
Mario Party: The Top 100
Die Geschichte der Handheld-Mario Partys ist eine Odyssee der Selbstfindung: Das Brettspiel-Konzept funktioniert zu viert auf der Konsole einfach besser als wenn jeder vor dem eigenen Bildschirm hockt.

Mario Party: The Top 100
3DS
- Genre
- Gesellschaftsspiel
- Serie
- Mario Party
- Entwickler
- Nintendo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3DS
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
So versuchte Mario Party Advance noch mit einer starken Solisten-Kampagne aufzuwarten, Mario Party DS und die beiden bisherigen 3DS-Ableger versuchten aber eher mit einfacheren bzw. schnellebigeren Spielbrettkonzepten und einem Fokus auf Minispielen die Formel aufzulockern – was teils besser, teils schlechter funktionierte. Doch so wirklich kamen sie nie an die Konsolenvertreter heran.
Mario Party: The Top 100 hat nun aufgehört, das Rad neu erfinden zu wollen: Statt auf Spielbrettern liegt der Fokus nun komplett auf den Minispielen, und zwar auf den besten 100, die die (Konsolen-)reihe zu bieten hatte. Doch reichen Nostalgie und gute Minispiele, um ein gutes Mario Party aus zu machen?
Die Rückkehr der Minispiel-Insel
Die Gesamtpräsentation des Minispiel-Best-Of gibt sich sehr spartanisch: Es gibt keine übergreifende Story und die simplen Modi präsentieren sich ziemlich selbst erklärend im Hauptmenü. Die meiste Zeit werden Einzelspieler wohl auf der Minispiel-Insel verbringen: In diesem Modus gilt es alle 100 Minispiele anhand einer Super Mario World-ähnlichen Karte - wie man sie in komplexerer Form noch aus Mario Party kennt – anzuspielen.
Hierzu wählt man zu Beginn einen Charakter und einen Partner für Team-Disziplinen. Man startet mit 5 Leben, welche man durch das Sammeln von 100 Münzen erhöhen kann. 10 Münzen bekommt man als Siegesbonus oder wenn man bei einem Gumba- oder Koopa-Minispiel einen amiibo scannt. Scannt man bei dem jeweiligen Charakter auch den entsprechenden amiibo bekommt man sogar 50. Nintendo will ja, dass die beiden neuesten Vertreter auch einen Absatz finden!
Des Weiteren gibt es auch !-Blöcke mit einer zufälligen Anzahl an Münzen. Hat man alle Leben verloren heißt es Game Over und man wird zum letzten Checkpoint zurückgesetzt, wobei man zumindest einmal am Tag einen Amiibo für einen Zusatzversuch scannen kann.
Minigame-Mania
50 Minispiele sind gleich vorhanden, doch die zweite Hälfte muss man erst durch den Inselfortschritt freischalten. Sollte es sich aber nicht um ein Boss-Minispiel handeln, kann man auch auf dem letzten Platz noch voranschreiten – man verliert dabei lediglich einen Versuch. Dadurch sollte man insgesamt nur zweieinhalb bis vier Stunden benötigen, um alle vier Welten inklusive Bonus-Level zu beenden.
Je nachdem ob man 3., 2. oder 1. wird bekommt man für den Abschluss einen, zwei oder drei Ministerne. Sind zwei Spieler Letzter gilt dies übrigens als zwei dritte Plätze und man bekommt trotzdem einen Stern. Unter den Boss-Minispielen werden dann besondere Kategorien gewählt, wie etwa ein Duell gegen Donkey Kong - aus jenen Mario Party-Titeln als er vom Spieler-Avatar zum Gastgeber avancierte - oder etwa Bowser-Minispiele.
Star-Deja-Vu
Die gute Nachricht: Mario Party: The Top 100 ist nicht nur eine Minispielsammlung, sondern bietet auch ein Brett an. Die Schlechte: Es ist nur ein einziges und dazu noch sehr simples Brett. Auch kann man insgesamt nur 8 Charaktere wählen, unter denen die Klassischen zwar vertreten sind, wer aber neuere Figuren wie Toad oder Birdo spielen möchte schaut in die Röhre. Nur die klassische Mario Party 3-Truppe haben es geschafft, wobei auch hier Rosalina gegen Donkey Kong getauscht wurde.
Auf dem Brett kann man nun Zahlen von 1-6 würfeln, wobei viele klassische Items eure Züge beeinflussen können. Weniger klassisch ist die Bewegungsweise: Man bewegt sich nicht linear, sondern kann wie in Mario Party Star Rush nach jedem Zug die Richtung wechseln und bei mehreren benachbarten Feldern auch sehr verwinkelte Pfade einnehmen. Des Weiteren ziehen alle Spieler gleichzeitig.
Das einzige Brett
Hier hätte es sich angeboten mit Zufallsgenerierten Feldern zu arbeiten. Die einzigen Zufallselemente sind allerdings Minispiel- und Sternballons. Minispiele treten nämlich nicht jede Runde, sondern nur beim Überschreiten eines Minispiel-Ballons auf, der dem Sammler 5-10 Extra-Münzen einbringt. Danach kann jeder Spieler aus seinem zuvor gewählten Paket ein Minispiel wählen, während das Roulette entscheidet, welches an die Reihe kommt. Wird das eigene Spiel gewählt, bekommt man doppelt so viele Münzen und euer Roulette-Feld wird auch deutlich vergrößert.
Hauptziel ist aber nicht das Sammeln von Münzen, sondern der Kauf von Sternen. 10 muss man für je einen Ballon berappen, wobei per Zufall auch zwei oder drei an einem Fleck sein können. Sollten zwei gleichzeitig über den Ballon laufen (alle Spieler ziehen wie gesagt zur selben Zeit) kommt es zum Duell. Leider wendet man hier aber statt eines 1vs.1-Minispiel ein simples Quicktime-Event an. Auch beim Duellhandschuh ist dies der Fall. Diese Entscheidung wurde vermutlich getroffen, damit nicht zwei menschliche Spieler passiv vor ihrem 3DS hocken müssen... aber ganz ehrlich: Wenn man schon auf Nostalgie baut, sollte man davon ausgehen, dass die Zielgruppe auch hier nichts gegen die Duell-Granaten der Konsolenklassiker gehabt hätte.
Am Ende der Partie gibt’s dann wieder Ku… äh, 3 Bonussterne, welche das Geschehen nochmal aufrütteln können.
Der Rest
Die Weiteren Modi sind simpel: Entweder man kann ein Turnier mit zufälligen Minispielen beschreiten oder einen „Dekathlon“ wählen. Das Besondere an Letzterem ist, dass immer die selben Minigames gespielt werden, welche aber alle die einzelnen Rekorde messen. Am Ende zählt dann nicht nur eure Platzierung, sondern auch eure Punktzahl. Natürlich ist es auch möglich, jedes Minispiel einfach so zu daddeln. Etwas schade aber: Die Minispiel-Erläuterungen beschränken sich nur noch auf zwei kurze Sätze. Detailliertere Erklärungen mit Extra Tipps, wie man sie noch aus N64-Zeiten kennt, sind auch nicht mehr optional verfügbar.
Apropos Klassiker: Es gibt auch noch Bibliotheken, darunter auch eine kurze Beschreibung von Mario Party 1-10. Die Handheld-Mario Partys wurden leider weder hier, noch in der Top 100-Auswahl berücksichtigt. Dafür werden die Minispiele auch nach Konsolen eingeteilt und zeigen auf einem der beiden Screens meist auch an, aus welchem Mario Party der Titel kommt.
Grafik, Sound und andere Verbesserungen in den Minigames
Hier sei schon mal positiv angemerkt, dass Mario Party: The Top 100 sich die Mühe gemacht hat, den 3D-Effekt zu unterstützen. Dieser ist zwar ziemlich flach und beschränkt sich hptsl. Auf die Abhebung von Menügrafiken, dennoch ist es schön zu sehen, dass nicht alle Nintendo-Titel zu 100% für den 2DS produziert werden.
Des Weiteren wurden klassische Minispiele der N64-Ära auf den Glanz der Neuzeit hochpoliert: Trotz der 15 Jahre Unterschied zwischen den einzelnen Episoden wirken Grafik, Animationen und Musik wie aus einem Guss, wobei manche Arrangements doch nicht ganz so charmant wie die Originale rüberkommen. Auch gab es in diversen Minispielen merkbare Quality of Life-Verbesserungen. Einzig und allein die Gyro-Steuerung in der Kugel-Willi Hatz scheint nicht ganz so gut wie auf der Konsole zu funktionieren.
Multiplayer
Bis auf die Minispiel-Insel können alle oben genannten Modi auch mit menschlichen Kontrahenten gezockt werden. Dabei wird insgesamt auch nur ein Cartridge benötigt, allerdings braucht jeder Nutzer sein eigenes System der 3DS/2DS-Familie. Dafür können diese dann aber auch alle Funktionen nutzen. Nintendo hat dies bewerkstelligt, indem statt der Originalmelodien nur Rhythmus-Samples oder 8-Bit Varianten übertragen werden - die aber auch irgendwie eine Art Retro-Charme versprühen. Ein zweites Spiel wird also nur benötigt, wenn Spieler zwei (usw.) seine Rekorde speichern möchte.
Fazit
Mario Party: The Top 100 vereint die besten (Konsolen-)Minispiele der letzten zwei Jahrzehnte und verpasst ihnen ein neues Gesicht, verschenkt dabei aber jede Menge Potenzial. Die Minispiel-Insel ist schnell durch und die restlichen Modi sind das Minimum, was man von einer Minispiel-Sammlung erwartet. Es ist toll, dass man nur eine Karte für eine Multipalyer-Partie benötigt dennoch wird aber ein Handheld pro Spieler benötigt. Auch fehlt wieder ein Online-Modus. Wer Freunde mit 3DS zum Zocken hat und die besten Minispiele aus 10 Titeln erneut erleben will kommt sicher auf seine Kosten. Dennoch würden wir uns einen zweiten Anlauf für die Switch wünschen, in dem dann auch die besten Bretter aus den 10 Titeln zum Einsatz kommen. Und dann auch mit Minigames der Handheld-Titel.
- Die 100 besten Minigames
- Einzelkarten-Multiplayer
- schöne Gesamtpräsentation
- Minimalistisch
- nur ein Spielbrett
- kein Online-Modus
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


