieder kleine herausfordernde Mini-Action Level mit unserem rittergewordenen Gott. Ein weiteres neues Feature sind die Helden, von denen es in jeder Siedlungen einen gibt. Diese sind unerlässlich bei den ebenfalls neuen Tower Defense Passagen. Denn immer wieder werden die Städte von Monsterwellen angegriffen, gegen die man sich mit Türmen, Forten, göttlichen Wundern und der soeben erwähnten Helden wehren kann. Mit entsprechendem Fortschritt lernt der Gott neue magische Fähigkeiten, die er wiederum in den Action-Levels einsetzen kann. All die Neuerungen sind sehr gern gesehen, denn wenn man ehrlich ist, spielen sich diese Aufbaupassagen im Actraiser Original heutzutage sehr dröge. Was allerdings im Remake etwas verwirrt ist, dass das Städtelevel zwar stetig steigt, die Bewohner aber nicht von selbst die Häuser umbauen. Es erklärt einem nämlich, trotz der vielen Tutorials, keiner, dass man alte Anlagen zerstören muss, damit neue, größere und bessere Gebäude gebaut werden, die zu einer Steigerung der Populationszahl führen. Aber für Experimentierfreudige wird das nicht lange ein Geheimnis bleiben müssen.

Uneingeschränkter Pflichtkauf?

Wenn man diese Zeilen so liest, könnte man den Eindruck bekommen, es mit einem Megahit zu tun zu haben. Deshalb muss an dieser Stelle ein wenig ausgebremst werden. Natürlich richtet sich das Spiel an das geneigte Retropublikum. Alle anderen dürfen zwar einen Blick riskieren, aber man muss schon sagen, dass es im Bereich Actionadventure, wie auch Aufbausimulation wesentlich bessere Vertreter gibt. Nur dass die beiden Genres hier in Kombination auftreten, lässt einen über eventuelle Mankos hinwegsehen. Zudem muss man feststellen, dass die beiden Genres relativ unausgewogen nebeneinander stehen. Die Action Level dauern nur einige Minuten, während man mit den Städten auch schon mal bis zu zwei Stunden verbringt. Wer also viel Kloppen will, sollte lieber zu anderen Retroperlen greifen. Aus den Augen eines Super Nintendo Fans aber, bekommt man hier für 30 Euro, die Square Enix verlangt, wirklich ein herzerweichendes Remake spendiert. Denn was hier wirklich geschafft wurde, ist das Original zu würdigen, in die heutige Zeit zu transportieren und dabei weiterhin die gleiche Nische wie noch vor 30 Jahren zu bedienen, ohne sich beim Mainstream Publikum anzubiedern. Ein echter Geniestreich!

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Für Fans des Super Nintendo Klassikers ist Actraiser Renaissance ein absoluter Pflichttitel. Dem Original wird ausreichend gehuldigt, während sinnvolle und stimmige Neuerungen ihren Platz finden. Lediglich jüngere Gamer, könnten von der eigenwilligen Mischung aus Action-Platformer und Aufbausimulation in Retrooptik ein wenig abgeschreckt werden. Dies tut aber der Gesamtwertung keinen Abbruch, denn Square Enix zeigt, wie ein Retroremake auszusehen hat!

Design
8.0
Sound
10.0
  • Dem Original wird gehuldigt
  • Sinnvolle Neuerungen im Gameplay
  • Fantastische Musik
  • Stellenweise arg textlastig
  • Genremischung etwas unausgeglichen
  • Nichts für jüngere Gamer

Vielen Dank an die Firma SQUARE ENIX für die Bereitstellung des Testmusters.

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