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Butterfly: Inchworm Animation II

Butterfly: Inchworm Animation II

Benjamin A.

Flipnote Studio ist ein kostenloses Animationstool von Nintendo, welches insbesondere am DSi, mit Flipnote Studio 3D aber auch auf dem 3DS überzeugen konnte. Wieso sollte man nun also noch Geld für eine weitere Animations-App ausgeben?

Nichtsdestotrotz glaubt die Fortsetzung des DSi-Titels Inchworm Animation erneut mit der Gratis-App konkurrieren zu können. Was diese dem kostenlosen Titel voraus hat, erfahrt ihr in unserem Butterfly: Inchworm Animation II Review.

Harte Konkurrenz – 2D-Animation

Zugegeben: Ein quasi-kostenloses Flipnote Studio 3D ist schwer zu schlagen, insbesondere da die App trotz ihrer Begrenzungen durch ambitionierte Animatoren schon eine Art Kult-Status erreicht hat. Da kann sich das kostenpflichtige Produkt Butterfly: Inchworm Animation II nur profilieren, indem es ordentlich was drauf gibt… und in diesem Punkt verkauft sich die App als kleines, aber mächtiges Gesamt-Trickfilmstudio.

Während das Programm nämlich die gleichen Features wie Flipnote anbietet – wie etwa „Onion Layer“ zur Durchsicht, Frame-by-Frame Animation und 3D-Effekte – so bietet es insgesamt viel mehr Möglichkeiten. Während die kostenlose Software sich nämlich aus stilistischen Gründen auf wenige Farben reduziert, erlaubt Butterfly die gesamte Farbpalette, mehrere Animationslayer und frei konfigurierbare „Brushes“, welche ähnlich wie in Photoshop funktionieren. Außerdem kann man die Bildrate zwischen 1 und 30 Bildern pro Sekunde verstellen – in Flipnote ist man hier der Einfachheit halber an die voreingestellte Bildrate gebunden.

Des Weiteren erlaubt die Software auch einfache Schlüsselbild-Effekte: So kann man bspw. die Animation eines Layers halten, verlangsamen, transparenter machen oder durch drei Muster beeinflussen: Stottern, Rückwärts abspielen oder zufällige Bilder darstellen. Jede dieser Aktionen lässt sich via Schlüsselbilder auch variieren. Schlüsselbildvervollständigung oder die Darstellung dieser durch Animationskurven – wie man sie bspw. aus professionellen Animationsprogrammen kennt – darf man sich hier aber nicht erwarten.

Motion Graphics und Effekte

Ein weiteres tolles Feature ist die „animate as you go“-Funktion: Hier kann man – während eure bisherige Animation abgespielt wird – Linien oder Stempel-Brushes einzeichnen, welche dann automatisch als Einzelbilder in eurer Animation abgespeichert werden. Natürlich kann man auf diese Weise eher keine komplizierten Formen oder sogar Charaktere animieren, aber es eignet sich sehr gut für sogenannte „Motion Graphics“, also abstrakte, aber sich bewegende Bilder.

So kann man ohne viel Vorkenntnis zumindest schon mal ein paar Linien zum Laufen bringen oder jene als Hintergrundeffekte einsetzen - bspw. für die Wellen eines Schiffes. Möchte man dennoch klassisch animieren, kann man via Steuerkreuz die Animation anhalten.

Stopp-Trick mit der Kamera

Ein weiteres mächtiges Feature ist die Einbindung der 3DS-Kamera. Man kann zwar leider nur 2D-Bilder aufnehmen (man hat die Wahl zwischen innerer, linker und rechter Außenkamera) und man kann nur 99 Frames am Stück aufnehmen, dafür kann man aber auch hier die Bildrate der Kamera bestimmen und sogar den Sound übernehmen. In Flipnote war hier das Höchste der Gefühle ein Foto, welches in Bildpunkte umgewandelt wird.

Hier hat man nun wieder mehrere Möglichkeiten: Man kann einzelne Fotos aufnehmen (inklusive „Onion Layer“ für Stopp-Trick-Animation), eine Zeitraffer-Aufnahme erstellen oder gleich ein Video aufnehmen. Diese kann man dann als eigenen (Bild füllenden) Layer verwenden. Dadurch ist es möglich, das Aufgenommene durch Zeichnungen zu ergänzen oder sie nur als Referenz für Rotoskopie-Animationen zu verwenden, um das Video anschließend zu löschen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Ein eigenes Sound-Studio

Flipnote unterstützte zwar schon das Mikrofon, Butterfly geht hier aber noch eine Stufe weiter: Man kann aufgenommenen Ton (leicht) bearbeiten, indem man die Aufnahme höher oder tiefer "pitcht" oder sie schneller oder langsamer macht.

Des Weiteren gibt es auch ein eigenes „SFX“-Studio: Hier gibt es eine kleine Auswahl an vorgesetzen synthetischen Sounds, die man aber mit etwas Übung sehr leicht nach seinen Vorstellungen formen kann.

Hiermit sticht die App sogar im Vergleich mit professioneller Animationssoftware hervor: Diese unterstützen zwar natürlich Sound, in den meisten Fällen wird hier aber erwartet, dass der Klang mit einem anderen Programm erstellt wird.

Weitere Plus- und Bonuspunkte

Ein gewaltiges Plus für Butterfly: Während Flipnote nur am DSi und bis 2013 in Japan einen Online-Service unterstütze, ist dieser beim kostenpflichtigen Produkt gleich inkludiert. Ähnlich wie in Colors! 3D ist dieser Service auch von normalen Nutzern via butterflyanimation.com für jeden einsehbar und kann dadurch auch mit vergleichbaren Diensten auf anderen Geräten mithalten. Außerdem ein Plus: Die Upload-Bedingungen sind nicht ganz so pedantisch wie jene von Nintendo.

Ein Problem – welches jede 3DS-Zeichenapp hat – bleibt allerdings bestehen: Die Bildauflösung ist auf 3DS-Systeme ausgerichtet. Wer also professionelle Animationen in HD erstellen möchte, wird mit diesem Produkt nicht weit kommen… allerdings kostet professionelle Animationssoftware auch weitaus mehr als schlappe 8€.

Ein paar weitere Kritikpunkte: Im Spiel selbst gibt es trotz der Komplexität des Interfaces nur eine ziemlich knappe Einführung. Die Entwickler wollten hier wohl die Speichergröße gering halten und haben deshalb eine ausführliche Tutorial-Serie auf ihrem offiziellen YouTube-Kanal veröffentlicht. Dennoch hätte man sich dann mit dem User Interface mehr Mühe geben können. Alle wichtigen Funktionen sind zwar da, optisch wirkt es aber eher wie eine Beta-Version und man benötigt erst etwas Zeit, um sich darin zu Recht zu finden. Bei Flipnote geht das durch das schöne Design auch ohne Verwendung des Tutorials intuitiv von der Hand.

Ein derber Fauxpas hingegen ist, dass die „Schritt zurück“-Funktion nur maximal eine Aktion ungeschehen machen kann. Dies liegt vermutlich daran, dass die App Videos und Sounds vorerst im Zwischenspeicher lagert und durch das komplexere „animate as you go“-Feature, aber hier hätte man dennoch noch eine bessere Lösung finden können.

7.0Wertung

Fazit

Butterfly: Inchworm Animation II mag zwar im Gegensatz zu Flipnote den gewaltigen Nachteil haben, dass es nicht kostenfrei ist, dafür bietet die App aber auch wesentlich mehr Features: Feineinstellungen, eine komplette Farbpalette, Stopp-Trick Animationen, eine voll funktonstüchtige Online-Galerie und sogar ein einfaches SFX-Studio. Wer sich ernsthaft mit Animation beschäftigen will bekommt hiermit ein kleines aber mächtiges Kreativ-Tool – welches aber wie alle Kreativ-Tools von der Motivation seiner Nutzer lebt. Dennoch hat das Spiel ein paar kleine Macken, die man leicht hätte ausbügeln können: Ein inkludiertes Tutorial und ein hübscheres User Interface so wie eine bessere „Schritt zurück“-Funktion hätten durchaus drin sein können.

Design
4.0
Sound
6.0
  • 1-Mann Zeichentrickstudio
  • Online-Galerie
  • Stop-Motion via Fotografie
  • Einfacher Sound-Editor
  • UI könnte schöner sein
  • Tutorial nur via YouTube
  • keine 3D-Kamera
  • „Schritt zurück“ nur einmal nutzbar…

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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