
Die Schlümpfe 2
Seit mehr als einem Jahr wird die Wii-Spielelandschaft immer dünner. Wenn mal wieder ein Wii-Titel angeschwemmt kommt, dann kann es sich nur um ein Multiplattform-Lizenzspiel handeln, welches mal schnell auf den Markt geworfen wird. Diesen Eindruck trifft man auch schnell bei dem Spiel zum Film Die Schlümpfe 2, welches neben einer Version für die Konkurrenz-Konsolen, Wii U und 3DS auch eine für Wii spendiert bekam.

Die Schlümpfe 2
WIIU
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
Doch Moment… Der Titel wurde von WayForward mitentwickelt, eine Firma, die nicht nur erfolgreiche Eigenproduktionen wie Shantae und Mighty Switch Force! 2, sondern auch sehr gute Lizenzspiele wie Aliens: Infestation und das demnächst erscheinende, erweiterte Remake Duck Tales –Remastered- zu ihrem Repertoire zählen dürfen. Könnte Die Schlümpfe 2 unter Umständen sogar ein Geheimtipp für Jump’n’Run- und Serienfans sein?
Alles Gute zum Schlumpftag!
Wie im gleichnamigen Film - der momentan in den Kinos läuft - feiern die blauen Zwerge Schlumpfines Geburtstag, dem einzigen Mädchen im Dorf (geht man vom Film-Universum aus). Doch der böse Zauberer Gargamel, der momentan in der „echten“ Welt fest steckt, hat schon einen neuen Plan ausgeheckt, um die Schlümpfe zu fangen und deren ausgepresste Essenz zu nutzen, um der mächtigste Zauberer der Welt zu werden: Er hat sich seine eigenen, blassen Schlümpfe geschaffen, denen allerdings die magisch-blaue Farbe fehlt. Die beiden Lümmel Zicki und Hauie sollen ihm nun dabei helfen, seine erste Schöpfung Schlumpfine zu fangen, um die Kopien in echte Blaulinge zu verwandeln (und sie für seine Zwecke zu missbrauchen).
Schlumpfen wir’s!
Die Handlung entfaltet sich nach und nach in Form von kleinen, schön Illustrierten Bildsequenzen, die von einem Märchenerzähler auf Deutsch vorgelesen werden. Die Aufgabe der Spieler ist es nun, einen Schlumpf zu wählen und die Story in Form von Jump’n’Run Levels voranzutreiben. Jeder der Zwerge hat dabei seine eigene spezielle Fähigkeit. Papa kann beispielsweise Gegner mit einem Wurfgeschoss einfrieren, Schlaubi beherrscht den Doppelsprung und viele der anderen Schlümpfe beherrschen Angriffe, mit denen man Gegner und Blöcke zerstören kann. Jeder der Schlümpfe wird von ihren Originalstimmen gesprochen, allerdings sprechen sie nur englisch.
Gesteuert wird das ganze mittels klassischer NES-Steuerung, wie man sie aus New Super Mario Bros. Wii kennt, allerdings können die Knirpse nicht rennen, was das Spielgeschehen etwas lahmer gestaltet. Was ebenfalls an den Auftritt des Klempners erinnert, ist die Möglichkeit mit gleich vier Freunden gleichzeitig los zu schlumpfen. Habt ihr alle spielbaren Schlümpfe freigeschaltet, könnt ihr mittels A-Knopf sogar jederzeit euren Charakter wechseln.
La-la, Lala-la-lahm!
Aufgabe ist es wie üblich vom Start bis zum Ziel zu rennen. Ähnlich wie in den Sonic-Titeln besteht eure Energie aus den eingesammelten Schlumpfbeeren, die gleichzeitig eure Punktezahl beeinflusst. Werdet ihr getroffen, verliert ihr euren Einsatz und lediglich 10 Früchte fallen zu Boden, die ihr wieder einsammeln könnt. Da in den Levels aber genug Beeren verteilt wurden, um gleich 4 Schlümpfe zu übersättigen, dürfte ein kleiner Rückschlag nicht weiter schlimm sein. Auch ein suizidaler Sprung in eine Schlucht wird lediglich mit dem Verlust der Sammelware bestraft. Und nicht nur das: Anstatt zurückgesetzt zu werden, könnt werdet ihr in eine Blase transformiert, mit der ihr eure Reinkarnation selbst bestimmen könnt, wodurch auch den wenigen kleinen Herausforderung die Spannung genommen wird...
Besiegt… pardon, „befreit“ ihr einen Gegner, lässt dieser eine blaue Phiole fallen. Habt ihr genug von Garagamels bösem Zauber eingesammelt, aktiviert ihr den „Tiefblau-Modus“. Könnt ihr diesen aufrecht erhalten, haben alle Schlumpfbeeren den doppelten Wert. Des weiteren gibt es noch Unverwundbarkeits-Kronen, Kristallbomben und Plattformschalter, die aber das Spielprinzip kaum dynamisieren, wie ihr im nächsten Abschnitt lesen werdet…
Ich HASSE Level-Design…
Insgesamt gibt es 6 Welten mit 5 Levels+Bosskampf. Zwei der Welten basieren auf den aus dem Film bekannten Städten New York und Paris, die anderen vier sind Waldlevel: Standard-Forst, Gruselwald, ein Schneewald und ein Lava-Tropenwald. Die dreidimensionale Hintergrundumgebung unterscheidet sich hier aber kaum von den vorgehenden Welten, lediglich Farbstimmung und Baumart scheint sich geändert zu haben. Doch das wäre nur halb so schlimm, wenn das Level-Design nicht so einfallslos wäre. Jeder Abschnitt besteht aus denselben Blockelementen, die entlang eines langen Schlauchs angereiht wurden. Im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern folgt euch die Kamera auch nur von links nach rechts. Wechsel nach oben oder unten sind nicht möglich, was die Gestaltungsmöglichkeiten weiter einschränkt. Es kommen im Verlauf des Spiels zwar neue Gegner-Varianten hinzu, das Spielgeschehen ist allerdings so langsam, dass man die Unterschiede kaum bemerkt. Lediglich die Endgegner stellen eine geringe Herausforderung dar und haben auch ihren eigenen Bossraum bekommen. Aber durch das Schlumpfbeeren-System dürfte es dennoch kein Problem sein, ein- zwei Treffer weg zu stecken.
Auch die „Eingriffe“ von Gargamel laufen ständig nach Schema F ab: In Level 1 jeder Welt meldet er sich mittels Portal bei euch und schießt mit seinem Zauberstab Löcher in den Boden. Er scheint durch das Portal aber nur schlecht zu sehen: Wenn er euch erwischt, war es ein Zufallstreffer, denn die Strahlen sind nicht von eurer Position abhängig. Vermutlich wollten die Entwickler dadurch darstellen, wie wahnsinnig der Zauberer ist, denn die Definition von Wahnsinn ist ja bekanntlich „immer wieder das gleiche zu machen, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ In Level 3 wird es schon etwas kniffliger, denn dort stattet euch der jeweilige Boss einen Kurzbesuch ab und demonstriert einen seiner Angriffe, um euch zu treffen. In Level 6 dürft ihr ihn dann auch endlich verprügeln, um einen weiteren spielbaren Schlumpf freizuschalten.
Sämtliche Bemühungen, den Widerspielwert mittels Level-basierter Mini-Achievements und Sammelmünzen zu erhöhen ist Dank des repetitiven Gameplays für die Katz‘, denn nur die ehrgeizigsten Schlumpf-Fans zwingen sich ein weiteres Mal durch Schlumpfwald A-D. Man fühlt sich fast schon beleidigt, dass fast 50% der Münzen erst nach dem Sieg gegen den Boss aus Welt 5 eingesammelt werden können, da sie davor von unzerstörbaren Blöcken umgeben sind. Die Belohnung ist auch weniger berauschend: Sammelt man fünf neue Münzen, taucht ein neuer Schlumpf im Dorf auf - der Oberwetlkarte des Spiels. Diese interagieren aber in keinster Weise mit euch, sie stehen nur da und fungieren als lebendiges Sammelobjekt.
Papa Schlumpf sagt immer...
Die Musik gestaltet sich passend zum Gameplay: Monoton und gut zum abschalten. Kaum eine der Melodien bleibt hängen, aber sie fallen zumindest nicht negativ auf. Ganz anders verhält es sich da mit der grafischen Gestaltung, die vermutlich stark an der Wii-Portierung gelitten hat: Nahaufnahmen der Endgegner lassen erahnen, wo die Polygone gesetzt wurden, denn Gargamels Glatze hat jede Menge Ecken und Kanten. Dafür sind die Hintergründe der Waldlevel mit so viel Firlefanz vollgestopft, dass der schwache Rechner der Konsole das Geschehen zwar stabil, aber nur mit leicht geringerer Framerate abspielen kann. Anstatt niedrig aufgelöste 3D-Bäume hin zu pflanzen hätte man lieber mit mehr 2D-Mattepaintings arbeiten sollen. Da sich die Kameraperspektive ohnehin nicht ändert, hätte man auch genauso gut Prerenderings nehmen können.
Man fragt sich umso mehr, warum WayForward nicht ihr Potenzial genutzt hat, um 2D-Animationen auf Vektor-Basis im klassischen Schlumpfstil zu entwickeln, anstatt hässliche Polygon-Modelle zu verwenden, die auf dem semi-realistischen Stil des Films basieren. Aber anscheinend war bei diesem Lizenzspiel nicht genügend Budget da, um genügend Animatoren zu finanzieren…
Fazit
Spieler abseits des Vorschulalters fühlen sich permanent unterfordert und dürften dem monotonen Level-Design nichts abgewinnen können. Übermotivierte, junge Schlumpf-Fans, die ein einfaches Jump’n’Run mit Koop-Modus und deutschem Vorleser suchen, können eventuell einen zweiten Blick riskieren.
- 4-Spieler Ko-op
- viele unterschiedliche Charaktere
- Erzähler und Gargamel auf deutsch
- Schlumpf!
- Schlauch-Level-Design
- Monotonie pur
- kaum Herausforderung
- technische Mängel der Wii-Version
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


