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Lost in Random im Test (Playstation 5)

Lost in Random im Test (Playstation 5)

Mateusz

Der weltbekannte Regisseur Tim Burton hat eine schier unglaubliche Sammlung an eigenständigen Filmhits, die aber immer seine unverkennbare Note tragen. Unglaublich dabei ist, dass es nie zu einem wirklich guten Videospiel gekommen ist – Batman und Kingdom Hearts (beides Franchise Spiele) mal ausgenommen. Und hier kommt nun mit Lost in Random das perfekte Burton Spiel, das aber keineswegs aus seiner Feder stammt. Bringt das Spiel, das mit einem innovativen Kampfsystem wirbt, aber trotzdem genug Eigenständigkeit um auch die Nintendofans Redaktion zu überzeugen? Lest den Test und taucht ein in die Würfelwelt!

Das Jahr 2005 klopft an

Man startet das Spiel und wird direkt reingesogen in die Welt von Even, einem taffen Mädchen aus Einsfelden, das durch Random reist, um ihre Schwester Odd aus den Fängen der düsteren Königin zu retten. So simpel die Story auch wirken mag, sie zieht einen unweigerlich in ihren Bann. Beginnend bei dem „würfeligen“ Überbau des Spiels – alle Namen und Bezeichnungen haben mit Würfel zu tun – über die wunderbar schrulligen NPCs, den feinen, britisch angehauchten schwarzen Humor, dem fantastischen Voiceacting (leider nur englisch) bis hin zum einzigartigen Kampfsystem. All das kreiert eine unfassbar dichte Atmosphäre, von der sich einige Majorfirmen gerne eine Scheibe abschneiden dürften. Bei all den positiven Eindrücken kann aber nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass sich Entwickler Zoink bei Optik, Musik und Atmosphäre des Spiels sehr stark von Tim Burtons Welten in Nightmare before Christmas und Corpse Bride inspirieren ließ. Generell versprüht das Spiel einen Emo-Gothik Charme, der sehr stark an die mittleren 2000er denken lässt, als My Chemical Romance und 30 Seconds to Mars aus dem Discman kam, der im aufnäherübersähten Rucksack ruhte. Auch wenn man bei Lost in Random im ersten Moment ein dreistes Rip-Off vermutet, so fällt all das überhaupt nicht negativ ins Gewicht. Denn zum Einen hätte es genug Gelegenheiten gegeben ein echtes Tim Burton Spiel zu kreieren und zum anderen legt Zoink ein dermaßen stimmiges Gesamtwerk ab, dass nur noch schlecht gelaunte Internet Trolls das Haar in der Suppe suchen werden.

Die Würfel sind gefallen

Wie schon erwähnt dreht sich in diesem Game alles um Würfel. Wir tauchen ein in eine Welt, in der, ähnlich wie bei den Panem Geschichten, zum zwölften Geburtstag ein einschneidendes Erlebnis stattfindet. Die Königin ist die einzige Person im gesamten Königreich Random, die einen intakten, mit allen nötigen Augen versehenen, Würfel besitzt. Diesen wirft sie und entscheidet damit in welcher Stadt das betreffende Kind kommen wird. Evens Schwester, Odd, landet in dem prunkvollen Sechstopia, währende Even selbst in dem verarmten Einsfelden zurecht kommen muss. Even nimmt ihr Schicksal, und das ihrer Schwester, selbst in die Hand und macht sich auf den Weg, ihre Schwester zu retten. Anfangs wirkt es etwas unlogisch, dass Odd überhaupt gerettet werden muss, immerhin bringt sie die gewürfelte sechs in einen von Reichtum gezeichneten Palast. Aber im Laufe der Story werden die Machenschaften der düsteren Königin immer deutlicher und generell würde man Even in jedes Abenteuer folgen – so herzlich, willensstark und authentisch wie sie sich präsentiert.

Da man in dieser Welt ohne Würfel nicht weit kommt, ist es ein Glück, dass sich nach kurzer Zeit der Würfel Dicey vorstellt. Ein mit Beinen und Armen versehener Würfel, der aktuell nur eine eins und zwei zu bieten hat, aber trotzdem extrem sympathisch und witzig daherkommt. Man versteht kein Wort seiner kryptischen Sprache, aber aus Evens Antworten wird immer klar, was dieser perfekt designte Sidekick meint. Wenn es zu Kämpfen gegen die Roboterwesen kommt mutiert der Würfel aber zum Dreh- und Angelpunkt des gesamten Kampfsystems. Denn Even besitzt, was zu ihrer Rolle sehr gut passt, nur eine Zwille und mit dieser kann sie niemanden verletzen. An den Gegner wachsen aber Kristalle deren Zerstörung zur Aufladung des Würfels und damit des Kartendecks führt. Wer aber von dem gezielten Schießen genug hat, kann eine wesentlich einfachere, aber auch sehr lohnenswerte Methode anwenden. Wer nämlich im richtigen Moment ausweicht und dabei durch den Gegner dasht, zerbröselt alle Kristalle und füllt in Windeseile das Kartendeck, dass immer aus maximal 5 Karten pro Runde besteht. Die Karten schenken Even entweder Waffen, Energie oder Buffs und Debuffs. Damit kann man den Gegnern dann auch endlich ordentlich einheizen. Und das macht sehr viel Spaß, denn die Kampfanimationen und dazugehörigen Sounds sind extrem wuchtig und befriedigend. An dieser Stelle des Spiels ist man sich sicher, das Game innerhalb der nächsten Tage am Stück durch zu suchten. Schnell wird aber klar, dass es nicht all zu viele verschiedene Karten und damit auch nicht all zu viele Kampfvariationen gibt. Auch wenn einige Kämpfe einem Brettspiel nachempfunden sind, in dem es neben den Fights auch um das Bewegen von Figuren geht, kann eine gewisse Monotonie nicht von der Hand gewiesen werden. Mehr Gegnertypen, mit verschiedenen Taktiken, mehr Karten und mehr unterschiedliche Looks wären hier der Schlüssel zur vollen Punktzahl gewesen.

Der Unterschied

Was wäre die Spielewelt ohne die großen kleinen Indiehits? Spiele, die mit innovativen Ideen kommen, die sich die großen auf Grund gigantischer Kalkulationen niemals trauen würden. Wenn aber die kleinen Firmen probieren ihrerseits ein großes Spiel zu machen, was über eine gute Gameplay-Entscheidung hinausgeht, dann kann es oft kritisch werden. Bei Lost in Random steht zwar EA drauf, entwickelt wurde es aber als EA Original, der hauseigenen Indiereihe und so führt uns Lost in Random schmerzlich vor Augen, was dabei schief gehen kann. Die Basis des Spiels ist schlichtweg perfekt. Gelungene Optik, für Fans von Tim Burton und Alice in Madness, wunderschöne Musik, tolles Kampfsystem und eine charismatische Hauptfigur. Aber leider fehlen weitere Features, die das Spiel auch nach 5, 10 und auch im Finale bei ca. 15 Stunden interessant gestalten. Die Gespräche mit den schrulligen, teils gruseligen NPCs begeistern zu Beginn voll und Ganz. Wenn der Spieler aber merkt, dass ihre Designs sich all zu oft wiederholen und auch das Kampfsystem in der Hälfte des Spiels auserzählt ist, dann kommt schlussendlich mehr Frust als Spaß auf. All das gepaart mit dem strikt linearen Spieldesign und den allzu einfachen Queststrukturen macht das Spiel nicht gerade zu einem Dauerbrenner. Da hätte man in die zweite Hälfte des Spiels nochmal so viel Arbeit reinstecken müssen, wie in die erste Hälfte und das ist bei Indies leider oft nur bedingt möglich. Besonders schwer haben es Indiegames, deren Heimat nicht die Switch ist. Denn wenn die Entwickler nicht genug Arbeit in die Handheld Portierung der Switch stecken, sieht das Ganze am Ende aus, wie im Falle von Lost in Random.

Was die Next-Gen so kann

In der PS5-Version behält der eigentlich charmant altbackene Look des Spiels seine Schärfe und präsentiert sich, bis auf wenige Ausnahmen bei der Kamera und Detailtexturen, in einem schönen und ansprechenden Gewand. Die hohe Performance der Playstation 5 macht sich bezahlt, wenn es um Bildwiederholung und Flüssigkeit geht. Auch Ladezeiten profitieren wie gewohnt davon. Natürlich hat es sich Zoink hier nicht nehmen lassen, die Controller-Funktionen einzubinden, um etwas mehr Story-Tiefe zu erzeugen. Neben der etwas schöneren Optik ist das Spiel aber das gleiche. Zeitweilig wünscht man sich eine schnellere Input-Verarbeitung, sodass Even schneller reagieren würde, aber das Tempo wird hier eben durch das Spiel und weniger durch den Spieler bestimmt.

Summa summarum

Auch wenn der vorletzte Absatz anderes vermuten lässt, ist Lost in Random ein gutes Spiel. Es macht viel Spaß und die Charaktere und Dialoge suchen ihresgleichen. Auch die Musik könnte Tim Burtons Hauskomponisten Danny Elfmann entsprungen sein. Wer auch nur entfernt was mit dieser surrealen, romantischen Gruseloptik anfangen kann, wird definitiv seinen Spaß mit dem Spiel haben. Und gerade in kleineren, einstündigen Spielsessions fallen die genannten Kritikpunkte nicht so schwer ins Gewicht.

Kein Random-Fazit

Lost in Random punktet mit einer starken Atmosphäre und einer sehr dichten und authentischen Spielwelt. Auch das Kampfsystem, eine Mischung aus Action und Kartenspiel, weiß zu überzeugen. Die von Tim Burton inspirierte Optik sowie Musik, wird Fans des Künstlers von der ersten Sekunde an mitreißen. Von der Höchstwertung trennt das Spiel allerdings die Monotonie bei den Kämpfen, der Questgestaltung und die zu kleine Kartenvielfalt. Die Playstation 5 begünstigt die hübsche Ansicht des Spiels und liefert mit dem Dualsense und seiner Performance kleinere Kniffe, die dem Spieler zusätzlich guttun.

8.0Wertung

Fazit

Grafik
8.0
Sound
10.0
  • Wunderschön gruselige Spielwelt
  • Einzigartiges Kampfsystem
  • Liebevoll gestaltete Charaktere
  • Toller Humor
  • Kämpfe auf Dauer zu monoton
  • Zu wenig verschiedene Karten
  • Extrem lineares und simples Storytelling

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