
Chibi-Robo! Let?s Go, Photo!

Chibi-Robo! Let?s Go, Photo!
3ES
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Skip
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- 3ES
Ein gewisses Faible für Roboter hatte Nintendo schon vor langer Zeit, das u.a. in Form der kultigen Ultra-Hand oder des R.O.B. für NES der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Anno 2006 schaffte es der bezaubernde Haushalts-Roboter aus dem Hause des japanischen Software-Studios, der in Japan schon fast ein Jahr lang den Gamecube bewohnen durfte, auch in unsere Gefilde, konnte sich trotz solider Kritiken aber nur sehr spärlich verkaufen. Das dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb es die DS-Sequels nie nach Europa geschafft haben. Der 3DS-Download-Titel Chibi Robo! Let’s Go, Photo überraschenderweise schon – wenn auch mit reichlich Verspätung. Worum es im neuesten Ableger geht und wie sich die putzige Blechbüchse auf Nintendos aktueller Handheld-Konsole schlägt, erfahrt ihr in folgendem Test.
Nostalgieramsch
So lautet das wichtigste Stichwort in Chibi-Robo! Let’s Go, Photo!. Euer Besitzer hat nämlich vor, ein Museum zu eröffnen und darin zahlreiche Exponate – Gegenstände, denen wir im Alltag meist begegnen – auszustellen. Für die Beschaffung, wie könnte es anders sein, ist natürlich der Haushalts-Roboter höchstpersönlich zuständig. Mithilfe seiner Kamera, welche die echten Kameralinsen des 3DS-Systems benutzt, gilt es nun, diesen Krimskrams abzulichten und ihn so in die virtuelle Ausstellung des Spiels zu verfrachten.
Selbstverständlich könnt ihr eure physischen „Schätze“ nicht nach Belieben fotografieren und in das Spiel schicken; ihr braucht spezielle Silhouetten-Filme, die den Rahmen des jeweils gesuchten Gegenstandes als Filter darstellen. Das gesuchte Objekt sollte sich dabei möglichst passgenau und mit klaren Kontrastunterschieden im Rahmen befinden, da nach dem Foto der Prozentwert der Übereinstimmung bestimmt wird; ist er zu niedrig, darf das geschossene Bild nicht benutzt werden. Punkto Kontrastunterschied stoßen wir auch schon auf ärgerliche Hindernisse, welche auf die von Grund auf qualitativ eher miese Kamera des Handhelds zurückzuführen ist. Bei ausreichend Sonnenlicht gibt es selten Probleme, andere Lichtquellen vertragen sich allerdings weitaus schlechter mit den pixeligen Bildern, die entstehen. Eine ziemlich blöde Sache, wenn man bedenkt, dass die Kamera für einen wesentlichen Teil des Gameplays benutzt wird – aber das kann softwareseitig wohl schwer ausgebügelt werden. Nervig ist übrigens auch das penetrant laute Klicken des Auslösers, welches unabhängig von der konfigurierten Lautstärke jegliche Geräusche im Umfeld übertönt.
Don’t worry, be happy
So seltsam es klingen mag: das Befüllen des Museums stellt das primäre Ziel des Spiels dar. Trotzdem könnt ihr euch nicht einen Silhouetten-Film nach dem anderen schnappen und euch durch das Spiel knipsen. Für den Erwerb einen solchen benötigt ihr nämlich sogenannte Happy-Punkte, die ihr durch Jobs in verschiedenen, kleinen Arealen erhaltet. Dort beantwortet ihr beispielsweise Quizfragen, schätzt Längen ab oder macht einfach sauber. Die Gebiete können später auch unabhängig von Jobs erreicht und erkundet werden, wie es euch beliebt, und durch das Einsammeln von Müll ebenfalls Happy-Punkte entbehren. Während ihr euch mit eurem Roboterfreund bewegt, solltet ihr stets einen Blick auf den Füllstand eures Akkus werfen, der sich bereits während simpler Erkundung sehr schnell gen Null bewegt. Packt ihr eine eurer Gerätschaften wie den Staubsauger aus oder führt schwierigere Manöver aus, so werden die Ziffern auf dem Zähler noch viel rascher kleiner. Die lebensrettende Steckdose, die euch wieder auf Vordermann bringt, befindet sich im Hauptareal, von dem aus alle anderen Bereiche und Jobs zugänglich sind. Besonders anfangs habt ihr nur eine sehr geringe Batteriekapazität, was ein ständiges Aufladen erfordert und das Spiel so künstlich in die Länge zieht. Mit fortschreitendem Spielverlauf relativiert sich dies allerdings und nervt nur noch bedingt.
Weitaus demotivierender ist hingegen das Abwechslungsreichtum des Titels – die Jobs und Aufgaben, unterbrochen von den Foto-Sessions, sind sich einfach zu ähnlich, um nach spätestens einem Dutzend Wiederholungen dieses Kreislaufs noch irgendwie ideenreich oder anders zu wirken. Das Potenzial des grundsätzlich sehr innovativen Konzepts hätte da definitiv noch ein wenig mehr ausgeschöpft werden können. Früher oder später erkennt man darin den Full-Time-Büro-Job des stets ausgelaugten Mitarbeiters wieder, der sich Tag für Tag wiederholt, kaum Neues bietet, wahnsinnig schnell Langweile aufkommen lässt und trotz der stetig wachsenden Ansammlung von diversem Krimskrams irgendwie nie einen Gesamtfortschritt zeigt. Ein sehr guter Vergleich, wie ich finde – schade allerdings, dass man im echten Leben nicht einfach seinen 3DS zuklappen und gehen kann; dafür gibt’s aber auch keine echte Kohle bei Chibi-Robo!.
Moderne Technologie?
Auch abgesehen von der Abhängigkeit der billigen 3DS-Kamera leistet der Download-Titel technisch keine Meisterleistungen, erlaubt sich aber auch keine gröberen Schnitzer, die das Spielerlebnis stark trüben könnten. Obwohl die Optik im Großen und Ganzen recht schick ausgefallen ist, lässt der Treppeneffekt wieder einmal grüßen und Framerateeinbrüche sind, besonders bei aktivem 3D-Effekt, leider keine Seltenheit.
Soundtechnisch wartet Chibi-Robo! Let’s Go, Photo! mit netten Hintergrundmelodien auf, die das Geschehen passend untermalen, richtiges Ohrwurm-Potenzial allerdings eher vermissen lassen. Sprachausgabe gibt es keine, dafür aber immer wieder kehrende Texte, die man mit der Zeit auswendig lernt und dementsprechend nervig ausfallen können.
Fazit
Chibi-Robo! Let`s Go, Photo! folgt einem interessanten, witzigen Konzept, das für zwischendurch durchaus zu unterhalten weiß. Auf lange Sicht enttäuscht das Spiel allerdings – Schuld daran ist die mangelnde Abwechslung, die sich konsequent durch den Spielablauf zieht. Auch die qualitativ sehr dürftige 3DS-Kamera, die zu einem der Kernelemente des Gameplays zählt, trübt den Unterhaltungswert wesentlich. Wer sich für die Idee wirklich begeistern kann, darf einen Blick riskieren, alle anderen können die 12,99 Euro sicherlich besser investieren.
- Interessantes Konzept
- Einbindung der 3DS-Kamera…
- …deren Funktion nur bei Tageslicht akzeptabel ist
- Eintönige Routine
- Verhältnismäßig hoher Preis
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

