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Valkyria Chronicles 4

Valkyria Chronicles 4

David

Mit Valkyria Chronicles 4 erscheint zum ersten mal ein Ableger des beliebten runden basierenden Strategiespiels auf einem System von Nintendo. Das Spiel handelt zur gleichen Zeit wie der erste Teil der Serie, erzählt allerdings eine andere Geschichte. Ihr schlüpft in die Rolle von Claude Wallace, dem relativ unerfahrenen Kommandeur der Truppe E. Wie sich das Strategiespiel schlägt, erfahrt ihr in unserer Review

Valkyria Chronicles 4

NSW

Entwickler
Sega
Publisher
Sega
Konsole
NSW
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Aus einem anderen Blickwinkel

Das Spiel ist im zweiten europäischen Krieg angesiedelt. Diesen werdet ihr in unseren Geschichtsbüchern nicht finden, da er rein fiktional ist. Allerdings sieht man anhand der Geographie , der Namensgebung und teils der Geschichte schon Ähnlichkeiten zu den beiden Weltkriegen der tatsächlichen Geschichtsschreibung. Dies kann mitunter etwas verwirrend sein, da man sich schon bei dem Gedanken erwischen kann, dass gewisse Namen und Details nicht stimmen. Auch bei den Fronten sind Parallelen nicht von der Hand zu weißen. So kämpft die westliche Föderation gegen das östliche Imperium.
Dabei stehen die Karten für den eher losen Staatenbund der Föderation nicht sonderlich gut. Die diktatorisch geführten imperialen Truppen sind unerwartet und mit voller Härte eingefallen und bereits 70% des föderierten Gebiets sind gefallen. Nur noch ein tollkühner Plan kann das Imperium zum Rückzug bewegen. Operation Nordkreuz, ein frontaler Angriff auf die imperiale Hauptstadt Schwartzgrad. Claude Wallace und sein Truppe E sind dabei Teil der Speerspitze die dieses waghalsige unterfangen durchführen sollen. Dabei steht euch nicht nur immer der Feind sondern auch interne Konflikte, Nachschubprobleme und das Wetter im Weg.
Euer gesamtes Abenteuer wird dabei in Form eines Tagebuchs geführt in dem ihr euch langsam Seite für Seite voran arbeitet. An dieser Stelle sei gesagt, dass Valkyria Chronicles 4 nicht nur viele Kämpfe bietet die es zu bestreitet gibt, sondern auch sehr viele und lange Textpassage die bewältigt werden wollen. Die Geschichte des Krieges, der Truppe E und deren Mitglieder wird in voller Länge dargestellt und erzählt. Dies heißt, dass ihr euch mitunter erst durch sehr lange Dialoge lesen müsst, bevor es in die nächste Schlacht geht. Wer also nur auf der Suche nach purer Action ist, wird hier wohl leicht genervt sein. Dafür bietet das Spiel eine wirklich, wenn auch leicht abgedroschene, ausführliche Geschichte und legt Wert auf die einzelnen Charaktere.

Das Spielprinzip

Bei Valkyria Chronicles 4 handelt es sich um ein klassisches runden basierendes Strategiespiel. Sprich die beiden Konfliktparteien führen im Wechsel ihre Aktionen aus. Dadurch bleibt euch bei jedem Zug genügend Zeit alle Szenarien gut zu durchdenken.

Zu Kampfbeginn seht ihr im Kommandomodus das Gebiet und die jeweiligen Einheiten. Dort wählt ihr nun die Einheit aus mit der ihr agieren wollt. Nach der Auswahl wechselt ihr in den Aktionsmodus für eben diese Einheit. Sprich nun könnt ihr dem Charakter befehlen sich zu bewegen und/oder anzugreifen. Die AP-Leiste zeigt hierbei die Ausdauer an und somit wie weit sich die Einheit noch bewegen kann. Habt ihr euch in Position gebracht, oder euch entschieden an Ort und Stelle zu bleiben könnt ihr mit der ausgewählten Waffe auf euren Gegner feuern. Idealerweise schaltet ihr ihn direkt aus, da er dann nicht zurückfeuern kann. Generell ist darauf zu achten, dass ihr euch gut positioniert. Wer sich mitten ins Kreuzfeuer mehrerer Feinde stellt wird nicht lange überleben. Auch Objekte wie z.B. Sandsäcke bieten zusätzlichen Schutz vor feindlichen Angriffen bieten. Bewegt euch im Idealfall also so, dass ihr nach einen Angriff noch in Deckung gehen könnt, oder sogar aus der Deckung heraus angreift. Habt ihr mit einer Einheit alle gewünschten Aktionen durchgeführt, wechselt ihr von Aktionsmodus wieder in den Kommandomodus. Anhand eurer KP seht ihr wie viele Befehle ihr noch geben könnt. Zudem stehen euch hier auch wertvolle Informationen über eure und die gegnerischen Truppen zur Verfügung. Habt ihr alle KP aufgebracht oder wollt euren Zug abschließen, beendet ihr eure Phase und der Feind ist am Zug. Bewegen sich Feindeinheiten in Sichtweite einer eurer Einheiten, so wird dies aus deren Perspektive gezeigt. Wichtig zu wissen ist, dass ihr eure KP innerhalb eines Zuges auch mehrfach für die gleiche Einheit einsetzen könnt. So kann man zum Beispiel mit dem Scharfschützen erst mal richtig aufräumen. Doch Vorsicht bei jedem weiteren Einsatz verringern sich die AP die dem Charakter zur Verfügung stehen. Dadurch wird die Erschöpfung durch die Mehrbelastung aufgezeigt. Auch die Munition die euch zur Verfügung steht ist bei vielen Waffen limitiert. Wer eine Runde also nur mit Mörsern und Scharfschützen gewinne will, wird Probleme bekommen. Im späteren Verlauf ist es unerlässlich auf eine gesunde Mischung an Einheiten zu setzen. So sollte man je nach Gefechtslage stets neben normalen Truppen auch schwere Waffen und Pioniere mit sich führen. Diese können sowohl heilen als auch Instand setzen. Neben den eigentlichen Missionszielen gibt es auf den Karten auch Lager die jeweils von einer Fraktion besetzt werden können. Hier könnt ihr nicht nur heilen, sondern auch Reserven anfordern oder Truppenteile wenn nötig auch gegen andere austauschen.

Neben den verschiedenen Arten der Infanterie steht euch auch ein Panzer zur Verfügung. Dieser ist nicht nur eine mächtige Waffe, sondern ein wichtiger taktischer Aspekt der sinnvoll ausgespielt werden sollte.
Während Infanterie ziemlich anfällig für feindliche Projektile ist, kann euer Panzer deutlich mehr einstecken und auch austeilen. Somit bieten sie, eine Art mobile Schutzwand in deren Schutz eure Fußsoldaten vorrücken können. Auch einfach Hindernisse, wie zum Beispiel Sperren, können durch Rammen oder Beschuss durch die schweren Fahrzeuge aus dem Weg geräumt werden. Diese Objekte werden auf der Karte im Kommandomodus rot gekennzeichnet. So widerstandsfähig sie auch sind, so behäbig und sperrig sind diese Vehikel auch. Ergo passen sie nicht durch jede Gasse und der Einsatz von Infanterie ist nötig. Auch wenn Panzer extrem viel aushalten, haben sie auch ihre Schwachpunkte. Im Regelfall ist dies das blau leuchtende Antriebsaggregat am Heck des Fahrzeugs. Dies kann sogar durch Beschuss von Infanterie beschädigt werden und sollte eure Ziel sein im Konflikt mit feindlichen Panzern. Ebenso gilt es aber diese Schwachstelle bei eurem Panzer nicht bloß zu stellen.

Der Kampf

Nachdem ihr einen Truppenteil gewählt habt, könnt ihr euch mit diesem bewegen und/oder angreifen. Hierbei ist es wichtig, dass ihr taktisch klug agiert. Es macht eben so wenig Sinn mit einem Maschinengewehr auf einen weit entfernten Feind zu schießen, wie mit einem Scharfschützen oder Raketenwerfer auf einen zwei Meter entfernten Gegner. Habt ihr einen Feind anvisiert, seht ihr wie viele Treffer ihr wahrscheinlich benötigen werdet um ihn zu erledigen. Aber Vorsicht! Nicht jeder Schuss trifft und eure Feinde werden das Feuer erwidern wenn ihr sie nicht niederstreckt. Das Zielen an sich ist sehr präzise, wobei es sich empfiehlt das “Steuerkreuz“ zu nutzen, statt des Analogsticks. Die Abstufung ist hierbei einfach wesentlich kleiner und ihr somit genauer. Leider ist es nicht immer ganz ersichtlich wenn etwas im Weg ist. So kann es schon mal vorkommen, dass ihr laut Zielanzeige treffen solltet, das Geschoss dann aber durch eine Mauerecke oder einen Felsen geblockt wird. Ebenso ist das Schießen mit dem Mörser, vor allem dem des Panzers, immer etwas Glückssache.
Neben den Standardbewaffnung des jeweiligen Truppentyps stehen euch noch Heilmittel, Granaten und andere nützliche Dinge zur Verfügung. So ist es manchmal besser sich im hohen Gras zu verstecken oder hinter einem Sandsack in Deckung zu gehen und sich zu heilen, bevor man weiter kämpft. Gegner die sich selbst wiederum hinter Barrikaden verstecken sind mit Granaten viel leichter auszuschalten als durch normalen Beschuss.

Die Gefechte mit eurem Panzer gestalten sich etwas anders, als mit anderen Truppenteilen. So verfügen diese Fahrzeuge über drei Angriffsmethoden. Panzerbrechermunition, Mörsergranaten und das Maschinengewehr. Während erstgenanntes natürlich gegen feindliche Fahrzeuge zum Einsatz kommt, ist der Mörser ideal für Flächenangriffe gegen feindliche Fußtruppen. Das Maschinengewehr hilft gegen Infanterie die zu nah für den Mörser ist , oder zum Abfangen von Truppenteilen.

Das Hauptquartier

Nach kurzer Spielzeit erhaltet ihr Zugang zum Hauptquartier der föderierten Gegenoffensive. Denn wer meint, das sich mit ein paar Gefechten erledigt hat, der hat sich stark getäuscht. Je weiter ihr ins Feindesland vorrückt um so mächtiger wird der Feind. Dementsprechend ist es sehr wichtig eure eigenen Truppen nicht nur fit zu halten, sondern auch deren Ausrüstung stets auf den neusten Stand zu bringen. Ansonsten werdet ihr sehr schnell an eure Grenzen stoßen. Egal wie gut eure Taktik im Gefecht ist.

Im sogenannten Kommandoraum habt ihr Zugriff auf die Truppenverwaltung, die Ausrüstung selbiger und eure Panzerteile. Wie der Name schon vermuten lässt. Gibt euch die Truppenverwaltung die Möglichkeit festzulegen welche Charaktere in Truppe E kämpfen. Hierbei hat jeder Kämpfer nicht nur eine gewisse Klasse sondern auch eigene Werte und vor allem gewissen Potentiale. Dies sind Eigenheiten die im Kampf auftreten können. So haben manche Probleme mit Autorität, andere einen Partner zu Hause, besonderes Wissen oder starken Kampfeswillen. Je nach dem kann sich diese Eigenschaft positiv oder negativ auf das Verhalten und die Werte im jeweiligen Gefecht auswirken. Auch Sympathien zwischen einzelnen Mitgliedern eures Trupps werden angezeigt und wirken sich auf das Verhalten einzelner aus. Ihr seht also, es geht nicht nur darum eure Truppe im Feld gut zu führen, sondern sie auch als Individuum zu verstehen und richtig einzusetzen.
Im Bereich der Ausrüstung und Panzerteile können die jeweiligen Klassen und euer Panzer mit den euch zur Verfügung stehenden Teilen ausgestattet werden.

Auf dem Übungsplatz könnt ihr eure Klassen steigern. Hierbei steigen immer alle Mitglieder eine Klasse auf. Es ist also nicht nötig jeden Charakter einzeln zu trainieren. Auch wenn es erst mal so klingt, als müsstet ihr hier Zielübung oder Ähnliches vornehmen, werden hier lediglich die gesammelten EP (Erfahrungspunkte) auf die Truppe aufgeteilt. Ihr solltet euch die Zeit trotzdem nehmen, da es wie gesagt wichtig ist, dass eure Truppen immer fit und auf dem höchsten Level sind.

In der F&E-Anlage geht es um Forschung und Entwicklung. Hier könnt ihr mit den gesammelten DKT Ausrüstung und Panzerteile entwickeln und ändern. Für eure Bodentruppen stehen hierzu sämtliche Feuerwaffen so wie deren persönliche Schutzausrüstung zur Auswahl. Für euren Panzer könnt ihr den Rumpf, die Angriffsoptionen, die Ketten und sonstiges aufwerten und modifizieren.
Wie auch bei eurem Trupp selbst, gilt es hier immer auf dem neusten Stand zu bleiben um möglichst effizient und schlagkräftig zu bleiben.

In der Kantine könnt ihr mit anderen Mitgliedern der Armee interagieren. So könnt ihr unter anderem auch, gegen den Einsatz von EP, neue Befehle lernen. So kann man zum Beispiel den Befehl erlernen einen Sanitäter für ein weiter entferntes und verletztes Truppenmitglied anzufordern. Diese Befehle sind allerdings nicht gerade günstig. So schlägt der Sanitäter zum Beispiel alleine schon mit 5000 EP zu Buche.

Es ist also von hoher Wichtigkeit sowohl EP als auch DKT zu sammeln. Hierzu bietet euch das Spiel abseits des normalen Handlungsstrangs sogenannten Scharmützel. Dies sind kleine Nebenschauplätze auf denen ihr euch sowohl im Umgang mit euren Truppen üben könnt, so wie wertvolle Erfahrung sammeln könnt.

Wie ihr seht ist Valkyria Chronicles 4 ein ziemlich komplexes Spiel wenn man sich wirklich damit auseinander setzen möchte. Zum Glück gibt es noch den Bereich Privatquartier. Hier könnt ihr sämtliche Informationen über Personen und Waffen nachschlagen. Oder aber ihr stöbert im Glossar über geschichtliche Ereignisse und die herrschenden Zustände. Im Bereich News-Artikel habt ihr Zugriff auf Presseberichte zum aktuellen Stand des Kriegs. In Auszeichnung und Statistiken seht ihr eure bisherigen Leistungen und Errungenschaften.
Zu guter Letzte noch das Tutorial in dem ihr wirklich jede Kleinigkeit nochmals nachlesen könnt die das Spiel betreffen. Seien es die Menüs, das Schlachtfeld oder eure Truppen. Hier findet ihr wirklich alles.

Technik

Optisch macht Valkyria Chronicles 4 zunächst eine wirklich malerischen Eindruck. Durch die Canvas Engine wirkt alles wie eine wunderschöne Buntstiftzeichnung die in 3D zum Leben erweckt wurde. Während diese Optik vor allem in den Zwischensequenzen ihren vollen Reiz entwickelt, zeigt sie sich im Kampf, vor allem bei Details und Nahaufnahmen von ihrer unschönen Seite. Dort wirkt sie teils matschig und extrem grob. Dennoch zeigt das Spiel viel Liebe zum Detail.
Akustisch bietet der Titel gewohnte Kost. Je nach Situation wird es passenderweise nachdenklich oder heroisch. Die englische Sprachausgabe ist sehr gut gelungen. Die deutschen Untertitel sind größtenteils in Ordnung auch wenn sie manchmal etwas weit weg vom Original übersetzt wurde.
Leider meint allerdings jeder Charakter er müsse unentwegt etwas kommentieren. Wertet man zum ersten mal eine Truppe oder eine Waffe auf, mag ein Kommentar ja noch angebracht sein, wenn man sich allerdings bei jeder Aktion durch immer gleiche Kommentare klicken muss, fängt es doch an zu nerven. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Vor allem als Anfänger fühlt man sich durch die Fülle von Menüs und Optionen vollkommen erschlagen. Zumal es nicht immer direkt offensichtlich ist, welche Option sich den nun hinter welchem Menüpunkt verbirgt.
Die Steuerung geht gut von der Hand auch wenn das Spiel, wie so viele andere auch, an manchen Stellen nur das Steuerkreuz zur Navigation akzeptiert anstatt des Analogsticks.

8.5Wertung

Fazit

Handwerklich ist Valkyria Chronicles 4 ein durchweg gelungenes Spiel. Möchte man das Spiel in vollem Umfang genießen, muss man bereit sein sehr viele ausufernde, teils extrem pathetische Dialoge zu lesen und viel Zeit in das Training und die Aufrüstung zu investieren. Wer sich also wirklich mit seiner Truppe identifizieren kann und voll in deren Welt eintauchen möchte kommt hier voll auf seine Kosten. Ist man nur auf der Suche nach seichten und schnellen Gefechten, wird man mit diesem ausgefeilten und detailverliebten Spiel wohl nicht glücklich werden. Alles in Allem bleibt das Spiel für Fans von Strategiespielen trotzdem ein Leckerbissen.

Design
8.0
Sound
7.5
  • viel Tiefgang
  • abwechslungsreich
  • enormer Umfang
  • viel Liebe zum Detail
  • Textlawinen
  • Steuerung nicht optimal
  • Texturen teils matschig

Vielen Dank an die Firma SEGA für die Bereitstellung des Testmusters.

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