
Apollo Justice: Ace Attorney
Nachdem bereits die Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy ein 3D-Update bekam, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der erste DS-exklusive Titel Apollo Justice: Ace Attorney ein Facelifting bekommt. Im letzten Jahr war es für Smartphones so weit, nun ist auch der 3DS an der Reihe.

Apollo Justice: Ace Attorney
NDS
- Genre
- Adventure
- Serie
- Ace Attorney
- Entwickler
- Capcom
- Publisher
- Capcom
- Spieler
- 1 lokal
Doch lohnt es sich, ein fast zehn Jahre altes Spiel nur wegen schärferer Grafiken erneut zu einem Preis zu kaufen, für den auch der relativ neue Titel Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies angeboten wird? Wir sind dieser und anderen Fragen nachgegangen - darauf hoffend, dass unser Urteil gerecht wird.
Eine etwas andere Episode
Eigentlich hätte es ganz anders kommen sollen: Shu Takumi, der Schreiberling hinter der Ace Attorney-Saga, wollte die Serie mit Phoenix Wright Ace Attorney: Trials & Tribulations beenden. Seiner Meinung nach wurde der Protagonist und sein Esemble zu genüge untersucht. Dennoch wollte Capcom einen vierten Teil, weshalb Takumi einen neuen Star auf die Verteidigerbank holte: Apollo Justice. Das Team drängte ihn dennoch, Phoenix in den Spielverlauf zu integrieren, wodurch er der Angeklagte im ersten Fall wurde...
Um also den Bruch zur Original-Saga zu schaffen, wurde das Geschehen sieben Jahre nach Wright’s letztem Fall angesiedelt. Dieser ist nun nicht mehr Strafverteidiger, sondern „Pianospieler“, verdient sein Geld aber eigentlich mit Kartenturnieren und einer minder erfolgreichen Talentagentur, da sie eigentlich nur seine 15-jährige "Tochter" vertritt.
Vieles hat sich verändert, sein Scharfsinn scheint ihm aber geblieben zu sein. Das ist auch so ziemlich das einzige Merkmal, dass ihn mit dem ursprünglichen Phoenix verbindet, denn dass er nicht mehr auf dem Höhepunkt seines Lebens ist, sieht man im deutlich an.
Gerade dieser Punkt dürfte Fans der Serie besonders schmerzen – immerhin war der Anwalt mit dem blauen Anzug doch so etwas wie der Stellvertreter des Spielers. Und dieser wirkt nun völlig fremd... Statt des blauen Anzugs steht nun ein roter Verteidiger auf dem Parkett...
Vieles neu und doch nicht anders
Veteranen sollten im Gerichtssaal keine allzu großen Überraschungen erleben: Wie immer gilt es der Geschichte zu lauschen und dann entweder im Kreuzverhör an den richtigen, wiederholbaren Textstellen den Zeugen genauer zu befragen oder ihm mit einem „Einspruch!“ und einem Beweismittel aus eurem Inventar einen Fehler in seiner Aussage aufzuzeigen. Erweitert wird das ganze durch Eingabeauforderungen während der Dialoge.
Wer ein Ace Attorney-Spiel genießen will, sollte sich also auf ordentlich Lesestoff einstellen! Was die Serie aber gerade so spannend macht, ist das gut gesetzte Timing im Handlungsfluss: Nur selten kennt man die Lösung schon, bevor Apollo es tut, und wenn doch ist es zumindest rechtlich notwendig, erst Mal mit verdeckten Karten zu spielen. Auch fühlt man sich selten überfordert, wobei die "Supertipp"-Funktion späterer Titel hier noch fehlt.
„Raten“ kommt übrigens ganz schlecht: Hierfür erteilt euch der Richter Strafpunkte, wer zu viele gesammelt hat, verliert den Fall – wobei man mittlerweile lediglich bei Beginn der Aussage von vorn beginnen muss. Wer also überhaupt nicht weiter weiß, kann also auch blindlings alle Beweismaterialien durchkicken - geht dann aber auch komplett am Sinn des Spiels vorbei.
Ich sehe, dass du lügst...
Neu ist in Apollo Justice das „Armband“ des Anwalts mit der wilden Strähne. Apollo besitzt nämlich die Fähigkeit, zu erkennen, wann jemand lügt. In einer Art Zeitlupe nehmt ihr dann die Aussage des Zeugen auseinander und wartet darauf, dass dieser bei einer gewissen Textpassage eine verdächtige Mikroexpression an den Tag legt. Da kann ein falsch platziertes Wimpernzucken einen schon Mal als Lügner überführen und den Kontrahenten aus der Fassung bringen...
Dieses Element frischt den etwas starren Gerichtsbetrieb zwar etwas auf, revolutioniert diesen aber nicht grundlegend. Wesentlich interessanter sind dabei die Talente einer gewissen anderen Detektivin... Aber hierzu später mehr
Der Jüngling mit den Stimmbändern aus Stahl
Natürlich kann Apollo die Unschuld von Phoenix beweisen – allerdings steht er danach ohne Job da. Dieser bietet ihm daraufhin an, in seinem Büro zu arbeiten, und wandelt die Talentagentur in eine „Anything“-Agentur um.
Das einzige andere Talent Trucy Wright bildet fortan den Ersatz zu der bisherigen Maya Fey – und das eine Spur zu deutlich. Anstatt nämlich wie Athena Cykes aus dem späteren Phoenix Wright: Ace Attorney - Dual Destinies eigene Charakterzüge zu entwickeln, bleibt sie lediglich ein Abklatsch der schrägen Geistlichen aus dem Original.
Auch Apollo selbst ist dem blauen Anwalt in dieser Episode noch viel zu ähnlich, dieser konnte mit der Fortsetzung aber ordentlich im Popularitäts-Ranking aufsteigen und erlebte somit in Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice eine unerwartete Renaissance.
Das dunkle Zeitalter des Gesetzes
Vielen der Ereignisse dieses Titels wurden erst durch Dual Destinies eine größere Bedeutung beigeschrieben. Auch der Kontrahent Klavier Gavin – ein Rocker mit deutschem Akzent – ist der wohl am wenigsten charismatische Kontrahent: Während die von Karmas und Edgeworth beinharte Siegessträhnen verteidigten und auch Godot auf seine seltsame Art einen persönlichen Rachefeldzug hegte, so kommt es einem bei dem aalglatten Schönling so vor, als wäre er nur an einer guten Show in einer Art freundlichen Wettbewerb interessiert.
Insbesondere im letzten Showdown entwickelt sich dies zu einer Art Heimspiel, was äußerst schade ist, da die anderen Kontrahenten oft härter zu überzeugen waren als so manche Mörder - denn immerhin muss auch ein eindeutig böser Mensch auch mit einer juristisch eindeutigen Beweislage bestraft werden - wobei hier Apollo Justice eine interessante, andere Option anbieten wird...
Abseits der eher schwachen Hauptbesetzung und dem Bruch mit Wright als ruhmreichen Helden bleibt der Rest der Handlung aber dem Ace Attorney-Stil treu: Neben spannender Mordkrimis gibt es auch eher schräge Beweismittel-Gefechte. Von lange geplanten Giftattacken und Familien-Intrigen bis hin zu Rockkonzerten und magische Unterhosen ist alles dabei.
Forensik im Einsatz!
Einige der großen Neuerungen der DS-Episode war des Weiteren, dass die meisten Gegenstände nun in einer Polygon-Ansicht gedreht und untersucht werden können. Dies wurde später zwar auf ein reduzierteres, sinnvolleres Maß herunter gekürzt, wer sich aber ohnehin schon auf ein textlastiges Abenteuer eingelassen hat, den dürften ein- zwei Spaßdialoge zusätzlich auch nicht stören.
Später im Spiel kommen hier dank Ema Skye auch noch „forensische Methoden“ zum Einsatz. So kann man nun Gegenstände auch in der Detailansicht mit Luminol und Fingerabdruck-Puder untersuchen und später sogar Aufnahmen vor- und zurückspulen. All diese Fertigkeiten kommen so wohl im Gerichtssaal als auch bei der Untersuchung am Tatort zum Einsatz, in welchem ihr euch wie in einem Point’n’Click Adventure aus der Ego-Perspektive von Szene zu Szene bewegt.
3DS-Verbesserungen
Wie schon die Phoenix Wright Trilogy kommt auch dieser Titel mit wesentlich höher auflösenden Illustrationen für Charaktere, Items und Hintergründe daher, die allesamt für die HD-Remakes auf Smartphones geschaffen wurden. Diese schaffen wegen der Begrenzungen des Handhelds zwar keine HD-Auflösung, sehen aber auch auf einem 2DS scharf genug aus. 3DS-Besitzer bekommen außerdem eine schöne 3D-Staffelung der einzelnen Sprite-Layer – auf echte 3D-Modelle wie in den speziell für 3DS geschaffenen Episoden findet man hier allerdings nicht.
Ein weiteres neues Feature ist außerdem die Möglichkeit, sämtliche Dialoge – auch noch nicht gelesene – via gedrücktem B-Knopf zu überspringen, sofern man die Option aktiviert. Auch der via Knopfdruck optionale „Einspruch“-Ruf via Mikrofon ist noch möglich, war aber schon damals mehr Gimmick als Feature.
Leider wurde aber auch hier auf die Verwendung der früher vorhandenen, deutschen Übersetzung (inkl. Sprachausgabe-Samples) verzichtet. Diese war zwar orthografisch nicht einwandfrei, aber wenn der Titel den selben Preis wie eine brandneue Ace Attorney-Episode verlangt, hätte man zumindest die zusätzlichen Sprachversionen anbieten können...
Das Kreuz mit den Moneten...
Auch der 3DS-Port von Apollo Justice ist wieder gelungen, und der Titel selbst ist bis auf ein paar Schwächen ein weiterer gelungener, interaktiver Krimi. Einzig und allein der Preis macht es uns schwer, eine treffende Wertung zu finden.
Normalerweise sehen wir davon ab, einen Titel auf Grund des Preisniveaus deutlich besser oder schlechter zu bewerten. Nachdem Apollo Justice - ein zehn Jahre alter Titel mit vier Fällen – aber beinahe gleich viel kostet wie die aktuellste Episode (5 Fälle ohne DLC) oder die gesamte Phoenix Wright Trilogie mit 14 Fällen, hatte diese Dreistigkeit leider auch Einfluss auf die Gesamtpunktzahl. Auf Smartphones kostet dieser im Gesamtpaket zwar auch so viel wie seine Kollegen, kostet hier aber zumindest ein Drittel weniger.
Um diesen Preis hätte man auch noch beide Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth-Spin-Offs (ja, auch den Japan-exklusiven zweiten Teil) drauflegen müssen. Nachdem Gerüchten zu Folge auch schon eine Trilogie für Switch geplant ist - in der auch APollo Justice enthalten sein soll – sollte man sich hier gut überlegen, ob man rein wegen des 3D-Effektes zum 3DS-Remake greifen will.
Fazit
Die krasse Wechsel und die ausnahmsweise schwächeren Hauptdarsteller hinterlassen zwar einen gemischten Beigeschmack im sonst so makellosen Gerichtsmelodram, doch die Geschichten sind weiterhin so spannend wie ausgeflippt, wie man es sich von einem Ace Attorney-Titel erwartet. Der Titel brachte zudem einige sinnvolle Neuerungen auf den DS, die die Formel zwar nicht grundlegend erneuerten, aber zumindest etwas auffrischten. Leider drückt aber der Preis ordentlich auf die Wertung, da Apollo Justice als zehn Jahre alter Einzeltitel fast gleich viel kostet, wie eine neue Episode bzw. die vollständige Phoenix Wright-Trilogie. Wer demnach auf den exklusiven 3D-Effekt verzichten kann, sollte sich überlegen, ob man nicht noch auf ein zukünftiges, günstigeres Angebot warten will.
- Spannende Story
- Forensik und "organischer Lügendetektor"
- 3D-Effekt
- neue, höher auflösende Illustrationen
- textlastig
- nicht mehr auf Deutsch verfügbar
- sonst kaum Extras
- Preis...
Vielen Dank an die Firma Capcom für die Bereitstellung des Testmusters.


