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Rhythm Thief und der Schatz des Kaisers

Rhythm Thief und der Schatz des Kaisers

Benjamin F.

Rhythmusspiele sind nicht unbedingt ein Massenprodukt, werden aber immer beliebter. Nintendos DS-Vertreter Rhythm Paradise war als Vollpreisspiel zwar recht simpel; dass das Genre existiert und gut funktioniert hat es aber allemal bewiesen. Nun hat sich auch Sega dazu entschlossen, dem 3DS einen ähnlichen, aber optisch sowie storymäßig viel anspruchsvolleren Titel zu verpassen. Die Firma hat bereits auf der Konsole Dreamcast mit Samba de Amigo, welches später auch auf der Wii veröffentlicht wurde, Talent im Genre bewiesen. Ob sich dieses auch bei Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers zeigt, wird in folgendem Test analysiert.

Rhythm Thief und der Schatz des Kaisers

3DS

Entwickler
Sega
Publisher
Sega
Konsole
3DS
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 6

Der neue alte Kaiser

Wer ein neues Spiel beginnt, wird sogleich mit dem animierten Beginn und den Hintergrundinfos zur Geschichte eingeleitet. Das Grab von Napoléon, Frankreichs erstem Kaiser, wurde vor 3 Jahren entwendet, worauf eine mysteriöse Szene den Dieb zeigt, wie er den Herrscher wiederauferstehen lässt. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Jungen Raphael, der alleine mit seinem Hund Fondue in einem Pariser Appartement lebt – er steckt auch hinter den kürzlich vorgefallenen Diebstählen, die er inkognito als „Phantom R“ begeht. Seine Absichten dafür sind jedoch durchwegs positiv: Raphael will seinen verschollenen Vater wiederfinden, wobei seine einzige Spur ein Emblem darstellt. Nach dem Klau eines Armbandes mit einem solchen Zeichen begegnet er Marie, deren Violine ebenfalls das gesuchte Symbol zeigt. Auch sie lebt ohne Eltern, da sie als Baby vor einem Kloster augesetzt wurde. Zusammen machen sie sich nun auf die Suche nach weiteren Hinweisen, die alles aufdecken sollen – Dabei stehen ihnen immer wieder Polizeiinspektor Vergier sowie sein Kind im Wege; zusätzlich bleiben den beiden aber auch einige Auftritte von Napoléon, der auf der Suche nach seinem Schatz ist, und seinen Rittern nicht erspart. All diese Ereignisse sind Puzzleteile einer verworrenen Story, die natürlich erst nach und nach gefunden werden, bis alles aufgeklärt wird.

Die Fähigkeiten eines begabten Tänzers

Nach der Einführung beginnt ihr gleich mit eurem ersten Auftritt als Phantom R auf dem Tanzparkett. Vor jeder Performance wird die Anleitung mit den benötigten Moves angezeigt. Zudem kann man optische Hilfsanzeigen, die den Takt sowie das Auszuführende anzeigen, ausschalten; später können auch noch zusätzlich Objekte gekauft werden - Mehr dazu im nächsten Absatz. Danach beginnt’s – Der Auftritt ist jeweils in eine nette Sequenz eingebettet, bei der zwischendurch auch gelegentlich etwas gesprochen wird. Der Spieler muss dann im Rhythmus tanzen, zuschlagen, kicken, kochen oder hüpfen, um einige Beispiele zu nennen. Dies geschieht durch mehrere verschiedene Steuerungsvariationen – mal wird der Stylus auf den Bildschirm gedrückt oder in verschiedene Richtungen gezogen, mal müssen Knöpfe sowie Steuerkreuz gedrückt werden, mal wird der Gyro-Sensor des 3DS-Systems zur Durchführung der Aktionen benutzt. Prinzipiell gibt es zirka 50 dieser Minispiele, wobei jedoch ab und an welche einfach mit höherem Schwierigkeitsgrad wiederholt werden, was den ursprünglichen Wert von 50 auf ein Drittel davon herunterzieht. Erst gibt nur Phantom R die Vorstellungen, später aber spielt ihr auch mit anderen Charakteren wie Marie oder eurem Hund.

Ich hoffe, ihr könnt euch damit nun den ungefähren Ablauf eines Minispiels vorstellen – jetzt sehen wir uns an, wie gut dieser Kernpunkt des Spiels denn funktioniert. Zu jeder Vorstellung gibt es eine passende Musik, die selbst aber nicht unbedingt den wichtigen Takt intus hat. Eher wird jener durch Geräusche der Figuren hervorgerufen, was zwar meistens, aber leider nicht immer klar erkennbar ist. Auch das Anleitungs-Bild zu Beginn sagt oft nicht gleich aus, wie genau gesteuert werden muss, wodurch in seltenen Fall auch ein Ausprobieren verschiedener Gesten notwendig ist – das nimmt zwar nicht viel Zeit in Anspruch, hätte aber ebenfalls besser gelöst werden können. Ein weiteres Manko ist die rapide Schwierigkeitsgradsteigerung während eines Minispiels – Oft schlägt der Takt in der letzten der 3 Phasen um ein vielfaches schneller als zuvor, so dass man abrupt aus dem Rhythmus gerät. Zu allem Überfluss bedeuten mehrere hintereinander verhaute Takte gleich das Verlieren des Auftritts oder den Verlust einer guten Bewertung – So viele Töne man vorher auch getroffen haben mag.

Aber genug der Meckerei: Die erwähnten Nachteile stören nur bedingt, können in ihrer Intensität teils auch vom Spieler abhängen und betrüben den Spielspaß eher in einem geringen Ausmaß. Wer bei dem ein oder anderen Minispiel trotzdem nicht den Rhythmus im Blut hat und deswegen nicht weiterkommt, soll nicht verzweifeln: Beim jeweiligen Anleitungsbildschirm können auch gewisse Hilfsobjekte eingekauft werden, um euren Auftritt zu vereinfachen. So kann man hier zwischen einem einmaligen „Rettungsseil“ vor dem Versagen sowie Items, die einen leichter in den bzw. aus dem Rhythmus kommen lassen, wählen. Zusätzlich gibt es noch jeweils eine sogenannte „Rhythmus-Herausforderung“ zu erwerben – Ein Modus für Profis: hier muss jeder Takt sitzen. Nach erfolgreichem Abschluss bekommt man eine Note von A bis E und das Spiel geht weiter.

Professor Layton lässt grüßen

Kommen wir nun zu dem, was zwischen den Minispielen abläuft. Ganz im Professor Layton-Stil bewegt ihr euch von Standbild zu Standbild durch die Straßen von Paris und findet an den meisten Orten ansprechbare Personen vor. Um die Umgebungen zusätzlich auf zu hübschen, werden im Hintergrund oft Silhouetten anderer Personen angezeigt. Wer in Professor Layton nach versteckten Hinweismünzen sucht, hält hier nach Tönen, Melodien, Talern sowie „Phantomnoten“ Ausschau. Dabei sind alle erwähnten Objekte ziemlich knifflig versteckt, so dass man bei den Umgebungsbildschirmen jeden Pixel antippen muss, um sie storyunabhängig zu finden. Die Taler können im Shop für verpasste Nebenmissionen bzw. Objekte sowie für bisherige Filmsequenzen ausgegeben werden; natürlich sind sie auch das Zahlungsmittel für die vor den Minispielen erwerbbare verfügbare Hilfsaustattung. Gefundene Melodien können separat im Hauptmenü angehört werden und die Phantomnoten sind Teile eines Musikstücks, das ihr wieder zusammenflicken müsst – eines der 3 Nebenquests, für deren Komplettierung ihr zusätzliche spielbare Kapitel freischaltet.

Die Töne, die teilweise auch erst durch Gespräche zu erhalten sind, haben mehrere Funktionen im Spiel – Ihr speichert sie auf eurem Rekorder und könnt sie, wenn es euer Vorankommen in der Geschichte verlangt, bei gewissen Personen abspielen, um so verschiedene Reaktionen hervorzurufen. So müsst ihr beispielsweise mit dem Bellen einer Bulldogge einen Wachmann verängstigen, damit er seinen Posten verlässt. Zusätzlich sind die Sounds aber auch für eine weitere Nebenmission gebrauchen – Wenn ihr die richtigen findet, könnt ihr das sogenannte Meisterinstrument fertigstellen. Viele weitere Geräusche, unter anderem auch richtig krasse wie die Blähungen, welche erst gegen Ende des Spiels zu finden sind, sind schlicht und einfach zu gar nichts zu gebrauchen. Gelegentlich finden sich auch Layton-ähnliche Knobelaufgaben, die aber viel zu einfach sind und durch simples Ausprobieren gelöst werden können. Ansonsten bietet die Story immer wieder nette Zwischensequenzen und gut portionierte Storyschnipsel, um den Spieler langsam aber sicher den Plot zu präsentieren, der bis ans Ende spannend bleibt und gelegentlich auch überraschende Momente mit sich trägt.

Zusätzliche Features

Mit guten 6 Stunden Spielzeit ist der Titel nicht unbedingt umfangreich – zum Glück legt Rhythm Thief mit den Nebenquests und den Zusatzkapiteln noch einen drauf. Die heben übrigens auch den Schwierigkeitsgrad auf ein höheres Niveau, da im normalen Storyverlauf das nächste Ziel immer durch einen Blick auf die Karte bekannt ist; auch wenn ihr etwas „suchen“ müsst. Außerdem können die gefunden Melodien, Filmszenen und Rhythmusauftritte erneut (ab)gespielt werden, was vor allem bei den Minispielen interessant für Highscorejäger sein könnte. Des Weiteren wird auch die Streetpass-Funktion des 3DS-Systems genutzt, um Nachrichten und Punktzahlen zu senden sowie zu empfangen. Überbietet ihr daraufhin die Punktzahl des anderen Spielers beim 1. Versuch, wird dieser euer Fan, worauf neue Charaktere erscheinen, welche wiederum der Schlüssel für besondere Herausforderungen sind.

Ein weitere Funktion ist der lokale Mehrspielermodus, der aber ziemlich dürftig ausgefallen ist – Schließlich tut ihr hier genau das, was ihr auch schon im normalen Storyverlauf getan habt: Rhythmusspiele spielen. Der einzige Unterschied ist eine Feststellung des Siegers durch einen Punktevergleich; Eine Fähigkeit, die heute jedes 10-jährige Kind beherrschen sollte. Wenn der andere kein Spiel besitzt, könnt ihr immerhin 3 der 8 Duelle per Download-Spiel „austanzen“.

Technisch anspruchsvoll?

Ja, ziemlich sicher. Die Mischung aus den netten Einzelbildern mit den liebevoll gestalteten Zwischensequenzen, die übrigens einen fantastischen 3D-Effekt aufweisen, kommt gut an und reiht sich sowohl grafisch als auch optisch über dem Durchschnitt in die Spielebibliothek des Handhelds ein. Natürlich darf auch der Sound, gerade bei einem solchen Spiel, nicht unpassend und eintönig sein – was er glücklicherweise ganz und gar nicht ist. Viele verschiedene Lieder untermalen die zahlreichen Rhythmusspiele mit passenden Klängen; ein einziger Nachteil dürfte aber die Hintergrundmusik in Paris sein – diese wiederholt sich ständig, was für den ein oder anderen sicherlich nervig sein kann.

Was die Synchronisation der Zwischensequenzen angeht, kann ich nur mein Lob aussprechen; die richtig professionellen Sprecher zeigen, dass ihre Stimme perfekt zum jeweiligen Spielcharakter passt. Da kann man auch über Tatsache hinwegsehen, dass diese lediglich in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln ausgeführt ist. Was für jüngere Spieler hier vielleicht ein Hindernis darstellt, dürfte anderen wohl lieber als eine weitere misslungene deutsche Sprachausgabe sein.

Auch die Steuerung ist ein sehr wichtiges Element bei diesem sowie jedem anderen Spiel – Besonders in den Rhythmusspielen sind selbstverständlich schnelle Reaktionen gefordert, was nicht für alles geeignet sein muss – So hat gibt es auch hier einen Schwachpunkt bei jenen Aufgaben, die den Gyrosensor des 3DS-Systems erfordern – Er funktioniert oft nur langsam und macht nicht immer unbedingt das, was der Spieler will; mit ein bisschen Übung kann man die Tücken dieser Steuerungsart aber überwinden. Wenn gegen Ende der Geschichte die Takte immer schneller werden, sollte man jedoch auch aufpassen, in der Hektik nicht den Touchscreen zu zerstören, wenn dicht aufeinander folgende Befehle ausgeführt werden müssen.

7.5Wertung

Fazit

Zusammenfassend ist der Titel wohl am besten als Mischung aus Rhythm Paradise und Professor Layton zu bezeichnen, erreicht aber in beiden Fällen nicht ganz das Niveau des Vorbilds. Dennoch schafft es das Spiel durch die hervorragende optische Aufmachung und dem großartigen, immer passenden Soundtrack, sich aus dem Durchschnitt herauszuheben, wofür auch die spannende Story sorgt. Allerdings gibt es einige Mankos, die keine Topwertung erlauben: Dazu zählen vor allem der der niedrige Schwierigkeitsgrad, das teils krasse Bewertungssystem bei Minispielen sowie der relativ kurze Abenteuermodus. Rhythmus- bzw. Minispiel-Fans und jene, die es werden wollen, dürfen gerne zuschlagen – Bessere vergleichbare Titel gibt es zurzeit jedenfalls nicht.

Design
9.0
Sound
9.5
Online Multiplayer
3.0
  • Spannende Story
  • Gelungener Soundtrack
  • Schöne Optik
  • Unfaires Bewertungssystem
  • Takte nicht immer klar erkennbar
  • Niedriger Schwierigkeitsgrad

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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