
Donkey Kong Country: Tropical Freeze
Mit Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist vor kurzem ein Port des einstigen Wii U-Abenteuers für Nintendo Switch erschienen, welches mit einigen Neuerungen bedacht wurde. Wir haben uns die Umsetzung einmal genauer angeschaut und sagen euch ob sich das Spiel auch für Kenner des Originals lohnt.

Donkey Kong Country: Tropical Freeze
WIIU
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Serie
- Donkey Kong
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Ein vereistes Paradies
Donkey Kong feiert gerade seinen Geburtstag, als eine steife Brise durchs Fenster zieht und eine Schneeflocke die Kerze zum Erlischen bringt. Aus dem Fester blickend, erspähen die Helden eine ganze Fregatte voller Wikinger-Schiffe, welche nichts Gutes verheißen. Ein plötzlich aufkommender Sturm trägt die Donkey Kong-Familie von ihrer Heimatinsel fort, die von den Wikingern sogleich mit einem mystischen Horn vereist wird.
Donkey, Diddy, Dixie und Cranky wollen sich das natürlich nicht gefallen lassen und starten das Abenteuer, um ihre Insel wieder zurückzuerobern.
Auf mit Affengebrüll
Das Spiel startet ohne Vorspann direkt mit dem Titelbildschirm. Unter rhythmischen Klängen entscheidet ihr euch für eine Spieldatei und dürft das Spielgeschehen je nach Wunsch auf dem TV-Bildschirm oder dem Handheld anzeigen lassen. Daraufhin steht noch die Wahl der Steuerungsvariante sowie die der zwischen Einspieler- und Zweispielermodus an. Im Anschluss findet man sich auf der ersten Insel, den Mangrovien, wieder – einer kleinen, idyllischen, tropischen Insel, welche aus 6 Level plus Endgegner besteht. Hier sollte schon einmal vorab erwähnt sein, dass auch alternative Routen darauf warten, entdeckt zu werden, um geheime Level zu erreichen. Wie gewohnt sind diese oft fies versteckt – ihr könnt euch also schon darauf einstellen, beim ersten Durchlauf nicht immer alles zu finden.
Mangrovien ist dabei eine Insel, auf der das Geschehen am Strand und im Dschungel stattfindet. In diesen Gebieten warten natürlich auch schon die ersten Gegnerhorden auf die Kongs, die ihr Vorhaben, die DK-Insel zurückzuerobern, vereiteln wollen. Angefangen von einheimischen Tieren wie Dodos, Riesen-Heuschrecken und fleischfressenden Pflanzen bis hin zu den Wikinger-Pinguinen ist alles vertreten. Je nach Gebiet und Welt variieren die Gegner natürlich, sodass in den jeweiligen Territorien immer die am verbreitetsten und heimischsten Tieren hausen.

Gleich im ersten Level trifft man auch auf einige Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger „Returns“. So hat Donkey Kong die Funktion des Pustens verlernt, kann fortan aber an Objekten im Boden ziehen. Damit werden einerseits nützliche Items wie Bananen oder Herzen, andererseits auch Puzzleteile, die auch in diesem Teil wieder begehrte Sammelgegenstände darstellen, hervorgebracht. Je nach Situation kann der Affe mit seiner Fähigkeit auch richtig große Kaliber wie Boote an die Oberfläche holen. Das mag anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig klingen, was es aber keineswegs ist; das Ziehen fügt sich sogar viel besser ins Spielgeschehen ein, wie es seinerzeit das Pusten bei Returns getan hat. Seine Trommelattacke, mit der er Gegner paralysieren und Kisten sowie andere Objekte zerstören kann, hat Donkey Kong allerdings beibehalten.
Außerdem gibt es schon einen ersten kleinen Wasserbereich, der durchquert werden will – im Vorgänger war das Abtauchen in Gewässern ja leider tabu. Einen ersten Einblick von der neuen, dynamischen 3D-Kamera bekommt man ebenfalls zu Gesicht. Ebenso bekannt und ein Muss für die Country-Serie sind die Kanonenfässer, mit deren Hilfe man sich durch einige Gebiete katapultieren kann sowie auch die zahlreichen Lianen-Klettereinlagen und Hangeleien, die man bereits aus dem Vorgänger kennt.
Die einzelnen Welten reichen von einem Strandparadies über Dschungelgebiete bis hin zu großflächigen Gewässern, einer Savanne und vielen weiteren gelungen, abwechslungsreichen Settings, die nur so vor Kreativität und Einfallsreichtum strotzen. Abgesehen davon hat man sich endlich auch einem Kritikpunkt des Vorgängers gewidmet, in welchem Unterwasser-Abschnitte ja leider ausbleiben mussten. In Tropical Freeze gibt es nun eine ganze Welt, die sich dem Tauchvergnügen im kühlen Nass widmet. Auch spielerisch fühlt man sich gleich in die SNES-Abenteuer zurückversetzt. Donkey und seine Freunde können unter Wasser jetzt auch eine Attacke ausführen, um u.a. Gegner zu beseitigen. Zudem haben die Kongs im Doppelpack wieder Spezial-Aktionen, die einige Stellen im Spiel erleichtern und für gewisse Passagen sogar zwingend benötigt werden.
Mit Diddy an seiner Seite bekommt Donkey Kong kurzzeitig einen Temposchub und Dixie dient mit ihrem Propeller-Haar als Turbine und lässt den Affen mit der markanten, roten Krawatten rasante Geschwindigkeiten aufnehmen, um etwa durch starke Strömungen schwimmen zu können. Cranky Kong sorgt mit seinem Krückstock wiederum für eine größere Schlagreichweite, um Gegenspieler leichter beseitigen zu können. Als weitere Neuerung können die Helden bei ihren Tauchgängen nicht mehr ewig lange unter Wasser verweilen, da der Sauerstoffvorrat diesmal begrenzt ist. Er wird in Form einer kleinen Leiste angezeigt; ist diese zur Hälfte leer, ertönt in geringem Abstand ein Warnsignal, das erst wieder verschwindet, sobald ihr an einer der auftauchenden Luftblasenstellen Sauerstoff getankt habt oder – und das ist selbstverständlich die weitaus unschönere Variante – wegen Luftmangel sterbt. Die Unterwasser-Level sind zusammengefasst erste Sahne und bringen sehr viel Spaß und Abwechslung ins Spiel.
Der Kong und seine Freunde
Wie bereits erwähnt wird Donkey Kong in Tropical Freeze wieder von seinem Kumpel Diddy begleitet, welcher jedoch nicht der einzige ist. Auch Dixie, die ihren letzten Auftritt in Diddy´s Kong Quest hatte, ist diesmal mit von der Partie. Doch als ob das nicht schon genug wäre, musste sich der sogar noch alte Kauz Cranky mit unter die Horde der Helden mischen – ob da nicht sein Ego eine große Rolle mitgespielt hat?
Jeder Kong hat dabei seine eigenen Fähigkeiten und Eigenheiten. Diddy verfügt über ein Jetpak und kann somit kurze Zeit schweben – dies erleichtert es ungemein, über breitere Abgründe zu gelangen. Dixie verfügt wie auch schon in Country 2 über ihre blonde Haarpracht, mit der sie sich ein Stück in Richtung Himmel katapultieren kann. Somit eignet sie sich prima, größere Schluchten zu überwinden oder auf höhere Ebenen zu gelangen. Ihre Trommelattacke führt sie im Alleingang zum Beispiel mit ihren Haaren aus, Cranky hingegen mit seinem Spazierstock. Mit diesem kann das älteste Mitglied der Kong-Clique auch über Dornen oder sonstige spitze sowie gefährliche Hindernisse gelangen und ganz nebenbei auch noch höher springen. Dies ermöglicht es ihm, an Orte zu gelangen, die für alle anderen Kongs unerreichbar bleiben; auch wenn diese auf ein Minimum reduziert wurden.
Zudem kann er damit Gegner eliminieren, die für die anderen Helden tödlich wären. Hierbei sei jedoch erwähnt, dass sich Cranky gameplaymäßig nicht so ganz integrieren konnte, da seine Sprung-Attacke sehr stark an jene von Dagobert Duck aus Duck Tales erinnert. Deutlich besser konnte sich hingegen Dixie einbringen, mit der das Spielgefühl deutlich gewachsen ist; ganz zu schweigen vom Nostalgiefaktor, der an ihren ersten Auftritt in Diddy´s Kong Quest zurückdenken lässt.
Komplett neu ist auch eine kleine Anzeige, die sich mit aufgesammelten Bananen füllt. Wurden 100 Bananen gesammelt, kann eine Spezialfähigkeit aktiviert werden, die je nach Partner andere Auswirkungen hat. Mit Diddy an seiner Seite verwandeln sich bei Aktivierung alle auf dem Bildschirm befindlichen Gegner in rote Ballons, die je ein Leben bringen. Bei Dixie sind es goldene Herzen, mit denen man seine Energie verdoppeln kann und ist Cranky mit an Bord, gibt es statt der Gegner Bananenmünzen. Ist Donkey alleine unterwegs, kann die Funktion nicht aktiviert werden. Erfahrene Spieler lassen besser die Hände von diesem Feature, da es im Spiel bereits so reichlich an Leben und Herzen zu sammeln gibt – dem Spielspaß zuliebe!

In den einzelnen Gebieten sowie Levels gibt es natürlich auch wieder Zahlreiches zu entdecken. Im Vordergrund steht natürlich das Erreichen des jeweiligen Ziels, doch der Weg dorthin verbirgt zahlreiche Sammelgegenstände, die der ambitionierte Gamer natürlich nicht liegen lassen darf. So gibt es pro Level wieder eine bestimmte Anzahl an versteckten Puzzleteilen, mit denen Extras freischalten werden können. Auch die 4 KONG-Buchstaben sind wieder mit von der Partie und ebenso wertvoll, wenn ihr alle Boni freischalten wollt. Des Weiteren findet man zahlreiche Bananenmünzen, die der Spieler in Funky Kongs Shop gegen Items eintauschen kann. Funky hat zu jedem Item und jeder Situation auch einen passenden und coolen Spruch parat, also lasst euch nicht überrumpeln. Um jedoch alle Wege oder Bonusräume zu finden, müssen etwa Schalter betätigt oder Zielscheiben getroffen werden, die wiederum Plattformen erzeugen oder besagte Wege öffnen.
Am Ende einer jeden Welt warten Bossgegner auf die Kongs, welche allerdings deutlich raffinierter agieren, als es die Oberschurken aus dem Vorgänger oder gar aus der SNES-Trilogie getan haben. Hier geht es nicht einfach nur darum, drei Mal auf den Gegner zu springen und Schluss; nein, die Widersacher haben zahlreiche, unterschiedliche Attacken parat und machen ihre persönliche Achillesferse nicht so leicht zugänglich. Wir wollen euch an dieser Stelle nicht zu viel verraten; ihr könnt aber in jedem Fall deutlich strategischere und auch länger andauernde Kämpfe als in den vergangenen Teilen erwarten.
Es sollte noch erwähnt werden, dass der generelle Schwierigkeitsgrad des Spiels eine gute Mischung darstellt. Ist es am Anfang noch ziemlich leicht durch die Abschnitte zu gelangen, wird es im Verlauf des Abenteuers immer schwieriger bis teils verdammt schwer. Besonders einige Tempel-Level werden hier den ein oder anderen Spieler sicher zum Verzweifeln bringen – ebenso sind einige Puzzle-Teile arg gut versteckt.
Schienenverkehr, Flug- und Reitstunden
Wieder mit dabei sind die schon vom SNES-Erstling bekannten und allseits beliebten Lorenfahrten. Abermals gilt es hier, von Schiene zu Schiene zu springen, Gegnern auszuweichen und kräftig Gegenstände einzuheimsen, ohne in den Abgrund zu stürzen. Auch die Abschnitte in den Raketenfässern sind wieder mit an Bord. Sie sind zu Beginn, wie auch schon beim Vorgänger, steuerungstechnisch etwas gewöhnungsbedürftig, gehen aber relativ rasch ins Blut. Auch dabei gilt es wieder, Halunken und Hindernissen auszuweichen, um ans Ziel zu gelangen.
Auch die genannten Geschicklichkeitspassagen werden stellenweise durch die dynamische 3D-Kamera auf den heimischen Bildschirm projeziert, wodurch das Spielgeschehen und vor allem das Gameplay deutlich mehr an Fahrt und Schwierigkeit gewinnen. Doch auch hier wollen wir nicht zu viel verraten, da jeder Spieler diese Erfahrung für sich beim Spielen erleben sollte.
Rambi, das Nashorn, mit dem es wieder möglich ist, wilde Reiteinlagen hinzulegen und somit auch gefährliche Abschnitte besser zu durchqueren, ist wieder mit von der Partie. Mit ihm lassen sich außerdem wieder zahlreiche Gegenstände, Felsblöcke oder andere Dinge zerstören, um an Sammelobjekte zu kommen oder versteckte Räume zu finden. Leider bleibt Rambi aber wieder der einzige tierische Helfer, den es in Tropical Freeze gibt, was irgendwo dann doch ziemlich schade ist, da der Vorgänger damit kritisiert wurde und die Buddys in der SNES-Trilogie doch eine recht große Rolle eingenommen haben. An einigen Stellen vermisst man einfach Abschnitte, in denen man mit Enguard auf Tauchstation geht oder mit Squitter, der Spinne, versucht, knifflige Passagen zu überwinden. Womöglich nimmt man sich diesen Faktor ja bei einem möglichen nächsten Teil mehr zu Herzen.
Viel Sonne und wenig Schatten
Donkey Kong Country: Tropical Freeze reiht sich nahtlos in die Serie ein. Das Spiel glänzt, wie bereits erwähnt, sehr viel Positivem, kommt allerdings leider auch nicht ganz ohne Kritikpunkte aus. Hierzu gehört einerseits das bereits erwähnte Fehlen von anderen tierischen Helfern sowie das nicht ganz gelungene Debut Crankys als spielbarer Charakter. Vergleichsweise fließen diese negativen Faktoren aber nur schwach in die Endwertung ein.
Was im Gegenzug jedoch einen weitaus größeren Kritikpunkt darstellt, sind die Tempel-Level und die Bonusräume. Erstere sind in spielerischer Hinsicht wieder ein Highlight und auch durchaus fordernd, wirken in ihrer grafischen Gestaltung allerdings eher einfallslos und ernüchternd, da diese lediglich vom Vorgänger übernommen wurden. Ausschlaggebend für die vermasselte Höchstwertung sind zum Großteil aber die Bonusräume, die dem Vorgänger ebenso gleichen bzw. nur marginale Unterschiede aufweisen. Egal, ob man sich im Dschungel Zugang verschafft, unter Wasser die versteckte Route entdeckt oder im Schneelevel bei Eiseskälte den Bonusraum betritt: Die Räume sind immer die selben, wiederholen sich ständig und fordern immer wieder, alle Bananen einzusammeln, um das darin versteckte Puzzle-Teil zu ergattern.

Warum beweisen die Retro-Studios so viel Kreativität und Liebe in den einzelnen Levels, während die Bonusräume weiterhin so eintönig und lieblos designt sind? Warum hat man sich hier nicht die beiden ersten SNES-Ableger als Vorbild genommen, in denen es durch Aufgaben wie „Finde die Münze“, „Besiege alle Gegner“ oder ähnliches mehr Abwechslung gab? Abgesehen davon fanden die Bonus-Ereignisse dort auch in levelspezifischen Umgebungen statt, was durchaus die legitimere Variante darstellt. Durch ihre Monotonie und Bekanntheit aus dem Vorgänger wirken die Bonusmissionen fast schon fehl am Platz und ziehen den sonst so euphorischen und genialen Gesamteindruck des Spiels nach unten. Für einen eventuellen nächsten Ableger sollte diese Tatsache jedenfalls unbedingt überdacht werden.
Multiplayer Spielspaß
Wer lieber mit einem menschlichen Mitspieler vor dem Bildschirm sitzt, hat in Tropical Freeze selbstverständlich wieder die Möglichkeit dazu; der Titel kann auf Wunsch auch zu zweit ohne Einschränkungen durchgespielt werden. Spieler 1 übernimmt hierbei die Rolle von Donkey Kong, der zweite Mitspieler darf zwischen den restlichen Protagonisten frei wählen.
Durch geschicktes Teamwork wird das Sammeln von Bonusgegenstände oder Bananen natürlich einfacher, als es alleine der Fall ist. Ebenso kann man so verzwickte Stelle oder unbeliebte Gegner schneller sowie sicherer überwinden. Zusammengefasst ein toller Mehrspieler-Spaß, der lange die Spieler lange zu unterhalten weiß.
Freispielbares und Extras
Freispielbares gibt es wie auch schon im Vorgänger einiges. Komplettiert man ein Puzzle – also sammelt alle Puzzleteile eines Levels – schaltet man ein Bild oder eine Konzeptzeichnung in der Bildergalerie frei. Sackt man alle KONG-Buchstaben einer ganzen Welt ein, schaltet man wiederum den jeweiligen Tempel-Level frei, welcher die spielerischen Fähigkeiten ordentlich auf die Probe stellt. Habt Ihr eine Welt durchlaufen, gesellen sich 4 Musikstücke aus den vorangegangenen Levels zur Musikgalerie. Alles beim alten, sozusagen.
Neu hingegen ist der Spielzeugautomat in Funkys Shop, welcher kleine Kugeln zum Sammeln beinhaltet. Diese können für 5 Bananenmünzen pro Kugel erworben werden und beherbergen Sammelfiguren der unterschiedlichen Welten, wobei nicht alle Modelle von Beginn an verfügbar sind. Hat man schlussendlich alle Puzzleteile in einem Tempel ergattert, schaltet man in den Extras für die jeweilige Welt noch ein schönes Diorama frei, welches von jeder erdenklichen Sichtweise betrachtet werden kann.
Ebenso schaltet sich der nach Beendigung des Spiels der Extraschwer-Modus frei, in dem euch lediglich ein Energieherz zur Verfügung steht. Ihr habt dabei freie Wahl zwischen Donkey, Diddy, Dixie oder Cranky Kong. In den einzelnen Levels gibt es keine Herzen mehr zu finden und Unterstützung in Form eines zweiten Kongs bleibt ebenso aus. Somit gilt es, den kompletten Level ohne einen einzigen Treffer zu überstehen, was an etlichen Stellen recht schwer oder gar unmöglich zu sein scheint. Hat man sich allerdings erst einmal eingespielt, kommt immer mehr der Wille zum Vorschein, weitere Level zu schaffen. Besonders Dixie macht im Alleingang eine tolle Figur, in der man sich schlagartig in Diddy´s Kong Quest zurückversetzt fühlt; ein noch besseres Spielgefühl als im Doppel mit Donkey Kong. Mit Cranky wollte hingegen nicht so wirklich Stimmung aufkommen.
Doch war das schon alles? Nun, dass sollte jeder Spieler selbst herausfinden...
Grafische Opulenz und Spielereien
Hier merkt man dem Spiel an, dass sich die Entwickler wieder Mühe gegeben und viel Liebe ins Spiel gesteckt haben. Alle Gebiete, seien es die tropischen Strände, die Alpen mit ihren Glocken und Windmühlen, die Savanne mit ihren Grasbüschen und Feldern oder aber die lebendigen Unterwasserwelten - allesamt verbreiten sie eine Wohltat für die Augen mit allerhand spielerischen Kleinigkeiten. Insgesamt gesehen wirkt die Umgebung sehr lebendig, was auch mit an den im Wind wankenden Bäumen, Sträuchern und sonstigen Gewächsen liegt.
So etwa die Seesterne im Sand, die bei einer Trommelattacke auf den Boden davonfliegen oder die brennende Savanne, welche mithilfe von Wasserkugeln gelöscht werden muss. Doch auch im Hintergrund spielt sich immer einiges ab. So findet man etwa Vögel am Himmel, Fische im Meereshintergrund oder Insekten, die an Laternen und anderen Leuchtquellen herumschwirren. Dazu gehören ebenfalls fallende Blätter, Regen oder Schneeflocken, die man ab und an betrachten darf. Selbst die Wassereffekte und Wellen sind sehr realistisch ins Spiel übertragen worden und wissen zu gefallen.

Donkey Kong und seine Freunde sind bis ins kleinste Detail wunderschön gestaltet, was mitunter am Fell erkennbar ist, bei dem man sogar die einzelnen Haare erkennen kann. Aber auch sämtliche Gegner wie Pinguine, Fische, Schnecken, Libellen und sonstige Lebewesen sind den Entwicklern grafisch sehr gut gelungen und weisen als netten Nebeneffekt bei Berührung auch teils lustige Animation auf. Das ist auch beim Kong-Clan nicht anders – Cranky reist den Mund bei seiner Trommelattacke so weit auf, dass man den Eindruck bekommen könnte, ihm würden seine dritten Zähne bei der nächsten Vibration aus dem Mund fallen.
Dixie verzaubert den Spieler hingegen mit ihren lieblichen und süßen Gesichtsausdrücken. Ebenso liebevoll und schön anzusehen sind die Animationen, welche die Helden nach einer kurzen Spielpause von sich geben. Hier kommen, je nachdem, ob allein oder im Gespann, die unterschiedlichsten Gesten zum Vorschein. Dixie turnt zum Beispiel oder spielt Luftgitarre wie in Donkey Kong Country 2. Diddy gibt verschiedene Laute von sich oder nimmt Gesangsübungen, während Cranky seinen Spazierstück wiederum dazu benutzt, seinen Gehörgang in Ruhe zu reinigen.
Noch besser als im Vorgänger kommen aber die Level, in denen man nur Silhouetten und markante Kleidungsstücke der Helden sieht, zu Geltung. Sei es im Dschungel, unter Wasser oder in sonstigen Umgebungen. Sehr interessant wirken die Spielereien bei Tauchgängen, wenn man direkt in einen Fischschwarm schwimmt. Die sich darin befindlichen Leuchtfische bringen die Umgebung kurz zum Erleuchten, was geheime Wege oder Verstecke zum Vorschein bringt, die im düsteren Ozean Schutz suchten. Diese Darstellung gibt dem Spiel zusätzlich einen gewissen Reiz; wenn aus dem Lautsprecher parallel dazu noch passende, gar epische Melodien aus dem zweifelsohne gelungenen Soundtrack ertönen, versinkt man einfach nur noch in diese Welten – traumhaft!
Donkey Kong Country: Tropical Freeze befindet sich grafisch auf sehr hohem Niveau, auch wenn die Entwickler mehr Mut für Neues hätten zeigen dürfen. So erinnert nämlich sehr vieles noch an den Vorgänger Returns, was aber keineswegs nicht überall als Nachteil zu bewerten ist. Bei den Bonusräumen oder den Tempeln hätte eine kleine Brise frischen Windes in der Gestaltung aber sicherlich niemanden gestört. Eine realistischere Grafik im Stil des SNES-Erstlings, die vor allem in HD bestimmt einiges hermachen würde, wäre für einen Nachfolger auch begrüßenswert. Natürlich gibt es an der teilweise quietsch-bunten Grafik von Tropical Freeze an sich aber nichts auszusetzen.
Ein fast musikalisches Meisterwerk
Donkey Kong Country: Tropical Freeze besticht mit seinem Soundtrack, wie es kein Teil mehr seit Diddy´s Kong Quest getan hat. Vorweg sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass man keineswegs ein Returns 2 in Sachen Musik erwarten sollte. Zumindest nicht in den ersten zwei Welten, welche zwar sehr gelungen und an sich teilweise echt tolle Kompositionen sind, aber keineswegs an die typischen Dschungelklänge erinnern, wie man sie sich eigentlich von einem Kong-Abenteuer erwartet. Das muss aber auch nicht kritisiert werden – Tropical Freeze hält im Gegensatz zum Vorgänger, welcher kaum nennenswerte Neukompositionen bot, nämlich sehr gelungene bis fantastische und stimmige Musikstücke bereit.
In der ersten Welt passt sich die Musik dem Szenario „Strand“ an, wodurch man hier überwiegend tropische, fröhliche und groovige Musik auf die Ohren bekommt. Welt 2 findet in den grünen Alpen statt, womit auch hier für die Serie untypische Melodien dem Vorbild des extravaganten Settings folgen. Lustige, fröhliche und verspielte Lieder, welche die Atmosphäre der Umgebung sehr gut widerspiegeln, entströmen den Lautsprechern. Bei einem Musikstück könnte man fast der Meinung sein, dass es einst für Diddy Kong Racing geplant war, da dieses verdammt stark nach Musik des N64-Funracers erinnert. Interessant ist dabei auch, dass die jeweiligen Musikstücke immer mit landestypischen Instrumenten gespielt werden. Mit Welt 3 beginnt dann auch der typische, einzigartige Sound der bekannten Country-Teile.
Erstmals bekommt man hier auch ein Musikstück aus Diddy´s Kong Quest zu hören, welches eingefleischten Country-Fans und Liebhabern wohl das ein oder andere feuchte Auge bereiten könnte. Leider ist dieses Musikstück aber nur ein Beiwerk des Levels, welches auch nur in diesem gespielt wird und kurz nach dem Start durch ein anderes abgelöst wird. Sehr schade eigentlich, da der Klang des Liedes phänomenal ist – erfreut es doch, wie die meisten anderen Stücke der Welt, mit einer Panflöte als Instrument. Die gewollten, nicht immer korrekten Tonlagen verleihen der Musik einzigartige Atmosphäre und Flair.
In Welt 4, die sich komplett den Gebieten unter dem Meeresspiegel widmet bekommt man endlich wieder eine dem SNES-Erstling ähnliche fantastische Musikuntermalung. Zum einen sorgen dafür Remakes von Musikstücken aus Donkey Kong Country sowie dessen Nachfolger, welche einfach nur atemberaubend klingen und Retro-Feeling pur erzeugen. Zum anderen gelingt es auch den fast noch besseren, kompletten Neukomposition des Soundtracks, einfach nur in Fleisch und Blut zu übergehen und die Atmosphäre der Umgebung zu unterstreichen. Doch nicht nur in Welt 4, sondern auch in anderen Gebieten, in denen man sich kurzzeitig auf Tauchstation befindet, erklingen wirklich schöne Kompositionen.
Auch im weiteren Spielverlauf erfreuen die schönsten Neukompositionen und Remakes vergangener Teile das Ohr des Spielers. Das eine Mal eher besinnlich, das andere Mal fröhlich oder auch kämpferisch – jeder Level bietet dabei eine passende und stimmige Musikuntermalung, welche die Atmosphäre des Spiels deutlich anhebt. Kein Wunder, steuerte doch David Wise, Komponist der einstigen SNES-Teile, zum Soundtrack von Tropical Freeze bei und das hört man ganz eindeutig im Vergleich zu Returns.

Tropical Freeze zeigt einmal mehr, dass die richtige Musik sehr viel zum Spielspaß und der Atmosphäre eines Spiels beitragen kann. Insgesamt gesehen gibt es aber auch das ein oder andere Stück, was nicht ganz so gut gelungen ist oder aber auch Variationen bekannter Melodien, die etwas eigenwillig anmuten. Wer also eine gute Soundanlage daheim hat, sollte diese auf jeden Fall zum Einsatz bringen. Schade ist nur, dass einige Stücke zu wenig Verwendung im Spiel gefunden haben und nur jeweils 4 Lieder einer Welt in der Musik-Galerie freigeschaltet werden können. Hier wäre ein komplettes Soundmenü wie bei den SNES-Teilen wünschenswert gewesen. Vielleicht bringt Nintendo ja doch noch eine Soundtrack-CD zum Spiel heraus...
Neuerungen der Switch-Fassung
Die größte Neuerung für den Switch-Port stellt der Funky-Modus dar, der das Spiel deutlich einfacher bzw. einsteigerfreundlicher macht. Dazu zählen die Anzahl der Energieherzen, sowie die Steigerung der Items von 3 auf 5, die man mit in die Levels nehmen kann. Spielbare Charktere sind hier ausschließlich Funky Kong oder Donkey Kong. Funky Kong kann mit seinem Surfbrett einen Doppelsprung ausführen und zudem stacheligen Untergrund ganz sicher überqueren. Ebenso kann er unendlich lange auf seinem Brett gleiten und verbraucht unter Wasser keinen Sauerstoff – sprich, er muss niemals auftauchen um Luft zu holen. Für Neulinge ist dies sicher sehr von Vorteil, das Tropical Freeze ja ein Spiel der etwas fordernden Sorte ist. Dennoch macht es den Eindruck das dem Spiel mit Funky ein gewisser Reiz verloren geht.
Zudem gibt es kleinere Neuerungen wie etwa das Icon für Funky Kong im Spielauswahl-Menü oder der gesprächige Papagei, der die Rolle für Funky im Shop übernimmt. Schön ist auch, das für Funk Kong extra neue Story-Sequenzen bei den Begegnungen mit den Bossgegnern gefertigt wurden. Auch gibt es neue Animationen, wenn sich die Charaktere einige Zeit nicht bewegen. Dazu zählt etwa das Donkey Kong nicht mehr mit dem Nintendo 3DS spielt, sondern nun mit der Switch. Dies passiert jedoch ausschließlich im Funky-Modus - im Original-Modus ist alles beim Alten geblieben.
Wirklich schade ist, das es keine Neue Welt oder zusätzliche Level gibt. Dies hätte dem Spiel einen deutlich höheren Kaufanreiz gegeben für jene, die das Original schon kennen.
In technischer Hinsicht gibt es auch einige Verbesserungen. Optisch wirkt das Bild durch seine 1080p etwas schärfer als noch auf der Wii U. Selbst auf dem Handheld macht Tropical Freeze eine sehr gute Figur. Jedoch merkt man dem Spiel an einigen Ecken auch an, dass es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Sehr hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass die Ladezeiten deutlich kürzer geraten sind als noch beim Original- Mitunter sind diese auf die Hälfte oder teils knapp ein Drittel geschrumpft, was dem Gameplay zu Gute kommt.
Lohnt sich ein Neukauf?
Im Prinzip dürfte dies ganz einfach sein. Für alle die das Spiel noch nicht kennen kann man eine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen, bei jenen die das Original schon gespielt haben ist es eine Frage ob für sie der Funky-Modus ausreicht um das Spiel noch einmal Spielen oder Kaufen zu wollen. Wir finden das es zu wenig Neues gibt um einen Kauf zum Vollpreis von knapp 60€ zu rechtfertigen. Wer das Spiel aber gern im Handheld-Modus spielen will und sich nicht scheut dafür den Vollpreis auszugeben, kann natürlich bedenkenlos zugreifen. Alle anderen die das Spiel nicht kennen und gar eine Wii U daheim stehen haben, sollten lieber zum Original greifen, das teilweise schon für unter 20€ zu haben ist.
Fazit
Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist ein einzigartiges und fast perfektes Spiel, wie man es zuletzt bei Diddy´s Kong Quest auf dem Super Nintendo erlebt hat. Das geniale Leveldesign, ein Gameplay vom Feinsten sowie die tollen Animationen und der gelungener Umfang bilden zusammen mit der Optik und den teils epischen Musikstücken ein unvergessliches Spielerlebnis. Dank des Funky-Modus ist das Spiel Einsteigerfreundlicher, verliert aber, besonders mit den speziellen Fähigkeiten von Funky, einen gewissen Reiz. Zudem könnte man den hohen Preis für ein 4 Jahre altes Spiel kritisieren, das 25% teurer ist als damals zum Release auf der Wii U. Dennoch haben wir uns dazu entschlossen, das Spiel deswegen nicht abzuwerten. Eine Fortsetzung der Country-Reihe ist unbedingt erwünscht!
- tolles Leveldesign
- sehr gelungene Grafik
- phänomenale Musikuntermalung
- schnellere Ladezeiten
- Rambi ist leider wieder der einzige tierische Helfer
- Ideenlose Bonusräume mit monotonen Aufgaben
- kein komplettes Soundmenü
- keine neuen Level
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


