
Etrian Odyssey IV: Legends of the Titan
Das triste Stadtleben verlassen und fremde Welten erkunden: Der Abenteuergeist ist einer der Gründe, warum sich Fans des Rollenspiel-Genres immer wieder vor den Bildschirm klemmen. In Etrian Odyssey IV: Legends of the Titan könnt ihr in die Fußstapfen von Christoph Columbus treten und mit eurem Luftschiff unkartographierte Landstriche verzeichnen, neue Rassen entdecken und mit euren selbst erstellten Pilgern gegen unbekannte Monster ankämpfen. All das mit nur einem Ziel: Das Geheimnis hinter dem riesigen Baum Yggdrasil zu lüften, welcher in der Ferne wartet.

Etrian Odyssey IV: Legends of the Titan
3DS
- Genre
- Rollenspiel
- Entwickler
- NIS America
- Publisher
- NIS America
- Konsole
- 3DS
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Die Rollenspiel-Gilde kehrt zurück
Zu Beginn eures einzigen Spielstands müsst ihr eure Pilger-Gilde aufbauen. Neben Rollenspiel-typischer Klassen wie Kämpfer, Verteidiger, Schützen, Elementarzauberern und Heilern gibt es auch noch eigenständigere Exemplare, wie die Tänzer – die eure Kämpfer mit Tänzen stärken, heilen oder gar die Angriffsrate erhöhen – oder die flinken „Nightstalker“, die sich auf atatusschwächende Angriffe spezialisieren. Im Verlauf des Spiels könnt ihr noch drei weitere Klassen freischalten. In Sachen Aussehen habt ihr leider nur 4 Optionen: Zwei mal männlich und zwei Mal weiblich, jede der Optionen hat außerdem noch eine alternative Farb-Option. Leider wurde kein Charakter-Editor hinzugefügt, und das obwohl es sich dabei ohnehin nur um 2D-Illustrationen handelt: Denn das gesamte Spielgeschehen wird genretypisch aus der Ego-Perspektive beobachtet.
Bis zu 30 Kämpfer könnt ihr registrieren, von denen 5 mit euch auf Entdeckungsreise gehen können. Neben den unterschiedlichen Werteverteilungen sind es vor allem die individuell trainierbaren Fähigkeiten, die die Klassen voneinander unterscheiden. Mit jedem Level-Up bekommt man einen Skill-Point, den man einem der verfügbaren Talente geben kann. Anhand eines Fähigkeitenbaumes werden so neue Attacken freigeschaltet oder bereits erworbene Fähigkeiten verbessert. Etwa ab der Hälfte des Spiels kann man zudem Sub-Klassen freischalten. Eure Entdecker können dadurch einen Nebenberuf erlernen und dessen Fähigkeiten ebenfalls bis zur Hälfte des Maximums einer Hauptklasse ausbauen.
Und der Baum gibt ihnen neue Hoffnung…
Habt ihr eure Pilger registriert, werdet ihr auf die Stadt Tharsis losgelassen, welche den Hauptangelpunkt für eure späteren Erkundungen darstellt. Man kann bspw. dem Gasthaus einen Besuch abstatten, um seine Wunden zu heilen und den Wechsel zwischen Tag und Nacht hervorzurufen. Im Tanz-Etablissement kann man Sidequests annehmen, die Höhlenbesuche und (bitter nötiges) Levelgrinden spannender gestalten, während man in der Schmiede neue Waffen kaufen kann. Um neue Waffen kaufen zu können muss man allerdings auch Material von Monstern sammeln, die man aber zuvor an den Laden verkauft.
Beim "Mark Grand Court" kann man hingegen Hauptmissionen akzeptieren, die den Handlungsfortschritt (und den Zugang zu neuen Ländern) ermöglichen. In der Schiffswerft kann man außerdem StreetPass- und QR-Dateneinstellungen verwalten, denn man kann seine „Guild Card“ nicht nur per Direktaustausch sondern damit auch alternativ übers Internet versenden. Hier kann man Statistiken einsehen und auch Pilger rekrutieren, sollte das eigene Level jenes eurer Freunde überschreiten.
Leider sind sämtliche Optionen nur Menüpunkte mit NPC-Standbild. Es gibt im gesamten Spiel keine animierten Sequenzen und in diesem Fall auch keine selbst begehbare Stadt. Dadurch bekommt man zu Beginn leider den Eindruck, dass man es sich hier zu einfach gemacht hat. Gott sei Dank kann die Handlung spät aber dennoch durch Dialoge mit NPCs und einer spannenden, textbasierten Erzählung punkten (die leider nicht auf deutsch übersetzt wurde). De Entwickler wollten hier wohl der Spielerschaft erlauben, so viel eigene Vorstellungskraft wie möglich ins Spielgeschehen einbringen zu können.
…wie die Nacht ihnen neue Träume bringt
Kommen wir zu den Stärken des Spiels: Den Dungeons! Die Etrian Odyssey-Serie baut darauf, dass man sich mit jedem Schritt immer ein Quadrat in eine Richtung bewegt, die auf der Karte am Touch-Screen angezeigt wird. Diese ist zu Beginn ein leeres Blatt Papier und wird erst durch euch gefüllt. Mittels Touchpen könnt ihr aus vordefinierten Symbolen und Textfeldern wählen, um Besonderheiten zu markieren, Wände einzuzeichnen oder Quadrate als Land- oder Wassergebiete einzufärben.
Dies mag sich auf den ersten Blick äußerst mühsam anfühlen, doch mit der Zeit macht es Riesenspaß, geheime Abkürzungen an Wänden zu entdecken oder Teleportationspunkte in Irrgärten richtig zu markieren. Das Spiel trifft hier eine gute Balance zwischen Kreativität und Präzision. Auch in der Oberwelt, die ihr per Luftschiff bereist, folgt diesem Prinzip, allerdings kann man hier essen aufsammeln und zur eigenen Stärkung verzehren, nach dem Upgrade eures Schiffs auch die Höhenebenen wechseln (Hindernisse lassen sich für jede Schicht einzeln notieren) und an der Oberwelt treten keine Zufallskämpfe auf.
Zuverlässige Informationen sind unbedingt nötig...
Des weiteren kann eine gut gezeichnete Karte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten: Denn neben den Zufallskämpfen – die mit jedem Schritt wahrscheinlicher werden, wie ein farbiges Radar am Top-Screen anzeigt – gibt es auch sogenannte FOEs. Hierbei handelt es sich um übermächtige Gegner, die – wie bspw. in Xenoblade Chronicles - mit dem momentanen Level normalerweise nicht zu besiegen sind.
Diese bewegen sich in vorhersehbaren Mustern sichtbar über die Karte, und dies auch nur, wenn ihr ebenfalls einen Schritt tätigt. Aber Vorsicht: Sie bewegen sich auch mit jeder Runde, die ihr im Kampf verbringt. Solltet ihr also zu lange benötigen, kann es sein dass sich zu den harmlosen Grashüpfern bald noch ein tollwütiger Schimpanse hinzu gesellt…
...für das Gelingen einer Expedition
Sämtliche Befehle werden während des Kampfes am Topscreen ausgewählt, da am Touchscreen weiter die Karte abgebildet wird (insbesondere um die FOEs nicht aus den Augen zu verlieren). Eine Option für die Touch-Steuerung im Kampf gibt es leider nicht. Im Kampf sind eure Pilger und deren Kontrahenten in zwei Reihen (Front und Back) aufgeteilt. Die hinteren Reihen werden nicht so oft attackiert, können allerdings nur vordere Reihen angreifen, sofern sie keine Distanzwaffen haben.
Zudem gibt es Spezialangriffe und Supportfähigkeiten, die speziell nebeneinanderstehende, hintereinanderstehende oder gar ganze Reihen beeinflussen, die allerdings TP benötigen. Daher hängt es oft von der jeweiligen Klasse ab, ob man sie eher hinten oder vorne platziert. Im Verlauf des Spiels erlernt ihr allerdings noch klassenunabhängige Burst-Fähigkeiten, die sich mit jeder Kampfaktion aufladen. Habt ihr genug Einheiten gesammelt, kann einer eurer Kämpfer einen starken Angriff oder eine Supportfähigkeit aktivieren.
Nichts erhält die Zustimmung aller
Im normalen Schwierigkeitsgrad sind die Kämpfe zudem äußerst zäh: Die meist von Anfang an betretbaren, mehrstöckigen Hauptlabyrinthe müssen nach jedem Stockwerk wieder verlassen werden, da man bei den bevorstehenden Gegner nur selten ohne Level-Grinding auskommt. Dabei eignen sich natürlich die bereits erwähnten einstöckigen Höhlen äußerst gut zum trainieren, und da diese in der Regel von FOEs bewacht werden, könnt ihr sie ohnehin nicht betreten, wenn ihr noch zu schwach seid. Allerdings ist selbst danach noch hohes strategisches Geschick und der Einsatz all eurer Fähigkeiten gefragt, um die Kämpfe heil zu überstehen. Am Ende der Labyrinthe warten dann auch mächtige Boss-FOEs.
Ist allerdings ein normaler FOE noch zu stark, bleibt einem nur die Flucht, was v.a. zu Anfang zu vielen ärgerlichen Toden führen kann. Die Fluchtrate eurer Truppe ist nämlich nicht so hoch, wie man sie aus gnädigeren Rollenspielen kennt. Ein Tod bedeutet leider auch, dass man von seinem letzten Speicherpunkt aus starten muss, sämtliche Fortschritte gehen verloren. Allerdings kann man zumindest seine Kartendaten speichern, um beim zweiten Versuch dem Monster besser auszuweichen. Ist man das Dauerkrepieren endgültig satt hat man jetzt auch die Option, den „Casual“-Schwierigkeitsgrad auszuwählen, welchen man im Optionsmenü oder zu Beginn des Spiels auswählen kann. In diesem kommt man nur nach Tharsis zurück, wenn man stirbt, und ausgewählte Items werden nach der Verwendung nicht verbraucht.
Bild und Klang
Abseits der bereits erwähnten Charakter-Standbilder kann die Grafik von Etrian Odyssey IV schon eher überzeugen: Die Dungeons sind nicht klaustrophobisch enge Kerker, sondern weite Landschaften, die nur anhand ihrer Kartenform an den Genre-Ursprung erinnern. Tiefe Dschungel mit Bäumen, die bis in den Himmel ragen und Mystische Sümpfe lassen durch ihre locker bewachsenen Sträucher erahnen, was hinter den Wänden liegt. Des weiteren zählen farbenprächtige Höhlen und Wolkenlandschaften zu den Themen der Labyrinthe und auch die Oberwelt zeugt von einer anspruchsvollen Atmosphäre. Die Gegner sind eenfalls nett animiert und schön gestaltet – und das als Polygon-Modelle!
Umso trauriger ist es, dass es das Spiel nicht geschafft hat, einen ordentlichen 3D-Effekt zu implementieren. Lediglich die Menüpunkte heben sich unterschiedlich vom Hintergrund ab, Gegner und Hintergründe sind stereoskopisch gesehen leider alle auf der selben Ebene, egal ob sich die Monster in der Vorder- oder Hinter-Reihe befinden. Dafür kann das Rollenspiel in Sachen Sound wieder einiges wett machen: Die Melodien für die einzelnen Areale gehen schnell ins Ohre und verstärken die Immersion der vorliegenden Gebiete. Auch die Kampfmelodien werden schnell zum Ohrwurm.
Fazit
Das Spiel lädt euch in eine unerforschte Welt ein, die Dank Kartografie-Feature auch wie eure eigene Entdeckung wirkt, insbesondere da auch die Charaktere und deren Fähigkeiten selbst gestaltet werden können. Leider bietet der Charakter-Editor in Sachen Aussehen nur begrenzte Möglichkeiten und auch die Handlung beschränkt sich mehr auf textliche Untermalung als auf ein optisches Leuchtfeuer. Der 3D-Effekt wurde trotz Polygon-Modelle nur mäßig umgesetzt, wer sich davon aber nicht abschrecken lässt darf sich auf zähe RPG-Kämpfe der alten Schule freuen, die euer strategisches Geschick auf die Probe stellen. Sollte man nur das Spiel genießen wollen, bietet der Titel Neulingen außerdem jederzeit die Möglichkeit, auf den Casual-Mode umzuschalten.
- Casual-Modus verfügbar
- Entdecker-Feeling dank Kartografie
- individualisierbarer Fähigkeitenbaum
- gut erzählte Geschichte…
- …jedoch nur in Textform
- 3D-Effekt quasi nicht vorhanden
- Charakter-Editor zu simpel
- Nur 1 Speicherstand
Vielen Dank an die Firma DELASOCIAL für die Bereitstellung des Downloads.


