
Der inoffizielle Game & Watch Sammlerkatalog - Test & Interview
Mit seinem Kollegen Gerhard Meyer hat der 40-jährige David Gschmeidler aus Wien kürzlich einen inoffiziellen Game & Watch-Sammlerkatalog herausgebracht, der alle wichtigen Daten, Illustrationen und Hintergrundinfos zu Nintendos ersten Handheld-Geräten unter einem Dach zusammenfasst. Wir haben uns ein Exemplar gesichert und verraten euch, ob sich eine Anschaffung lohnt; außerdem haben wir David in seinem trauten Heim besucht, ein Interview geführt und eine Auswahl seiner eindrucksvollen Videospielsammlung auf Fotos festgehalten.
Seine Wohnung lässt auf den ersten Blick absolut nicht vermuten, dass hinter Dave ein leidenschaftlicher Sammler steckt; spätestens nach dem Öffnen des ersten Kastens wird man aber schnell vom Gegenteil überzeugt und findet außerordentlich große Mengen an altem Videospielkram vor. Im folgenden NFans-Interview stellen wir ihm aus diesem Grund nicht nur Fragen zu seinem neuen Buch, sondern möchten ihm auch ein paar nähere Infos zu seinem Sammeltrieb entlocken.
Nfans.de: Der inoffizielle Game & Watch Sammlerkatalog steht nun endlich zum Verkauf bereit. Wo hatte die Idee für das Projekt ihren Ursprung und wie viel Zeit habt ihr letzten Endes investiert?
Dave: Das liegt schon einige Jahre zurück. Ich sammle ja schon seit sehr vielen Jahren, 1995 und davor, und mit der Zeit wurde alles größer und durchdachter. Ich hatte schon einige Game & Watch-Spiele herumliegen und schenkte ihnen nicht mehr oder weniger Beachtung als anderen Dingen in meiner Sammlung. Doch wie bei jedem Sammler; oder besser gesagt: bei vielen Sammlern, wird irgendwann einmal das Feuer neu entfacht und man möchte die Sammlung komplett haben. So war es auch bei mir, damals, vor einigen Jahren.
Als ich mit der Suche nach Infos und Geräten im Internet loslegte, bemerkte ich sehr schnell, dass es keine geeignete Stelle gab, wo mir alle Informationen klar und übersichtlich präsentiert wurden. Hatte ich an der falschen Stelle gesucht? Nein, es ging auch weiter so: immer wieder Handyfotos, unvollständige Webseiten, viele Blogs mit unzureichenden Infos und so weiter. Aber keiner hatte alles schön und übersichtlich – da wurde die Idee zu einem Buch konkret, und ich hatte auch noch einen weiteren Grund, alle Geräte der Game & Watch-Reihe zu besitzen. Das war um 2009 herum. Ich setze mich mit meinem langjährigen Freund Gerhard Meyer zusammen und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, ein Buch über die 60 Game & Watch-Geräte zu machen. Er war sozusagen sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt und so begann ein Abenteuer, das wirklich vor fast 3 Jahren seinen Ursprung genommen hatte.
NFans.de: „Abenteuer“ klingt ja vielversprechend – was ist das Krasseste, das während der Entstehung des Katalogs passiert ist?
Dave: Also ich muss sagen, es ist wirklich viel passiert in dieser Zeit, aber das mit Abstand Krasseste war folgendes:
Ich hielt schon lange, bevor das Buch konkrete Formen annahm, Ausschau nach Zeitschriften und Foren, die bereit sind, unser Projekt nach außen zu tragen bzw. darüber zu berichten. Ich schrieb die gängigen Videospielzeitschriften an und erhielt überall die Zusage, mein Projekt zur gegeben Zeit zu rezensieren. Das hat mir natürlich ungemein viel Spaß und auch Hoffnung gemacht, so ein wenig an Werbekosten einzusparen. Die Tage gingen ins Land und so war es dann nach über 2 Jahren harter Arbeit endlich soweit, die Kontakte wieder aufzunehmen und ihnen von der Fertigstellung unseres Buches zu berichten; jetzt sollte es mit der Werbung losgehen. Ich habe sehr bemüht, auch die österreichische Zeitschrift consol.at für uns zu begeistern und sie sicherten mir auch schon vor geraumer Zeit ihre Unterstützung zu – doch genau 2 Wochen, bevor wir unser Buch aus der Druckerei erhalten hatten, kam die Hiobsbotschaft: consol.at schließt seine Pforten! Ich konnte es echt nicht glauben, ich dachte mir, das gibt es einfach nicht. Jahrelang kaufte ich diese Zeitschrift, die von vielen Freunden aus früheren Tagen geleitet und erstellt wurde, und die mir persönlich auch noch extrem gut gefallen hat. Ein Wahnsinnszufall, der mich wie einen Schlag traf, und das sicherlich nicht nur wegen uns, sondern auch wegen den sympathischen Leuten, die dieses Magazin groß gemacht haben und deren Fans, die auch heute noch um diese tolle Videospielzeitschrift trauern.
NFans.de: Die Nachricht über die Insolvenz kam wirklich plötzlich. Also hattet ihr keine Sponsoren, die euer Projekt unterstützt haben?
Dave: Nein, leider nicht, und das war auch das allergrößte Problem. Ein Projekt dieser Größenordnung zu finanzieren war für mich eine Gratwanderung und wird mich noch etwas länger vor der Gewinnzone bewahren (lacht). Leider hatte ich außer meiner Frau keinerlei finanzielle Unterstützung, aber ich bin froh, dass wir durchgehalten haben.
NFans.de: Und das ist das Wichtigste! Was macht euren Sammlerkatalog deiner Meinung nach so einzigartig?
Dave: Eigentlich ganz einfach: es ist der erste und einzige deutsche Game & Watch-Sammlerkatalog überhaupt und Fans im deutschen Sprachraum haben erstmals die Möglichkeit, alle wichtigen Infos rund um die tollen Handhelds von Nintendo zu erfahren. Nebenbei sind wir die weltweit ersten, die einen durchgängigen Qualitätsstandard aller Bilder und Illustrationen zu sämtlichen 59+ Geräten haben. Eine weitere Weltneuheit sind die Preisentwicklungen und Preisstatistiken zu allen Geräten. Die Datenbank zu den Preisen und einige Bilder hat uns freundlicherweise Patrick von gameandwatch.ch aus der Schweiz zur Verfügung gestellt. Des Weiteren kann man durch das Scannen von QR-Codes auf jeder Seite weitere Infos in Erfahrung bringen, die im Buch nicht zur Geltung gebracht werden konnten, wie z.B. Videos zu allen Geräten. Wir arbeiten gerade daran, auch Inhalte, die nicht ins Buch aufgenommen werden konnten, auf der Webseite nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

NFans.de: Gab es ein Game & Watch-Gerät, das – vor allem in neuwertigem Zustand, wie du ihn für deine Zwecke benötigt hast – so richtig schwer zu bekommen war?
Dave: Ja, in der Tat, und leider (lacht). Es war das Donkey Kong Circus Panorama Screen-Modell, das war ein echtes Problem. Nicht nur, dass es zu den seltensten Geräten überhaupt zählt, auch schon damals; nein, es war auch noch wesentlich schwieriger, eines im kompletten Zustand zu ergattern. Letztendlich bekam ich es nach zahlreichen Aufrufen im Internet angeboten und entschied mich für ein neuwertiges Gerät im Wert von ungefähr 1800 australischen Dollars, Zoll und Versand nicht eingerechnet. Aber was sollte ich machen; ein loses Gerät ohne Verpackung und Anleitung kaufen, noch dazu, wo ich schon drei Monate vergeblich auf Ebay Ausschau hielt? Das ging nicht, nicht bei den Qualitätsanforderungen, die wir für unser Buch benötigten. Wir wollten ja alle Modelle mit Original-Verpackung zeigen und das Buch auch sollte auch nicht zu lange brauchen, ehe ein Anderer auf dieselbe Idee kommen könnte.
NFans.de:Ebay ist also dein Favorit, wenn es um den Handel mit Videospielraritäten geht. Wie wurde ein leidenschaftlicher Sammler wie du vor dem Durchbruch besagter Online-Plattform bei begehrten Titeln fündig?
Dave: Das war ein steiniger, teurer Weg. Anfangs die Firmen Foto Nettig, Herlango, Hartlauer; das waren die ersten, die Heimcomputer und Konsolen der Anfangszeit verkauften. Die Preise waren horrend hoch und eigentlich konnte man nur an Geburtstagen oder Weihnachten neue Spiele erwarten. Die Firma Powerplay ist in Wien vielen Sammlern ein Begriff; in der Stumpergasse hatte sie ihren Sitz und ihre Betreiber waren später auch für consol.at verantwortlich. Hier zog es mich immer hin, sobald ich wieder ein paar Schillinge in der Tasche hatte, ich werde das nie vergessen. Auch bei Freunden und kleineren Videospielstuben kaufte ich damals ein; es war nicht so wie heute, dass man quasi an jeder Ecke sein Spiele beziehen konnte.
NFans.de: Das war eindeutig vor meiner Zeit – mittlerweile sind die genannten Ketten ja allesamt untergegangen bzw. nicht mehr wirklich in der Branche tätig. Welcher Titel war denn dein erstes Videospiel?
Dave: Also das erste Spiel, dass ich als Videospiel bezeichnen könnte, waren die LED-Geräte, die mit Batterien und mechanischen Teilen bewegt wurden. Das erste Spiel hieß UFO-Jagd oder so ähnlich und ich bekam es in frühen Jahren zum Geburtstag geschenkt; da war ich um die 5 Jahre alt. Das erste „echte“ Videospiel war ein PONG-Gerät, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Danach folgte mit ungefähr 10 Jahren das Philips G7000, das mich sehr lange bei Laune hielt.
NFans.de: Was sind deine persönlichen Kronjuwelen in der Sammlung – Konsolen oder Spiele, auf deren Besitz du besonders stolz bist?
Dave: Dabei ist sicherlich das Entex Adventure Vision, das als heiliger Gral der Videospielkonsolen gehandelt wird, aber „Holy Grails“ gibt es leider dann doch einige mehr (lacht) (Anm.: Bezieht sich auf eine Liste der begehrtesten Sammelobjekte unter Spielern, die von Video Game Console Library veröffentlicht wurde). Aber auch das Philips In2It-System, das eigentlich ein Prototyp ist, der es nicht in den Verkauf geschafft hat. Des Weiteren bin ich auch stolzer Besitzer eines nagelneuen Coleco Adam Computers, der mit 650 Dollar Versandkosten das aufwendigste Versandteil meiner Sammlung darstellte, Spielautomaten und Flipper mal außen vor gelassen. Auch diverse japanische Geräte wie das Tomy Pyuuta Jr. oder das Sega SG 1000, erste Variante, zählt zu meinen Lieblingsgeräten. Zuletzt sei auch das Marty FM Towns UX mit eingebautem Bildschirm erwähnt, ein Gerät, das ich nicht missen möchte und wonach ich lange suchen musste. (Anm.: Zugehörige Bilder findet ihr in der entsprechenden Galerie zu Davids Sammlung.)
NFans.de: Wow, beeindruckende Glanzstücke einer nicht minder großartigen Sammlung – aber zurück zu eurem Buch und meiner letzten Frage: Der Game & Watch Sammlerkatalog ist in deutscher Sprache erschienen. Gibt es Pläne, ihn zukünftig auch in weitere Sprachen zu übersetzen?
Dave: Ja, auch hier sind wir bereits an der Arbeit und übersetzen das Buch gerade. Englisch wird voraussichtlich vor dem Sommer 2014 fertig sein; weitere Sprachen, unter anderem japanisch, sind im Gespräch.
NFans.de: Alles klar, Dave – vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg mit dem Game & Watch-Sammlerkatalog!
Das ultimative Nachschlagewerk?
Wir haben das Buch noch einmal genauer unter die Lupe genommen und verraten euch, ob sich ein Kauf tatsächlich lohnt.
Schon ein erster Blick auf den – mit seinen 208 Seiten relativ umfangreichen – Sammlerkatalog vermittelt einen sehr wertigen Eindruck; die einzelnen Blätter sind von merkbar hoher Qualität und werden von kräftigen Farben geziert. Inhaltlich sticht einem sofort die liebevolle Aufmachung ins Auge: Jede einzelne Seite wurde individuell mit zahlreichen Artworks der Game & Watch-Spielchen gestaltet und steckt voller Infos – von der Einleitung über die gesamte Palette an erschienenen Geräten bis hin zur umfangreichen Trivia.
Das Kernelement des Buches – die Infos zu den Handheld-Klassikern von Nintendo – wurden für jedes Gerät auf einer Doppelseite festgehalten. Sie enthalten neben dem hübschen Layout, das je nach Spiel natürlich entsprechend angepasst wurde, professionelle Scans und Fotos von Verpackung (sogar als 3D-Modell dargestellt – sehr schick!), Screenshot und Spielkonsole selbst. Auf einer halben Seite wird das jeweilige Modell von den Autoren in Bezug auf Spielprinzip und Hintergrundinfos ausführlich beschrieben, parallel dazu findet sich in einem Infokasten auch eine Kurzbeschreibung. Eine weitere Detail-Box verrät allerhand Fakten: Welcher Serie das Gerät angehört, die genaue Modellnummer, das Erscheinungsdatum, die Höhe der Auflage sowie die Bezeichnung der notwendigen Batterie ist hier festgehalten. Außerdem wird das jeweilige Alarm-Symbol, welches sich ebenfalls von System zu System änderte, angezeigt. Das unterste Viertel einer Doppelseite enthält – jeweils für 3 verschiedene Sammlerzustände – ein Seltenheits-Barometer sowie die Preisentwicklung im Laufe der Zeit. Zu guter Letzt darf man auch zugehörige Gameplay-Videos ansehen, indem man den QR-Code im Buch scannt. Diese Funktion stand uns zum Testzeitpunkt allerdings noch nicht zur Verfügung.
Eine umfangreiche Einleitung sowie etliche interessante Fakten rund um die Game & Watch-Geräte runden das Gesamtwerk ab. Mit großer Sicherheit kann der Leser etwas dazulernen; oder wusstet ihr zum Beispiel, dass in der Software zum japanischen TV-Adapter für den Nintendo DS ein G&W-Spiel enthalten ist? Viele weitere Spiele, die auch nur irgendeinen Bezug zur klassischen Handheld-Serie von Nintendo aufweisen, werden vorgestellt; ebenso auch alles, was es so an Zubehör und Merchandise gibt.

Der komplette Katalog ist in deutscher Sprache erschienen und wurde nahezu fehlerfrei abgetippt, der Schreibstil wirkt anfangs aber etwas ungewohnt: Die Texte sind sehr formal gehalten und sprechen den Leser auch öfters in der „Sie“-Form an – hier hätten die Autoren meiner Meinung nach ruhig etwas lockerer rangehen können; im Endeffekt liegt der Eindruck aber natürlich im Auge des Betrachters. Den einzigen wirklichen Nachteil stellt die ärgerliche Spalte dar, die sich einfach immer wieder unweigerlich in der Mitte der Doppelseite bildet – nun gut, das liegt nun mal in der Natur eines Buches und kann den Verfassern dementsprechend auch nicht wirklich angekreidet werden. Trotzdem ist es schade, dass die Hintergrunddesigns und manchmal auch Bilder optisch nicht fließend ineinander übergehen. Glücklicherweise wurde in weiten Teilen des Buches darauf geachtet, dass sich keine Illustrationen oder gar Texte über diese Spalte erstrecken.
Bleibt nur noch eine Frage – wie viel kostet der Spaß? Für die Standard-Edition müsst ihr knapp 40 Euronen berappen, die auf 500 Stück limitierte Hardcover-Version schlägt mit fast 60 Euro zu Buche. Wer nicht zufällig in Wien wohnt und das Buch persönlich entgegennehmen kann, muss außerdem noch Versandspesen zahlen. In Anbetracht dessen, dass der Katalog im Eigenverlag erschienen ist, ist die vergleichsweise hohe Summe irgendwo dann natürlich auch nachvollziehbar – ein Schnäppchen ist aber definitiv was anderes.
Fazit
Nicht nur Sammler, sondern auch Fans und andere Interessenten sind mit dem inoffiziellen Game & Watch-Sammlerkatalog bestens beraten, wenn es um Daten, Fakten und Hintergrundinfos rund um Nintendos klassische Handheld-Serie geht. Der Käufer erhält in jedem Fall eine konsequent liebevoll und detailgenau gestaltete Ansammlung an Fakten und Hintergrundinformationen, die in ein kompaktes, hochwertiges Buch gepackt wurde und seinesgleichen – vergebens – sucht. Inwiefern diese Faktoren nun den hohen Preis rechtfertigen, muss letztlich aber jeder für sich entscheiden.

Interesse? Auf der offiziellen Bestellseite habt ihr die Möglichkeit, euch ein Exemplar zu sichern. Außerdem könnt ihr dort dank Leseprobe selbst einen ersten Blick ins Buch werfen, um euch ein eigenes Bild davon zu machen.
Ach, und sofern ihr es nicht schon getan habt - werft doch noch einen Blick in die kommentierte Galerie zu Daves Sammlung. Mitunter enthalten: Die ersten Konsolen von Nintendo, bevor der NES den Markt eroberte, edles Famicom-Zubehör und eines der hässlichsten Cover der Videospielgeschichte - Historische Fakten und Anekdoten inklusive!