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Wonder Boy: Asha in Monster World

Wonder Boy: Asha in Monster World

Mateusz

Es sind große Erwartungen, die auf Ashas Schultern lasten. Und das trifft nicht nur auf die Protagonistin des vorliegenden Spiels zu, sondern auch auf das Game selbst. Denn die Wonder Boy Reihe ist in letzter Zeit durch ein grandioses Remake (Wonder Boy: The Dragon’s Trap) und eine phänomenal gelungene Neuinterpretation (Monster Boy: The Cursed Kingdom) aufgefallen. Wonder Boy: Asha in Monster World ist nun wieder ein klassisches Remake und möchte den zeitlosen, aber wenig bekannten Mega Drive Hit neuen Gamern zugänglich machen. Ob das Wagnis von Erfolg gekrönt ist oder in der Kiste für misslungene Remakes landet, klärt der folgende Test.

Man könnte meinen, dass dem vorliegenden Spiel auf Grund aktueller feministischer Debatten eine weibliche Hauptrolle spendiert worden sei. Nicht selten werden zur Zeit normalerweise männlich besetzte Figuren durch Frauen ausgetauscht, was die einen feiern und die anderen vehement ablehnen. Man erinnere sich an die Diskussion, um eine weibliche 007. Wer aber genauer hinschaut wird merken, dass schon das 1994 erschienene Monster World IV genau die gleiche tapfere und dennoch serientypisch putzige Asha in den Vordergrund rückt. Eine durchaus mutige Entscheidung damals, vor allem weil der allseits bekannte Titel Monster Boy damit so gar nicht mehr passen wollte. Zu jener Zeit erschien das Spiel exklusiv in Japan, was dazu geführt hat, dass amerikanische und europäische Spieler erst viel später in den Genuss lokalisierter Fassungen im Rahmen von Ports und Compilations kamen. Aus heutiger Sicht ist diese Entscheidung kaum noch nachvollziehbar. Das Spiel pushte die Hardware des Sega Mega Drive grafisch und soundtechnisch dermaßen ans Limit, dass es sogar heute noch fantastisch anzuschauen ist. Und auch in puncto Spielbarkeit steht der Titel einem gewissen Sprung- und Rennkünstler mit roter Mütze in nichts nach. Aber genau diese (Fehl-)Entscheidung, das Spiel nicht weltweit anzubieten, macht es zu einem idealen Remake-Kandidaten. Die einen kommen zum ersten Mal in den Genuss dieser Perle und die anderen können ihren vielfach durchgespielten Klassiker mal in neuem Gewand betrachten. Allerdings schauen alt eingesessene Fans oft mit Argusaugen auf ein solches Projekt und auch der Autor dieser Zeilen zählt zu dieser spezifischen Gamergruppe. Deshalb folgt nun der Sprung ins Hier und Jetzt und Monster Boy: Asha in Monster World steht auf dem Prüfstand.

Aufatmen!

Was war die Anspannung groß bei den Wonder Boy Fans. Nachdem Monster Boy, der inoffizielle Nachfolger von The Dragon’s Trap, allen gezeigt hat wie ein neues Retrogame auszusehen hat und für die 100% Gamer das vorliegende Spiel sogar im Abspann angeteasert hat, war das Risiko eines Flops nicht gerade klein. Erste Trailer zeigten Asha, ganz ungewohnt im 3D Gewand, wobei das Spiel selbst in 2,5D stattfindet. Aber auch die Erklärung des Produzenten zu diesem Umstand ließ Böses ahnen. Die Zusammenarbeit mit einem Comiczeichner gestalte sich schwieriger und umfangreicher und die 3D Modelle hätten dem Produzenten einen einfacheren Arbeitsstil ermöglicht. Nicht gerade das, was der eingefleischte Fan vielleicht hören möchte. Doch in den allerersten Sekunden des Spielens wird klar: es war die richtige Entscheidung. Das Game kommt dermaßen stilsicher, bunt und charmant daher, dass man gar nicht genug davon bekommt. Die animierten Figuren und allen voran natürlich Asha und ihr fliegender Begleiter, der Pepelogoo, wirken absolut stimmig und könnten einer Animeserie entsprungen sein. Man würde nur zu gerne ein Dragon Quest in genau dieser Optik bestaunen dürfen und nicht selten fühlt man sich an die Zeichnungen von Akira Toriyama erinnert. Dazu kommen die vielen liebevollen Bewegungsanimationen, die zwar allesamt schon im Original vorhanden waren, hier aber perfektioniert wurden. Wie sich Asha auf dem Fluss auf dem Rücken liegend und dabei drehend treiben lässt, war damals schon niedlich, aber mit der aufgebesserten Animation treibt es einem jedes mal ein Grinsen ins Gesicht. Und auch schon 1994 wackelte Asha vor dem Öffnen wichtiger Truhen aufgeregt mit dem Po, aber heute gibt es von diesen Wacklern einige verschiedene und man spürt förmlich ihre Vorfreude auf den Inhalt der Kiste. Man könnte mit dem Po wackelnde Frauen für eine Diskussion über Sexismus in Videospielen nutzen, aber es ist wirklich einfach nur niedlich und die Geste hätte auch unserem Wonderboy super zu Gesicht gestanden.

Den einzigen Kritikpunkt, den sich das Spiel grafisch gefallen lassen muss, ist, dass es zwar sehr gut, aber eben leider nicht außergewöhnlich gut aussieht. Um diese Aussage zu verstehen, muss man sich nochmal das Original von 1994 zu Gemüte führen. Die Bosse sahen für die damalige Zeit einfach nur atemberaubend aus, das Scrolling war butterweich und die Zeichnungen waren derart gut gemacht, dass man sie sich auch in einer Samstagvormittag-Serie gewünscht hätte. Das Spiel ist optisch vielleicht sogar in der Top5 der Mega Drive Spiele. Einen solchen Knaller kann man hier auf der Switch natürlich nicht erwarten, denn spielerisch hat man sich sehr nah ans Original gehalten, was die optische Ausgestaltung natürlich auch limitiert.

Was alt ist muss nicht schlecht sein

Das Gameplay, sowie der generelle Levelaufbau sind in weiten Teilen gleich geblieben. Und das ist ein Segen. Es sind zwar ein, zwei neue Attacken dazu gekommen und auch das Speichern wurde erleichtert, aber im Großen und Ganzen hat man sich auf die Stärken des Originals besonnen. Asha wird von ihren Eltern losgeschickt, um eine große Kriegerin zu werden und alle sind voller Zuversicht und motivierender Worte für unsere Protagonistin. Eine wirklich starke Hauptfigur, mit der wir nach nur wenigen Worten mitfiebern. Es entsteht eine wundervolle Symbiose aus Retrocharme, asiatischem Storytelling und exzellent umgesetzten Jump’n’Run-Bausteinen. Ein extrem lustiges Easter Egg sind die vielen selbtsreferenziellen Metawitze, die sich auf die 16Mbit Zeit beziehen. So witzelt der „Speicher-Opa“, dass das früher ja alles nicht so einfach gewesen sei wie heute mit dem Speichern und dass man sich früher sehr über ihn gefreut habe. Denn im Unterschied zum Original könnt ihr heute immer und jederzeit speichern und nicht wie früher nur beim „Speicher-Opa“, der nebenbei bemerkt nur sehr selten in den Dungeons zu finden ist. Ashas Bewegungsrepertoire ist weiterhin etwas mau - sie kann normal nach vorne angreifen oder auch aus der Luft nach unten schlagen, was nützliche Kombos ermöglicht. Man kann so auch durch manche Stellen im Boden schlagen – auch das, verraten einem die Ingame Texte, war schon zu 16Mbit Zeiten so. Ein magischer Schlag, der sich mit der Zeit auflädt steht auch zur Verfügung. Ausrüstung verändert nur die Stärke und Gesundheit, hat aber sonst recht wenig Auswirkung aufs Spielgeschehen.

Im Unterschied zu den beiden letzten Vertretern der Reihe ist es in diesem Spiel kein zentrales Element sich in Tiere oder Drachen zu verwandeln, um so im Spiel voranzukommen. Auch lässt das Spiel die meisten Metroidvania –Eigenschaften, wie zum Beispiel eine große, zusammenhängende Weltkarte, vermissen und stellt den Adventure-Anteil damit deutlich hinten an. Asha in Monster World präsentiert dem Spieler auf der anderen Seite ein erstklassiges Jump’n’Run und stellt einem mit dem fliegenden Pepelogoo einen niedlichen und extrem nützlichen Wegbegleiter zur Seite. Denn was in den Vorgängern die Verwandlungen waren, sind hier die Fähigkeiten des fliegenden „Pogo-Puschels“. Der kann nämlich Feuer löschen, sich in Eisblöcke verwandeln, uns zu einem Doppelsprung oder einer Schwebeeinlage verhelfen. Das alles lernt man nach und nach und hier zeigt das Spiel eine seiner großen Stärken. Es bindet einem des Rätsels Lösung nur selten auf die Nase. Oftmals denkt man an einer Stelle nicht weiterzukommen, nur um im nächsten Moment durch geschicktes Ausprobieren einen neuen Weg zu eröffnen. Man hat häufiger das Gefühl, eine Stelle auf mehrere Weisen überwinden zu können und auch nicht jeder Schatz findet sich von allein. Vor allem weil die Dungeons nicht gerade kleingeraten sind und manchmal ein wenig die Abwechslung vermissen lassen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man denkt im Kreis gelaufen zu sein, um dann aber in einen Abgrund zu fallen und vielleicht wichtige Items zu verpassen. Das kann sich hier und da mal zäh anfühlen, vor allem wenn man nach langen und ermüdenden Jump’n’Run Passagen immer erst einen Zwischenboss besiegen muss, wonach sich der zweite Teil des Dungeons öffnet, an dessen langersehntem Ende dann endlich der riesige Endboss wartet. Die Bosse sind allesamt großartig animiert, auch wenn ihre Originale tatsächlich in 16Mbit Optik noch mehr Charme versprühten. Leider sind sie nicht besonders schwer zu besiegen und erfordern auch nicht ansatzweise so ein pfiffiges Vorgehen, wie es die vorangegangen Rätsel hätten vermuten lassen. Vielleicht wollten einen die Entwickler damals nach den Ellenlangen Dungeons ein wenig schonen. Das war 1994 mit den wenigen Savepoints bestimmt sinnvoll, aber heute darf man von einem echten Gamer doch etwas mehr erwarten, vor allem wenn er kurz vorher speichern durfte.

Die Ohren spielen mit

Die wunderschöne Optik und das griffige Gameplay werden zu jeder Zeit von einem perfekten Score untermalt. Die Musik ist mal melancholisch, mal fröhlich und mal abenteuerlustig, aber auf jeden Fall immer passend und motivierend. Auch die Soundeffekte sind sehr gut gemacht und wuchtig. Die einzige, sehr deutliche, Fehlentscheidung beim Sounddesign ist der Ashas Pfiff - jedes mal, wenn sie ihren fliegenden Begleiter ruft. Und das macht sie quasi ständig, denn man braucht ihn bei fast jedem Sprung und bei jedem Rätsel. Der damit einhergehende Pfiff, führt also binnen kürzester Zeit zu einer Reizreaktion beim Spieler. Das hätte man eleganter lösen können. Auf der Habenseite präsentiert sich aber die asiatische Synchronisation. Zwar ist man als deutscher Spieler dabei auf die hervorragenden Bildschirmtexte angewiesen, aber es entsteht ein unheimlich authentisches Feeling, denn die gesamte Präsentation ist sehr fernöstlich und da reiht sich die Sprachausgabe sehr gut ein. All zu viel gesprochen wird ohnehin nicht, denn die Story ist in bestem Fall nur nettes Beiwerk und hält die unterschiedlichen Level mit ihren (musikalischen) Themen beisammen.

Eigenes Statement

Die Wonder Boy Reihe ist extrem vielseitig. Vom klassischen Plattformer, über ein Shoot’m’Up, bis hin zum Adventure mit RPG Anteilen war bisher sehr viel dabei. Das waren immer viele mutige Designentscheidung. Das aktuelle Spiel in 3D zu präsentieren ist eine eben solche. Nichtsdestotrotz fühlt sich Wonder Boy: Asha in Monster World ein wenig wie ein Rückschritt an. Die Komplexität der Vorgänger wurde stark zurückgeschraubt und auch die Abwechslung bringenden und extrem charismatischen Tiere, in die man sich verwandeln konnte fehlen dem Spiel. Damals war das auf Grund des extrem hohen technischen Standards, auf dem sich das Spiel bewegt hat, zu verschmerzen. Heute wird man das Gefühl nicht los, dass spielerisch mehr drin gewesen wäre. Es handelt sich somit, um ein erstklassiges Remake, dass aber die Limitierungen seiner Zeiten ins neue Game mitgenommen hat.

Kleiner Hinweis am Rande: Wer im übrigen die Retail Fassung des Spiels kauft, die von ININ Games publiziert wird, erhält in der Box ebenfalls einen Code für die originale Version von Monster World IV. Sonst ist das Spiel regular digital über Sony/Nintendo in den jeweiligen Stores erwerbbar, veröffentlicht von STUIOARTDRINK.

8.0Wertung

Fazit

Wonder Boy: Asha in Monster World ist ein wunderschönes, abwechslungreiches und gut spielbares Jump’n’Run, was vor allem jüngere Spieler sehr ansprechen dürfte. Als reine Frischzellenkur des Klassikers gibt es die volle Punktzahl – um einen heutigen Gamer aber gänzlich abzuholen, braucht es vor allem beim Preis von 35 Euro, aber dennoch die ein oder andere frische Idee.

Design
8.0
Sound
9.0
  • Gewagtes und gelungenes Grafik Update
  • Tolle Spielbarkeit
  • Charismatische Charaktere
  • Einige Dungeons sind zu lang
  • Kaum Innovation

Vielen Dank an die Firma STUDIOARTDINK für die Bereitstellung des Testmusters.

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