
Pokémon: Gelbe Edition - Special Pikachu Edition
20 Jahre ist es nun schon her, seit die ersten Pokémon-Editionen erschienen… gut, bei uns war es erst 1999 so weit, aber es ist dennoch lange genug her, um sich alt zu fühlen. Seither hat sich in der Pokémon-Welt einiges getan: Aus 151 Pokémon wurden 721 (Sonderformen und Mega-Entwicklungen nicht mitgezählt), aus monochromen Sprites wurden mehrfarbige 3D-Modelle und Tauschen und Kämpfen kann man mittlerweile über das Internet.

Pokémon: Gelbe Edition - Special Pikachu Edition
3ES
- Genre
- Rollenspiel
- Serie
- Pokémon
- Entwickler
- Game Freak
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3ES
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
20 Jahre „Schnapp sie dir alle!“
Nichtsdestotrotz gibt es immer noch genug Fans, die nur den ersten Hype mitgemacht haben und felsenfest behaupten, dass nur die erste Generation die einzig wahre Generation ist. Vermutlich kennt jeder von uns diesen einen Freund (oder Freundin) die weiterhin regelmäßig den Game Boy auspackt (*hust* oder eine Raubkopie am Smartphone *hust*), um sich nochmal dem ursprünglichen Abenteuer zu stellen.
Wer kann’s ihnen verdenken: Es gibt zwar bereits längst die GBA-Remakes Feuerrot und Blattgrün mit besserer Grafik und weiteren Spielerleichterungen, doch diese kommen eben wieder mit 235 neuen Taschenmonstern und weiteren Spielregeln daher. Die Originale sind da spartanischer, simpler und in gewisser Weise liebt man auch die ursprüngliche Herausforderung, in der Glumanda seine Schwächen gegenüber Rockos Gesteinstypen nicht mit „Metallklaue“ – welches es exklusiv in den Remakes auf Level 13 lernen konnte – kaschieren konnte. Oder man sieht im Mondberg zwei Kleinsteins auf Level 10 dabei zu, wie sie sich gegenseitig mit Tackle bis aufs Blut bekämpfen – bis endlich einer der beiden zu Grunde geht.
Doch 20 Jahre sind eine lange Zeit. Kann das Original da heute immer noch mithalten? Vermisst die Spielerschaft nicht doch irgendwann die Innovationen, die wir heute gewohnt sind?
Zurück ins Alter von 10 Jahren
Ich weiß noch, als der Pokémon-Hype begann: Es gab kaum eine Zeitung, die nicht über die Pokémon-Manie berichtete – ich hab letztens eine Erinnerungsbox mit all den gesammelten Artikeln gefunden. Nintendo verteilte damals über die noch monatlich erscheinenden Nintendoclub-Magazine spezielle Pokémon-Comichefte, die den Anime nacherzählten.
Ich war von den Heften so sehr faszinierten, dass mir meine Eltern aus Eigeninitiative die Blaue Edition (passend zu meinem blauen Game Boy) zu meinem zehnten Geburtstag schenkten. Nachdem ich Professor Eich endlich nach 15 Minuten gefunden hatte (ich dachte, er wäre irgendwo in Alabastia), wurde ich auch zusammen mit dem Rivalen Gary (natürlich benannte ich ihn nach dem Comic/Anime) vor eine der schwersten Entscheidungen unserer Kindheit gestellt: Schiggy, Glumanda oder Bisasam?

Nachdem ich ein Faltposter mit allen 150 Pokémon hatte (Mew wurde noch unter Verschluss gehalten), wählte ich natürlich jenes, welches zum Schluss für mich am coolsten aussah, und entschied mich gegen das (auch sehr coole) Cover-Pokémon Glurak. Eine Entscheidung, die zumindest mein Pokémon-Leben prägen sollte: Zwar liebäugelte ich immer wieder mit anderen Typen (Impoleon und Biggaron), dennoch wurde der Feuer-Typ zu meinem Lieblingsstarter.
Moment, wir greifen zu weit vor: Was ist Pokémon noch einmal?
In seinem Kern ist Pokémon ein klassisches, rundenbasiertes Rollenspiel, in dem man Monster fangen, trainieren und tauschen kann. Ein Pokémon kann bis zu vier Attacken lernen (lernt es eine neue, muss es eine alte vergessen), man kann bis zu sechs Pokémon mit sich tragen (die anderen werden im PC gelagert) und neben Angriffen kann man auch Items einsetzen, Pokémon wechseln oder in wilden Kämpfen die Flucht ergreifen.
Der Clou an der Sache ist, dass man einige Pokémon nur in einer anderen Edition fangen kann. Dazu kommen eben auch optionale Pokémon wie das Starter-Trio, die Evoli-Entwicklungen, die Fossil-Pokémon und Nockchan bzw. Kicklee, die man im Gegensatz zu späteren Editionen nicht via Ei-Züchtung vermehren konnte. Es war also bitter notwendig, sich entweder Freunde oder zumindest ein zweites Modul anzuschaffen (inklusive Game Boy und Link-Kabel). Ansonsten kann man jedes Monster und jeden „Endgegner“ im Spiel auch selbst irgendwann fangen und trainieren.
Habt ihr euren ersten Botengang abgeschlossen, gibt euch Professor Eich auch gleich eine lebensdefinierende Aufgabe, da er selbst zu alt dafür ist: Schnappt sie alle und erfüllt seinen Lebenstraum: Eine vollständige Pokémon-Enzyklopädie – den sogenannten Pokédex – zu erstellen. Auf euren Reisen trefft ihr auf wilde, fangbare Pokémon, NPC-Trainer mit einem Team aus bis zu 6 Pokémon und nehmt nebenbei auch an der Pokémon Liga teil – sei es um allen zu beweisen, dass ihr der Beste seid, um euren Rivalen eins auszuwischen oder weil es unmöglich ist, ohne die Orden weiter zu reisen. So kann Pokémon #150 erst nach bezwingen der Top Vier zum finalen Kampf herausgefordert (und gefangen) werden… Ach ja, nebenbei legt ihr auch noch der Verbrecherorganisation Team Rocket das Handwerk.
Pflanze, Wasser, Feuer, Elektro – Eine kleine Entscheidungshilfe
Im Kampf regiert der Typen-Vorteil, das heißt, dass beispielsweise Elektro-Attacken stark gegen Wasser-Pokémon sind, aber schwach gegen Pflanzen-Monster – gegen Boden-Typen sind sie sogar komplett wirkungslos. In den Original-Editionen sind es nur 15 Typen, wobei sich die Verhältnisse etwas verändert haben. So besaß die erste Generation den Fehler, dass Geist-Attacken wirkungslos gegen Psycho-Typen sind (im Anime und ab der zweiten Generation sind sie sehr effektiv), wodurch sie nur gegen die eher schwachen Käfer eine Schwäche besaßen und somit zum stärksten Typ wurden. Auch der Käfer-Typ hat heute seinen Vorteil über Gift-Monster verloren, die wiederum ebenfalls ihren Vorteil gegenüber den Käfern verloren haben.
Deshalb beeinflusst die Wahl eures Starter-Pokémons auch erheblich den Schwierigkeitsgrad: Die meisten Taschenmonster können bis Marmoria City nur Normal-Attacken lernen (welche leider gegen Gesteins-Typen nicht sehr effektiv sind), und während Glumanda die (ohnehin nicht sehr starken) Käfer im Vertania Wald gut verbrennen kann, wird es bei Rocko und auch bei Misty in Azuria City eher schwer voranzukommen. Danach sollten eure Monster variable genug sein, um nicht mehr auf die Starter angewiesen zu sein.
Bisasams Pflanzen-Attacken sind hingegen schwächer gegen Käfer, kann dafür aber mit seinen Pflanzen-Attacken beiden Arena-Leitern ordentlich Schaden zufügen. Schiggy ist der Mittelweg, bei dem weder mit Käfern noch Steinen Probleme machen sollten. In jedem der drei Fälle schnappt sich euer Rivale jenen Typ, der gegen euch effektiver ist. Noch schwerer wird es hingegen in der Gelben Edition, da man hier nur die Elektromaus Pikachu wählen kann – und alle Monster in Rockos Arena haben einen Boden-Typ.
Die wohl beste Lösung, um bei Pikachu oder Glumanda gegen die erste Arena bestehen zu können, wäre wohl es dem Anime gleich zu tun und ein Raupy zu fangen (in der roten Edition ist dieses seltener zu finden) und es möglichst schnell auf Level 10 zu bringen und zu einem Smettbo zu entwickeln. Dann lernt es nämlich die Attacke Konfusion, welche zwar keinen Bonus-Schaden erwirkt, allerdings die hohe Verteidigung der Gesteins-Pokémon umgeht und stattdessen den Spezialwert (damals noch für Spezial-Angriff und Spezial-Verteidigung gleichermaßen gültig) benutzt. In der Gelben Edition hat man auch die Möglichkeit, einem der beiden Nidorans schon ab Level 12 den sehr effektiven Doppelkick beizubringen (und nicht erst ab Level 43 wie in Rot oder Blau).
Besonderheiten der Gelben Edition
Die Gelbe Edition orientiert sich näher am Anime, wodurch Pikachu sich auch weigert, im Pokéball zu bleiben – und äußerst sauer wird, wenn ihr es in eine Box legen wollt. Der gelbe Racker folgt euch nun auf Schritt und Tritt. Ihr könnt es jederzeit ansprechen, um dessen Gefühlslage zu überprüfen (immer begleitet von einer Sprachausgabe, welche zwar sehr verrauscht ist, aber zu Game Boy Zeiten ein derber „Wow-Effekt“ war). In der ersten Generation hat die Zuneigung eures Pokémons zu euch noch keine Auswirkungen aufs Spiel, führt aber zu witzigen Aktionen, bspw. wenn Pikachu einem Pumeluff auf der Oberwelt zuhört.
Außerdem ist die gelbe Edition die einzige bisher, in der euch euer Starter aufgezwungen wird, wodurch euer Rivale auch ein eigenes Start-Pokémon bekommt: Evoli. Je nachdem ob ihr die ersten Kämpfe gegen ihn gewinnt oder verliert entwickelt es sich später zu Aquana, Flamara oder Blitza.
Weitere Anpassungen wurden vorgenommen, wobei die Änderungen, die gemacht wurden, um dem Anime zu entsprechen, wohl am auffälligsten sind: Der Sprite der Krankenschwester im Pokémon Center wurde an Schwester Joy angepasst, zudem steht ein Chaneira neben ihr, die Polizisten wurden durch die weibliche Officer Rockys ersetzt und an diversen Stellen, an denen Team Rocket auftritt, gibt es zusätzliche Kämpfe gegen Jessie und James, welche ihre Pokémon Rettan, Mauzi und Smogon (bzw. deren Weiterentwicklungen) aus dem Anime besitzen.

Außerdem verweigert Pikachu die Entwicklung via Donnerstein, genauso entwickelt sich Team Rockets Mauzi nicht. Habt ihr außerdem Pikachu die Attacke Surfer beibringen können (welches es damals nur durch ein mühseliges Verfahren in Pokémon Stadium erlernen konnte), gibt es in Fuchsania City ein Surf-Minispiel zu spielen. Da es (noch) keine Kompatibilität zu Pokémon Stadium gibt, wurde es in der VC-Version von vornherein freigeschaltet – ein surfendes Pikachu bekommt man so aber trotzdem nicht.
Des Weiteren besitzt die Gelbe Edition ein paar Game Boy Color-Erweiterungen (und wird deshalb als Virtual Console-Version als solche angeführt), was geringfügig zu besseren Farbverhältnissen führt – dennoch handelt es sich hierbei immer noch um ein Original-Game Boy Spiel. Im Kabel-Club gibt es zudem die Option „Kolloseum 2“ in der man exklusiv mit anderen Gelben Editionen Kämpfe mit Level-Regelungen wie in Pokémon Stadium spielen kann.
Grafik und Sound der 3DS-Virtual Console
Grafisch bietet die gelbe Edition eine der besten Darstellungen, die man zu Game Boy-Zeiten erwarten konnte, nach Game Boy Color Standards gibt es aber stärkere Konkurrenz. Wie alle Game Boy-Titel hat die Darstellung am 3DS das Problem, dass die Grafik hochskaliert wird, wodurch nicht jedes Pixel gestochen scharf ist, was aber nur Retro-Fans auffallen dürfte.
Soundtechnisch beeindruckt in der Gelben Edition insbesondere die Sprachausgabe von Pikachu – auch wenn sie für heutige Verhältnisse etwas verrauscht ausfällt. Die klassischen Musikstücke der Original-Editionen sind nicht ohne Grund Kult, wobei ein paar der höheren Piep- und Rauschtöne missfallen könnten, wenn man nicht mit dieser Klangqualität aufgewachsen ist. Apropos: Die Stereo-Option „für Kopfhörer“ sollte unbedingt aktiviert werden,
Extras via Virtual Console
Die Virtual Console-Version aller drei Versionen kostet 9,99€, somit fast doppelt so viel wie ein übliches Game Boy Color-Spiel (4,99€). Dieser Aufpreis entstand dadurch, dass im Gegensatz zu anderen VC-Titeln die Multiplayer-Funktion erhalten wurde, indem man den ursprünglichen Datenaustausch via Link-Kabel nun via kabellose Verbindung zu anderen 3DS-Systemen aufnehmen kann. Geht man zum Kabel-Club, öffnet sich so nun ein Virtual-Console Fenster, in dem man entweder nach anderen Spielern suchen kann oder selbst eines starten kann (in Zeiten des Game Boys entschied sich dies allein durch die Ausrichtung des Kabels).
Dieser Aufpreis ist zwar etwas hoch, aber man muss hier auch bedenken, dass das Versenden von Drahtlos-Paketen nicht so einfach wie das über Kabel ist, und dass ohne dieses Feature es nie möglich wäre, Versionsexklusive Monster oder Tauschbedingte Entwicklungen zu ermöglichen. Des Weiteren ist es mit dem separat erhältlichen Titel Pokémon Bank bald möglich, die Monster der Remakes auf die 7. Generation zu übertragen - leider aber nicht nach X, Y, Omega Rubin oder Alpha Saphir.
Des Weiteren wurde die „Jederzeit Speichern und Beenden“-Funktion entfernt, welche durch die großzügige Speicherfunktion des Spiels selbst aber nicht negativ ins Gewicht fällt. Auch die Game Boy-Printer-Option, mit der man sich den kompletten Pokédex ausdrucken konnte, wird nicht unterstützt.
In Würde gealtert?

Der weitere Verlauf der Serie und die Remakes brachten einige Änderungen mit sich, die durchaus Sinn machten: Online-Features, Doppelkämpfe, weibliche Spieler-Avatare, dass Pokémon Items tragen oder Fähigkeiten wie „Schwebe“ besitzen können oder ein ausgewogeneres Typensystem. Genauso vermisst man im Original kleine Extras wie etwa dass Story-Items nicht mit Tränken und Pokébällen in die selbe Item-Liste geworfen werden.
Keine diese Änderungen vermisst man jedoch gravierend: Der Kern ist immer noch der Gleiche und funktioniert damals so gut wie heute. Man kann immer noch die Originaltitel einlegen und mit etwas Retro-Charme dasselbe Abenteuer wie damals erleben – Minus der Extra-Regeln, die sich im Verlauf der Zeit angesammelt haben.
Immer noch muss man gegen 8 Arenaleiter antreten und währenddessen die Machenschaften einer Geheimorganisation vereiteln, immer noch ist der Sammelwahn der größte treibende Faktor. Jeder kann seine eigenen Lieblingsmonster auswählen und sich so seinen eigenen Weg zum Ziel bahnen – oder sich selbst extra Regeln wie die „Nuzlocke Challenge“ auferlegen, um das Spiel neu zu erleben.
Einzig die Gelbe Edition bietet Features, die man bis heute nicht mehr wieder sah (insbesondere da es kein Remake dieser Episode gab), wie etwa die zwanghafte Zuteilung eines Start-Pokémons, oder dass sich die Spiele an der TV-Serie orientieren. Bis zu Generation 6 nutzte Pikachu auch seinen ursprünglichen kampfschrei anstatt einer Sprachausgabe und es gab auch nur in Heart Gold und Soul Silver die Möglichkeit, ein Pokémon hinter sich herlaufen zu lassen.
Fazit
Dass man heute wie damals das Spiel wieder einlegen kann und sich wieder wie ein zehnjähriger Junge fühlt, der gerade aus Alabasta ausgezogen ist, um die Pokémon-Welt zu entdecken, ohne dabei grafische Verbesserungen herbei zu sehnen – ja sie gerade wegen des Nostalgie-Faktors auch so belassen zu wollen – zeigt doch, wie gut damals das Game Design durchgestaltet war, sodass es auch in zwei Jahrzehnten noch Spaß macht. Man muss zwar auf einige Verbesserungen der späteren Editionen verzichten, doch gerade das simplere Regelwerk kann ein eigener Anreiz sein, nochmal die Originalformel zu erkunden. Einzig der „Aufpreis“ von über 5€ ist etwas hoch für das Einfügen des Drahtlos-Features und Pokémon bank-Kompatibilität, aber auf Grund der sonst guten Emulation und des zeitlosen Game Designs hatte dies keine Auswirkungen auf die Wertung. Wenn man es noch nicht hat, sind es die 9,99€ definitiv wert.
- Zeitloses Gameplay
- Monster sammeln, trainieren und tauschen
- Retro-Ohrwürmer
- Surf-Minispiel gleich freigeschaltet
- Mit Pokémon Bank kompatibel
- kleinere Extras neuerer Editionen fehlen
- VC-Grafikemulation nicht so schön
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


