Zum Inhalt springen
Return to PopoloCrois: A STORY OF SEASONS Fairytale

Return to PopoloCrois: A STORY OF SEASONS Fairytale

Benjamin A.

Ostern ist nicht nur ein Fest der Auferstehung, sondern in gewisserweise auch ein Fest des Frühlings, des Neuanfangs. So werden am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond die üblichen Rituale wie die Eiersuche vollzogen. Welches Spiel wäre für Ostern also passender, welches klassische Rollenspielelemente mit denen von Harvest Moon (bzw. Story of Seasons, wie es seit 2016 aus rechtlichen Gründen bei uns heißt) vereint und eine magische Geschichte um das Vergehen und Entstehen von neuem (Pflanzen)-Leben erzählt?

Return to PopoloCrois: A STORY OF SEASONS Fairytale

3ES

Entwickler
Marvelous
Publisher
Marvelous
Konsole
3ES
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 6

Return to PopoloCrois: A Story of Seasons Fairytale verbindet hierbei die Manga/Anime-Welt aus PopoloCrois mit Elementen aus Harvest Moon und vermischt diese mit klassischen RPG-Elementen. Die Vorgänger dieser Serie – sofern sie überhaupt bei uns erschienen sind – wurden bisher jedoch noch für PlayStation produziert. Da es sich hierbei um ein Nischenspiel handelt, wird dieser Vollpreistitel außerdem nur im eShop und auch nur in Englisch angeboten. Doch ist dieser Genre-Mix gelungen? Kann man ohne Kenntnis der Vorgänger überhaupt der Handlung folgen?

Es war einmal in PopoloCrois…

Zu Beginn des Spiels folgt eine kurze Zusammenfassung des letzten Abenteuers des Protagonisten Prinz Pietro, da die meisten Spieler wohl eher nicht die PS-, PS2- oder die japanischen Manga- bzw. Anime-Episoden gesehen haben dürften. Hier erfährt ihr, dass sich Pietro früher mit Narcia und dem „White Knight“ zusammenschloss, um den Bösewicht „GamiGami Devil“ zu besiegen, welcher auffällige Ähnlichkeiten zu Sonic’s Dr. Eggman aufweist. Doch aus den Feinden sind nun in gewisser Weise Freunde geworden, und alle drei werden euch früher oder später auch in diesem Abenteuer wieder beistehen.

Mehr müsst ihr über Pietro’s frühere Abenteuer auch nicht wirklich wissen: Es gibt zwar hie und da Anmerkungen, die an frühere Ereignisse anzuknüpfen scheinen, aber selbst die früheren Popolo-Episoden hatten keinen Allzu großen Bezug zueinander. In der ersten Episode war Pietro 10, in einer späteren 15, während es im Manga auch Episoden gibt, in dem Prinz Pietro bereits zum erwachsenen König aufgestiegen ist.

In Return to PopoloCrois wird nun eine neue Geschichte erzählt, die sich kurz nach Pietros 13. Geburtstag zutrug. Schwarze Bestien fangen an in PopoloCrois einzufallen und sorgen für Unheil. Diese sind nicht nur aggressiver als die lokale Fauna, sie haben auch den lästigen Nebeneffekt, dass der Boden unter ihnen verfault und von einer schwarzen Aura umschlungen wird. Marmella aus der entfernten Welt „Galariland“ (welche durch den üblichen Weltenbaum-Mythos mit PopoloCrois verbunden ist) kennt das Problem und scheint eine Lösung gefunden zu haben. Aber nur der junge Pietro mit dem reinen Herzen eines Helden kann diese Technik erlernen und wird hierzu nach Galariland geschickt.

Nomen est Omen

Wir wollen nicht zu viel verraten, aber durch eine Reihe unglücklicher Ereignisse sitzt Prinz Pietro nun in Galariland fest. Nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden ist auch endlich das etwas mühselige „Intro-Kapitel“ – in dem man bis auf ein paar kleine Botengänge eigentlich nur Story-Texten und Tutorials folgt – abgeschlossen. Ausharren lohnt sich, denn ist das Nötigste vom Tisch gewinnt die lieblich erzählte Story an Fahrt!

Pietro erfährt nun, dass nur die Göttin Lady Galariel ihn wieder nach PopoloCrois bringen kann, welche durch eine Intrige des Dämonenbaums Lord Gryphot in ihrer Baumform gefällt und geschwächt wurde . Hierzu muss der verseuchte Nährboden Galarilands von den Schatten befreit werden. Return to PopoloCrois ist hier also nicht nur ein Hinweis auf die Rückkehr einer klassischen Spielserie, sondern auch das Leitmotiv des Helden. Hierbei hilft ihm die aufgeweckte Fee Connie, die ihn – sobald er das Flambeau der entsprechenden Region gefunden hat – auf Miniaturgröße schrumpft, damit die Helden einen Miniaturirrgarten durchschreiten und an dessen Ende die schwarze Bestie erledigen.

Eine märchenhafte Story und interessante Charaktere

Dazwischen trefft ihr auf neue Freunde (wie etwa einen blauen Wolf) und alte „Bekannte“ in Galariland, die sich eurer Truppe anschließen. Die Story und Ereignisse der Oberwelt tragen zu Recht den Beititel „Fairytale“: Die Handlung und Charaktere beweisen viel Charme, die belebte Oberwelt zeigt viel Detail (sei es, dass Spielfiguren auch ohne Ansprechen „Hallo“ sagen, wenn man ihnen näher kommt oder bspw. das knackbare Sparschwein in Prinz Pietros Zimmer). Zudem sind die Anime-Zwischensequenzen sehr schön anzusehen und nutzen auf wunderbare Weise den 3D-Effekt des Handhelds.

Zumeist erledigt man an der Oberwelt Hol- und Bringdienste um die Story voran zu treiben, doch was sich zuerst unspannend anhört wird passend in die Story integriert und ist so toll geschrieben (und vor allem gesprochen!), dass sie einem nie langweilig werden. Selbst die etlichen Nebenquests (die man in etwa mit den Aufgaben in Xenoblade Chronicles vergleichen kann) sind interessant erzählt. Wenn da nur nicht die Abstecher in die „Unterwelt“ wären…

Dungeons - Der fade Beigeschmack…

Leider drücken Kampfsystem und Dungeon-Design ordentlich auf die Wertung dieses sonst „fabel“-haften RPGs. Die Irrgärten bestehen nämlich nur aus engen Gängen mit generischen Hintergründen, wie man sie aus den Zufalls-Dungeons aus Dragon Quest IX kennt… nur dass es sich bei PopoloCrois um eigens gestaltete Elemente des Hauptspiels und nicht um Nebenquests handelt… Auch die Endgegner bestehen zum Großteil des Spiels aus denselben 4 Gegnertypen.

Nervigerweise muss man für fast jedes der 4 äußerst schön gestalteten Oberwelt-Gebiete 5 Mini-Dungeons und ein mehrstöckiges Labyrinth bezwingen, um die Story voranzutreiben. Auch das Miniaturthema wurde spielerisch leider nicht gut genutzt: Es gibt unter den normalen Gegnern zwar mehr Varianten, aber auch die wiederholen sich schnell und sowohl in groß als auch in klein kämpft man gegen Schnecken, Amöben und Kung Fu-Tiger… Hier wirkt es doch sehr danach, als hätte man mit den Irrgärten die Spielzeit künstlich in die Höhe treiben wollen.

Das Kampfsystem – Strategisch, aber einfach…

Das Kampfsystem selbst vermag etwas Innovation einzubringen: Zwar hat man die typischen Elemente eines klassischen JRPGs (rundenbasierte Kämpfe mit Angriff, Magie und Items), allerdings muss man zusätzlich seine Figuren auch noch anhand eines Gridsystems bewegen. Dadurch kann man strategische Elemente einbringen, da manche Magieangriffe etwa nur auf gewisse Bereiche oder in Linien wirken.

Für Waffen und Ausrüstungsgegenstände gibt es zu dem ein Schere-Stein-Papiersystem mit den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Wind, Dunkelheit und Licht… allerdings ist es relativ egal, das System zu lernen, da selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad die Kämpfe außerhalb von Boss-Begegnungen so leicht sind, dass man als erwachsener Spieler eigentlich kaum nachdenken muss. Erst im letzten Level zieht der Schwierigkeitsgrad nochmal ordentlich an und stellt dann eine Herausforderung dar. Gerade deswegen ist es auch äußerst schade, dass das Spiel in Europa nur auf Englisch verfügbar ist, da es sonst ein sehr schöner Einstieg für Kinder gewesen wäre.

Doch zumindest hier kann man dank zweier Optionen aufatmen: Einerseits kann man die Zufallskämpfe jederzeit zwischen Häufig“ und „Selten“ wechseln. Mittels Start-Knopf lässt sich zudem der Auto-Kampf aktivieren und eure Kämpfer erledigen für euch die lästigen Gegner und man kann nebenbei sinnvolleres erledigen.

Story of Seasons-Elemente

Wer nichts mit Harvest Moon/Story of Seasons anfangen kann muss sich keine Sorgen machen: Pietro bezieht zwar gleich zu Beginn eine verlassene Farm und bekommt mit jedem Gebiet eine weitere hinzu, allerdings ist es eher ein Spiel-begleitendes Minispiel als die zwanghafte Kombination aus Rollenspiel und Wirtschaftssimulation.

Die grundlegenden Elemente des Farmspiels sind jedoch alle da: Man kann Dinge anpflanzen, ernten und Hühner (bzw. „Cuckottes“), Kühe („Sumoos“) bzw. Alpacas für Wolle („Parapacas“) halten, allerdings können Pflanzen nicht eingehen und Tiere nicht sterben oder krank werden. Pflanzen wachsen nur nicht weiter, wenn man sie nicht gießt. Das Spiel teilt euch übrigens via Pop-Up-Nachricht mit, wann und auf welcher Farm neue „Produkte“ fertig sind.

Nur in seltenen Fällen benötigt man überhaupt produzierte Items, um die Story voran zu schreiten. Man kann die Items aber natürlich verkaufen, um damit Ausrüstungsgegenstände zu kaufen (wobei man durch Kämpfe genug Geld bekommt), oder Eier und Milch für Heilung nutzen bzw. Parapaca-Fell, um sich aus einem Dungeon hinaus zu zaubern. Wenn man sich mit dem Synthetisierer spielen möchte, kann man noch mächtigere Tränke oder starke Waffen zusammenmischen. Durch den geringen Schwierigkeitsgrad ist es aber nicht nötig, diese Features zu nutzen, wenn man dies nicht möchte.

Pietro: Prince of Friendzone

Genauso wie in der Harvest Moon/Story of Seasons-Familie gibt es auch hier in jedem Dorf die Möglichkeit, sich mit gewissen Mädchen näher anzufreunden, die den Segen von Lady Galariel erfahren haben. Verabreicht ihr ihnen Geschenken wie etwa Produkte eurer Farm, wächst ihre Zuneigung zu euch und zeigt dies auch in ihren Dialogen, die zunehmend vertraulicher werden.

Da Pietro mit Narcia allerdings einen offiziellen „Schwarm“ in der Serie hat, bleibt diese Zuneigung einseitig: Pietro antwortet stets freundschaftlich und scheint gar nicht zu ahnen, dass die Mädchen eindeutig mit ihm flirten. Er wäre auch nicht der Typ, der die Liebe seines Lebens hintergehen würde. Euer Vorteil daraus: Ihr könnt mit jeder der Damen maximale Freundschaft und somit diverse Boni (wie schnelleres Wachstum oder mehr Ernte pro Pflückaktion) ergattern. Es kann jedoch immer nur eine der Damen gleichzeitig eure Farm besuchen – alle Boni gelten aber weiterhin.

Bild und Ton

Grafisch setzt PopoloCrois komplett auf das Märchenthema und trägt das ganze Spiel über einen bunten, pastelligen Look, welcher den 3D-Effekt sehr gut nutzt. Optional kann man wie in Super Smash Bros. für 3DS auch Outlines für Charaktere einstellen, wodurch sie insbesondere auf kleineren 3DS-geräten leichter zu erkennen sind. Dadurch gewinnen sie einen eher mangahaften Look. Beide Varianten sind sehr gelungen und hängen daher einzig und allein an der persönlich Vorliebe.

Auch der Sound ist magisch: Die Musik geht gut ins Ohr und hat man erst mal die etwas übertrieben gesprochenen Charaktere des Intros überstanden bekommt man ein paar sehr schön eingesprochene Charaktere zu hören. Komischerweise ist nicht jede Textzeile eingesprochen worden, und auch innerhalb einer Storysequenz kann ein Kommentar mit mehreren Dialogfenstern einmal gesprochen und einmal ungesprochen daherkommen. Dies liegt wohl daran, dass das selbe Entwicklerteam wie schon bei Lord of Magna: Maiden Heaven hinter PopoloCrois steckt. Doch hat man sich daran gewöhnt, fällt es nicht weiter negativ auf.

7.5Wertung

Fazit

Return to PopoloCrois zu bewerten fällt insofern schwer, da es dort, wo es seine Sache richtig macht, diese sehr gut macht, sich aber an anderen Stellen grobe Fauxpas erlaubt. Die Story ist zwar nicht sehr originell, aber mit sehr viel Charme und äußerst interessanten Charakteren erzählt, sodass man gleich nachvollziehen kann, warum die Manga-Serie von Fans geschätzt wird. Auf der anderen Seite sind die Dungeons sehr generisch und eintönig und das Kampfsystem ist für den Großteil des Spiels so einfach, dass man dankbar darüber ist, dass es auch einen „Auto-kampf“-Modus gibt. Die Farmelemente hingegen wurden thematisch zwar schön in die Story integriert, stellen aber lediglich ein Spielbegleitendes Minispiel dar, wodurch man es auch ignorieren kann, falls man mit Story of Seasons nichts am Hut hat. Schlussendlich haben wir uns für einen Mittelweg entschieden: Schätzt man an einem RPG Story und Nebenquests bzw. möchte neben Rune Factory noch ein Farm-RPG spielen, welches sich aber doch eher auf die Handlung fokussiert, kann man in der Wertung ruhig noch einen halben Punkt hinzu addieren. Möchte man in einem RPG aber spannende Kämpfe und spannend gestaltete Dungeons, sollte man lieber noch einmal einen halben Punkt subtrahieren. Nichtsdestotrotz ist der Titel ein märchenhaftes Abenteuer, welches eben seine kleinen Macken hat.

Design
8.5
Sound
8.5
  • interessante Charaktere
  • märchenhafter Look & Story
  • simple Story of Seasons-Elemente (optional)
  • tolle Sprachausgabe
  • nur auf Englisch verfügbar
  • einfaches Kampfsystem
  • eintöniges Dungeon-Design

Vielen Dank an die Firma Nintendo für

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!