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nintendogs + cats: Französische Bulldogge & neue Freunde

nintendogs + cats: Französische Bulldogge & neue Freunde

Lukas

Der 3DS-Launch ist bezüglich der hauseigenen Software sicherlich einer der ungewöhnlichsten Hardware-Einführungen von Nintendos Geschichte: Kein Link, kein Mario, auch kein Luigi, sondern Pilotwings und nintendogs + cats – ersteres die Fortsetzung einer lange existierenden, aber bislang nie so recht im Rampenlicht stehenden Serie, letzteres Angehöriger einer Serie, die erst vor sechs Jahren begründet wurde und die so mancher „Core“-Spieler als „Schuldigen“ an der Grundsteinlegung des „Casual“-Booms ansieht.

Aber lösen wir uns doch von diesen Vorurteilen und Unwörtern, betrachten nintendogs + cats ganz einfach so wie jedes andere Stück Software auch und stellen uns die hierfür einzig relevante Frage: Was schlummert in den Bits und Bytes des Spiels – und wie viel Spaß bringt eben dies?

Der Hund von Baskerville

Los geht es jedenfalls im von Vertretern der anfangs neun unwiderstehlich süßen Hunderassen (unterschiedlich je nach Version - „Golden Retriever“, „Französische Bulldogge“ und „Zwerpudel“ sind die „Wappentiere“ der drei erhältlichen Editionen, ganz im Stil von Pokémon) bevölkerten Zwinger, in dem ich auf meinen zukünftigen treuen Begleiter, den Mops Oswald (benannt nach einem geschätzten Mitarbeiter) treffe.

Und, ganz ehrlich – auch wenn ich weiß, dass es sich bei ihm lediglich um einen Haufen Polygone handelt, kann ich mich nur allzu rasch nicht mehr von ihm losreißen. Verdammt, das Tierchen springt fast durch den Screen auf mich zu (gute Nutzung des 3D-Effekts!), um mich voll zu schlabbern und streckt nach ein paar Streicheleinheiten (Tiere und Objekte, mit denen interagiert werden kann, erscheinen neben der Abbildung auf dem oberen Bildschirm auch als Konturen am Touchscreen – die flauschigen Wesen respektive Items wie Bälle können so bequem per Stylus gestreichelt beziehungsweise durch das Zimmer gepfeffert werden...nein, bitte nicht umgekehrt!) alle vier Pfötchen von sich, da es auch gerne am Bauch gekrault werden will...den will ich haben, ja? Äh, wie bitte? Ob Sie ihn mir einpacken sollen...? Meine Güte, was für Psychopathen arbeiten denn in dieser Tierzucht?! Komm Oswald, wir verschwinden...

Rantanplan

So kommen wir gemeinsam im gemütlichen, doch noch sehr schmucklosen Zuhause (das später gegen Geld umdekoriert und mit neuen Möbeln bedacht werden kann) – was nun? Ganz klar, natürlich muss unser Canis Lupus zunächst einmal dahinterkommen, wie er heißt. Also ein paar Mal „Oswald!“ ins Mikro gerufen und schon folgt mir der Gute auf dem Fuße – aber das war natürlich erst der Anfang: Selbstverständlich soll mein Welpe Vier- wie Zweibeiner bald mit zirkusreifen Tricks verblüffen können! Also erstmal einen Großeinkauf an Hundekeksen tätigen, Oswald mit Trockenfutter, Wasser und einem angenehmen Bad bei Laune halten und los geht’s mit dem Training!

Pluto

Ich klicke zunächst ein wenig durchs Menü und überprüfe, welche Tricks ich meinem Aushilfs-Kommissar Rex für den Anfang denn so beibringen kann: „Sitz!“ ist natürlich das elementarste aller Kommandos, das zugehörige Training läuft wie folgt ab: Ich bewege die Hand von oben nach unten (sprich, es muss eine vertikale Linie über den Touchscreen gezogen werden) und signalisiere ihm so, sich hinzusetzen – kann ich ihn dazu bringen, wird besagte Aufforderung (kann übrigens beliebig benannt werden – muss keineswegs „Sitz!“ sein) ins Mikrofon gerufen. Danach wird Oswald ein Leckerli spendiert und das ganze Spielchen noch das eine oder andere Mal wiederholt, um ihn frei nach Pawlow zu konditionieren: Sobald das Tierchen somit einerseits den Zusammenhang zwischen Sprachkommando und Trick erkennt und andererseits versteht, dass die Ausführung desselben „gut“ für ihn ist – schließlich gibt es als Belohnung einen schmackhaften Hundekeks – verrät uns das Programm, dass das Erlernen des „Moves“ abgeschlossen ist und selbiger nun stets durch das bloße Aussprechen des besagten Befehls ausgeführt werden kann.

Zugegeben, dieser Vorgang mag sich unspektakulär lesen und sicherlich ist er gameplaytechnisch nicht der komplexeste – dennoch geht zweifellos eine Faszination von ihm aus. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Mit dem detaillierten Fell, dem realistischen Hundeblick und den glaubwürdigen Animationen wirkt Oswald – und freilich nicht nur er – so überraschend lebendig, dass man sich zeitweise tatsächlich ähnlich fühlt, als würde man einem Haustier etwas beibringen, anstatt „nur“ Aufgabe x in Videospiel y zu lösen. Gerade die Notwendigkeit, Belohnungskekse rauszurücken, erweist sich als simpler, aber wirkungsvoller Kunstgriff – die Illusion, es handle sich um ein eigenwilliges Wesen, das uns nur folgt, wenn es auch Spaß daran hat und gut behandelt wird, wird so klar verstärkt.

Interceptor

Die Spracherkennung funktioniert hierbei meist gut, aber nicht immer zufriedenstellend – so geschah es doch das eine oder andere Mal, dass ich den Kläffer beim Namen rief und sich dieser hinsetzte, anstatt herzukommen („Sitz“ und „Oswald“ hören sich ja auch verdammt ähnlich an...). Ebenso widerfuhr es mir, dass das Tierchen im „Trockentraining“ perfekt auf Trick 2 und 3 („Gib Pfote“ in der Rechts- und Linkshändervariante) reagierte, beim Gehorsamkeitswettbewerb (eine von drei Veranstaltungen, im Rahmen deren Hund und Herrchen mehr oder weniger satte Preisgelder einstreichen können) aber plötzlich nicht mehr so recht verstehen wollte, was ich ihm da zurief...

Seltsam auch, dass mein Versuch, dem Vierbeiner „Platz!“ beizubringen (Es muss mit einem Keks vor seinen Pfoten herumgefuchtelt werden), tatsächlich in der Ausführung des Tricks „Totstellen“ mündete, ich diesen aber missverständlicherweise als „Platz!“ benannte...somit führt Oswald die „echte“ Platz-Bewegung eben mittels des Kommandos „Goethe!“ aus. Wie? Warum gerade „Goethe“? Naja, ist doch klar - „Professor Zapotek und Professor Marlin“ wäre doch ein etwas sehr langer Befehl...

Einen richtigen Makel stellen aber auch solche Missverständnisse nicht dar – schließlich ist es kein Problem, euren Welpen Tricks vergessen zu lassen, um sie ihm wieder neu beizubringen; wenn ihr ein Kommando neu formulieren wollt, könnt ihr dies also jederzeit tun. Und auch über die kleineren Unstimmigkeiten bei der Spracherkennung kann letztendlich hinweg gesehen werden, zumal es in jedem Fall mehr Spaß macht und realitätsnäher wirkt, einem Hund Kommandos zuzurufen, anstatt etwa lediglich ein Symbol auf dem Touchscreen zu berühren.

Also dann, Oswald – bist du bereit für die nächsten Tricks...? Wie? Nein?! Tatsächlich – pro Tag und feuchter Hundenase können jeweils nur bis zu drei Kunststücke gelernt werden; die Beschreibungen der nächsten stehen erst zur Verfügung, sobald das nächste Kalenderblatt zu Boden gesegelt ist. Was gibt es in der Welt von nintendogs + cats also noch zu tun...? Ach ja – die Wettbewerbe!

Peter Puppy

Wie erwähnt gibt es deren drei; jeder davon verfügt über mehrere, bezüglich des Schwierigkeitsgrads gestaffelte Klassen, von denen jeweils die nächste zugänglich wird, sobald ihr zuvor den Goldpokal errungen habt. Und je höher der Platz, den euer Wuschelviech belegt, desto mehr Moneten bringt dies ein.

Spaßig sind alle Wettbewerbe, wenn auch definitiv kein Ausbund an Komplexität: Erwähnter Gehorsamkeitstest gibt euch Tricks vor, die euer Köter so schnell wie möglich auszuführen hat – witzigerweise funktioniert das im Zusammenspiel mit den der 3DS-Konsole beiliegenden Augmented Reality-Karten, wodurch das Tierchen seine Kunststücke gleichsam im heimischen Wohnzimmer ausführt! Apropos: nintendogs + cats setzt stark auf die verschiedenen Features der Hardware – abgesehen von der „erweiterten Realität“ und dem gelungenen 3D-Effekt können nicht nur jederzeit mittels der Schultertasten Fotos gemacht werden, auch Spot Pass und Street Pass weden unterstützt. Sogar der Schrittzähler kommt zum Einsatz – wer seinen 3DS zuklappt und eine Weile mit sich trägt, geht nicht nur mit seinem vierbeinigen Freund im „Real Life“ Gassi (was ihm freilich Spaß macht), sondern erspielt sich je nach zurückgelegter Distanz auch eine mehr oder weniger große Anzahl geschenkter Items wie Hundekekse oder Katzengras.

Aber zurück zum Thema: Beim Frisbee-Wettbewerb hat der Spieler nur (Touchscreen-)Kontrolle über den Wurf jener Plastikscheiben – der Rest liegt an den Apportierfähigkeiten des Hundes. Die taktisch wohl interessanteste Variante wiederum ist wohl eine Art „Angelspiel“, in dem ein Hundespielzeug an der Schnur mittels Kreisen auf dem Touchscreen nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam eingeholt werden muss, um das Fellknäuel möglichst rasch über eine Rennstrecke rasen zu lassen – der Trick liegt hierbei in der Balance, den Hund einerseits nicht die Leine schnappen zu lassen und ihn andererseits nicht zu frustrieren, indem selbige in zu weiter Ferne verschwindet.

Sonderlich leicht sind diese Herausforderungen aber alle nicht, und so finde ich mich erstmal konstant auf dem letzten Platz wieder...dies bedeutet ein Preisgeld von 10 Geldeinheiten – ein Tropfen auf dem heißen Stein im Vergleich zum vierstelligen Kaufpreis eines weiteren Hundes oder Stubentigers (bis zu drei Tiere können gleichzeitig zu Hause herumlungern, weitere dürfen in einer Pension untergebracht werden). Aber das spornt nur umso mehr an, es wieder und wieder zu versuchen, um doch noch an das ganz große Geld zu kommen...Moment, watt? Wir dürfen pro Tag und Wettbewerb nur zweimal an den fast olympischen Spielen teilnehmen? Hm, das ist ungünstig für meine Brieftasche...

“Ich bin ein Möter – halb Mensch, halb Köter.“

Viel Möglichkeiten bleiben nicht mehr – dann ist eben Gassigehen angesagt! Auf geht’s durch eine nette Wohngegend mit viel Grün, das euer Waldi nur allzu gerne mit Urin benetzt; Hinterlassenschaften anderer Art dagegen räumt ihr freilich politisch korrekt gleich weg (In meiner Gegend leider immer noch eine Utopie...). Euer Hundchen hat Spaß daran, herumzutollen, während ihr ihn per Stylus sanft an der Leine führt und vielleicht dem einen oder anderen Hundebesitzer samt Viecherl begegnet; auch findet sich immer wieder das eine oder andere Geschenkpäckchen, in dem sich recyclingfähiges Material befindet (Wahnsinn, sowas wünsche ich mir nächstes Weihnachten auch!), das sich beim örtlichen Second Hand Shop gegen Items wie Spielzeug eintauschen lässt.

Hau-Wau

Somit verbleibt uns also nur noch, einen kleinen Einkaufsbummel zu machen: Die örtlichen Läden bieten Tierfutter, -Spielzeug, -Accessoires, Möbel et cetera feil; natürlich ist auch der eingangs erwähnte Zwinger erreichbar, wo nach der Auswahl des ersten Hundes auch drei Katzenrassen angeboten werden, deren Angehörige selbst Professor Moriarty, Schwarzbart und Kater Karlo dahinschmelzen lassen würden...ehrlich, als ich die unfassbar süße schwarze Langhaarkatze ein wenig streichelte, woraufhin sie wohlig zu schnurren begann, war es fast wie ein Stich ins Herz, dass bei weitem nicht genug Geld hatte, um sie mitzunehmen...

Miezehäschen

Tja, viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen – es wäre eine Lüge zu behaupten, es mache keinen Spaß, das virtuelle Haus mit flauschigem Leben zu füllen und hunde- und katzenfreundlich zu machen (Natürlich haben die beiden Tierarten auch verschiedene Vorlieben – Hundekekse und Hol-das-Bällchen-Spiele machen den domestizierten Wölfen Riesenspaß, während die Zimmertieger mehr mit Katzengras und Klingel-Kugeln anfangen können) und deren Bewohner zu kraulen, zu füttern und zu pflegen. Ganz ausgezeichnet sind hierbei wie schon erwähnt die plüschigen Charaktermodelle gelungen – schon alleine, wer ihnen nur zusieht, wird sich ein Lächeln kaum verkneifen können. Weniger spektakulär, aber durchaus ansehlich sind dabei die Umgebungen; keine Überraschungen wiederum bei den Menschen, die eindeutig der Mii-Familie entspringen. Die Hintergrundmusik dagegen – nomen est omen – plätschert angenehm im Hintergrund; weder stört sie, noch geht sie sonderlich ins Ohr. Wirklich goldig – und glaubwürdig – sind dagegen die Tierlaute gelungen.

Das Katz-Forschungsteam

Dass die felinen Fellknäuel im Gegensatz zu den herzigen Hundeabys in diesem Artikel noch kaum genannt wurden, hat – leider – seinen Grund: Denn, wie ihr euch sicher schon gedacht habt, haben Katz&Co. freilich keine Lust, an einer Leine Gassi geführt zu werden, Frisbees zu apportieren oder für ein paar lumpige Kekse Kunststückchen zu machen. Freilich machen diese Beschränkungen in Bezug auf die Realität auch Sinn, doch gameplaymäßig gleichberechtigt sind Stubentiger und Straßenköter somit leider nicht.

Mauzi

Und um noch einmal auf jenen Gameplay-Kunstgriff einzugehen, über den man geteilter Meinung sein kann: Das Spiel portioniert sich gleichermaßen selbst. Zwei zentrale Spielelemente – der Erwerb neuer Tricks und die Wettbewerbe – sind pro Hund nur drei- respektive zweimal pro Tag zugänglich, was verdammt wenig ist, zumal jene Passagen auch nur jeweils wenige Minuten dauern. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass sich die Entwickler hier wieder an der Realität orientieren wollten – einem echten Hund bringt auch niemand an einem Tag Unmengen an Kunststücken bei – doch drängt sich nintendogs + cats so selbst ein wenig in die abgedroschene „Eher für zwischendurch“-Ecke: Das Problem ist weniger, dass man als Spieler rasch das Interesse am Gameplay verlöre – vielmehr zwingt einen das Programm quasi dazu, keine langen Sessions einzulegen, sondern es in kleinen Portionen über mehrere Tage verteilt zu zocken. Und hier stellt sich schon ein wenig die Frage, ob diese Entscheidung nicht besser beim User selbst liegen sollte...

Der Wucherkater

Aber um letztendlich die Eingangsfrage zu beantworten: nintendogs + cats macht Spaß! Ist es ein Megahit? Nein. Aber ein richtig liebevolles Stück Software und zweifellos eine Bereicherung des 3DS-Launch-Ups.

8.0Wertung

Fazit

Als Haustier-Simulator ist nintendogs + cats zweifellos richtig gut gelungen – es stellt sich nur die Frage, ob Käufer, die ihren neuen 3DS gerne mit einem Nintendo-Titel einweihen wollen und sich kein Zweitspiel leisten können, nicht besser zu Pilotwings greifen sollten, da die flauschige Hunde- und Katzen-Convention doch sehr auf eher kurze Spielhäppchen als stundenlange Sessions ausgelegt ist, was Vielspielern möglicherweise nicht gefällt. Dennoch: Ein tolles Spiel!

Design
9.0
Sound
8.0
  • sehr gelungene Darstellung der Tiere...
  • ...die erstaunlich lebendig wirken
  • Interaktion mit Hund und Katz macht Spaß
  • viele 3DS-Features werden genutzt
  • nicht allzu komplex
  • Tricks und Wettbewerbe nur begrenzt nutzbar
  • Katzen nicht gleichberechtigt mit Hunden...
  • ...und nicht von Anfang an verfügbar

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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