
Inazuma Eleven
Neben Mangas und einer eigenen Anime-Serie (bisher um die 100 Episoden), hat es das Team von Level-5 geschafft, „Inazuma Eleven“ auch auf den Nintendo DS zu bringen. In Japan erschien der erste Teil der Serie bereits im August 2008. Bei uns schaffte der Titel erst jetzt den Schritt in unsere Läden, wobei sich das japanische Publikum mittlerweile schon auf Teil 4 für den 3DS freuen kann. Der ungewöhnliche Mix aus Rollenspiel und Fußball hat auch die Fachpresse überzeugt, aber wie schaut es mit uns aus?

Inazuma Eleven
NDS
- Genre
- Action-Adventure
- Serie
- Inazuma Eleven
- Entwickler
- Level-5
- Publisher
- Nintendo
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Anpfiff
Das Game startet gleich mit einem tollen Intro, ganz im Zeichen des bekannten Anime-Stils. Passend dazu gibt es den original Titelsong und eine deutsche Synchronisation. Wie auch in vielen anderen Animes zum Thema-Fußball (Kickers, Superkickers, …) sind die Hauptcharaktere ein junger Torhüter namens Mark Evans und der Stürmerstar Axel Blaze.
So erlebt man die Erlebnisse der Serie hautnah. Erst einmal im Klubhaus der Royal Academy angekommen, folgt sogleich das Kennenlernen mit den neuen Teamkameraden. Leider sind diese alles andere als motiviert. Erstens fehlen noch Spieler, um überhaupt ein Fußballspiel bestreiten zu können, zweitens steht der Klub kurz vor der Auflösung. Mark Evans Großvater war einst einer der größten Torhüter Japans und auch er möchte dieses große Ziel erreichen. So schlüpft man in die Rolle des Jungprofis und versucht alles, das Team zu retten. Leider ist das keine leichte Aufgabe, denn alle anderen Mitglieder haben den Kopf eher bei Videospielen oder anderen Dingen. Nun steht auch noch das Spiel gegen die aktuellen Champions an, welches über die Zukunft des Teams entscheidet…
Nur nicht aufgeben…
… ist auch das Motto deines Spielegos. Als Mannschaftskapitän muss man sich nun vielen kleinen Problemchen stellen. So geht die Suche nach vier weiteren Teamkameraden los. Diese sollten natürlich talentiert sein und auch noch Zeit für das Training haben. Wie es das Schicksal so will, besucht seit ein paar Tagen auch der Stürmerstar Axel Blaze die Royal Academy. Leider will der vorerst vom Fußball nichts mehr wissen und keiner weiß warum. In perfekter RPG-Manier streunt man nun durch das gesamte Areal, unterhält sich mit Leuten, erwirbt Items oder bestreitet eine Partie Fußball (dazu später). Anfangs nimmt der Story-Teil einen großen Part ein, wird aber an keiner Stelle langweilig. Neben klassischer „Lesestellen“ sind, vor allem in den ersten Kapiteln Teile der Gespräche deutsch synchronisiert. Dieser Faktor bietet unglaublichen Spaß beim Spielen und ist einmal etwas ganz anderes, wie es beispielsweise bei Golden Sun, Pokémon etc. ist. Über die Art der Übersetzung lässt sich unter Anime-Fans wahrscheinlich wieder streiten.
Aufgrund guter In-Game-Tutorials findet man sich im Laufe der Geschichte immer besser zurecht. Gameplaytechnisch recht schnell erklärt, steuert man das Spiel à la „Dragon Quest IX“ mittels Stylus. Je länger die Touchbewegung gezogen wird, desto schneller läuft der Charakter. Die Steuerung wirkt sehr flüssig und funktioniert wunderbar.
Endlich auf dem Platz
Durchstreift man nun das Schulgelände, so tauchen immer wieder spielhungrige Gegner auf, die es zu besiegen gilt. Ziele dieser Begegnungen sind beispielsweise „Erobern sie den Ball“, „Schießen Sie als erstes ein Tor“ oder „Halten Sie den Ball in den eigenen Reihen“. Hier handelt es sich aber nur um 4-gegen-4-Begegnungen. Gewinnt man diese Duelle, erhält man Erfahrungspunkte. So steigen dann auch die Fähigkeiten und hin und wieder erlernt man neue Spezialattacken. Wie in jedem anderen RPG gibt es auch Items, die hier sehr eng an den Fußballsport geknüpft sind. Der Weg geht weg von „Aufputschern/Dopingmittel“ wie beispielsweise Gegengift und Heilkraut, hin zu Mineralwasser. Neben dem individuellen Training ist auch die Teamzusammensetzung ein wichtiger Punkt. Insgesamt lassen sich um die 1000 Spieler anwerben und ins Team holen. Jeder dieser besitzt über eigene Fähigkeiten und somit hat man sehr viel Freiraum, um die für sich beste Mannschaft zu finden.
Interessant wird es dann, wenn man das erste Mal mit elf Mann auf dem Spielfeld steht. Auch hier ist das Gameplay sehr simpel gehalten, wobei etwas gewöhnungsbedürftig. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man hier auf Spiele wie „FIFA“ zurückgeblickt hätte und gameplaymäßig etwas übernommen hätte. Doch bei „Inazuma Eleven“ läuft alles ganz anders ab. Die Spieler werden nicht direkt am Feld gesteuert, sondern man erteilt ihnen lediglich Befehle per Stylus. Laufwege werden angegeben, indem man auf dem Touchscreen eine passende Linie zieht. Das Passpiel funktioniert so, dass eine Stelle am Platz angetippt wird, wo der Ball hin soll. Ein Torschuss ist natürlich nur dann möglich, wenn man sich in der Nähe des Kastens aufhält und ihn für die besagte Aktion erreichen kann. Während der Partie lassen sich auch Spezialattacken (zB Feuerdribbling) einsetzen und somit erhöht sich die Chance auf einen Treffer oder eine passable Abwehr (zB mit Blitz-Stibitzer). Jede dieser Aktionen kostet aber TP (Teamgeist-Punkte), welche sich während eines Spiels nicht regenerieren. Daher sollten diese gezielt eingesetzt werden.
Kann ich jetzt nur laufen und schießen??
Nein, auch die Ballabnahme ist natürlich möglich. Kreuzen sich die Wege mit einem gegnerischen Spieler, so lassen sich einzelne Aktionen wie Grätsche, den Ball durchlassen usw. auswählen. Insgesamt ist sehr viel Geschick gefragt, um die richtige „Spieltaktik“ zu wählen. Ist man eher der Draufgänger, der sich den Ball so schnell wie möglich unter den Nagel reißen möchte oder doch jener, der lieber zuerst ein paar Gegner umgeht und dann angreift? Ein weiterer Punkt auf dem Spielfeld ist das „Elemente-System“. Jeder eurer Spieler ist einem von vier Elementen zugeordnet. Bei einem Zusammenstoß entscheidet es sich oft, ob jenes deines Spielegos, dem des Gegner überlegen ist oder nicht. So hat man einmal einen Vorteil, beim anderen Mal wieder einen Nachteil. Natürlich gibt es auch welche, die sich neutral zueinander verhalten. Sind mehrere Spieler an einer Situation beteiligt, so kann es auch zu einer Doppel- oder Dreifach-Situation kommen. Dies kann unter anderem dann nützlich sein, wenn zwei der eigenen Kameraden das gleiche Element besitzen. So gewinnt man auch Duelle gegen überlegene Gegner. Was sich jetzt total kompliziert anhört, ist im Grunde nicht all zu schwer. Nach kurzer Eingewöhnung, hat man es relativ rasch durchschaut.
Ein weiteres „limitiertes“ Feature ist die „Heiße Phase“. Einmal pro Match lässt sich der eigenen Mannschaft ein Vorteil in Form eines „Power Boosts“ verschaffen. Ein Minuspunkt im „Matchteil“ ist sicherlich die Hektik die entsteht. Immerhin heißt es elf Spieler im Auge zu behalten und die passenden Aktionen zu wählen. Hier wird es oft stressig und ein gezielter Spielzug ist meist nur ein Zufallsprodukt.
Nur die Punkte zählen
Nach gewonnen Spielen oder bestimmten Ereignissen (zB das Öffnen einer Truhe) erhält man Elan-, Teamgeist- und/oder die bereits erwähnten Erfahrungspunkte. Verliert man hingegen eine Partie, so können auch wieder welche abgezogen werden. Zusätzlich lassen sich die Teammitglieder dadurch aufwerten, indem Blitz-Symbole eingesammelt werden, die überall in der „Spielwelt“ verteilt sind. So kann man bestimmte Attribute gezielt aufleveln, kostet aber Elan-Punkte.
Mittels der Teamgeist-Punkte erhöht sich auch die Chance, neue Spieler anzuwerben. Wie bereits erwähnt gibt es über 1000 Möglichkeiten. Diese ergeben sich aus Gesprächen und Kontakten oder man lässt sie über die Team-Managerin (erscheint etwas später im Spiel) anwerben. Doch aufgepasst, maximal passen 100 Kicker in den Kader!
Multiplayer
Auch über die Wifi-Verbindung lassen sich Spieler mit Freunden tauschen oder sogar kostenlos herunterladen. Auch können Mehrspielerduelle mit bis zu vier Spielern ausgetragen werden (sogar mit drei weiteren Freunden gemeinsam).
Die Technik stimmt
In punkto Grafik gibt es kaum etwas auszusetzen. Hier überzeugt der Titel auf voller Länge und kann mit Spielen wie Pokémon leicht mithalten. Es macht auch richtig Spaß, immer wieder kurze Spots aus der Animeserie zu sehen (und das in Deutsch!). Auch hier stimmt die Qualität, welche mit der von „Professor Layton“ vergleichbar ist. Stammen doch beide Games vom selben Entwicklerstudio (Level-5). Obwohl die Figuren selbst in 2D gehalten sind, tun sich tolle 3D-Areale auf. Die Animationen sind mehr als gelungen und die auf dem DS berüchtigen verpixelten Texturen sind kaum vorhanden.
Auch soundtechnisch gibt es nichts zu meckern. Wie toll ist es doch, auf einmal eine deutsche Synchronisation mitten in der Story eines Rollenspiels zu hören, das noch auf dem Nintendo DS und noch dazu nicht einmal in einer Videosequenz. Die Hintergrundmusik bietet einige Ohrwürmer und macht auch noch nach längeren Sessions Spaß.
Fazit
„Inazuma Eleven“ hat echt „Suchtpotential“! Der doch eigenwillige Mix aus RPG und Fußball macht Spaß ohne Ende. Das Spiel verfügt noch dazu über einen ordentlichen Umfang. Es handelt sich zwar um ein sehr komplexes Rollenspiel, welches sicherlich anfängliche Schwierigkeiten bereithält. Diese hat man aber schnell durchschaut und obwohl die Story noch etwas ausbaufähig ist, kann man sich nach einiger Spielzeit nur sehr schwer vom Handheld trennen. Grafisch und soundtechnisch weiß das Spiel zu überzeugen und auch die deutsche Synchronisation in Video- und In-Game-Sequenzen kommt dem Titel nur mehr als zugute. „Inazuma Eleven“ kann leicht mit berühmten Rollenspieltiteln mithalten. Wer aber ein klassisches Fußballspiel sucht, der ist hier fehl am Platz. Mit bekannten anderen Fußballtiteln hat dieses Game wenig am Hut. Es hat zwar Jahre gedauert, bis es die Reihe nach Europa geschafft hat, aber das Warten hat sich gelohnt. Bleibt nur zu hoffen, dass es auch die anderen Teile auf unseren Kontinent schaffen.
- langer Spielspaß
- über 1000 Charaktere
- tolle Gesamtpräsentation
- deutsche Synchro
- innovatives Gameplay
- chaotischer „Match-Part“
- teils etwas zu simpel
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


