
Mario & Luigi: Abenteuer Bowser

Mario & Luigi: Abenteuer Bowser
NDS
- Genre
- Rollenspiel
- Serie
- Mario & Luigi
- Entwickler
- Alphadream
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Skeptisch durfte man sein: Denn schon die ersten Screenshots erweckten den Eindruck, dass die „Mario & Luigi“-Reihe auf der Stelle tritt – auch spielerisch. Aber schon nach einer Stunde Spielzeit stellt sich heraus, dass das Auge zwar mit gewohnter Kost bedient wird, das Gameplay des Action-Spiels mit vielen Rollenspielelementen aber eine interessante Wende genommen hat. Und das ist einem alten Bekannten aus dem Pilzkönigreich zu verdanken, der Mario schon seit Anfang der 80er-Jahre das Leben schwer macht. Die Rede ist von Bowser, jener sympathisch-boshaften Königsechse, die seit jeher ein Auge auf Marios angebetete Prinzessin Peach geworfen hat und das Zepter im Mario-Universum übernehmen will, ganz egal, wie oft er schon damit auf die Sauriernase gefallen ist.
Klempner verdauen
Alphadream hat sich wirklich nicht lumpen lassen: Die japanischen Entwickler haben die erfolgreiche Formel der Vorgänger aufgegriffen (Action + Rollenspiel + Humor), dem Spiel aber einen ganz neuen Dreh gegeben. Mario und Luigi kooperieren diesmal nicht etwa wieder mit ihren Baby-Versionen, sondern mit ihrem Erzfeind Bowser. Beide Parteien sind auf eine strategische Zusammenarbeit angewiesen, denn mit Krankfried bedroht eine dritte Macht nicht nur die gemeinsame Heimat, sondern hat zudem noch Prinzessin Peach geraubt, die sowohl von Mario als auch von Bowser umschwärmt wird.
Die Art der Kooperation ist jedoch etwas, nun ja, merkwürdig: Mario und Luigi finden sich nämlich zu Beginn in Bowsers Innereien wieder. Der Dinosaurier hat das Brüdergespann und den halben Hofstaat der Prinzessin verschluckt, ohne Notiz davon zu nehmen. Die beiden Brüder nehmen so Einfluss auf die Körperfunktionen der Echse, zumindest solange, bis sie einen Weg nach draußen gefunden haben. Bowsers Inneres entpuppt sich als eigene Spielwelt mit unterschiedlichen Kammern, die die Klempner in einer 2D-Seitenansicht durchforsten, ihn von fiesen Parasiten befreien oder seine Schlag- und Trittkraft durch Geschicklichkeitstest verstärken.
Zwei Welten in einem Spiel
Für besonders viel Spielspaß sorgen die Spielabschnitte, in denen ihr beide Spielwelten aufeinander abstimmt und beide Parteien konkret aufeinander einwirken lasst. Gerade hier zeigt sich das kreative Potenzial der Entwickler. Löscht Bowser beispielsweise seinen Durst an einem Springbrunnen, wird sein Inneres mit Wasser geflutet und damit auch die Spielwelt der Brüder. Durch Heben und Senken des Wasserspiegels gelangen Mario und Luigi an vorher unerreichbare Plattformen und Schalter. Die beiden kreuchen und fleuchen aber nicht die ganze Zeit über in Bowsers Eingeweiden herum; Bowsers Körper ist nämlich durch seltsame Röhren mit verschiedenen Bereichen der großen Oberwelt verbunden. Das bedeutet nicht nur, dass ihr vom „Röhrenbahnhof“ praktisch im Pilzkönigreich hin- und herreisen könnt, sondern auch, dass ihr die Außenwelt aus zwei Perspektiven kennen lernt. Mit den Brüdern erreicht ihr so Orte, die Bowser zuvor mit Brachialgewalt zugänglich gemacht hat. Für beide Parteien bieten sich einige Rätsel und kleinere Nebenschauplätze. Bowser sucht nach den Blockkatzen, die sich bei unterschiedlichen Gegnern gemütlich gemacht haben, während Mario und Luigi es auf magische Bohnen abgesehen haben, die überall in der Welt im Erdboden versteckt sind und eure Kräfte verstärken. Und es macht Spaß, die große Spielwelt zu bereisen und jeden Winkel zu erforschen, denn die Spielfiguren lassen sich zu jeder Zeit exzellent steuern – wie es schon in den beiden Vorgängern der Fall war!
Die Handhabung ist recht intuitiv. Grundsätzlich steuert ihr Mario mit A, Luigi mit B und Bowser mit den darüber liegenden X- und Y-Knöpfen. Beide Parteien werden meist separat voneinander gesteuert, an einige Stellen, die sicherlich zu den Highlights des Spiels zählen, arbeiten die drei Protagonisten zusammen, und zwar gelichzeiztig. Während sich Mario und Luigi um Bowsers Gesundheitszustand kümmern oder seine Körperkräfte um ein Vielfaches verstärken, prügelt sich dieser mit den Oberbösewichtern.
Sechs Fäuste für ein Halleluja
Und auf beiden Seiten wird gehörig ausgeteilt, indem ihr, sobald ihr in den rundenbasierten Kämpfen an der Reihe seid, aus einem Ringmenü einen Befehl auswählt. Während sich Mario und Luigi wie schon in den Vorgängern mit Hüpf- und Hammerangriffen zur Wehr setzen, spuckt der Echsenkoloss Feuer, schlägt mit seiner Pranke zu oder saugt Gegner (oder Teile von diesen) ein, mit denen sich dann die Klempnerbrüder in Bowsers Eingeweiden auseinandersetzen dürfen. Bowser greift bei seinen Spezialangriffen auf die Mithilfe seiner Schergen zurück – vorausgesetzt, ihr habt Gumbas, Koopas oder Bob-Ombs auf der Oberwelt aus deren Gefängnissen befreit. Jeder dieser Angriffe wird mit dem Touchpen ausgeführt: Die Bob-Ombs spazieren beispielsweise in diagonaler Ausrichtung in die Kampfarena hinein. Eure Aufgabe ist es nun, die Bomben-Kerle unter Zeitdruck mit dem Touchpen auf eine (oder mehrere) horizontale Linien zu ziehen, damit sie geradewegs auf euren Widersacher zusteuern und genau vor ihm explodieren. Die Gumbas stürmen hingegen gleich auf eure Gegner zu, werden aber erst mit eurem Zutun zu gefährlichen Brandbomben: Dazu berührt ihr möglichst viele Gumbas auf ihrem zügigen Durchmarsch, um ihnen so mit Bowsers heißem Atem wortwörtlich „Feuer unter dem Hintern“ zu machen.
Bei den Brüdern sind in punkto Spezialfähigkeiten neben den bereits bekannten Feuerblumen- und Schildkrötenangriffen einige neue und sehr schön umgesetzte hinzugekommen. Wählt ihr den „Fresskorb“ an, fallen zahlreiche Süßwaren vom Himmel. Ihr bewegt nun Luigi nach links oder rechts, um die Dickmacher schnurstracks in seinen Schlund fallen zu lassen, bis er zu einem Fettwanst geworden ist. Mit schnellem A-Tippen befördert ihn sein Bruderherz in luftige Höhen, damit sich Luigi durch Betätigen von B wieder hinabstürzt und ein Erdbeben auslöst, unter dem die Schurken zu leiden haben.
Adrenalinschub!
Wenn eure Gegner am Zug sind, solltet ihr zunächst deren Angriffsmuster beobachten. So weicht ihr den Attacken durch getimte Sprünge oder Hammerschläge aus oder kontert sogar. Insbesondere bei den Endgegnern, die über mehrere Angriffsvarianten verfügen, ist es wichtiger, zunächst den Schwachpunkt ausfindig zu machen, als großspurig mit Spezialattacken um sich zu werfen. Ein besonderes Schmankerl sind die wunderbar gestalteten Kämpfe als Bowser in Hochhausgröße. Der Koopa-König gerät an einigen Stellen im Spiel unter die Räder. Jetzt übernehmt ihr die Rolle von Mario und Luigi, steigt in Bowsers Körper in ein Boot und schippert den Adrenalinfluss entlang. Wie bei einem klassischen vertikal verlaufenden Raumschiff-Shooter feuert ihr unter anderem rote und grüne Bälle ab, die von oben hineinfliegen, um eine Leiste zu füllen und Bowser schließlich einen Adrenalinschub zu verpassen. Daraufhin schießt dieser in die Höhe und nimmt es mit ebenso gigantischen Gegnern wie zum Beispiel zu Robotern umfunktionierten Schlösser auf. Der Clou: Ihr haltet den Nintendo DS dabei wie ein Buch hochkant und teilt mit Touchpen und eurer Puste aus. Sicherlich ist das Pusten beim Spielen in der Öffentlichkeit einigen von euch unangenehm. Diese Schlachten, die an trashige Godzilla-Filme erinnern, sind aber große Unterhaltung und klasse umgesetzt.
20 Stunden beste Unterhaltung
Der Unterhaltungswert ist die gut zwanzig Spielstunden lang durchweg hoch: Das Spiel ist sich durch die zahlreichen, erfrischenden Minispiele facettenreich gestaltet, das Kampfsystem funktioniert hervorragend und langweiliges Hin- und Herwandern und langwieriges Absuchen von Gegenden ist die absolute Ausnahme.
Alle mal lachen!
Eine ganz zentrale Rolle spielt natürlich der Humor. Und wie seine Vorgänger sind auch bei „Abenteuer Bowser“ viele skurrile Situationen, vorzüglicher Wortwitz – ein großes Lob an die deutsche Lokalisation! –, pseudo-italienisches Gebrabbel und herrliche Animationen eingestreut, die euch zum Schmunzeln das ein oder andere Mal zum Schmunzeln bringen. Der Humor zieht sich durch das ganze Spiel und trägt maßgeblich zu der wunderbaren Atmosphäre bei, die das Spiel ausstrahlt und so sympathisch macht.
Fazit
Mario und Luigi: Abenteuer Bowser ist ein wunderbares Action-Rollenspiel, dass der Serie trotz grafischem Auf-der-Stelle-Stehen frischen Wind einhaucht – durch die witzige Idee, die Klempner-Brüder mit ihrem Erzfeind Bowser zusammenarbeiten zu lassen. Der daraus resultierende Humor, viel Abwechslung und die präzise Steuerung machen Mario und Luigi: Abenteuer Bowser zu einer absoluten Spieleperle auf dem Nintendo DS!
- Kooperation zwischen den Klempner-Brüdern und Bowser
- abwechslungsreich
- sehr lustig
- Mikrofonnutzung in der Öffentlichkeit unangenehm
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

