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Miitopia

Miitopia

Benjamin A.

Freunde, Verwandte oder berühmte Figuren als Miis in einem Rollenspiel. Diese Idee bot sich eigentlich schon seit der Einführung des Konzepts auf der Wii im Jahre 2006 an. Dennoch hat es nun fast 11 Jahre gedauert, bis das Konzept nun endlich für den Nintendo 3DS realisiert wird. Zumindest wenn man die StreetPass-Minigames nicht als vollwertiges Rollenspiel zählt.

Miitopia

3DS

Entwickler
Nintendo
Publisher
Nintendo
Konsole
3DS
Spieler
1 lokal

Nintendo hat aber natürlich mehr aus dem Konzept gemacht, als einfach Mii-Charaktere auf ein klassisches RPG zu pappen und setzt daher eher auf eine Mischung mit dem Tomodachi Life-Prinzip. Ob das Konzept aufgeht und ob auch klassische Rollenspiel-Fans auf ihre Kosten kommen, könnt ihr in unserem Miitopia-Review nachlesen.

Ein Held in heiliger Mii-ssion

Storytechnisch erwarten uns keine großen Überraschungen: Ihr startet eure Reise mit eurem Mii-Avatar und trefft dabei auf einen dunklen Fürsten, der sämtliche Gesichter des Landes stiehlt und sie auf Monster verfrachtet. Ein Plot-Element, dass wir auch schon in dem weniger bekannten Foto Face: The Face Stealer Strikes für DSiWare erlebt haben.

Doch als hilfsbereiter Held werdet ihr vom heiligen Horst – von welchem ihr nur die Stimme hört – auserkoren, um die Welt vor dem dunklen Fürsten zu retten.(Denn wieso sollte man auch ein Rollenspiel kaufen, wenn man nicht die Welt retten will?) Im Verlauf eures Abenteuers schickt euch Horst dann weitere Gefährten für euer Team und trefft weitere mehr oder weniger typische NPC-Charaktere und Handlungstragende Miis.

Ich, Michael Jackson und Gandalf gegen Oberfürstin Schakkeline

Handlungstragende Figuren müsst ihr hierbei immer selbst besetzen, wobei ihr hier mehrere Möglichkeiten habt: Ihr könnt Charaktere direkt aus dem Mii-Maker laden, sie in Miitopia erstellen oder einfach via QR-Code aus dem Internet oder sogar aus Miitomo laden. Wer lieber gleich loslegen will kann auch ein Mii aus einer Online-Zentrale wählen oder den Zufall aus jener Datenbank wählen lassen.

Nichtsdestotrotz sollte man sich aber dennoch ein wenig Zeit lassen, um sein Team auszuwählen: Wie die spätere Darstellung des Spielkonzeptes zeigen wird, empfiehlt es sich, Miis mit Bedeutung zu wählen und nicht nur fremde Gesichter in die Handlung zu integrieren.

Normale NPC-Charaktere werden dann normalerweise vom Zufall bestimmt. Durch tägliche Umfragen (bei deren Teilnahme man Boni fürs Spiel bekommt) werden hier allerdings auch Miis ausgewählt, die zu ihren dargestellten Rollen passen. Wer trotzdem nicht mit der Auswahl zu Frieden ist (die erste Figur die uns entgegenkam, war ein Face-Art, welches Darkrai aus Pokémon darstellte), kann dies jederzeit im Menü ändern.

Auf in den Kampf!

Ihr begebt euch nun also auf die Reise, um die Gesichter zurückzuerobern und stark genug zu werden, um den dunklen Fürsten zu bezwingen. Unter den Gegnern findet ihr verschiendenste Kreaturen wie Schmetterlinge, Schleim und Goblins, welche aus Gesichtsteilen anderer Miis zusammengestückelt wurden und im Stile eines Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs getroffen und bekämpft werden.

Horst gibt euch dabei Starthilfe: Mit seinem Segen könnt ihr sowohl eure Klasse als auch euer Gemüt bestimmen. Klassen funktionieren wie typische Berufe in Final Fantasy oder Fantasy Life und bestimmen eure Werte und Fähigkeiten. Neben klassischen Optionen wie Krieger, Magier und Heiler gibt es auch bizarrere Klassen wie Pop-Star oder Koch. Es können sogar noch weitaus schrillere Kostüme freigeschaltet werden, wie etwa Katzen.

Fast genauso wichtig wie die Klasse ist aber auch die Persönlichkeit eures Miis. So entscheidet diese nicht nur über Dialoge, sondern auch über das Kampfverhalten der Figur. Denn außerhalb eures eigenen Charakters könnt ihr keine der Figuren steuern, der Kampf findet größtenteils von selbst statt. Sogar eure eigene Figur kann via Auto-Kampf übernommen werden.

Doch auch abseits der Befehle spielen die Gemüter eine Rolle: Ein netter Heiler wird bspw. in die Presche springen, um seine Freunde vor Angriffen zu retten, kann aber auch ziemlich wertlos im Kampf sein, wenn er ständig versucht anstatt eines Angriffs seine Konflikte durch Dialoge zu lösen. Ein sturer Koch hingegen kann sich bspw. weigern seine Kameraden zu heilen, gelegentlich doppelte Angriffe ausführen oder sich gar weigern, den vollen Schaden des Gegners anzunehmen. Praktisch!

Casual oder Core?

Wer erwartet selbstständig eine Welt voller Miis erkunden zu können, wird leider enttäuscht werden: Lediglich in den kurzen Stadtsegmenten kommt man selbst ans Steuer. In Feldwegen und Dungeons laufen eure Miis entlang einer vorgegebenen Spur und quatschen unterschiedlichstes Zeugs miteinander. Auf dem Weg begegnet man Monstern, Schatztruhen oder erlebt Story-Elemente und Situationen, in denen Klassen und Persönlichkeiten natürlich wieder eine Rolle spielen. All diese kleinen Nebengeschichten machen den Charme aus, den auch schon Tomodachi Life versprühte.

Der einzige Haken daran ist allerdings, dass der Titel auch eher Casuals anspricht. So ist die einzige Wahlmöglichkeit zwischen Kämpfen eine Abzweigung bei einer Weggabelung. Der Wiederspielwert in späteren Arealen kommt dann durch mehrere solcher Abzweigungen, wobei die abgegrasten Möglichkeiten markiert werden. Diese Spielweise macht das Konzept für jüngere und Casual-Gamer leichter zugänglich, einige Core-Gamer könnten sich hier aber arg eingeschränkt fühlen.

Daher ist es auch etwas verwunderlich, dass Nintendo hier den Titel nicht als App vertreibt: Mit 2017 sind die meisten Casual Gamer längst auf’s Smartphone abgewandert und zahlen keine 40€ mehr für ein Spiel. Der Titel hätte als Add-On für Miitomo vermutlich genauso gut funktioniert, und mit Multiplayer-Elementen und Free2Play-Modellen eher die angepeilte Zielgruppe angesprochen.

Vom Fall zum Zufall

Ein weiterer großer Teil des Spielgeschehens geht dann Vom Gasthaus am Ende eines jeden Kapitels aus. Hier kann man seine Miis mit erbeutetem Essen füttern (jeder hat seine persönlichen Vorlieben und Abneigungen, die man erst herausfinden muss) oder man kann ihnen Geld geben, damit diese sich Ausrüstung kaufen. Auch hier geschieht der Prozess völlig automatisch und vereinfacht. Ab und zu kaufen die Miis auch etwas anderes wie eine HP-Banane, dies kommt allerdings nur selten vor. Meistens ersetzen die Ausrüstungen dann einfach die alten Werte, wobei man optional auch alte Ausrüstung aber mit neuen Werten wieder anlegen kann. Bspw. wenn man das Bienenstachelkostüm des Kriegers mag, aber dennoch die besten Werte möchte.

Des Weiteren spielen natürlich auch amiibos wieder eine Rolle. Wer Kostüme seiner Lieblings-Nintendo-Charaktere

Wer zudem Umfragen macht kann via gewonnener Spielscheine sein Glück in der Spielhalle versuchen, umso Münzen oder Items zu ergattern.

Des Weiteren kann man seine Miis auch in einer RPG-WG platzieren. Dadurch ergeben sich wieder kleine Events mit quirrligen Dialogen, die zum Beziehungswert der Einheit beitragen. Je nach Zu- oder Abneigung hat dies dann auch Auswirkungen im Kampf. So kann ein Mii dem anderen Mut zusprechen, wenn es verletzt wird oder seine eigenen Werte steigern, wenn es vor einem anderen Angeben will. All diese Aktionen geschehen wieder automatisch, aber umso mehr man dieser Funktionen freispielt, umso dynamischer wird das Kampfgeschehen.

Der soziale Aspekt

Viel von dem Charme eines Miitopia entsteht erst durch die Zufälligkeit einzelner Events und wie sie dann doch irgendwie zur Persönlichkeit der dargestellten Person passen. Nintendo weiß dass, wodurch die Screenshot-Funktion einfach via Y aktiviert werden kann. Auch Kämpfe können nochmal im Replay abgespielt werden, um so das perfekte Foto zu bekommen.

Grafik und Sound

Auch hier werden die Eifachheit und die Randomness wider gespiegelt. Grafisch Orientiert sich der Titel an einer Art einfach em Pup-Up-Buch Stil, welcher auch durch einen schön integrierten 3D-Effekt abrundet. Die Item- und Monster-Models sind niedlich und passen ins Schema. Der Sound hingegen orientiert sich eher an den schrägen Mii-Maker Sounddesigns, was für ein Fantasy-Setting zuerst eher komisch wirkt, aber umso mehr Miitopia aus diesem Klischee ausbricht, umso sinnvoller scheint der Zufallsfaktor.

7.5Wertung

Fazit

Miitopia ist eine witzige Idee, die aber als Smartphone-App vermutlich eher seine Zielgrupper angesprochen hätte. Das Spieplrinzip dürfte Core-Gamern zu simpel sein, zumindest wenn sie ein klassisches RPG erwarten. Wer den Titel eher wegen der Tomodachi-Elemente in Augenschein nimmt und ein entspanntes Rollenspiel für zwischendurch sucht kommt mit Miitomo allerdings voll auf seine Kosten. Hier muss man sich aber natürlich auch die Mühe machen, seine Figuren sinnvoll zu besetzen.

Design
7.5
Sound
8.0
  • witzige Idee
  • spaßig für Zwischendurch
  • Einsteigerfreundlich...
  • ...für Fortgeschrittene evtl. zu simpel

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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