
Sonic Generations
Letztes Jahr feierte Mario ein rundes Jubiläum, 2011 nicht nur Link und Samus, sondern nicht zuletzt des Klempners ewiger Rivale: Der zwanzigste Geburtstag des ewig 15jährigen Stacheltiers muss natürlich auch würdig gefeiert werden - auch wenn Wii-Besitzer diesmal außen vor bleiben, treibt Sonic zumindest am 3DS sein Unwesen. Ob er dabei eine gute Figur macht, erfahrt ihr in unserem Testbericht zu Sonic Generations!

Sonic Generations
3DS
- Genre
- Jump ’n‘ Run
- Serie
- Sonic the Hedgehog
- Entwickler
- Sega
- Publisher
- Sega
- Konsole
- 3DS
- Spieler
- 1–2 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Während das Jubiläumsspiel zum 20er des bekanntesten Igels der Videospielwelt Wii-Besitzern vorenthalten bleibt, werden im Nintendo-Bereich zumindest Handheld-Jünger mit einer Variante von Sonic Generations bedacht: Nur ein belangloses Trostpflaster oder ein Fest für Freunde des blauen Blitzes?
Sonic Team´s Time Bandits
Apropos Fest: Mit einem solchen beginnt die hanebüchene und eher spartanisch präsentierte Story (spätestens seit den „geheimen Ringen“ scheint Sonic Team ja ohnehin keine Lust mehr auf vernünftige Hintergrundgeschichten zu haben) – auf Sonics Geburtstagsparty tauchen plötzlich Zeitlöcher auf und verschlucken Tails, woraufhin unser stachelige Held seinen Kumpel natürlich nicht im Stich lassen will und gemeinsam mit ihm in einer seltsamen Zwischenwelt landet, in der nicht nur die jüngeren (sprich im Stil der Mega Drive-Ära gezeichneten) Abbilder von Fuchs und Igel, sondern auch Dr.Robotnik alias Eggman sowie das ach so mysteriöse „Time Eater“-Monster ihr Unwesen treiben. Und um aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen, müssen sich die beiden Stachelköpfe auf ihrer Zeitreise verbünden und sich durch sieben Levelklassiker in neuen Gewänden schlagen...
Ein Blick über den Tellerrand...
Noch mehr als sonst ist die Story diesmal nur Mittel zum Zweck: Sonic Generations stellt auf Heimkonsolen wie Handhelds eine Art „Best of“ der Sonic-Serie dar – auch am 3DS garniert mit wirklich hübscher Grafik samt sehenswerten 3D-Effekt und tollen Remixes der teils überaus kultigen Tracks. Leider musste das grundsätzliche (geniale) Konzept dieses Jubiläumsspiels auf Nintendos 3D-Kiste jedoch spürbar Federn lassen.
Denn auf PS3 und Xbox360 wurde eine Auswahl von 2D- und 3D-Levels aus Sonics langer Geschichte als Jump&Run-Protagonist getroffen, aber jede Abschnitt auf doppelte Weise integriert: Dreidimensionale Welten sind dort als solche, aber auch als neue 2D-Versionen vorhanden und umgekehrt – erstere durchquert der „moderne“ Dreamcast-Sonic, zweitere werden als klassische Sidescroller von dem pummeligeren Mega Drive-Original unsicher gemacht. Scheuchen PS360-User den (oder besser die) blauen Igel mal durch eine an das DC-Original angelehnte, aber dennoch neu designte Version des kultigen Sonic Adventure 2-Levels „Escape from the city“ und mal durch eine abgesehen vom gleichen grafischen Thema völlig eingenständige zweidimensionale Variante, dann macht sich nicht nur angenehme Nostalgie breit, sondern bietet sich auch ein völlig neuer Spielabschnitt.
...und wieder zurück
Der 3DS-Port dagegen setzt – abgesehen von ebenso seltenen wie aufgrund ihrer Kürze kaum erwähnenswerten Passagen innerhalb der Levels und den simplen Bonusrunden, die schon auf dem Mega Drive mit Räumlichkeit verblüfften und sich immer noch genauso spielen wie damals – gänzlich auf 2D-Abschnitte, was nicht zuletzt aufgrund der Hardware leicht paradox erscheint (Wir erinnern uns an die durchaus interessante Sonic 3D-Demo aus der DS-Frühzeit – unglaubwürdig, dass die Nachfolgekonsole keine ansprechenden Igel-Levels komplexerer Struktur auf den Bildschirm hätte zaubern können) und das Generations-Konzept selbst ein wenig torpediert: Von den sieben Welten basieren nur zwei bis drei auf dreidimensionalen Vorbildern – jene aus Sonic Adventure 1 und 2 sind als 2D-Varianten wirklich völlig neu, Sonic Colours dagegen erschien neben der Wii auch für den good old DS und gilt von daher nicht wirklich. Und da die restlichen vier Abschnitte gänzlich auf ohnehin rein zweidimensionalen Stages basieren, halten sich Momente der Marke „Wow, in der Form wirkt dieser Level ja ganz anders!“ im Gegensatz zu den Heimkonsolen-Versionen in engen Grenzen.
Spaß? Definitiv!
Wobei diese Beobachtung aber keineswegs als Anzeichen, bei dem 3DS-Generations handle es sich um kein ansprechendes Spiel, gewertet werden soll – im Gegenteil: Es macht Riesenspaß, abwechselnd mit „Classic Sonic“ (samt eher beschränktem Bewegungsrepartoire aus 16Bit-Tagen) und „Modern Sonic“ (samt begrenzt einsetzbarem Turbo Boost und der automatisch zielsuchenden „Homing Attack“) mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die hübsch modellierten, bunten Szenarien zu laufen und, angetrieben von mal fröhlicher, mal fetziger Musik die kultige Gegnerschaft zu zerlegen. Die einen oder anderen nervigen Stellen sind vorhanden, aber rasch schon wieder vergessen und können das gute Feeling nicht trüben.
Das Leveldesign kopiert die großen Vorbilder dabei natürlich nicht 1:1 und bietet durchaus Überraschungen wie auch nette Perspektivenspielereien (wie gesagt überwiegend leider ohne spielerische Auswirkungen) und die – bedauerlicherweise vergleichsweise seltenen – Bosskämpfe (welche jeweils von eher mäßig spannenden Wettrennen gegen Shadow the Hedgehog und Konsorten, welche leider gar nicht in die Story integriert wurden, eingeleitet werden) machen ebenfalls ordentlich Laune.
Neuerungen? Nein.
Schade nur, dass neue, kreative Impulse nur eingeschränkt umgesetzt wurden: Wenn es schon keinen 2D-/3D-Wechsel gibt, sollte zumindest der „Sonic alt“/“Sonic neu“-Wechsel für frischen Wind sorgen, was anfangs durchaus auch der Fall ist – dann aber lernt auch der 16Bit-Sonic sehr rasch die Homing Attack und plötzlich gibt es außer dem Turbo Boost keinen wirklich nennenswerten Unterschied mehr zwischen den beiden, wodurch sich das Konzept ein weiteres Mal ein wenig selbst ad absurdum führt.
So verhindert Sonic Generations, dass es sich großartig von den – tollen – DS-Vorgängern Sonic Rush, Sonic Rush Adventure und Sonic Colours abhebt, welche spielerisch bereits sehr ähnlich waren: Die Luft ist zwar nicht raus, denn auch die jüngste Handheld-Inkarnation des Igels macht eine Menge Spaß, aber das Gameplay tritt auf der Stelle.
Und auch bezüglich des Umfangs wäre mehr drin gewesen: Die anspruchsvolle, optionale Sammelei der legendären Chaos Emeralds ist nun beides nicht mehr, vielmehr wird mittels des Beenden einer jeden Welt die entsprechende Special Stage freigeschaltet, die beliebig oft gespielt und relativ einfach absolviert werden kann, und das Einsacken der sieben Klunker in die Hauptstory integriert.
Ein kurzes Vergnügen – aber ein Vergnügen!
Somit sieht der geneigte Spieler leider schon nach wenigen (wenn auch sehr unterhaltsamen) Stunden den Abspann – darüber können auch die massenweise vorhandenen Zusatzmissionen der Marke „Schaffe Level x, ohne Gegner zu besiegen!“ oder „Sammle x Ringe in Stage y in z Sekunden!“, welche Goodies wie Illustrationen oder Musikstücke freischalten oder der nette, aber nicht unbedingt spektakuläre Zweispielermodus (auch online) in Form von Wettrennen nicht hinwegtäuschen (auch etwas unzeitgemäß, dass der Kontrahent hier nicht etwa als andersfarbiger Igel dargestellt wird, sondern lediglich von einem simplen Symbol als Platzhalter vertreten wird).
Ach ja: Ich musste selbst erst zweimal hinhören, bevor ich es wirklich realisiert habe – aber Sonic spricht jetzt deutsch! Wirklich ungewohnt, wenn Eggman sich mit einem pseudo-freundlichen „Hallo zusammen!“ meldet und Moderno-Sonic im Zuge seiner Attacken ab und an martialisch „Nimm das!“ schreit...
Fazit
Vor ziemlich genau sechs Jahren erschien Sonic Rush für den damals noch jungen DS und machte alles richtig – neue Gameplay-Elemente, super Technik, fetziger und besser spielbar als die recht biederen Sonic Advance-Episoden. Wie steht es im Vergleich mit Sonic Generations, dem Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers des erwähnten Titels? Kurz und gut: Ein tolles Spiel, aber richtige Neuerungen – außer der schicken Technik und dem 3D-Effekt – werdet ihr diesmal vergeblich suchen und allzu schnell ist es auch schon wieder vorbei. Aber dennoch kommt kein Jump&Run-vernarrter 3DS-Besitzer, in dessen Sammlung sich bereits Super Mario 3D Land befindet, an des Igels Debut auf der noch jungen Konsole vorbei!
- tolle Grafik, schöne Musik
- gelungene Neuinterpretationen klassischer Welten
- bekanntes, aber sehr unterhaltsames Gameplay
- massig Zusatzmissionen
- keinerlei Gameplay-Evolution
- keine 3D-Levels
- kurze Spielzeit
Vielen Dank an die Firma Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


