
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Sin and Punishment: Successor of the Skies
WII
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Treasure
- Publisher
- Nintendo
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Sin & Punishment: Successor of the Earth war einer der ersten Import-Titel der Virtual Console auf der Wii erschien. Nicht ohne Grund, denn obwohl uns Europäern der Lylat Wars-ähnliche Rail-Shooter von Treasure zu Zeiten des Nintendo 64 verwehrt blieb, war das Spiel bei Importeuren sehr beliebt. Sakis Auftritt als Helfertrophäe in Brawl ließ schon vermuten, was dann 2008 bestätigt wurde: Sin & Punishment 2: Succesor of the Skies wird für die Wii erscheinen.
Einige Jahre danach
Jemand der befürchtet, die Handlung ohne den Kauf von Sin & Punishment 1 nicht zu verstehen, kann aufatmen: Diese Vorkenntnisse sind absolut nicht notwendig, weswegen der Titel auch keine Zahl enthält. Möchte man die komplexe Hintergrundgeschichte von Successor of the Skies verstehen, so wird man leider nicht mal durch den Prolog der damaligen Bedienungsanleitung schlau daraus - was bei einem Arcade-Action-Titel kaum Auswirkungen auf den Spielspaß hat. Deswegen reduzieren wir es erst mal auf das Wichtigste: Isa (der Sohn der Protagonisten aus Teil 1) möchte zusammen mit dem Alien-Mädchen Kachi von der vierten Erde fliehen, werden dabei aber von den Nebulox, fünf Soldaten mit übermenschlichen Kräften, und den Keepers, künstliche Lebensformen, verfolgt.
Der Hauptunterschied zwischen Sin & Punishment und anderen Rail-Shootern ist, dass es sich hierbei um einen 3rd-Person Shooter handelt. Ihr nehmt also nicht erst schaden, wenn ein Gegner oder ein Projektil die Mattscheibe durchbohrt, sondern müsst neben dem Fadenkreuz auch noch eine von zwei Spielfigur lenken, die möglichst nicht getroffen werden sollte. Wenn euch doch ein Hindernis zu nahe kommt, könnt ihr diesem entweder ausweichen oder es durch einen gekonnten Schwerthieb (kurzes drücken des Waffenknopfes) abwehren oder zurück an den Absender schicken. Außerdem neu ist die Möglichkeit jederzeit frei über den Bildschirm zu fliegen, während die "Successors of the Earth" noch an die Erde gebunden waren. Manche Level wurden sogar an klassische 2D-Shoot’em Ups angelehnt. Da es in der Luft natürlich leichter ist auszuweichen, gibt es für die erdgebundenen Treffer Bonuspunkte.
Wir sind nicht allein
Zu Beginn des Spiels könnt ihr zwischen zwei Charakteren wählen, die sich durch ihre Spielweise von einander unterscheiden. Isa schießt genau dorthin, wohin ihr zielt, und sein aufgeladener Schuss ist eine große Explosion. Kachi hingegen empfiehlt sich für Anfänger, da sie Gegner automatisch anvisiert und beim Aufladen mehrere Ziele (oder einen Boss mehrmals) markiert, um dann eine Salve auf sie niederprasseln zu lassen. Wenn ihr das Spiel mit beiden einmal durchgespielt habt, könnt ihr im Isa & Kachi-Modus jederzeit über den Minus-Knopf zwischen den beiden wechseln.
Obwohl für Retro-Fans auch die Steuerung über Classic und Gamecube Controller möglich ist, empfiehlt sich die einfachere Steuerung über die Pointer Funktion. Immerhin war die Steuerung am Nintendo 64 so kompliziert, dass extra hierfür eine Art Ko-Op Modus eingebaut wurde, bei der ein Spieler den Charakter und der andere das Fadenkreuz steuert. Zielen, abdrücken und mit dem Nunchuck ausweichen ist da wesentlich intuitiver. Der zweite Spieler, darf dieses Mal ein zweites Fadenkreuz mit einfacher Munition steuern, ohne aufgeladene Schüsse oder einem eigenen Charakter. Aber unter der Projektildusche, die euch in jedem Level erwartet, wäre ein weiteres Objekt am Bildschirm ohnehin nur unnötige Ablenkung gewesen.
Hat jemand Seife?
Der Spielverlauf erinnert stark an typische Spielhallen-Ballereien. Von Anfang bis Ende heißt es Action pur ohne Zeit zu verschnaufen – wer bremst verliert. Denn wen man darüber nachdenkt, dass man sich gerade durch pixeldünne Abstände zwischen zwei Lasern über den Bildschirm bewegt, dann wurde man schon von selbigen erwischt. Doch neben euren Reflexen ist dennoch auch strategisches Denken gefragt, denn wenn man die Bewegungsmuster der Bossgegner, die quasi im Fünf-Minuten-Takt auftreten, nicht schnell durchschaut, heißt es „Game Over“. Es wird zwar vor jedem Boss ein Speicherpunkt gesetzt, aber auch mit den unbegrenzten Leben dürfte es einiges an Übungszeit dauern, bis die Leiste des Gegners schneller als eure auf null gesunken ist. Allein diese Tatsache verhindert, dass die acht Level - welche fehlerlos 15-25 Minuten beanspruchen - in zwei Stunden abgehakt sind.
Die Kürze des Spiels macht auch den hohen Wiederspielwert aus. Während Einsteiger durch stetiges Speichern die Story durchspielen können, werden sich Highscorejäger nur mit einem Spiel ohne Continues zu Frieden geben. Denn sollte euer Charakter sterben, so fällt auch eure Gesamtpunktzahl auf null zurück. Um die Spielzeit noch weiter zu verlängern wurde an den Isa & Kachi-Modus noch ein erweitertes Ende angefügt. Also ist es erst frühestens nach dem dritten Lauf komplett durch. Sollte das aber nicht reichen, wird man von der Länge enttäuscht sein. Denn Zusatzmissionen oder andere Sekundärziele wie in anderen Rail-Shootern für Wii gibt es nicht.
… oder einen Doktor in Astrophysik?
Leider erfährt man aus den kurzen Filmsequenzen nur so viel wie unbedingt nötig ist, um dem Strahlenmassaker einen moralischen Grund zu geben. Man erinnert sich hierbei an Spielhallenballereien wie House of the Dead & Co, bei denen man in den kurzen Cutscenes bei all dem Spielhallenlärm auch nie ganz durchblickt hat, was einem die Filmschnipsel jetzt sagen wollte. Wer die ganze Geschichte erfahren und vor allem verstehen will, muss den Kurz-Roman auf der offiziellen Web-Site lesen (sollte diese heute noch erreichbar sein) oder den japanischen "light novel" auf dem das Sin & Punishment Franchise basiert. Dieses atmosphärisch sehr gut geschriebene Werk hätte aber auch als Intro-Movie nicht in das actionlastige Gameplay gepasst, denn die Hintergrundgeschichte spielt noch bevor die Helden auf die Nebulox treffen. Statt Munitionsfeuer erlebt man dort die ruhige, post-apokalyptische Atmosphäre und Dialoge über das Menschsein. Hier jedenfalls eine grobe Zusammenfassung:
Es stellt sich heraus, dass die Erde aus Successor of the Earth zerstört wurde, und nur einer von vielen Stützpunkten des Inneren Universums war. „Gott“, bzw. „die Schöpfer“ haben diese Planeten platziert, um die kriegerische Rasse der „Menschen“ im Kampf gegen das Äußere Universum einzusetzen. Dieser Teil des Alls, der aus Formwandlern besteht (Wesen wie Achi aus dem ersten Teil), wehrt sich gegen die Ausdehnung des inneren Bruders. Um den Krieg nicht zu verlieren, wird ein Erdstützpunkt von sämtlichem Leben befreit, sobald die Menschen so weit entwickelt sind, dass sie „instabil“ werden und ihnen Freundschaft und Mitgefühl wichtiger werden als der stetige Kampf gegen das Äußere Universum.
Als das Leben der vierten Erde ausgelöscht wurde, wird der Formwandler Kachi ausgesandt, um die Menschen zu erforschen. Doch sie verliert ihr Gedächtnis und entwickelt eher ein soziales als ein militärisches Interesse an Ihnen. Doch sie bleibt nicht unentdeckt. Isa wird ausgesandt, um den Eindringling zu eliminieren. Er soll dadurch seine Treue beweisen, denn sein Blut gilt als unrein. Er trägt dadurch Kräfte des Äußeren Universums in sich, welche sein Vater Saki unfreiwillig von Achi bekommen hat. Er wurde deshalb verachtet und nur als halber Mensch angesehen.
Als er Kachi gegenübersteht kann er sie aber nicht töten. Sie wirkt so menschlich und voller Mitgefühl, dass es unmöglich vorgespielt sein kann. Während die Nebulox, die sich als „treue Diener Gottes“ bezeichnen und über übermenschliche Kräfte verfügen (die trotz der Ähnlichkeit wohl nicht aus dem Äußeren Universum stammen), weitaus unmenschlicher agieren. Soll Kachi tatsächlich weniger Mensch sein? Als halber Mensch kann Isa das nicht akzeptieren und versucht zusammen mit Kachi zu fliehen.
Das wäre mal eine verständliche Kurzfassung, wie sie in der Bedienungsanleitung hätte sein sollen. Denn der Prolog, der dort verzeichnet ist, verwirrt nur noch mehr. Natürlich hätten solche Sequenzen nicht in die Balleraction gepasst, aber das ist noch lange kein Grund, diese Geschichte auf kurzlebiges Werbematerial im Internet zu verbannen…
Sichtverhältnisse
Grafisch holte Successor of the Skies sehr viel aus der Wii heraus und bewies wieder mal, dass sie mehr drauf hat, als ihr viele Kritiker zutrauen. Dadurch benötigt es im Gegensatz zu Successor of the Earth etwas Eingewöhnungszeit, bis man die Hindernisse von der schönen und weiten Skybox unterscheiden kann. Es ist schon direkt Sünde, dass man im Kreuzfeuer die malerische Schönheit der Unterwasserfahrten, Wüstentrips und Lava-Landschaften gar nicht genießen kann. Auch die musikalische Untermalung geht gut ins Ohr.
Wii U-Version
Die Virtual Console-Version für Wii U bietet in Sachen Optik und Akustik nichts neues. Das Spiel bietet keine Verbesserungen bei Grafik und Sound und wurde, wie üblich bei VC-Spielen, dem Original belassen. Die Online-Rangliste sind zwar noch im Spiel anwählbar, eine Verbindung zu diesen kann jedoch nicht aufgebaut werden. Somit fällt der Wiederspielwert doch ein wenig nach unten. Negativ ist auch anzumerken, dass das Wii U-Gamepad zwar unterstützt wird, der Pro Controller jedoch keine Einbindung erfahren hat. Dies ist sehr ärgerlich, denn mit dem Gamepad lässt sich das Spiel, dank der weit auseinanderliegenden Controllsticks, nur recht mühsam steuern. Das Spielgeschehen wird jedoch auch auf dem Gamepad angezeigt, sodass ein TV-Gerät nicht von Nöten ist, es sei denn man spielt mit Wiimote und Nunchuk.
Fazit
Man wird an die guten alten Tage zurückerinnert, an denen der „Game Over“-Bildschirm nicht nur programmiertechnische Routine war, sondern auch ein Ansporn eine weitere Münze in den Automaten zu werfen, seine Fähigkeiten zu verbessern oder seine Strategie zu überdenken. Online-Ranglisten brachten Highscore-Jägern noch zusätzlichen Wiederspielwert, was bei der kurzen Kampagne auch bitter nötig war, diese sind jedoch mittlerweile nicht mehr abrufbar und fehlen somit auch in der Wii U-Variante. Nichtsdestotrotz ein gelungener 3rd Person Rail-Shooter und womöglich eine Alternative für all jene, die nicht mehr auf das Starfox Zero warten können.
- knifflige Bosskämpfe
- gute Steuerung
- hoher Wiederspielwert
- kurz
- Story bedarf Hintergrund-Recherche
- Online-Ranglisten mittlerweile offline
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

