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New Style Boutique 2 - Mode von Morgen

New Style Boutique 2 - Mode von Morgen

Benjamin A.

Trotz vieler positiver Entwicklungen und Nintendos Bemühungen, im „Blue Ocean“ zu fischen - eine Metapher für das erreichen jener Massen, die bisher noch nichts mit Spielen anfangen konnten - ist die Hauptzielgruppe der meisten Spieleentwickler immer noch der „weiße, männliche Spieler zwischen 14 und 40“. Spiele, die sich bewusst an andere Zielgruppen richten werden von den „Core-Gamern“ meist belächelt – was auch mitunter daran liegen mag, das Entwickler bei Nicht-Spielern ein geringeres Qualitätsmaß anwenden, da ein geringerer Anspruch vermutet wird.

Nicht ohne Grund trägt New Style Boutique 2 – Mode von Morgen daher den Beititel „Nintendo präsentiert:“, um hervorzuheben, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handelt. Doch wird der Titel der Erwartungshaltung gerecht?

Ein märchenhafter Anfang

Das Spiel beginnt mit einer märchenhaften Einleitung: Ihr bekommt einen Brief von eurer Oma, der euch den Schlüssel zu einer Puppenhaustür öffnet. Hinter dieser Tür wartet die ebenso kleine Momo, die Enkelin der besten Freundin eurer Großmutter. Sie erzählt euch, wie die beiden ganz Modestadt in ein Fashion-Paradies verwandelten, doch diese Zeiten sind nun vorbei.

Nun liegt es an euch, eine Renaissance herbei zu führen: Nachdem ihr euren Avatar erstellt… pardon, „vorgestellt“ habt, taucht ihr ein in die Welt der „Mode von Morgen. Gleich mehrere Karriereoptionen erwarten euch in diesem Spiel, zwischen denen man jederzeit hin und her wechseln kann.

Beginn in der Boutique

In Modestadt angekommen trefft ihr das Model Coco, eine Freundin von Momo, und dürft eure Beratungsfähigkeit bereits auf die Probe stellen. Zu Beginn habt ihr ein kleines, allgemeines Set an Kleidung zur Verfügung, doch mit der Zeit könnt ihr bei der Modemesse euren Lagerbestand erweitern. Bis zu 19.000 Artikel können dort erstanden werden, die von diversen fiktiven Marken wie „AZ-USA“, „April Bonbon“ oder „Basic U“ geführt werden. Täglich werden hier neue Artikel geführt, die sich saisonal unterscheiden – die im 3DS eingebaute Uhr macht‘s möglich.

Doch um die Kleidung an die Frau zu bringen müssen diverse Kriterien getroffen werden. So erzählt jede der Damen eine kleine Geschichte dazu, wieso sie ein neues Kleidungsstück oder unter Umständen sogar ein ganzes Outfit kaufen will. Diese können Direktanweisungen sein wie: „ein beiger Hut“ oder „ein cooles Outfit“, wobei die fiktiven Marken in der Regel einem gewissen Stil entsprechen. Wer sich schwer tut – oder einfach schon sehr viel Kleidung gekauft hat – kann aber Merkmale wie Stil, Farbe, Marke oder Muster in Form einer Suche herausfiltern.

Während die Schwierigkeit in den letzteren Aufgaben nur darin liegt, darauf zu achten, immer ein passendes Kleidungsstück im Lager zu führen - man kann nur 1000 verschiedene Artikel lagern und die Stückzahlen von Artikeln sind begrenzt - gibt es in diesem Teil auch anspruchsvollere Angaben wie: „Ich hätte gerne ein Outfit, das zu meinen Schuhen passt!“. Hier muss man dann raten, welcher Marke der Artikel angehört und welche Kleidungsstücke der Kundin zusagen.

Zwei Bestätigungsmöglichkeiten der Auswahl bringen auch einen gewissen Risikofaktor mit sich: Bei „Wie wäre es hiermit?“ darf man bis zu drei Varianten präsentieren, bis die Kundin den Laden verlässt, bei „Das ist es!“ handelt es sich um eine „Alles oder Nichts!“-Variante, weshalb man sich sicher sein sollte, dass der Artikel oder das Outfit perfekt passt.

Die Kundin tanzt zu ihrem perfekt passenden mädchenhaften Outfit!
Die Kundin tanzt zu ihrem perfekt passenden mädchenhaften Outfit!

Man bekommt für Letzteres zwar nicht mehr Geld, aber eine besonders animierte Präsentation nachdem die Frau aus der Kabine tritt. Außerdem trägt die Käuferin ab sofort das von euch erstellte Outfit während des ganzen Spiels, bis ihr der Dame ein neues verkauft. Denn jede neue Person wird mit Namen in eurer Datenbank geführt. Außerdem kann es vorkommen, dass die zufriedene Käuferin noch einen weiteren Artikel bestellt. Wenn ihr mit einem Artikel aber nur knapp daneben liegt, gibt es aber noch die Möglichkeit mit einer Multiple-Choice-Antwort der Käuferin das Outfit dennoch schmackhaft zu machen.

Besonders hervor zu heben sind die Individualisierungsmöglichkeiten der Boutique: Man kann Aussehen- und Innenausstattung, sowie Musik einem gewissen Stil anpassen (was auch die Art der Kundschaft beeinflusst) und in der Auslage neben Dekor-Artikeln auch sein eigenes Mannequin gestalten. Wenn das Outfit Gefallen findet, kann es sogar passieren, dass eine Passantin das Outfit gleich kauft.

Zeit für eine neue Frisur

Mit der Zeit schaltet ihr immer mehr Gebiete in Modestadt frei, in der ihr auch mit Passanten plaudern könnt. Eine der wichtigeren Damen ist Xiaoling, ein schüchternes Mädchen, welches von Coco begeistert ist. Als ihr die beiden einander vorstellt, missinterpretiert sie die Worte des Models und will fortan wie Coco aussehen. Nach einem Besuch in der Boutique will sie auch eine neue Frisur und neues Make-Up, da die ansässigen Leiterin aber mit ihren Wünschen nicht klarkommen, dürft ihr Schere und Pinsel in die Hand nehmen – und ab sofort im Studio aushelfen.

Anhand eines kurzen Kundengespräches gilt es nun heraus zu finden, für welchen Anlass die Frisur angefertigt wird und was die Kundin eigentlich will – bspw. welche Farbe, Länge oder ob die Frisur einen Pony oder Strähnchen haben soll. Hierbei gilt es die richtigen Frageoptionen zu wählen, denn man kann nur eine begrenzte Anzahl an Fragen stellen. Ist die Antwort ergebnislos, weil man redundante Fragen stellt, muss man anhand der Geschichte selber raten, wie die restlichen Eigenschaften der Frisur lauten sollten. Allerdings gibt es auch hier bis zu drei Fehlversuche, wobei nach jedem Fehler auch eine fehlende Eigenschaft ergänzt wird.

Nach und nach werden hier weitere Frisuren freigeschaltet, die man auch der eigenen Figur verpassen kann. Die bis zu 60 letzten Frisuren werden auch als Perücken gespeichert, um für Modeljobs als „Schnellauswahl“ zur Verfügung zu stehen, doch dazu später mehr…

Der Make-Up Salon

Während man im Friseur-Salon noch mehr Freiheiten und Interpretationsspielraum hatte, so hat man es als Make-Up-Artist mit relativ eindeutigen Angaben zu tun. Meistens bekommt man ein Foto mit Notizen, dessen Make-Up man dann nachbauen darf. Ansonsten gibt es aber auch Damen, die euch komplett die Kontrolle überlassen oder nach einem Styling passend zum Outfit fragen. Des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, eigene „Make-Up Sets“ zusammen zu stellen – entweder um diese selbst schneller abzurufen, oder um sie an Kundinnen und Kunden (letztere kaufen dann immer für Verwandet Damen ein) anzubieten.

Auch Frisur und Make-Up bleiben den Kundinnen erhalten, wodurch man Stück für Stück die Puppenwelt nach den eigenen Ansprüchen gestaltet,,,

Designerin und Farbsuche

Ein weiterer Aspekt der Fashion-Karriere ermöglicht es euch sogar eigene Designs zu erstellen. Hierzu werden im Einkaufszentrum Aufträge von den Modelabeln entgegengenommen, wobei mit neuen Aufträgen auch neue Design-Vorlagen freigeschalten werden. Oft treten neue Angebote auch erst auf, nachdem man Modestadt ein wenig erkundet hat. So bekommt man durch Gespräche mit, dass Schülerinnen für ihre Schule eine neue Uniform haben wollen, oder man darf ein Hochzeitskleid oder das Outfit einer Pop-Gruppe entwerfen. Gefällt dem Label eure Kreation bekommt ihr 10 Stück frei Haus und könnt diese in eurer Boutique anbieten.

Um das Kleidungsstück zu entwerfen geht man in den obersten Stock der Boutique und wählt zuerst Grundform und dann diverse Muster aus. Man kann zwar sein eigenes Logo zeichnen, an den Kleidungsstücken selbst kann man sich allerdings nur in Form von Farben austoben, doch die Muster lassen sich unterschiedlich kombinieren und bieten viele Möglichkeiten.

Eine Auswahl an Mustern für ein einfaches Kleid.
Eine Auswahl an Mustern für ein einfaches Kleid.

Um eure Auswahl noch mehr zu vergrößern lohnt es sich auch, Coloria im Primelpark zu besuchen. Die kleine Farbfanatikerin mischt nämlich auf Basis von Screenshots - die jederzeit mit Y getätigt werden können – neue Farbtöne zusammen, die eure Palette für Frisuren, Designs und Make-Up ordentlich erweitern. Da das Spiel auch eine eingebaute Uhr besitzt, müssen manche Orte zu verschiedenen Jahres- oder Tageszeiten besucht werden, um die passenden Farben zu erhalten. Um also die ganze Palette zu füllen muss einiges an Zeit vergehen…

Modeschauen und Modeln

Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist die Modeschau, in der Damen zu einem gewissen Thema eingekleidet werden müssen. Hat man den Abspann gesehen, kann man hier aus einem von sechs saisonal passenden Themen (bspw. „Winter ohne Weiß“ oder „Grüne Weihnachten“) wählen. Wurden genug Tickets durch Shop-Aktivitäten verkauft, kommen die Models nach und nach in euer Geschäft und verlangen ein Make-Over, dass zum Thema passt. Schlussendlich müsst ihr auch selbst auf die Bühne und könnt in Form diverser Buttons der Menge zuwinken. Nach der Show steigt übrigens die Nachfrage nach Outfits im Dargestellten Stil.

Abseits der Show kann man auch im Foto Studio für Werbe-Agenturen Modell stehen. Hierzu werden einzelne Fotos zu gewissen Themen geschossen (bspw. „süße Bäckerei“ oder „Der Weihnachtsmann kommt in die Mall“). Besonderer Reiz ist hierbei neben dem Geld, dass die geschossenen Fotos fortan in Modestadt die Plakatwände zieren.

Happy Home Designer

Und es gibt noch eine weitere Karrieremöglichkeiten: Immer wieder bekommt man im Verlauf des Spiels “Miniaturen” geschenkt. Diese können in das Puppenhaus der verrückten Villa eingesetzt werden, die dann das Zimmer in der Villa selbst auf magische Weise umgestalten. Auf diese Weise kann man Wohnzimmer, Cafés oder gar Boutiquen erstellen. Diese kann man vermieten, als Hintergrund für Model-Fotos verwenden und sogar via StreetPass tauschen. Es kann zwar nicht ganz mit der Variabilität von Animal Crossing mithalten, aber diese Zimmer scheinen ohnehin mehr Draufgabe als essenzielles Spiel-Element zu sein.

Soziale Aktivitäten

Insbesondere die Einbindung des Miiverse darf gelobt werden: Zur Zeit finden fast wöchentlich offizielle Wettbewerbe statt, deren Einträge ohne lästigen Wechsel in das Miiverse-Tab eingesehen, geliked und gepostet werden können. Außerdem ist es auch möglich, selbst einen Wettbewerb zu starten. Um teilzunehmen muss man lediglich seinen Avatar ein passendes Outfit verpassen und ein Modelfoto schießen. Per Klick können auch gleich die Kleidungsdetails mitgepostet werden. Diese Aktivitäten geben einen weiteren Grund, um den eigenen Kleiderschrank immer up-to-date zu halten.

Neben den angesprochenen StreetPass-Features ist es außerdem möglich, via Direktverbindung in die Stadt einer Freundin zu reisen und dort zu shoppen. Außerdem kann man Zimmer auch via Internet tauschen und neue Kleidung via SpotPass erhalten. Eine DLC-Option ist auch vorhanden, allerdings gab es bisher noch keine. Außerdem können amiibos auch diverse Kleidungsstücke freischalten, wie etwa eine Kirby-Handtasche oder den Rock von Lucina aus Fire Emblem. Mit AR-Karten ist es außerdem möglich, eure Kreationen auch mit der echten Welt zu mischen.

Verschiedene Beispiele für amiibo-Outfits.
Verschiedene Beispiele für amiibo-Outfits.

Grafik und Sound

Alles in allem ist die Gesamtpräsentation großartig gelungen. Die musikalische Untermalung bietet Ohrwürmer ohne Ende und begleitet das Geschehen mit fröhlichen Tönen, während die Menüs gestochen scharf sind und die Landschaften einen schönen Diorama-Look pflegen, der durch den stereoskopischen 3D-Effekt schön untermalt wird.

Herrenmode und Kritik

Einziger ernster Kritikpunkt: Im Gegensatz zum Vorgänger kann man keine Herrenmode mehr erwerben, wodurch im Großteil des Spiels fast nur Frauen auftauchen. Dies ist äußerst schade, denn nach dem ersten Ansehen des Abspanns kann man beim Startbildschirm den Männern im Spiel eigene Outfits verpassen, die allesamt mit eigenen Modemarken und Preisen ausgestattet wurden. Vermutlich hat man das Feature entfernt, da es ohnehin schon schwer genug ist, den begrenzten Lagerplatz der Nachfrage der Frauen anzupassen.

Außerdem ist es trotz Möglichkeit der Angabe des Geschlechts im StreetPass-Profil nicht möglich, einen männlichen Avatar zu spielen. Apropos StreetPass-Profil: Auch wenn manche der „Genderwahn“ auf die Nerven gehen mag: Wenn der wählbare Lieblingsberuf in einem Spiel, das sich vorrangig an Frauen richtet, ausschließlich die männliche Bezeichnung führt, dann hat man schlichtweg was versäumt…

Ein weiterer Kritikpunkt - den man als Meckern auf hohem Niveau bezeichnen könnte – ist jener, dass die Charakter- bzw. Kundinnen-Optionen im Spiel nicht unterschiedlich genug sind. Man hat das Problem zwar dramaturgisch umschifft, indem man in eine „Puppenwelt“ eintaucht, aber als Top-Spiel in der Kategorie „Mode und Aussehen“ muss man sich schon fragen, welches Bild gesellschaftlich vermittelt wird, wenn alle Damen den gleichen, zierlichen Körperbau haben. Es wurde zwar sehr darauf geachtet, dass es Charaktere verschiedener Ethnizität gibt, diese unterscheiden sich aber nur in Hautfarbe und Standardfrisur. Eine Anpassung der Nasenform gibt es nicht und jede Frau basiert auf dem gleichen Charaktermodell, wodurch sich nur die Größe, nicht aber Dicke oder andere Proportionen unterscheiden.

Dies ist wohl auch eher der Einfachheit geschuldet: Gäbe es XXL-Frauen müssten Kleidungsstücke auch unterschiedliche Größen haben, zudem müssten die Kleidungsmodelle den Unterschieden angepasst werden. Da ist es natürlich einfacher, wenn es die Standard-Barbie-Puppen-Größe gibt. Dennoch wäre es interessant für einen dritten Teil hier nochmal nachzulegen, da unterschiedliche Körper auch durchaus zu neuen Kaufkriterien führen könnten.

9.0Wertung
Highlight

Fazit

Quasi jeder Aspekt der beruflichen Modewelt wurde abgedeckt und in Form einer schönen, organischen Gesamtpräsentation als einheitliches Produkt verkauft. Trotz der vielen Karriere-Optionen wirkt jede davon gut ausgereift, die Stück für Stück freigeschaltet werden. Diverse kleine Nebenaufgaben sorgen dafür, dass man jederzeit und auch nur bei kurzen Spielzeiten Fortschritte gemacht hat. Zu guter Letzt nutzt der Titel auch jedes erdenkliche soziale Feature: StreetPass, SpotPass, Local Play und amiibos werden unterstützt und im Miiverse gibt es so gut wie jede Woche Themenwettbewerbe, die das beste Outfit küren. Eine so hohe Wertung für ein Casual-Spiel mit weiblichen Spielerinnen als Zielgruppe mag für Außenstehende unverständlich wirken, und die Einzelteile scheinen aufs Erste nicht sonderlich spektakulär zu sein, doch was New Style Boutique 2 mit der Summe seiner Einzelteile anstellt, macht es zu so viel mehr. Sämtliche Kritikpunkte kann man nur als „Meckern auf hohem Niveau“ bezeichnen. Und wenn der Titel sogar einem männlichen Tester – der sonst nicht viel für Mode übrig hat - Spaß dabei bieten kann, Outfits für den nächsten großen Werbe-Gig zusammenzustellen, dann muss der Titel auch durchaus Spielern und Spielerinnen empfohlen werden, die sonst eigentlich keine Spiele mit Mädchenthema spielen würden. Denn als Mode-Wirtschaftssimulation für Zwischendurch macht es seinen Job genauso gut wie Harvest Moon oder Animal Crossing.

Design
8.5
Sound
9.0
  • großartig für Zwischendurch
  • tolle Gesamtpräsentation
  • Miiverse-Einbindung und quasi jedes andere 3DS-Feature genutzt
  • viele Inhalte
  • Herrenmode fehlt
  • Einheitsgröße der Frauen

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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