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Miami Nights: Singles in the City

Miami Nights: Singles in the City

OldMacMario

Miami Nights: Singles in the City

NDS

Entwickler
Gameloft
Publisher
Ubisoft
Konsole
NDS
Spieler
1–4 lokal

Objektivität ist oberstes Gebot eines Redakteurs...manchmal muss man sich dies als solcher einfach wieder und wieder sagen. Wenn ein Spiel etwa den Namen „Miami Nights: Singles in the City“ trägt und den Spieler in eine US-Strandmetropole entführt, deren Bevölkerung offensichtlich zu 95% jung, schlank und flirtwillig ist, und ihm eine/n Protagonisten/in vorsetzt, der/die nichts Anderes im Kopf hat, als den/die Casanova (wer eine passende weibliche Form dazu findet, kriegt einen Keks) zu markieren, dann muss unsereins doch ein wenig die Zähne zusammenbeißen. Die klanglich eher mittelprächtige Version von „I like to move it, move it“, welche als Titelthema fungiert, sorgt jedoch bei mir „Madagascar“-Geschädigten eher dafür, dass vor meinem geistigen Auge ein Lemur mit seltsamen Akzent herumtanzt...aber ich will nicht von mir auf andere schließen. Bleiben wir objektiv und begeben uns nach Miami...

Spielfigur im Eigenbau

Zunächst darf die Hauptfigur erstellt werden, wobei u.a. Haar- und Hautfarbe, Kleidungsstil und Geschlecht eingestellt werden können – wobei gerade letzterer Punkt zumindest bei mir für Verwirrung sorgte, war ich mir bei der Wahl eines männlichen Protagonisten doch zunächst sicher, vom Gesicht her eine ältere Dame um die 70 vor mir zu haben, bis das Ergebnis nach einem weiteren Versuch der Konfiguration das gleiche blieb. Nun gut – diese seltsame Gestalt wird nicht meinen richtigen Namen tragen, wie es etwa Link, Maxim und Ryu taten: Ich bastelte mir einen gewissen „Herbert“ und harrte – als distanzierter Beobachter – der Dinge, die da auf mich zu kommen mögen...in Miami.

Von einem der auszog, um...die Miete zu bezahlen

Unser schlafender „Held“ wird jedenfalls von seiner Nachbarin aufgeweckt (nein, deren Gesicht erinnert nicht an einen älteren Herren um die 70) und verdonnert ihn dazu, sich zu duschen und sein Haar zu „stylen“, da der saure Vermieter vor der Tür steht und die überfälligen Raten einfordert. Dass Herbert dabei nur mit einer Unterhose bekleidet ist, scheint weder ihn noch jene junge Dame zu stören – immerhin hält sie sich artig die Augen zu, als er in die Dusche steigt (ich hätte ja eher empfohlen, die Badezimmertüre zu schließen, aber mich fragt ja keiner). Danach in Schale geworfen, verdonnert der tobende Hausbesitzer den Möchtegern-Frauenschwarm zu einer Zahlung von 100 Dollar, aber da in der Börse Ebbe herrscht, muss eine Arbeit gesucht werden – die allwissende Nachbarin weiß natürlich genau, wo gerade Leute gesucht werden (langsam wird mir das Mädel unheimlich...). Also folgen wir doch einfach den grünen Pfeilen, die in der Landschaft herumschweben und uns ganz genau den Weg zur Arbeitsstelle zeigen (danke, liebe Programmierer, dass ihr den Spielern so viel zutraut...) - solch wundersame Wegweiser gibt es eben...in Miami.

“Die Sims“ light

Und hier kommt ein, wenn nicht das zentrale Spielement ins Spiel (während bisher nur sichtbar war, dass Sims-like auf Parameter wie Schlafbedarf oder Hygiene geachtet werden muss): Der Typ vom Schnellimbiss will nur über unsere Anstellung reden, wenn wir uns mit ihm anfreunden – what the heck? Wir würden gewiss auf einer viel schöneren Welt leben, wenn dies alle Arbeitgeber so halten würden...aber ich schweife ab: Besagtes Element ist also ein universales Kommunikationsmenü, via welchem man mit NPCs über vorgefertigte Themen wie „Europäische Mode“, „korrupte Politiker“ oder „Trantüten“ (sehr aussagekräftig) reden kann – wer Glück hat, gewinnt vielleicht Freundschaftspunkte, wer nicht, der...nun ja, nicht. De facto ist es das reinste Glücksspiel, Freund- und Partnerschaften zu schließen – aber wahlloses Herumprobieren führt eigentlich immer früher oder später zum Erfolg. Sonst dürfen auch Komplimente gemacht und Geschenke verteilt werden; auch der Punkt „Flirten“ steht zur Verfügung, welcher allerdings gleich in den Optionen „Kuss auf die Wangen“, „Kuss auf den Mund“ und „Zungenkuss“ mündet – hallo? Ich würde ein derartiges Vorgehen als ganz gewaltiges Mit-der-Tür-ins-Haus-Fallen bezeichnen, aber dort ist es offensichtlich ganz normal...in Miami.

Vom Tellerwäscher zum...zahlungskräftigen Mieter

Es folgt ein Tellerwäscher-Minigame, was von den bisherigen Erlebnissen die Bezeichnung „Spiel“ noch am Ehesten verdient: Per Stylus müssen schmutzige Teller ins Waschbecken und danach auf die Ablage gezogen werden – simpel, aber durchaus ganz spaßig. Aber gleich danach holt uns der Alltag wieder ein: Mit dem Abwasch-Minigame haben wir unsere Raten verdient und können den rasenden Vermieter besänftigen – gut, eine epische Geschichte mehr zu ihrem Abschluss gebracht, ich habe Miami Nights in Rekordzeit durchgespielt...aber was ist das? Herberts Psycho-Nachbarin meldet sich schon wieder und drängt ihn zu einem Date mit einer ihrer drei Freudinnen, ohne dass sie darum gebeten wurde – Hausfriedensbruch, Kuppelei, Stalking (offenbar überwacht sie jeden unserer Schritte und fungiert im Pausenmenü als Tippgeberin) - da kommt schon allerhand im Strafregister zusammen. Und was sie für Bekanntschaften pflegt – ich zitiere die Kurzbeschreibung von einer jener drei, „Anna Lucia“: „Typische Verbrecherin, die ihren Lebensunterhalt mit Diebstählen finanziert, weil sie keine andere Wahl hat. Aber sie ist ziemlich heiß.“ Soso, wieder was gelernt – ich wusste nicht, dass Diebinnen, die aus Not stehlen, über sündteure Markenklamotten und einen makellosen Teint verfügen. Aber so ist das eben...in Miami.

Ich liebe dich...nicht?!

Schließlich trifft Herbert auf die ausgewählte „Angebetete“ und darf sie mit Gesprächen, Witzen und Geschenken für sich gewinnen. Sehr strange: Quasi als Tutorial äußert jene Dame ganz offen, was wir zu tun haben; sagt uns sogar an, wie durch das Menü navigiert werden muss: „Spendier mir ein Getränk: Geben – Geschenk – Getränk“ oder „Küss mich auf den Mund: Flirten – Kuss auf den Mund“ - soso. Jedenfalls kommt sie schließlich mit unserem unwiderstehlichen Charmeur mit - „auf ein Nickerchen zu dir, wenn du verstehst, was ich meine“. Und dann wird’s noch seltsamer: Nachdem sich die beiden seit ihrem ersten Aufeinandertreffen ständig umgarnt haben, erscheint nach einem Kuss plötzlich die Meldung „Ich glaube nicht, dass das mit uns funktionieren wird. Schluss, aus.“ und das Mädchen verabschiedet sich abrupt. Aber so laufen wohl die meisten Dates ab...in Miami.

“You earned 5 happy smile points.“

Kurz und gut: Während die Grafik in Ordnung (wenn auch teils arg pixelig), der Sound ebenfalls nicht nervt und die Minispiele nicht übel sind, erschließt sich mir der tiefere Sinn des Spiels einfach nicht: Ständig werden Gespräche geführt, nein, nicht mal das – das Thema wird ausgewählt, die Figuren gestikulieren und es wird gezeigt, ob dem Gesprächspartner die Unterhaltung gefällt, das war´s. Nie weiß man genau, über welche Themen am Besten gesprochen werden soll – es fehlt hier ganze einfach der spielerische Gehalt, den bieten am Ehesten noch die Minigames. Ab und wird irgendein Attribut wie „Charisma“ oder „Sex-Appeal“ gesteigert, dann und wann muss geduscht oder geschlafen werden (was an „Die Sims“ erinnern mag, doch deren Komplexität und vor allem deren Freiheit wird niemals auch nur annähernd erreicht) – aber warum tut Herbert das; nein, was ist meine Motivation, das zu spielen (abgesehen davon, dass ich das Programm zu testen habe)? Gibt es einfach nichts anderes zu tun...in Miami?

Conclusio

Der „Killerspiel“-Seitenhieb – setzt man den Charakter an den PC und lässt ihn einen Shooter zocken, so bekommt man Maschinengewehrfeuer und „Ahh, ich bin getroffen!“ in deutscher Sprachausgabe zu hören – geht dabei voll ins Leere und mutet ähnlich albern an wie Frau Biedermanns Sager auf der Games Convention 2007 über „das Ende der Ära der Ballerspiele“. Also, liebes Miami Nights, um es in deinen eigenen Worten zu sagen – und an diesem Urteil ändert auch der vorhandene Multiplayer nichts: Ich glaube nicht, dass das mit uns funktionieren wird. Schluss, aus.

5.5Wertung

Fazit

Das stark geschmacksabhängige Setting von Singles in the City hat mit der wenig herausragenden Wertung nichts zu tun – vielmehr gibt das Gameplay einfach nur wenig her. Wer sich schon immer mal in das Nachtleben von Miami stürzen wollte, um mit Barbies und Kens zu flirten, kann ja mal reinschauen – eine Empfehlung gibt’s von mir aber weder objektiv noch subjektiv.

Design
6.5
Sound
6.0
Online Multiplayer
5.5
  • unspektakuläre, aber ganz nette Minigames
  • Gameplay ohne Anspruch und Höhepunkte

Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.

Reactions

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