Zum Inhalt springen
Samurai Warriors Chronicles 3

Samurai Warriors Chronicles 3

Benjamin A.

Mit Hyrule Warriors: Legends kommt nun bald schon das zweite Crossover zwischen The Legend of Zelda und Samurai Warriors. Dies scheint wohl ein guter Grund gewesen zu sein, um den dritten Teil von Samurai Warriors: Chronicles nun auch in den Westen zu bringen, obwohl der zweite Teil übersprungen wurde – wenn auch nur als Download.

Samurai Warriors Chronicles 3

3ES

Entwickler
Omega Force
Publisher
Koei Tecmo
Konsole
3ES
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Doch wie schlägt sich der Titel in europäischen Gefilden? Kann man dem japanischen Kampfgeschehen überhaupt folgen?

Die Vorgeschichte zum japanischen Bürgerkrieg

Wie schon so viele Spiele verfolgt die Samurai Warriors-Reihe die „Zeit der streitenden Reiche“ – oder auch „Sengoku Jidai“. Das Spiel setzt mit dem Beginn von Nobunagas Einfluss an – es wird also auch nicht die Kenntnis anderer Iterationen der Serie vorausgesetzt. Mehr zu Wissen ist auch nicht notwendig, da die für den Kampf relevante Handlung auch immer in Form von Dialogen und kurzen Cut-Scenes erläutert wird, wer sich aber für die Hintergründe des japanischen Bürgerkrieges interessiert, kann sich folgenden (spielirrelevanten) Absatz durchlesen:

In Japan war im Mittelalter der Kaiser nur dem Namen nach der oberste Herrscher Japans – tatsächlich herrschte immer ein Shogun, der oberste General des japanischen Staates, welcher meist das Oberhaupt einer starken Samurai-Familie war. Im 16. Jahrhundert gab es aber keine Familie, die mächtig genug war um alleine einen ganzen Staat zu führen, weshalb der Inselstaat in kleinere "Reiche" zerfiel, die von den ansässigen Samurai beherrscht wurden. Innenpolitische Machtkämpfe führten schlussendlich dazu, dass das Land sich ganze 100 Jahre im Bürgerkrieg befand.

Nobunagas Ambition

Ein starker Kriegsherr muss die einzelnen Kasten unter sich vereinen – entweder durch Bündnisse oder durch Gewalt. Dies war Nobunagas Lösungsansatz. Wie sich später zeigen wird, hatte der „Fool of Owari“ Recht damit, auch wenn er dazu ein paar Regeln brechen musste. So förderte er europäische Missionare, um an Schrotflinten zu kommen und ließ flüchtende Gegner verfolgen und töten.

Beides wird zum Spielelement und beides wird moralisch hinterfragt, da es gegen den Samurai-Kodex wäre. Doch Nobunaga verteidigt sein Handeln: Das Festhalten an moralischen Regeln würde den Krieg unnötig verlängern. Verbpünde dich oder stirb, heißt die Devise. Aus diesem Grund braucht es noch zwei weitere Kämpfer, umd Japan gänzlich zu vereinen.

Der vierte Reichseiniger: Ihr selbst

Inmitten dieser Schlachten steht euer Spieler-Avatar, der/die sich im Hauptstrang Nobunaga anschließt. Der Charakter-Editor bietet hier ein sehr großes Repertoire welches sich im Spielverlauf noch erweitert. Außerdem ist es auch möglich, eine weibliche Samurai-Kämpferin zu steuern, wobei die Optionen als leicht diskriminierend aufgefasst werden könnten: Während man bei den Männern bspw. relativ neutrale Adjektive wie „stern“ oder „aggressive“ im Stimmeneditor zur Verfügung hat, heißen diese bei Frauen „cute“ oder „graceful“, was wiederum offenlegt, für welche Zielgruppe diese Stimmen angefertigt und eingesprochen wurden.

Aber gut, zumindest gibt es die Möglichkeit, eine weibliche Figur zu spielen. Und man darf auch nicht vergessen, dass im Mittelalter Frauen nur selten am Schlachtfeld vertreten waren, und der Titel dennoch historische Perönlichkeiten wie Nobunagas Schwester und seine Frau zu spielbaren Charakteren gemacht hat.

Hajime!

Ihr folgt nun der Geschichte der „drei Reichseiniger“ in Form von zeitlich arrangierten Missionen. Ihr steuert dabei jeweils einen von vier Generälen, die über das Kampffeld zerstreut sind, wobei einer davon immer euer Avatar ist. Spielt ihr eine Mission erneut, könnt ihr einen der vielen, vielen anderen Charaktere beliebig einsetzen.

Jetzt aber geht es ran an das Schlachtfeld! Hier könnt ihr mit Y normale, mit X starke Attacken einsetzen. Ist eure Musou-Leiste voll, könnt ihr einen Spezialangriff ausführen. Zudem gibt es auch noch eine weitere Leiste, die –sofern sie voll ist -es via Steuerkreuz unten erlaubt, einen aggressiveren Kampfstil anzunehmen und in Kombination mit einem Musou-Angriff noch stärker wird.

Steht eine Spielfigur neben euch, die ebenfalls eine volle Musou-Leiste hat, könnt ihr sogar einen Teamangriff starten, welcher allerdings lediglich den Angrif beider Parteien auslöst. Des Weiteren kann man mit L blocken und mit R Charakterspezifische Künste einsetzen (bspw. via Knopfdruck Energie wiederherstellen).

Hide…wer?

In den Missionen gilt es nun, diverse wichtige Generäle auszuschalten, bis man dem Boss gegenübertreten kann, da ihr nur so Stück für Stück die Moral der gegnerischen Truppen schwächen könnt. Tatsächlich geht es dabei weniger um das ausmerzen einzelner Soldaten: Die sind bloß Kanonenfutter für eure Musou-Leiste.

Generell gilt: Nur Gegner, bei denen ein Name über dem Kopf erscheint, sind auch würdig genug ihren Namen auf einem Grabstein zu tragen. Leider kommt man bei den japanischen Namen leicht mal durcheinander, insbesondere wenn man auch die Kampagnen der Gegner spielt. All dies mag anfangs etwas erschlagend wirken (insbesondere wegen der billigen „wenn-was-Neues-kommt-blenden-wir-Textwände-ein Tutorials), doch nach einiger Zeit kommt man in das Spielsystem.

Strategien und Individualisierungsoptionen

Die ganzen Namen gehen natürlich nicht so leicht von europäischen Zungen. Doch keine Sorge: Auf dem Touchscreen kann man seine aktuellen Ziele stets nachlesen. Auch der Generalswechsel funktioniert via Klick auf der Karte. Hat man also eine Aufgabe erledigt, muss man sich nicht durch Gegnerleeres Gebiet kämpfen, sondern kann die KI ablösen und direkt in den nächsten Kampf mit einer neuen Figur springen. Via Touchscreen kann man auch der KI Befehle erteilen, bspw. um alle Spielfiguren auf einen Feind zu konzentrieren. Die Missionsziele selbst variieren aber eigentlich kaum: Bringe XY oder ZV zur Strecke, hindere AB am Rückzug und ab und zu gilt es die eigenen Generäle zu schützen.

Das Spiel sorgt aber für einen abwechslungsreichen Einsatz der Charaktere: Jeder besitzt seine eigenen Waffen und kann durch Aufleveln neue Kombos und Techniken lernen, was die Spieler bei über 50 verschiedenen Charakteren durchaus viel Inhalt für ihr Geld bietet. Zudem kann jede Waffe mit Materialien geschmiedet und an den eigenen Spielstil angepasst werden. Einziger Haken jedoch: Werden neue Charaktere eingeführt, starten diese bei Level 5 und müssen erst trainiert werden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, den (jederzeit änderbaren) Schwierigkeitsgrad zu Beginn auf leicht zu stellen.

Japanische Teeparty

Neben dem Hauptstrang der „Chronicles“ kann man außerdem noch „Was wäre wenn“-Stränge für fast jede der einzelnen Kriegerfamilien freischalten, sofern euer Avatar genug Sympathie zu gewissen Charakteren aufbaut. Diese kann im Kampffeld, in Dialogszenen via Dialogoptionen oder durch einen gemeinsamen Besuch im Teehaus (sofern man genug Gold hat…) stärken. Diese spielen eine spielbare Kampagne dar, die zeigt was Geschehen wäre, wenn euer Avatar einer anderen Familie beigetreten und diese die Reichseiniger besiegt hätte, oder was wäre, wenn eure Generäle nicht gefallen wären. Die führt zu mehr oder weniger ernsten Ergebnissen: So wirkt es direkt lächerlich, dass in einem anderen Strang Yoshimoto Imagawa dafür kämpft, den Bürgerkrieg mit kemari (kunstvoll gefertigten Bällen) zu ersetzen… und der eigentliche Reichseiniger Ieyasu zum frustrierten Untergebenen dieses Clowns wird.

Abseits dieser Nebenstränge und den bereits erwähnten Waffenshops im Challenge-Mode versuchen. Außerdem kann man via „Network“ auch noch DLC hinzukaufen. Ob es sich aber wirklich auszahlt, für kosmetische Upgrades einen ordentlichen Batzen Geld hinzublättern, muss jeder selbst entscheiden…

Technische Umsetzung

Das Spiel übernimmt zwar sämtliche Neuerungen aus Samurai Warriors 4, verzichtet dabei aber leider auf die offenen Areale der Konsolenversion und bietet stattdessen eher engere Kriegslager. Sind außerdem zu viele Gegener am Bildschirm, werden unwichtige Gegner ausgeblendet. Dies fällt meistens nicht auf, da namhafte Generäle in der Regel sichtbar bleiben, kann aber dennoch zu Ärgernissen führen, wenn man die eigenen Truppen durch den schnellen Sieg über einen Baracken-Kapitän stärken möchte, jener aber ständig verschwindet, weil einem andere Gegner auf die Pelle rücken. Auch die Kamera hat mit einigen Problemen zu kämpfen… Mit N3DS bzw. Circle Pad Pro kann man dem aber Abhilfe schaffen.

Der 3D-Effekt hingegen sieht äußerst schick aus und die Grafik selbst kann sich auch sehen lassen. Die Hintergrundmusik kommt typisch japanisch daher und unterstützt das heikle Kampfgerangel. Ein weiteres nicht unerhebliches Detail: Das Spiel beansprucht ganze 23.000 Blöcke auf eurer SD-Karte.

8.0Wertung

Fazit

Samurai Warriors Chronicles 3 kommt typisch japanisch daher. Wer also allergisch auf fremde Kulturen und Namen reagiert, sollte lieber auf Hyrule Warriors Legends warten. Wer davor aber nicht zurückschreckt findet jede Menge Missionen und über 50 levelbare Charaktere in einem soliden Hack’n’Slay-Kampfspiel mit leichten Strategieelementen (immerhin muss das gesamte Schlachtfeld im Hinterkopf behalten werden). Da kann man auch mal darüber hinwegsehen, dass die einzelnen Missionsziele kaum variieren.

Design
8.5
Sound
8.0
  • massig Inhalt
  • basiert auf japanischer Geschichte
  • viele Individualisierungs-möglichkeiten
  • Strategie-Elemente
  • sehr japanisch
  • Missionsziele nur selten innovativ
  • enge statt offener Kampfareale

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testm

Reactions

👍
❤️
😂
😮
🔥
👀
🤔
🎮
🎉

0 Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!