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Shantae and the Pirate`s Curse

Shantae and the Pirate`s Curse

Benjamin A.

Shantae and the Pirate`s Curse

WES

Entwickler
WayForward
Publisher
WayForward
Konsole
WES3ES3DS
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 6

Shantae ist nicht nur ein Mädchenname sondern in der Gaming-Welt auch Sinnbild für die orientalische Hochzeit aus klassischem Plattforming und Adventure-Elementen alá The Legend of Zelda oder Metroid. Dass es sich hierbei um eine glückliche Ehe handelt bezeugen ihr langjähriges bestehen und die durchwegs positiven Kritiken: Schon 2002 erschien die erste Episode und das DSiWare-Sequel 2011 wurde sowohl auf der Ursprungskonsole als auch auf iOS und Steam als Indie-Hit gefeiert. Nun erscheint die dritte Episode für 3DS und Wii U, welche in Zusammenarbeit mit Mega Man Zero-Entwickler Inti Creates entstand. Doch noch etwas ist Ganz und Gar anders…

Postum Risky’s Revenge

Da wir den Grundplot der Shantae-Serie schon in unserem Shantae Review erläutert haben, gehen wir nicht nochmal darauf ein, allerdings hatten die Ereignisse in Shantae: Risky’s Revenge erhebliche Auswirkungen auf das Gameplay dieses Titels, weshalb wir diese nochmal resümieren möchten…

Theoretisch wird der Spielspaß ohne dieses Wissen nicht getrübt, man muss dann aber auch akzeptieren, dass sich Shantae, Risky und Rottytops ab und an auf Ereignisse beziehen, die im DSiWare-Prequel stattfanden. Wer sich Risky’s Revenge nicht spoilern lassen möchte, sollte die nächste Überschrift überspringen und vor der 3DS-Episode definitiv auch den Vorgänger spielen. Wer keine 12€ für die DSiWare-Fassung berappen möchte kann sich den Titel auch via iOS um 2,99€ kaufen (mit Controller-Support und Bonus-Outfit) oder als Director’s Cut auf Steam mit Gameplay-Verbesserungen und „Magic-Modus“ um 9,99€.

Spoiled Pirate Rats!

Nun zu den Spoilern: Wie wir uns erinnern wollte sich Risky an Shantae rächen und stahl hierzu eine magische Lampe, die es ihr erlauben würde einen Dschinn zu kontrollieren. Da sie ein Halb-Dschinn war konnte diese Lampe natürlich schreckliche Auswirkungen auf sie haben. Gott sei Dank wurde die Macht aber auf drei magische Siegel aufgeteilt, sodass die Piratenbraut die lilahaarige Heldin nicht gleich kontrollieren konnte. Ziel des Spiels war es nun diese Relikte vor Risky in den einzelnen Tempeln aufzusuchen.

Doch Risky wäre nicht Risky, wenn sie Shantae nicht zu guter Letzt noch austricksen würde: Sie entführte ihren Onkel Mimic, indem sie Rottytops – eigentlich eine gute Freundin unserer Heldin - und ihre Zombiebrüder dazu brachte die Halb-Dschinnie eiskalt zu verraten. Rotty schien diesen Deal in letzter Minute doch noch zu bereuen, das Vertrauen wurde aber definitiv enttäuscht. Nun war Risky bereit für ihre Rache. Sie wusste, dass Shantae als Halb-Dschinn nicht komplett kontrolliert werden könne… aber ihre magische Hälfte schon. Sie saugte ihre Zauberkräfte aus und erschuf Nega-Shantae. Die haarpeitschende Heldin konnte ihre böse Kopie zwar auch ohne Tierverwandlungskräfte bezwingen, doch ihre Magie war damit für immer verloren… so dachte man zumindest.

Shantae kämpft mit ihren Haaren gegen den Ammo Baron

Der Ammo Baron attackiert Scuttle Town!

Back to the Pirate’s Curse

Zu Beginn des Spiels erwacht Shantae aus einem schrecklichen Alptraum. Eine böse Macht scheint aus einem einsamen Piratengrab auferstehen zu wollen. Doch es bleibt keine Zeit für Freud’sche Traumanalyse: Scuttle Town ist wieder mal das Ziel eines hinterhältigen Angriffs! Shantae ist zwar kein Wächter-Dschinn mehr, aber sie ist noch lange nicht bereit ihre Beschützerrolle abzulegen. Sie flechtet sich ihren Pferdeschwanz und nutzt ihre lange Haarpracht zum Angriff gegen die herannahende Armee des Ammo Baron.

Wie in früheren Shantae-Spielen beginnt die Action gleich mitten im Geschehen: Ohne Tutorial muss man rennen, springen und mittels Haarpeitsche Gegner bezwingen. Bolo erklärt lediglich, wie man Items wie etwa den Pike Ball auf dem Touchscreen einsetzt. Auch sonst werden euch langatmige Tutorials oder Hinweise erspart: Das durchdachte, visuelle Gegner und Leveldesign erledigt diese Aufgabe bereits zu Genüge. Neu ist jedoch eine kleine Zahl über den Köpfen der Spielfiguren, die dem Spieler mitteilt, wie viel Schaden Shantae oder ihre Gegner nehmen.

A Message straight from my hair to his derriere!

Leider war dieses Mal aber der Ammo Baron im Recht: Der tollpatschige Bürgermeister hat Scuttle Town an ihn verkauft. Bis dies geklärt ist, hat Shantae erst Mal Hausarrest… als wäre das nicht schon ärgerlich genug wartet dort bereits ein weiterer Hinterhalt von Risky Boots auf sie. Doch die vollständig unbewaffnete Piratenbraut ist selbst überrascht, als sie erfährt, dass es nicht Shantae war, die ihre geliebten Tinkerbats entführt hat. Es fällt ihr allerdings wie Schuppen von den Augen, als ein Tinkerbat auftaucht und sich in einen bösen Cacklebat (der dieses Mal wirklich wie eine Fledermaus aussieht) verwandelt: Der Pirate Master steht kurz vor der Auferstehung!

Dieses böse Wesen war einst Risky’s Kapitän, welcher ganz Sequin Land zerstören wollte. Da dies Risky so gar nicht in den Kram passt - immerhin möchte sie selbiges ja beherrschen - und sich selbst nicht der bösen Magie ihres ehemaligen Bosses stellen kann muss sie sich wohl oder übel mit dem notorischen Gutmensch Shantae zusammen tun. Die zwei Segeln somit von Insel zu Insel, um die Quellen seiner bösen Macht zu zerstören, um dann im sechsten Dungeon seinem Grab die letzte Macht zu rauben.

We’re now RET-2-GO!

Um Shantae‘s Verlust an Zauberkräften zu kompensieren, darf die haarpeitschende Menschenfrau Risky’s Waffen, die sie nach und nach findet, behalten. Beispiele wären unter anderem ihre Pistole, die mittels A-Knopf einen Schuss abfeuert, oder ihr Hut, der mittels R-Taste zum Gleiten verwendet werden kann. Mit jeder Waffe werden wie in Metroid auch neue Gebiete erkundbar, wodurch auch einige Backtracking-Aufgaben auf euch warten. So springt und kämpft ihr euch von Dungeon zu Dungeon, indem jeweils kleine Geschicklichkeitsaufgaben und am Ende dann jeweils ein Bossgegner warten.

Die äußerst cool inszenierten Obermotze stellen – nachdem man erst mal eine Strategie hat – zwar keine große Herausforderung dar (insbesondere wenn man genug Tränke im Schlepptau hat), dafür gibt es aber bei Rätseln oft mal die Eine oder Andere Kopfnuss: Gleich zu Beginn des Spiels ist es essenziell einen versteckten Weg zu finden, der alá Wario Land 4 nur kleine Unterschiede in der Wandstruktur als Hinweis hinterlässt: Ein Design-Element, auf dass ihr fortan immer achten müsst.

Wait! This is the fun part where I get an item!

Neben den Hauptwaffen gibt es auch jede Menge anderer sammelbarer Items: Viel öfter als zuvor lassen Gegner Gegenstände fallen, die via Touchscreen zu Angriff, Verteidigung oder Heilung eingesetzt werden können. Da die Gegner aber auch dementsprechend zäh sind werden diese Gegenstände auch wieder äußerst schnell verbraucht. Zudem gibt es in jedem Level versteckte Heart Squids und Cacklebats. Habt ihr 4 Tintenfische gefunden, können die knuffigen Babys vom entsprechenden Händler zu einem Herz zermatscht werden. Die Cacklebats hinterlassen nach ihrer Vernichtung dunkle Energie, die durch die Lampe aus Risky’s Revenge - die euch die Piratin netterweise überließ – wieder eingesaugt werden kann. Abseits der Sammelaufgaben kann man die Saugkraft auch nutzen, um Juwelen, Herzen und… diverse Gerüche einzusaugen

Shantae wundert sich über eine Riesenechse, die sie noch nie in der Wildnis gesehen hat

Wie man dieser Riesenechse wohl den köstlichen Schinken schmackhaft machen kann, der ein paar Etagen tiefer dem Spring Break Mädchen als Mittagssnack dient?

Wer damit noch nicht zu Frieden ist kann im Item-Laden nicht nur Touchscreen-Items sondern auch Upgrades und zusätzliche Kampfmoves erwerben, welche aber nicht zum Durchspielen benötigt werden. Insgesamt darf man hier übrigens mit 8-10 Stunden rechnen. Da im Gegensatz zum Vorgänger auch bessere Fortbewegungsmöglichkeiten existieren und das Backtracking auf ein sinnvolles Niveau gekürzt wurde werden diese Spielstunden auch viel abwechslungsreicher und inhaltsintensiver genutzt. Außerdem wird der Wiederspielwert wieder durch Metroid-artige Belohnungen erhöht: So gibt es zusätzliche Boni, wenn man das Spiel zu 100%, in Bestzeit, mit minimalen Items oder zu 100% mit Bestzeit durchspielt.

Where are the free-willed, yet responsible, sporty co-ed girls?

Wie alle WayForward-Titel bieten auch hier die Designs wieder jede Menge Humor und Fanservice. In The Pirate’s Curse ging das nun sogar so weit, dass die PEGI eine Wertung “12+“ vorgeschlagen hat (bei der USK beließ man die Wertung weiterhin bei „ab 6“). Wen wundert’s: Shantae wird in ihrer Badewanne in einen Hinterhalt gelockt, sie muss in einem Stealth-Minigame als „Weltraumprinzessin“ verkleidet einen Mini-Dungeon durchqueren und man fragt sich dann doch, ob es nicht ein gewolltes Innuendo ist, wenn die kurvenreiche Harpie sich in ein Item auflöst und man dann „Monstermilch“ erhält…

Man mag diese Art von Fanservice lieben oder nicht, unumstritten ist aber das Detail, das die Entwickler in die Charakterhandlung legten. Die Dialoge sprühen vor Humor und charmanter Persönlichkeiten, und jeder des Shantae-Originalcasts durchfährt einige Entwicklungen während des Spiels.

Shantae-Fans dürfen sich auch auf kleine, belanglose Anspielungen auf frühere Episoden freuen. Apropos: Die Dialoge sind zum Ersten Mal auf einer Nintendokonsole komplett auf Deutsch verfügbar. Der einzigartige Charme des englischen Dialogs konnte im Deutschen aber nicht so Recht zünden. Die Dialoge sind meistens sauber, aber es gab dennoch an einigen Stellen derbe Schnitzer, die stark nach Maschinenübersetzung klangen (im Item-Shop steht bspw. "Kaufe in Masse und rette!" oder "Rüste seidige Haare"...). Wir haben unser System dann ganz einfach auf englisch gestellt, um Shantae weiterhin in der Originalsprache zu genießen.

Shantae genießt nach dem Stress mit dem Ammo Baron ein entspannendes Bad.

Shantae genießt nach dem Stress mit dem Ammo Baron ein entspannendes Bad. Moment... hatte sie überhaupt eine Badewanne?

I can’t see any better, but I feel super smart!

Wie üblich macht WayForward keinen Unterschied zwischen eShop-Download und Vollpreisspiel: Man spürt in jedem Gegnerdesign, jedem Hintergrund und den Animationen die Liebe fürs Detail. So hat fast jedes Monster seine eigene Sterbe-Animation bekommen und der Spinnenboss wirkt mit seinen vielen Beinen so lebendig, dass ein Arachnophobe am Liebsten kreischend aus dem Zimmer rennen möchte. Apropos: Das Vieh spuckt auch Feuer…

Auch der 3D-Effekt trägt wesentlich zu dieser Immersion bei: Vorder- und Hintergründe werden einzeln gelayered, wobei Endgegner während des Kampfes bzw. Charakterbilder in Dialogen als Ganzes umgeschichtet werden. So wirken letztere zwar weniger scharf als in der Wii U-Fassung, ploppen dadurch aber mehr aus dem Bildschirm raus… insbesondere bei den üppig ausgestatteten Protagonistinnen. Noch ein Pro-Argument für die 3DS-Version ist die fehlende Hochskalierung: Da das Spiel für 3DS gestaltet wurde, sind die Pixelgrafiken gestochen scharf und versprühen eher kunstvollen Retro-Charme als den Eindruck einer veralteten Technik.

Auch Jake Kaufman ist wieder mit von der Partie und untermalt das Geschehen mit seinem orientalisch angehauchten, leicht Retro-artigen Discosound. Dies hört sich für außenstehende vielleicht schräg an, passt aber wie die Faust aufs Auge zu dem actionlastigen Gameplay.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

16,99 mag ein stolzer Preis sein, aber das Spiel bietet in jeder Faser seines Daseins die Vollpreisspielqualität. Die neuen Piratenwaffen bringen einen interessante Wendung ins Gameplay, die die erfolgreiche Formel aber nicht zu stark verändert. Das Metroidvania-artige Gameplay zeigt dazu genug eigene Ideen und versprüht einen einzigartigen Charme, der es nicht sonderlich schwer macht, dem Action-Adventure eine klare Empfehlung auszusprechen.

Design
9.0
Sound
9.0
  • abwechslunsgreiches Metroidvania Gameplay
  • coole Bosskämpfe
  • liebevolle Pixelgrafiken
  • tolle musikalische Untermalung
  • bedient sich optisch sehr an früheren Formeln
  • deutsche Übersetzung teilweise mangelhaft

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Test

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