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Mighty No. 9

Mighty No. 9

Tommy

Anno 2013 ging ein Aufschrei durch die Spieler-Comunity, als kein anderer als Keiji Inafune, Schöpfer von Mega Man, einen spirituellen Nachfolger von eben jenem ins Leben rufen wollte. Via Kickstarter hat man dafür Unterstützung benötigt, die in Form von Geld bei den Fans gesammelt wurde, was auch sehr schnell gelang. Knapp vier Millionen USD sind dabei zusammen gekommen und nach einigen Verschiebungen ist es nun nach 3 Jahren endlich erschienen. Doch spiegeln sich das hohe Budget und die lange Entwicklungszeit auch im Endergebnis wieder? Unser Test wird es zeigen...

Mighty No. 9

WES

Entwickler
Deep Silver
Publisher
Comcept
Konsole
WESWIIU
Spieler
1 lokal

Mighty No. 9, so der Name des spirituellen Mega Man Nachfolgers, bedient sich (wie sollte es auch anders sein) mit vollen Händen an dem Universum des Blauen Bombers. So gibt es etwa eine Intro Stage die absolviert werden will um danach zwischen den 8 unterschiedlichen Bossgegnern wählen zu können. Die Wahl, welchen Obermotz man als erstes angehen will ist dem Spieler frei überlassen. Allerdings verzichtet man komplett auf ein Boss Intro, das den jeweiligen Gegner kurz zeigt, wie man es aus den Classic und X-Abenteuern des blauen Helden kennt. Dies wäre wahrscheinlich auch eine etwas zu dreiste Kopie gewesen.

Wie auch schon aus den Abenteuern des Blauen Bombers bekannt läuft Beck durch verschiedene Gebiete, in denen es gilt, Objekte zu finden, Gegner zu besiegen oder Fallen zu überstehen. Leider sind die Level untereinander nur wenig Abwechslungsreich und spiegeln eher Fabriklevel in den unterschiedlichsten Grautönen wieder. Hier hätte man sich deutlich mehr Abwechslung gewünscht. Es gibt zwar Wasserlevel, eine Ölfabrik, ein Museum oder etwa einen Highway, doch diese bieten kaum Innovation. In letzterem muss man von Fahrzeug zu Fahrzeug springen, was durch die unpräzise Steuerung zu einem Ärgernis wird. Das Leveldesign ist leider auch alles andere als gelungen und kann in keinster Weise mit denen aus den Mega Man-Abenteuern mithalten. Diese bieten kaum Abwechslung und könnten fast nicht einfallsloser sein.

Beck Reloaded

Im Gegensatz zu den Mega Man-Spielen, in denen es immer irgendwie möglich war die Bosse mit der Standard-Wumme zu besiegen, gestaltet sich dieses in Beck's Abenteuer als recht schwierig und durchaus auch nervig. Denn nur mit der jeweils richtigen Spezialwaffe ist es ohne allzu große Mühe möglich, denn Bossgegner in die Knie zu zwingen. Deswegen kommt man nicht umhin, komplette Level immer wieder von neuem anzugehen, um sich die Taktiken der Obermotze einzuprägen, um diese mit dem Blaster besiegen zu können. Oder aber man sucht sich ein anderes Level aus in der Hoffnung das dieser leichter wird. Hat man einen der Bosse besiegt, erhält man dessen Fähigkeit, gegen den ein anderer wieder anfällig ist. Hat man diese erhalten, kann man im Levelauswahl-Screen bei dem richtigen Boss einen Hinweis bekommen, gegen welche Waffe dieser am anfälligsten ist. Doch dieser Tipp erscheint nur, wenn ihr die richtige Waffe schon im Sortiment habt. Doch um die Obermotze besiegen zu können, müsst ihr ihn, wenn seine Energieanzeige gegen 0 tendiert, mit einer Dash-Attacke umhauen. Ohne diese Aktion kann dieser nicht besiegt werden.

Der Dash, auch aus den Mega Man X-Abenteuern bekannt, lässt sich mit der Schultertaste aktivieren und kann auch mehrfach hintereinander ausgeführt werden. Mit dem Standard-Buster könnt ihr die Gegner schwächen bis sie ihre Farbe ändern – danach könnt ihr den Dash einsetzen um den Gegner zu besiegen. Benutzt man die Dash-Attacke bevor der Gegner geschwächt ist, schadet sich Beck nur selber und seine Energieleiste leert sich.

Ab und an wird das Geschehen mit Storysequenzen vorangetrieben, allerdings wirken diese langweilig und uninspiriert. Sie wirken fehl am Platz und unterbrechen das Geschehen nur unnütz, zumal sie kaum Sinn ergeben oder zur Story beitragen. Nicht wirklich schön ist auch die Tatsache, das jegliche Personen beim Sprechen keinerlei Mimik zeigen oder gar ihre Lippen bewegen.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels schwankt enorm. Sind einige Level oder auch nur Abschnitte übertrieben einfach mit nur wenigen Gegnern oder Fallen, kommen andere Level oder die Endbosse mit einem enorm hohen Schwierigkeitsgrad daher. Hier muss man sagen, das die Balance des Spiels und dessen Schwierigkeitsgrads wirklich schlecht ist. Um das Ganze aber zu vereinfachen, kann man in den Optionen sein Lebenskonto auf 9 Leben anheben, ebenso bekommt man an Checkpoints nach einigen Fehlern Upgrades, die das Geschehen daraufhin kurzzeitig erleichtern. Auch gibt es recht viele Checkpoints, die jedoch auch ziemlich schlecht verteilt sind. In den leichteren Abschnitten gibt es mehr als in den schweren, wo sie wirklich nötig wären. Spieler die mit einem hohen Schwierigkeitsgrad nichts anfangen können, werden hier wohl schnell gefrustet sein, zumal das Gameplay durch die eher mäßige Steuerung stark nach unten gezogen wird.

Schwache Technik

Grafisch kann das Spiel, anders als auf der Verpackung beschrieben, nicht mit moderner Technik aufwarten. Das Spiel wirkt teils detail- und farbarm, ist trist und viele Levelabschnitte wirken arg inspirationslos. Oftmals gibt es nur eintönige Hintergründe mit vielen Grautönen – von bunten inspirierenden Umgebungen wie man sie aus den Mega Man-Teilen kennt, kaum eine Spur. Die meisten Level finden in Fabriken oder Gebäuden statt, die nicht viel Abwechslung bieten. Die einzelnen Charaktere wirken zwar nett, mehr aber auch nicht und teilweise sind diese auch zu kantig geraten.

Die technische Seite von Mighty No. 9 lässt wenig begeistern. Hat man die Disc-Version und kein Internet, so muss man mit zahlreichen Bugs leben, die das spielen nur noch mehr erschweren und stellenweise auch zu abstürzen führt. Zudem gibt es immer wieder Ruckler die teils ziemlich heftig sind. Es gibt sogar Meldungen, das die Konsole bei einigen Spielern durch einen dieser Bugs zerstört wurde bzw. diese unreparabel beschädigt wurde. Doch das können wir persönlich nicht bestätigen. Etwas nervig sind auch die Ladezeiten, die mitunter auch mal an die 30 Sekunden lang sein können. Auch sind die deutschen Bildschirmtexte grammatisch nicht immer fehlerfrei. Der in der Zwischenzeit veröffentlichte Patch hat einige Bugs behoben, an der Steuerung hat sich allerdings nichts geändert, und Ruckeleinlagen gibt es immer noch.

Musikalische Meisterleistung?

Stehen die Mega Man-Abenteuer für teils zeitlose musikalische Klassiker und eingängige Musikstücke, so wird man in Mighty No. 9 dahingehend nur gnadenlos enttäuscht. Die Japano-Pop-Kompositionen klingen nichtssagend und dudeln uninspiriert vor sich hin. Ohrwürmer sucht man vergebens, einige wirken teils sogar fehl am Platz. Die Musikstüccke wirken unmotiviert und lassen kaum Atmosphäre aufkommen.
Die Soundeffekte sind ok und passend, aber hier wäre noch deutlich Luft nach oben gewesen. Es ist zwar schön das es Sprachausgabe gibt, allerdings wirkt diese auch eher unpassend und unprofessionell. Die Sprecher zeigen kaum Emotionen und alles wirkt irgendwie lustlos dahin gesprochen.

Ungenaue Steuerung

Die Steuerung ist im Gegenteil zu den Mega Man Games auch alles andere als perfekt. Diese ist beim Springen und Schießen teils unpräzise und tut nicht immer gleich das was sie soll. Ebenso wirkt sie etwas zu schwammig. Allerdings sei erwähnt, das nicht nur das Gamepad als Eingabegerät dient, sondern auch der ProController unterstützt wird.

4.0Wertung

Fazit

Mighty No. 9 ist alles andere als ein gelungener spiritueller Mega Man-Nachfolger. Es hat gute Ansätze (wenn auch nur kopiert) aber es macht viel zu viel falsch und wirkt unausgereift. Für eine Entwicklungszeit von 3 Jahren und einem Budget von knapp 4 Millionen USD ist das ein wirklich trauriges Endresultat. Es mag zwar durchaus kurzzeitig interessant sein, aber der unausgeglichene Schwierigkeitsgrad und das inspirationslose Leveldesign dürfte nicht viele Spieler lange an Mighty No. 9 fesseln. Dazu gesellen sich noch die unausgereifte Technik, der belanglose Soundtrack und das nur bedingt gelungene Gameplay. Dieses Spiel ist aus unserer Sicht nicht empfehlenswert, nur beinharte Mega Man Fans können einen Blick wagen, und all jene, die nicht vor einem hohen Schwierigkeitsgrad zurückschrecken. Aber auch hier sollte man bedenken, das der Kaufpreis von knapp 20 Euro keinesfalls gerechtfertigt ist. Lieber Herr Inafune, das war leider nichts...!

Design
4.0
Sound
3.5
  • erinnert an Mega Man
  • technisch mau
  • musikalisch unbedeutend
  • viele Bugs
  • komplett unausgereift

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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