
Rayman Origins
Nach dem Remake Rayman 3D erscheint am 16.03.2012 endlich auch der neuste Ableger der Serie für den 3DS.
Unser Redakteur Lukas hat sich vor kurzem bereits Raymans Origins für die Wii genauer angesehen.
Ob die 3DS-Version ebenso überzeugen kann, werden wir für euch so bald als möglich in Erfahrung bringen.

Rayman Origins
WII
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Serie
- Rayman
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Als Wii-Besitzer ist man in Bezug auf Multiplattform-Entwicklungen ja schon leidgeprüft: Die Chancen, von einem solchen Titel eine Fassung zu bekommen, die mit den PS3- und Xbox360-Varianten konkurrieren können, tendierten bislang, ganz abgesehen von der Grafik, fast schon gegen Null – nur allzu oft erhielten wir de facto einen Port der abgespeckten PS2-Variante mit aufgesetzten Wiimote-Wackeleinlagen. Umso erfreulicher, dass Rayman Origins auch auf Nintendos in die Jahre gekommenen Flaggschiff grafisch und spielerisch gleichermaßen ordentlich aufdreht!
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...
Storymäßig allerdings nicht – die seltsame, slapsticklastige Cartoon-Cutscene zu Beginn erzählt lediglich davon, dass Rayman und Konsorten sich einen faulen Lenz machen und ihre monströsen bis untoten Nachbarn,die Darktoons, dabei mit ihrem Gemampfe und Geschnarche dermaßen nerven, dass letztere verdammt sauer werden und die Kumpels in Käfige sperren: Sobald sie sich daraus befreit haben, haben die Biester bereits alle Länder aus Raymans Welt in ihre Gewalt gebracht. „So geht’s aber nicht!“, denken sich wohl unser Held, sein bester Froschkumpel Globox sowie zwei Kleinlinge und machen sich im Viererteam auf, den Finsterlingen Manieren beizubringen.
...wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Relativ unspektakulär also – schade, die Rayman-Crew hat sich in der Vergangenheit schon wesentlich genialeren Quatsch ausgedacht (Kennt jemand noch die PC-Version von Tonic Trouble?). Viel beeindruckender jedoch fällt die Grafik aus, welche gleich beim ersten Level ins Auge sticht: Figuren und Hintergründe sehen tatsächlich aus wie handgemalt, die Animationen wie aus einem Trickfilm und auch an der Bildqualität gibt es kaum etwas zu bemängeln – gerade auf einem HDTV sieht die bizarre Wii-Welt des armlosen Helden hervorragend aus und muss sich nicht hinter den Sony- und Microsoft-Varianten verstecken.
Spielerisch sinnvoll, aber vom optischen Standpunkt ein wenig schade ist nur, dass die virtuelle Kamera relativ weit von dem Geschehen entfernt ist – so muss man gerade als Besitzer eines kleineren TVs manchmal etwas genauer hinsehen, um Raymans Grimassen genießen zu können.
Verrückt, verrückt, total verrückt! [ © der Märzhase]
Wobei – ob man besagte Grimassen überhaupt genießt, ist in diesem Fall auch komplett geschmacksabhängig, denn so beeindruckend die Grafik ist, so polarisiert sie auch und ist gewiss nicht Jedermanns Sache. Wir erinnern uns: Zu PSX- und Jaguar-Zeiten war Rayman der nette, niedliche Held, der sogar besiegte Endgegner wieder aufbaute und Frieden mit ihnen schloss. Der 3D-Held aus N64-Tagen war ebenso brav und präsentierte sich im dritten (Cube-)Teil allenfalls einen Tick entschlossener (und die Gegnerschaft etwas gruseliger).
In Rayman Origins dagegen...hm, wie formulieren ich das...ein Beispiel: Sowohl im Serien-Erstling als auch im aktuellen Teil gibt es Momente, wo sich der Titelheld durch ein Loch in einem Pappaufsteller grinst. Zu PSX-Zeiten war sein Perlweiß-Lächeln vergleichbar mit jenem von Disney´s Aladdin – heute fletscht er die Zähne wie Jim Carrey aus seinen besten Dumm&Dümmer-Tagen.
Früher war alles...anders!
Kurz: Auch wenn man sich durch das 2D-Spielprinzip und bekannte Gegner wie die tumben Jäger wieder an alle Zeiten erinnert fühlt, unterscheidet sich der optische Stil stark von dem in der Vergangenheit für die Serie etablierten – statt niedlich und brav völlig überdreht und voller dämlicher Grimassen. Die sammelbaren Lums (vergleichbar mit Marios Münzen) erinnern trotz ihrer runden Gestalt stark an 2D-Versionen der Rabbids und so ziemlich sämtliche Akteure wirken, als wären sie kurz vorm Auszucken – beziehungsweise, als hätten sie diesen Status schon längst erreicht. Wie gesagt völlige Geschmackssache – der eine wird sich köstlich amüsieren, der andere vielleicht nicht so recht wissen, was er davon halten soll.
Ganz so grenzwertig wie etwa Ren&Stimpy und Konsorten wird es dann aber doch nicht und auch, wer von der Optik nicht ganz so überzeugt ist, wird sich ein Grinsen wohl kaum verkneifen können, wenn anstatt von einfachen Lianen zum Schwingen blaue fröhliche Blobs in der Luft hängen, die jedem Spieler buchstäblich eine Hand reichen, um sie über Abründe zu bugsieren.
Ein chaotisches Quartett...
Apropos „jedem Spieler“: Von jenen kann es, wie zuvor angedeutet bis zu vier Stück geben, wobei ein Ein- und Aussteigen jederzeit möglich ist. Das Prinzip erinnert hierbei ein wenig an New Super Mario Bros. Wii: Wer zweimal getroffen wird oder Opfer eines Abgrunds oder einer Todesfalle wird, bläst sich zu einem Ballon auf und kehrt ins Geschehen zurück, sobald ihn ein anderer Spieler berührt und so rettet. Im Gegensatz zu des Klempners Abenteuer wurde aber bewusst auf eine Kollisionsabfrage zwischen den spielbaren Figuren verzichtet (abgesehen von lediglich besonders dummen Gesichtern auslösenden und sonst wirkungslosen Backpfeifen unter Freunden), sodass es hier nicht zu Problemen wegen zu engen Plattformen und Ähnlichem kommt.
Während bei Mario der Multiplayermode gerade durch diesen Aspekt eher schwieriger als der Einspielermodus wird, ist es bei Rayman umgekehrt: Er macht viel Spaß, aber entschärft das immer anspruchsvoller werdende Leveldesign, das Solospielern bald hübsch knackige Herausforderungen beschert, doch spürbar. Abgesehen von Verfolgungjagden wie die teils ebenso herrlich schwierigen wie absurden freispielbaren Bonuslevels, in denen lebendige Schatztruhen durch wahnwitzige Hindernisparcourse verfolgt werden müssen, um einen Edelstein-Zahn zu ergattern, über den sich der zunächst verbitterte, zahnlose Sensenmann sehr freut (bitte fragt nicht!): Wenn hier bei aller Hektik und dem raschen Scrolling Mitspieler rausfliegen, haben die verbleibenden wohl kaum mehr Zeit, sich um die „blasonierten“ (ja, dieser Terminus steht tatsächlich im Booklet) Ballon-Mitspieler zu kümmern.
...zieht durch abstruse Welten
Aber ob nun alleine, zu zweit, zu dritt oder zu viert – die Steuerung (In den ersten fünf der 10 Welten darf jeweils eine neue Fähigkeit gelernt werden – Schlagen, Fliegen, Schrumpfen et cetera) und unterstützt neben der quer gehaltenen Wiimote alleine (eher eine Notlösung, da hier mittels B gerannt wird) die tadellos funktionierenden Nunchuk- und Classic Controller-Varianten. Und das Design der vielen und mit massig Geheimnissen gespickte Levels sorgt zwar hin und wieder für Deja-Vus (gerade in Hinblick auf New Super Mario Bros. Wii und, bezüglich so mancher Geheimraum-Verstecke und des einen oder anderen Abschnittes, welcher die Figuren nur als schwarze Silhouetten zeigt, die Donkey Kong Country-Serie), aber ist vorzüglich gelungen und unterhält mit seinem Anspruch und lustigen Ideen ausgesprochen gut.
Beispiele? Wie wäre es etwa mit den spitzen, vor sich hingrantelnden Gabeln? Den regelmäßigen Shoot-Em-Up-Einlagen auf freundlichen, schießwütigen Moskitos (Cameo aus dem ersten Rayman)? Dem feurigen Ofen-Level, in dem Milchprodukt-Laibe zu (plötzlich breit grinsendem) Schmelzkäse verarbeitet werden müssen, die als Plattformen fungieren, während des Geschehen von mexikanischen Rhythmen und basslastigem „Lalala, wahaha!“-Gesang, der Assoziationen zum im Internet omnipräsenten „Trololo“ aufkommen lässt, untermalt wird? Auch wenn die grafischen Levelthemen keineswegs neu sind – Dschungel, Musik- und Süßigkeitenland, Hafen oder Berge – werden sie jeweils so eigenständig und originell präsentiert, dass sie dennoch frisch wirken. Ach ja, und bevor die Musik nur in einem Nebensatz erwähnt wird: Die vielen Tracks machen mit ihren teils recht ungewöhnlichen Instrumenten und herrlich skurrilen Arrangements ordentlich Laune!
Ein spielbares Gemälde des Wahnsinns!
Und, abschließend zu sagen, Laune macht auch das ganze Spiel in all seinen Facetten! Auch wer skeptisch ist, sollte sich von dem optischen Stil nicht abschrecken lassen – das Gameplay ist, auch wenn es nichts großartig Neues bietet (und es recht lange dauert, bis sich die ersten richtigen Bosse blicken lassen), über jeden Zweifel vorhanden und gerade heutzutage darf man umso erfreuter sein, sich mal wieder in ein anspruchsvolles Jump&Run verbeißen zu können, ganz ohne Super-Assistent oder solches Zeug: Die einzige Erleichterung ist jene, einfach gemeinsam in die Schlacht zu ziehen – ganz wie in alten Zeiten!
Fazit
Ein wirklich tolles Spiel – leider auch eines mit dem Potential, zwischen all den noch größeren Namen der Marke Mario oder Zelda in diesem mit Hits vollgestopften Jahresende 2011 unterzugehen. Jump&Run-Freunde dieser Welt: Lasst das nicht zu und schnappt euch dieses kleine Meisterwerk, an dem ihr, wenn ihr wirklich alle Herausforderungen meistern wollt, verdammt lange beschäftigt sein werdet und welches alleine und im Team gleichermaßen Spaß macht!
- Astreine Grafik – fast schon ein spielbarer Zeichentrickfilm!
- massig Levels, massig Secrets, massig Herausforderungen
- viel Spaß – ob alleine oder in geselliger Runde
- optischer Stil zweifellos gewöhnungsbedürftig
- nichts wirklich Neues
Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.



