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SaGa Frontier Remastered

SaGa Frontier Remastered

Mateusz

Die SaGa-Reihe erlebt gerade dank diverser Neuauflagen, Collections und Remaster einen zweiten Frühling. In Anbetracht der Tatsache, dass es damals kaum ein Ableger nach Europa geschafft hat, ist es für den Retro-Gamer die langersehnte Möglichkeit kleinere und größere Perlen nachzuholen. Die SaGa-Reihe genießt ganz spezielle Vorzüge gegenüber anderen, massenkompatibleren Genrevertretern und ob diese auch heute noch zu begeistern wissen oder nur den Hardcore-Fan tangieren klärt der Test zu SaGa Frontier Remastered.

SaGa Frontier Remastered

NSW

Entwickler
Square Enix
Publisher
Square Enix
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Zu Recht ein Klassiker

Es ist ein zweischneidiges Schwert mit der Betrachtung von Klassikern aus weiter Entfernung. Es gibt Spiele, die über jede Zeitspanne hinweg Klassiker bleiben und teilweise sogar noch an Charme und Tiefe dazugewinnen können. Das erste The Legend of Zelda kann beim wohlwollenden Betrachter immer noch staunen hervorrufen, wenn man sieht, wie weitgreifend der Einfluss dieser Gameplayideen heute noch ist. Und dann gibt es Spiele, die zehn Jahre später noch ganz gut funktionieren, aber dann spätestens zur Silberhochzeit anfangen ihren Reiz zu verlieren. In so einem Fall lässt man das Spiel lieber unberührt in seiner Sammlung liegen und erfreut sich an all den schönen, rosaroten Erinnerungen an diesen damaligen Hit. Wie sich das im Falle des vorliegenden SaGa Frontier verhält, wird am Ende jeder Spieler für sich selber klären müssen, aber die Entwickler haben sich zumindest Mühe gegeben den Kaufpreis von 24,99€ mit einigen Goodies zu rechtfertigen. Als erstes fallen grafische Anpassungen auf. Zu diesen dann später mehr. Viel interessanter ist der neue freispielbare Charakter, Fuse, der mit einer eigenen Storyline und neuen musikalischen Kompositionen aufwarten kann. Das ist vor allem deshalb spannend, weil das Spiel bereits vor 20 Jahren (!) damit begeistern konnte, keine eindimensionale, gradlinige Geschichte erzählen zu wollen, sondern die Möglichkeit bot, aus acht Charakteren zu wählen und deren Storys nacheinander zu spielen, wobei sich auch ein schöner roter Faden zwischen ihren Schicksalen entdecken ließ. Diese Idee wurde erst vor kurzem bei Octopath Traveller wieder aufgegriffen. Einige Quests wurden erweitert und der Originalkomponist von damals, Kenji Ito, wurde wieder ins Boot geholt. Es liest sich, zumindest vorab auf dem Papier, wie ein Must-Have. Und man muss auch sagen, dass SaGa Frontier zu seinerzeit über jeden Zweifel erhaben war und in jede würdige jRPG Sammlung gehört. Aber…

Master oder Desaster?

Bei einem Remaster geht der Käufer völlig blauäugig davon aus, die bestmögliche Variante des vorliegenden Spiels zu spielen. Man hofft auf eine aufgebesserte Grafik, die auch auf dem neuesten Fernsehgerät zu glänzen weiß, einen verbesserten (Surround-)Sound und vielleicht sogar die ein oder andere inhaltliche Anpassung. Das alles verspricht uns auch SaGa Frontier. Und während die Klänge gleich zu Beginn einem die Freudentränen in die Augen treiben und man es auch kaum erwarten kann Fuse freizuspielen, lassen die optischen Anpassungen ziemlich viele Fragen offen. Zum Beispiel warum sie überhaupt vorgenommen wurden und in zweiter Instanz warum diese so lieblos sind? Dazu stellt man sich direkt die Frage: Für wen ist dieses Spiel? Die Antwort liegt auf der Hand: für den Retrofan, der sich zum ersten oder aber vielleicht wiederholten Mal einem echten Klassiker widmen möchte, der zu seiner Zeit revolutionär war. Und dabei muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht gerade die charmant-pixelige Playstation 1 Grafik war, die einen großen Teil des Feelings ausgemacht hat? Klar, auf die neblig verwaschenen Texturen der damaligen Zeit können alle gut verzichten. Die können, wie bei einem Turok2 Remaster, ausgebessert werden. Aber es war damals schon erstaunlich wieviel Herz und Wärme diese kleinen Pixelfiguren hatten und wie gut sie mit Hilfe der damals modernsten Technik in Szene gesetzt waren. Gerade im direkten Vergleich zu SNES Klassikern, die viele noch paar Monate oder wenige Jahre zuvor gespielt hatten, war SaGa Frontier ein echter Killer. Unter diesen Umständen muss man sich schon wirklich die allergrößte Mühe geben, wenn man sich dafür entscheidet die Optik der Figuren und Gegner zu aktualisieren. Das Gegenteil ist im vorliegenden Remaster aber leider geschehen. Die Figuren sind zwar, theoretisch, besser gezeichnet, sehen aber aus, wie in jedem beliebigen Mobilegame. Und gerade durch die „aufwendigere“ Zeichnung, die aber weiterhin streng zweidimensional ist, fallen die Figuren und Gegner in den völlig glattpolierten, aber dreidimensionalen Umgebungen besonders negativ auf. Ein wenig besser kommen dabei die teils riesigen Bossgegner weg, aber auch nur weil sie einen so großen Teil des Bildschirms einnehmen, dass sie kaum in Relation zu ihrer Umgebung stehen. Man hätte diesen Missstand leicht abwenden können, wenn es zur Wahl stünde, welche Optik man haben möchte. So stehen die Figuren und der Rest des Spiels in einem absoluten Widerspruch, da sie völlig anderen Stilen entsprechen. In einer komplett gezeichneten Umgebung wie bei Legend of Mana würde dies weniger auffallen. Wobei man sich genau bei diesem Mana Re-Release für die alten Pixelcharaktere entschieden hat – zum Glück.

Bockschwer

Es ist eine allgemein bekannte Weisheit, dass damalige Spieler einfach mehr auf dem Kasten haben mussten, als die heutigen. Natürlich gibt es vereinzelt Gegenbeispiele, aber früher hat man nicht gemeckert, wenn man bei einer kleinen Unachtsamkeit um Stunden zurückgeworfen wurde. Man hat sich geärgert, in seinen Controller gebissen, aber sich im Endeffekt mit stoischer Konzentration wieder hingesetzt und dem Problem gestellt. Stets in der optimistischen Hoffnung es beim nächsten Mal zu schaffen. Autosave-Funktion? Was soll das sein? Faire Speicherpunkte? Wozu? Deshalb ist es immer ein Qualitätsmerkmal, wenn bei Wiederveröffentlichungen an diesen Punkten etwas geschraubt wird. Und das haben die Macher von SaGa Frontier auch gemacht. Ihr könnt das Spieltempo variieren und auch automatische Speicherungen gibt es. Das hat am Gesamteindruck aber nicht viel geändert. Die Dungeons sind, wie in der SaGa Reihe üblich, schweißtreibend. Sie sind lang, undurchsichtig und gespickt mit unendlich vielen Gegnern. Die könnt ihr zwar vorab schon sehen, ausweichen ist aber meist unmöglich. Zudem habt ihr nicht unendlich viele Angriffe mit euren Waffen, denn sie können nur für eine begrenzte Anzahl von Moves benutzt werden. Danach ist man mitunter um einiges schwächer. Und wenn man sich durch einen massiven Tunnelwirrwar gekämpft hat, völlig leer und mit verringerter Lebenspunktezahl, wartet noch der Boss darauf, einem den Garaus zu machen. Und das schon gleich zu Beginn des Spiels, wo man noch keine Möglichkeit zum Item- und Equipmenteinkauf hat. So kommt es mehrfach vor, dass man das Zeitliche segnet mit dem Gefühl, dass man daran überhaupt nichts hätte ändern können. Gepaart mit dem SaGa-typischen Spontan-Levellingsystem ergibt sich für den heutigen Spieler ein ganz schön harter Brocken. Denn man levelt nicht, wie beispielsweise bei Final Fantasy, mit all seinen Statuswerten gleichzeitig, sondern immer nur mit zufällig generierten HP-, Stärke- oder MP-Verbesserungen. Das alles ist vor allem deshalb so schade und entnervend, weil das Kampfsystem an sich auch heute noch eine absolute Perle des rundenbasierten Rollenspiels ist. Man lernt durch das anwenden seiner Attacken neue Angriffsmöglichkeiten, die den Gegnern um einiges stärker zusetzen. Wählt man für sein Team eine besondere Kombination von Attacken aus, entfesselt man mitunter heftige Comboangriffe, die aussichtlose Kämpfe nochmal umdrehen können. Das schöne dabei ist die schier endlose Zahl möglicher Kombinationen, die man nur durch exzessives Mitschreiben sicher behalten kann. Es macht also einen riesen Unterschied, wer im Team ist und welche Attacken er bisher gelernt hat.

Der Zahn der Zeit

Bis auf die vorher erwähnte, sicher auch diskutable, Designentscheidung, kann sich das Spiel technisch kaum was vorwerfen lassen. Wer den glatten Look mag, wird begeistert sein, ob der gebotenen HD Qualität. Soundtechnisch haben wir damals wie heute ein Meisterwerk vorliegen und über eine vernünftige Anlage werden einem Gänsehautmomente am laufenden Meter präsentiert. Einzig die Story und die Texte deuten auf das hohe Alter des Games hin. So manch ein Dialog wirkt hölzern und kurz angebunden, was zur damaligen Zeit schlichtweg dazu gehörte, heute aber sauer aufstößt. Noch schlimmer wirkt aus heutiger Sicht die fehlende Lokalisierung. War man damals interessiert an jRPGs, musste man mindestens der Englischen Sprache mächtig sein, um die Klassenbesten spielen zu können. Da war man froh, wenn man so einen Importtitel überhaupt in die Finger bekam. Heutzutage sind deutsche Bildschirmtexte eine Selbstverständlichkeit und eine fehlende Synchronisation (ob Englisch oder Deutsch) ein großes Manko. Dass SaGa Frontier Remastered also nur mit Englischer und Japanischer Schrift und ohne Sprecher daherkommt macht einen sehr lieblosen Eindruck. Auch die Story, kann anderen Genrevertretern, was ihre Tiefe angeht, nicht das Wasser reichen. Zu ambitioniert war und ist die Aufteilung auf acht Handlungsstränge. Das hat man damals wohlwollend übersehen, was heute in Anbetracht vieler, besserer Beispiele schwer fällt. Schlussendlich bleibt bei der Betrachtung des vorliegenden Games nur der Schluss, es mit nichts Halbem und nichts Ganzem zu tun zu haben. Für den Retrofan sind die optischen Neuerungen ein Graus und für den Spieler von heute ist das Spiel an sich zu altbacken. Es entspricht in Optik, Tiefe und Schwierigkeitsgrad einfach überhaupt nicht dem, was heutige Gamer erwarten. Somit bleibt als Zielgruppe nur noch der echte SaGa Fan, der auch ohne das Lesen dieses Tests zugreifen wird.

6.0Wertung

Fazit

Ein grandioser Klassiker in einem mittelmäßigem Gewand. Die optischen Veränderungen enttäuschen Retrofans, sowie jüngere Spieler gleichermaßen. Zudem bringen der SaGa-typische Schwierigkeitsgrad und die erforderten Englischkenntnisse auch eingefleischte Gamer ganz schön ins Schwitzen. Dazu können die zusätzliche neue Storyline und das sehr gelungene Combo-Kampfsystem nur bedingt einen Ausgleich schaffen und es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der nur von Hardcore-Fans ignoriert werden kann.

Design
5.0
Sound
9.0
  • Combosystem sehr motivierend <p>
  • Musikalisch auf höchstem Niveau
  • Fragwürdige Design-Veränderungen <p>
  • Sehr schwer, teilweise unfair <p>
  • Nur auf Englisch oder Japanisch

Vielen Dank an die Firma Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters.

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