![Witch Spring 3 [Re:Fine] The Story of Eirudy](https://img.nintendofans.rocks/BhppdtCmzwwEbceMfNVn6BKz29f9p8pVgE7Aj26NGBk/w:1536/fn:maxresdefault.jpg/bG9jYWw6Ly8vZmlsZXMtcHJvZC8zMy84ZS8zMzhlZTdjM2NmNzc3NWI3ZTJiZTUwODAyMDRiY2EzY2FlZjZhZjI4YzQ2ODdmZDRhZGE2YmYxOGIxNGVlZGU2MGU5YjM5N2YxMzI3NDIwOGNkNmM1ODkzNjVmMTNkNDA2OTc5Y2FiOTdkNjhkYzU3NWI1MjI2MDRmM2Y2Nzg0Ng)
Witch Spring 3 [Re:Fine] The Story of Eirudy
Dass erfolgreiche Konsolenspiele auf Mobiltelefone portiert werden, ist eine gängige und logische Praxis. Immerhin kann man mit ein wenig Downgrading mit dem selben Spiel nochmal Geld machen und gleichzeitig die mobilen Spieler glücklich machen. Andersherum stellt sich bei Ports vom Mobilegame zur Konsole schon die Frage, ob das so viel Sinn ergibt. Und mit genau dieser Frage beschäftigt sich der vorliegende Test zum Animehexen jRPG Witch Spring 3 [Re:Fine] The Story of Eirudy.

Witch Spring 3 [Re:Fine] The Story of Eirudy
NSW
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- ININ Games
- Publisher
- ININ Games
- Konsole
- NSW
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Die Hexe allein im Wald
Witch Spring 3 stellt sich als Anime RPG im Stile der Atelier Games vor mit einigen Genrefernen Elementen, zum Beispiel dem körperlichen Training unserer Protagonistin, wie man es eher aus Sport- oder Kampfspielen kennt. Bei einer solchen Ansage freut man sich natürlich auf eine epische Story, mit massivem, animierten Intro mit allem drum und dran, wird jedoch zunächst enttäuscht. Das Spiel startet direkt im Haus der, bereits im Untertitel erwähnten Hexe, Eirudy. Wir sehen sie umgeben von gruseligen, niedlichen und monströsen, aber leider leblosen Puppen. Eirudy möchte dies aber so bald wie möglich ändern. Sie ist eine, aus westlichen Augen gesehen, völlig over-the-top gekleidete Hexe, die alleine im Wald lebt und sich dem Ziel verschrieben hat, ihre Puppen zum Leben zu erwecken. Die Frage nach dem Warum wird links liegen gelassen und stattdessen wird der Spieler schnell ins Spielgeschehen eingeführt. So wird einem schnell klar, dass die Puppen weit mehr sind als der inhaltliche Überbau – sie sind einer der zentralen Wirkfaktoren des Kampfsystems, aber dazu später mehr. Als Eirudy Soldaten in ihrem geliebten Wald entdeckt, wird ihr klar, dass etwas nicht stimmt, denn die Menschen machen Jagd auf die Hexe und spätestens als dann noch ein junger Mann auftaucht, der ihre Welt auf den Kopf stellt, ist klar, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie möchte ihm bei seiner Mission helfen und dabei entwickelt sich eine Geschichte, die das Schicksal von Menschen und Göttern bestimmen wird. Das klingt jetzt ein wenig spannender, als es am Ende ist, aber die Story hält das interessante Gameplay und die niedliche Optik gut zusammen, dass Fans von jRPGs mit vielen Crafting-Features und einer taktischen Note im Kampfsystem durchaus auf ihre Kosten kommen.
Hex, Hex!
Wie zuvor erwähnt sind die die Puppen der Dreh und Angelpunkt im Kampfsystem. Direkt das erste Beispiel, nach circa fünf Spielminuten: Ein recht großes Monster versperrt der Hexe den Weg und würde man es bekämpfen wollen, würde man nach nur wenigen Schlägen in die Röhre gucken. Stattdessen besiegt man zunächst kleinere Gegner, füllt damit den Soul-Stein, und erweckt seine erste Kampfpuppe zum Leben. Ihr Feuerzauber heilt die Hexe konstant und gibt ihr somit überhaupt erst die Möglichkeit genug Schadenspunkte beim Gegner zu verursachen. Durch solche Manöver, die erhaltenen Punkte, wie auch Gegenstände und das exzessive Sammeln von Craftmaterialien kann man seine magische Fähigkeiten in der Hütte der Hexe verbessern. Dabei darf natürlich der obligatorische Hexenkessel und ihr Zauberbuch nicht fehlen. Was zunächst sehr kompliziert und undurchsichtig erscheint, entwickelt sich mit der Zeit zum Unique Sellingpoint dieses Games. Es gibt den Main Magic Circle und den Supportive Magic Circle. Ersterer hilft bei allen offensiven Taktiken und letzterer bei Buffs. Innerhalb dieser Kreise gibt es derartig viele Kombinationsmöglichkeiten, dass Fans solcher craftinglastigen jRPGs unendlich viele Stunden mit den Gestaltungsmöglichkeiten verbringen werden. Scheinbar jede Aktion in dem Spiel erhöht gewisse Stats, was unheimlich motivierend sein kann. Bisschen seltsam mutet das Trainingssystem im Hexenhaus an. Dort wählt man fünf Trainingseinheiten aus, die beispielsweise die Stamina, Hexenkraft, Schlagkraft oder andere Fähigkeiten verstärken. Hier fühlt man sich, wie so oft in Anbetracht der Steuerung, der Handlung und der Optik, schon sehr ans Mobilegame erinnert. Es hätte wesentlich mehr Spaß gemacht, wenn man das Training durch selbstständiges Spielen beeinflussen könnte. So schaut man nur zu oder überspringt das Ganze.
Wer, zusätzlich zum Training und Crafting, Zeit ins Grinding investiert, kann sich schlussendlich dermaßen aufpowern, dass er durch Gegnerhorden, wie durch Butter gleitet. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, der aber durchaus zu gefallen weiß. Unsere Heldin kann nämlich nicht nur mit riesigen Schwertern kämpfen, sondern beherrscht zusätzlich mächtige Magie. Das ist durchaus genreuntypisch und sorgt dafür, dass wir die junge Hexe schon nach kurzer Zeit als echte Kriegerin ernst nehmen. Auf ihrem Weg tauchen immer wieder Begleiter auf, wobei aber die Puppen den wichtigsten Supportcharakter haben. Man kann später bis zu drei Puppen gleichzeitig im Kampf herbeirufen, um ihre speziellen Fähigkeit gezielt einzusetzen und das möchte gelernt sein, denn was bei einigen Gegnern hilft, ist bei anderen der Todesstoß und andersrum. Hier zeigt sich eine schöne und dezente taktische Note, die bei Erfolg extreme Genugtuung verschafft. Denn im Gegensatz zu vielen anderen jRPGs kommt man hier mit dem ständigen Weiter-drücken nicht durch – es gilt die Vorteile der Puppen gut auszunutzen. Das führt automatisch dazu, dass am Ende des Spiels keine zwei Spieler die selben Stats, Puppen und Zauber haben werden.
Ohne Absicht Retro
Musikalisch präsentiert sich das Spiel sehr angenehm. Nicht zu vergleichen mit Meisterwerken des Genres, aber das erwartet hier zum Glück auch keiner. Für einen Mobile Game Port bekommt man musikalisch und soundtechnisch Überdurchschnittliches geboten. Bei den Synchronsprechern werden sich die Geister scheiden. Zum Einen besteht nur die Wahl zwischen japanischer und koreanischer Tonspur. Für Europäer gibt es immerhin englische Untertitel, aber das war es dann auch. Zum Anderen klingt die japanische Sprecherin von Eirudy wie eine valiumgetränkte Teenagerhexe, die gerade von ihrem glitzernden Loveinterest schwärmt. Das ist sicherlich auch Geschmackssache, aber eine englische Tonspur hätte das Paket definitiv zugänglicher gestaltet, denn so wird das Identifikationspotential für Deutsche Gamer eindeutig geschmälert.
Wesentlich kritischer und eindeutiger fallen da die optischen Eigenschaften ins Gewicht. Das Spiel sieht aus wie ein (grandioses) 3DS Spiel und mag die Switch so gar nicht ausnutzen. Das heißt keineswegs, dass das Spiel schlecht aussieht. Immerhin sieht das Game im Handheldmodus fast genauso gut aus wie am großen Fernseher. Es passt nur eben nicht ganz in die Zeit und wirkt deshalb wie ein jüngeres Retrogame. Das hat durchaus seinen Charme, denn mit den Nintendo Handhelds hielten viele tolle jRPGs ihren Einzug in europäische Gefilde und es entsteht ein recht heimeliges Gefühl beim Zocken. Wer allerdings auf maximale Ausreizung der Systemmöglichkeiten steht, wird hier gnadenlos enttäuscht werden. So muss vor einem eventuellen Kauf definitiv überlegt werden, ob man zur Zielgruppe gehört.
Für wen ist das Game?
Beim Testen eines solchen Spiels stellt man sich selbstverständlich die Frage, wer damit eigentlich angesprochen werden soll. Und das ist im Falle von Witch Spring 3 gar nicht mal so einfach zu beantworten. Die Optik holt zunächst ein mal alle Animefans ins Boot, schließt alle anderen damit aber großflächig aus. Denn die Zeichnungen sind super schön, niedlich und oft auch total drüber. Fans eines ernsteren Looks, werden keinen zweiten Blick auf das Game verschwenden. Jüngere Animefans, die häufig einen solchen Look präferieren, könnten aber wegen der Sprachbarriere ausgesiebt werden. Der Casualgamer könnte in Anbetracht der zeitintensiven Crafting-, Trainings- und Kampfmechanik auch abgeschreckt sein. Es bleibt also der auf niedlichen Look stehende Animefan, der gerne sammelt, trainiert und levelt und zudem alle, weitaus besseren Alternativen ausgeschöpft hat und neues Spielefutter benötigt. Denn, so ehrlich muss man sein, bei allen schönen Aspekten des Titels, ist das Spiel kein Meister seiner Zunft.
Fazit
Wer auf jRPGs, wie die der Atelier Reihe, steht, bekommt hier ein solides Adventure jRPG mit einer interessanten Kampf- und Magiemechanik. Es gibt viele Craftingoptionen und Möglichkeiten seinen Charakter aufzupowern. Allerdings ist die gesamte Optik eher unterdurchschnittlich, die Story moderat und die Spannungskurve im mittleren Bereich. Wer schon alle Alternativen der Switch Bibliothek ausgeschöpft hat, kann einen Blick riskieren – alle anderen sind mit den hochwertigeren Genregenossen besser bedient.
- Viele individuelle Möglichkeiten für Crafting
- Liebevolle Zeichnungen
- Interessantes Magie- und Kampfsystem
- Veraltete Optik
- Man spürt die Mobilegame Vorlage
- Zu Beginn recht kompliziertes Magiesystem
Vielen Dank an die Firma ININ Games für die Bereitstellung des Testmusters.


