
Watch Dogs
Nintendo hat es nicht leicht mit 3rd-Party-Publishern. So kehrte auch Big N’s treuerster Wegbegleiter „Ubisoft“ der japanischen Spieleschmiede den Rücken zu, indem Rayman Legends seine Exklusivität verlor und der Release von Watch Dogs für die Wii U verschoben wurde. Ein halbes Jahr später ist es nun so weit und ob sich die Verspätung ausgezahlt hat, erfahrt ihr in unserem Test zu Watch Dogs.

Watch Dogs
WIIU
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
- Konsole
- WIIU
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 18
Willkommen in Chicago
Bei Watch Dogs erwartet euch eine riesige Spielewelt. Zwar ist der Titel nicht so groß wie GTA, aber er überzeugt mit einer beeindruckenden Bandbreite an Möglichkeiten. Die Handlung ist packend und toll erzählt. Ihr spielt einen Auftragshacker namens Adrian Pearce, der sich mit verschiedensten Aufgaben über Wasser hält. Nach einer Mission seid ihr aber plötzlich selber die Zielscheibe - mit fatalem Ausgang. Einige Monate später, nachdem ihr euch wieder etwas erholt habt, habt ihr nur einen Gedanken im Sinn - "Rache". Vergeltung an all jenen die dazu beigetragen haben, dass die Nichte des Hauptcharakters bei dem Anschlag, der eigentlich ihm gelten sollte, ums Leben kam.
Dabei kurvt ihr im klassischen „Sandbox-Genre“ durch ein zukünftiges Chicago. Egal ob ihr der belebten Innenstadt, den niedlichen Vororten, den Hafenanlagen oder anderen Schauplätzen einen Besuch abstattet, überall gibt es Gegenstände, die gehackt werden möchten. Gerade die pur unbegrenzten Möglichkeiten machen den Nervenkitzel solcher Titel aus – das Gefühl allmächtig zu sein und ungestraft jegliche Dinge anstellen zu können.
Als Hacker habt ihr die Schwachstelle einer Regierungstechnologie (ctOS) geknackt und könnt somit jedes elektrische Gerät in eurer Gegend anzapfen. Egal ob ihr schnell ein paar Dollars vom nächsten Bankomaten braucht, ein Gespräch belauschen bzw. via Videokameras die Umgebung durchsuchen wollt oder bei einer Verfolgungsjagd Ampeln und andere Elektrogeräte zu euren Gunsten nutzt.
Somit ist also der Hauptkern von Watch Dogs das Hacken und das Eindringen in die Privatsphäre anderer Personen. Per einfachen Tastendruck auf Y könnt ihr einen Hack ausführen. Natürlich läuft nicht immer alles glatt und so müsst ihr doch des Öfteren eure Fäuste oder Waffen sprechen lassen. Habt ihr doch genug und seid auf der Flucht, könnt ihr euch einfach das nächste Auto klauen und davonsausen. Dies alles und noch viel mehr bietet Watch Dogs.
Die Steuerung ist dabei sehr einfach gehalten. Im klassischen Stil könnt ihr via Schultertasten eure Feuerwaffen bedienen oder mit Vehikeln umherdüsen. Gerade Letzteres geht aber ziemlich schwierig von der Hand, da die Steuerung sehr sensibel reagiert.
Aiden Pearce ist ein eher farbloser Charakter, dem einzig und allein die Schuldgefühle am Tode seiner Nichte eine gewisse Tiefe verleihen. Grund ist sicherlich auch die Tatsache, dass er ständig auf sein Smartphone blickt. Sogar bei Interaktionen lässt er nicht den Blick von seinem Handy. Das wirkt total deplatziert und störend. Nichts desto Trotz liegt es an euch Spielern und eurem Handeln in wie weit ihr euch mit eurem Protagonisten identifiziert. So können sich eure Tätigkeiten wie im realen Leben positiv und negativ auf eure Mitmenschen auswirken. Hier spielt auch „Profiling“ eine wesentliche Rolle, denn ihr könnt zu jeder Person die euch über den Weg läuft die wichtigsten Fakten und Daten abrufen und sogar SMS-Verläufe verfolgen.

Wie war das mit dem Datenschutz?
Die Frage nach dem Datenschutz wird in Watch Dogs über den Haufen geworfen. Wer damit Probleme hat soll lieber die Finger vom Spiel lassen. Ansonsten besteht die Haupthandlung aus einer guten Mischung aus guter Story und verschiedensten Aufgaben. Alles in Chicago wird überwacht, so wisst ihr wo sich Menschen aufhalten, was sie tun, welche Vorlieben sie haben, aber auch jene Dinge, die Druckmittel sein können. Und genau diese Hackmöglickeiten sind jene Dinge, die Watch Dogs neue Akzente setzen lässt und sich somit ein komplett neuer Handlungsspielraum eröffnet.
Ansonsten wäre der Titel nur eine etwas andere Kopie von Titeln wie GTA, wo Autos an jeder Ecke geklaut werden können, es Shooter-Passagen gibt und überall auf der Karte Haupt- und Nebenaufgaben, sowie Minispiele verstreut sind.
Aber mit dem neuesten Feature des Hackens eröffnen sich ganz neue Wege. So können Orte erstmals über Kameras überwacht und erkundet werden. Von Cam zu Cam hackt ihr euch bis zur Hauptkonsole vor, um dem gesamten Gebäude den Saft abzudrehen. Danach kommt euer großer Auftritt, bei dem vor allem ein geräuschloses Vorgehen oft ratsamer ist als Manöver à la Rambo – vor allem, da Aiden nur wenige Treffer einstecken kann.
Geht es doch einmal ans Ganze, können Granaten am Gürtel von Gegner via Tastendruck ferngezündet werden, Kommunikationswege blockiert oder Ablenkungsmanöver gestartet werden. Wie und was liegt aber in der Hand des Spielers.
Open-World-Getümmel
Wie in jedem Open-World-Spiel besteht ein Großteil des Spielespaßes darin herauszufinden, was man alles in der virtuellen Welt anstellen kann. Aiden ist ein sehr vielseitiger Charakter und es ist euch überlassen, ob ihr durch die Gegend sprintet, klettert, hüpft oder euch Straßenrennen abliefert. Werdet ihr beispielsweise von der Polizei verfolgt, so hebt schnell ein paar Poller, wogegen die Polizeiwagen krachen oder lässt einfach schnell die nächste Brücke nach oben heben.
Wollt ihr es lieber ruhiger angehen, so macht eine Shoppingtour und kauft euch neue Klamotten oder Waffen. Geld dürfte ja kein Problem sein.
Lustig ist auch die Online-Funktionalität, wo man quasi Freunde hacken und deren Daten klauen kann. Ist man Opfer, so erhält man eine Benachrichtigung und hat eine gewisse Zeit den Täter zu finden. Dieser taucht in eurem Spiel nicht als Aiden Pearce, sondern als zufälliger Passant auf. So kann jede Person die euch über dem Weg läuft der gesuchte Verbrecher sein. Also nichts wie ran ans Profiling und los gehts mit Leute scannen, damit ihr eure Daten wiederfindet. Beim jeweiligen Erfolg steigt euer XP-Meter, mit dem ihr weitere Gegenstände im Spiel freischalten könnt. Seit ihr der Hacker und werdet ihr entdeckt, müsst ihr übrigens flüchten und aus einer gewissen Zone entkommen. Dieses „Katz- und Maus“ Spiel kann riesigen Spaß machen, vor allem, wenn man der Gesuchte ist und sich beispielsweise in parkenden Autos versteckt.
Übersicht über ein paar Offline-Missionen und Minispiele:
Konvoi-Missionen: Stoppt einen Konvoi bevor dieser sein Ziel erreicht.
Cash Run: Es erscheinen Münzen und ihr müsst Geistern ausweichen um diese einzusammeln.

Fixer-Missionen: Ihr erhaltet verschiedenste Aufträge. Von Attentatsmissionen bis Paketdienste ist alles dabei.
Gang Verstecke: Findet die Gang Verstecke und tötet den Anführer.
Es gibt aber noch viele weitere Dinge zu machen, wie die Fahrt mit einem Höllenauto, dem Kampf mit feindlichen Robotern und vieles mehr.
Übersicht über die Online-Möglichkeiten:
Online Hacking eines anderen Spielers: siehe weiter oben im Test
Online Beschattung eines anderen Spielers: Überwache einen anderen Spieler ohne entdeckt zu werden.
Online-Rennen
Erstellung und Veröffentlichung eigener Cash-Run Herausforderungen
Online-Bestenlisten

Das Skillsystem
Im Spiel könnt ihr euren Charakter mit über 50 Fähigkeiten individualisieren. Dazu gibt es einen Fertigkeitenbaum, auf dem sich viele interessante Aktionen freischalten lassen. Ihr könnt selber entscheiden, ob ihr lieber eure Hackfähigkeiten verbessert, den Umgang mit der Waffe verstärkt oder andere Skills upgradet. Erfahrungspunkte sind übrigens sehr leicht und bei jeder Aufgabe zu verdienen.
Skills werden aber nicht nur vom Spieler oder dem Protagonisten abverlangt, sondern auch von der Wii U selbst. Großteils läuft alles sehr flüssig und auch optisch ist Watch Dogs auf sehr hohem Niveau. Dennoch stößt die Konsole sehr schnell an ihre Grenzen. Ist plötzlich einiges am Bildschirm los, so merkt man deutlich eine Verlangsamung und auch die Bildrate sinkt. Gleich zu Beginn, bei einer Szene im Stadion, ist sofort ein großer Unterschied zu anderen Konsolen zu entdecken. Wo man auf der PS4 durch ein Fenster in ein Stadion blickt und dort die Post abgeht, hampeln auf der Wii U bloß die 6 Fans herum die nahe bei der Scheibe stehen. Die restlichen Fans sind starre Pixel.

Es wundert aber, dass der Titel diese Performanceschwierigkeiten hat, wo doch das Entwicklerstudio so viel mehr Zeit in die Entwicklung gesteckt hat. Leider ist davon wenig zu sehen. Selbst die Einbindung des Gamepads bringt keine Vorteile, da darauf lediglich die Weltenkarte angezeigt wird. OK, das Markieren von Zielen per Touch ist eine Erleichterung, aber das war es dann auch schon.
Der Sound ist aber toll. Cineastische Klänge dröhnen durch die Lautsprecher und auch die Synchronsprecher sind wirklich toll. Soundtechnisch gibt es nichts zu meckern.
Ein Spielen über das Gamepad ist übrigens möglich.
Fazit
Mit „Watch Dogs“ macht Ubisoft erste Schritte ins Sandbox-Genre à la GTA. In einem zukünftigen Chicago gibt es schier ein Vielzahl an verschiedenster Gelegenheiten sich die Zeit zu vertreiben. Neue Akzente setzen dabei sicherlich die Vielzahl an Hackmöglichkeiten. Obwohl die Story rund um Aiden Pearce’s Rachefeldzug toll erzählt wird, bleibt der Charakter doch eher farblos. Auch kämpft der Titel teilweise mit Performanceschwierigkeiten obwohl optisch und soundtechnisch der Titel sicherlich zu einem der besten auf der Wii U zählt. Dennoch ist nicht zu verstehen, warum der Titel mit Verzögerung auf dem Markt kam und derlei Makel zeigt. Auch der Preis ist für ein halbes Jahr altes Spiel sehr happig (ca. 55 Euro). Über schlechte Absatzzahlen darf man sich dann auch nicht wundern. Dennoch ist Watch Dogs sicherlich ein Blick wert, vor allem für jene, welche keine andere HD-Konsole besitzen. Immerhin füllt der Titel die Open-World-Lücke der aktuellen Spielebibliothek für die Wii U. Und wer solche Spiele liebt, für den handelt es sich bei Watch Dogs dennoch um einen echten Blockbuster. Für Langzeitmotivation ist jedenfalls gesorgt.
- riesige Spielewelt
- Hackinnovation
- viele Möglichkeiten
- etliche Stunden Spielzeit
- Einbrüche in der Bildrate
- farbloser Charakter
- zu spät und zu teuer
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


