
Mario Party DS

Mario Party DS
NDS
- Genre
- Spaß-Spiel
- Serie
- Mario Party
- Entwickler
- Hudson
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1–4 lokal
Chips, kühles Bier (oder Cola) und das Sofa voller Freunde: So viel zu den Zutaten für einen zünftigen Mario-Party-Abend. Jahr für Jahr jagen die Entwickler von Hudson Soft eine neue Version auf den Markt – 2007 bescheren uns die Japaner gleich zwei Minispielsammlungen. Nach dem eher mäßigen Mario Party 8 für die Wii wird der Nintendo DS zum ersten Mal Austragungsort für gesellige Reaktionstests, Glücks- und Geschicklichkeitsspiele auf virtuellen Spielbrettern. Die Mario-Party-Reihe verbucht weltweit hohe Verkaufszahlen, obwohl (oder weil?!) die Serie seit dem ersten Teil eigentlich keine grundlegenden Neuerungen vorweist – von Mikrofon-Einsatz auf dem GameCube und Wiimote-Zappeleien einmal abgesehen. Bei Mario Party kann man sich eben sicher sein: Da man weiß man, was man bekommt. Never change a winning team.
Ob die DS-Party ebenso traditionsbewusst ausfällt?
Krieg der Sterne
Um es vorweg zu nehmen: ja. Am Spielprinzip hat sich so gut wie gar nichts geändert. Für alle Party-Neulinge hier noch einmal eine kurze Einstiegshilfe: Bei Mario Party handelt es sich um ein virtuelles Würfelbrettspiel. Ihr sammelt Münzen in Minispielen, um diese dann gegen wertvolle Sterne einzutauschen: Wer am Ende die meisten Himmelskörper gesammelt hat, darf sich Party-König nennen. Anstatt mit schnöden Holzfiguren umherzuziehen, bewegt ihr die acht Nintendo-Maskottchen Mario, Luigi, Wario, Waluigi, Yoshi, Peach, Daisy und Pilzkopf Toad über die Felder. Als Fan fragt man sich natürlich, warum andere Charaktere wie Toadette, Donkey Kong oder Knochentrocken nicht aktiv spielbar sind, sondern nur als Helfer, Spielbrettpaten oder Bösewichter fungieren. Komm schon, Nintendo: Ein bisschen mehr Auswahl bei der Charakterwahl wäre wünschenswert gewesen, gerade weil das Spiel so von seinem zuckersüßen Nintendo-Charme lebt. Die fünf Spielbretter warten allesamt mit unterschiedlichen Themen auf. Im Vergleich zu den Vorgängern passiert allerdings relativ wenig, auch wenn jede Welt ihren eigenen „Kniff“ hat. In „Toadettes Musikstube“ beispielsweise dreht sich alles um Musikinstrumente. Ihr erhaltet Sterne, wenn ihr bei den bunten Viertelnoten eine gewisse Anzahl Taler springen lasst. Verlangt die erste Note noch fünf Münzen, nimmt die nächste schon zehn, dann 15, zwanzig, dreißig und wieder fünf. Auf „DKs Steinstatue“ bleibt die Sternenquelle immer an einer Stelle – am Ende eines kräftezehrenden Parcours. Oben angekommen, dürft ihr dann aber so viele Sterne eintauschen, wie es euer Portemonnaie zulässt.
Mensch, ärgere dich nicht!
Wie genau ist aber ein solches Brett aufgebaut? Die elementaren Felder sind die roten und blauen, auf denen euch drei Münzen geschenkt beziehungsweise abgezogen werden. Spannung kommt bei den grünen Fragezeichen-Feldern auf, die ein Ereignis auf dem Brett in Gang setzen, das für euch positiv oder negativ ausgehen kann. Ihr werdet zum Beispiel an einen anderen Ort zurück- oder vorversetzt oder nehmt an einem Solo-Spielchen teil, um euch ein bisschen Taschengeld hinzuzuverdienen. Auf Bowser-Feldern lauert euch der altbekannte Feuerdrache auf und zieht Tribut in Form von Münzen oder (arrgh) Sternen ein. Oder er gibt sich ganz Koopa-kommunistisch und teilt die eingespielten Münzen fair auf alle Mitspieler auf. Die einen ärgert´s, die anderen freut´s! Sieg und Niederlage liegen auch auf den Duellfeldern nah beieinander. Wer auf diesen Punkten landet, bestimmt den Einsatz: Das können Münzen oder sogar Sterne sein, was natürlich die Brisanz der (häufig auf Glück basierenden) Spielchen erhöht.
Wenn ihr in Mario Party DS nach Neuerungen sucht, dann müsst ihr schon genau hinschauen. Ein solches neues Detail ist das Kumpelfeld, bei dem ihr euch und einen Gegenspieler eurer Wahl mit fünf Münzen beschenkt. Hilfsgegenstände sind auch wieder mit von der Partie, die diesmal nicht mehr „Kapseln“, sondern einfach nur noch „Items“ genannt werden. In Läden auf den Spielbrettern erwerbt ihr bis zu drei dieser hilfreichen Gimmicks. Euch werden Zweimal- und Dreimal-Blocks angeboten, mit denen ihr doppelt oder dreifach würfelt. Bei einem Pasch regnen noch zusätzliche Münzen auf euch hinab. Mit der Schnapptasche stibitzt ihr Items eurer Gegner; die Sternenröhre für stattliche 15 Münzen führt euch vor dem Würfeln direkt zum nächsten Stern. Bis zu drei Boni könnt ihr bei euch tragen. Bevor ihr euch ein neues Helferlein zulegt, müsst ihr euch wohl oder übel von einem bereits erstandenen trennen. Daneben sammelt ihr noch Trickfelder auf, die ihr bis zu zehn Felder vor euch frei auslegt und die gehörig an den Sternenbesitzverhältnissen rütteln können. In den meisten Fällen wird derjenige bevorzugt, der sie aussetzt. Die Kontrahenten, die in die „Falle“ tappen, zahlen Münzen oder sogar zwei Sterne an den Besitzer. Um auf den Brettern stets den Überblick zu bewahren, wird während der Spielrunden eine Karte auf dem oberen Bildschirm dargestellt. Das ist im Gegensatz zu den Vorgängern ein echter Pluspunkt: Schließlich musstet ihr früher immer separat eine Übersichtskarte aufrufen, die den Spielverlauf unterbrochen hat.
Mittelmäßige Minis
Am Ende einer Runde wird dann ein Minispiel ausgelost, das ihr in unterschiedlichen Spielerkonstellationen austragt. Entweder spielen alle gegen alle, einer gegen drei oder zwei Zweierteams gegeneinander. Ganze einhundert neue Quickies hat sich Hudson Soft für den Nintendo DS ausgedacht – so viele, wie noch nie zuvor in der Reihe. Die Mini-Games sind so etwas wie das Herzstück von Mario Party: Mit deren Qualität steht oder fällt die illustre Spielerunde. Leider haben sich diesmal sehr viele darunter gemischt, bei denen nicht so viel Spannung aufkommen will. Auch mehr Unterstützung von Touchscreen und Mikrofon-Einsatz wäre wünschenswert gewesen. Nur ein Bruchteil der Glücks- und Leistungsspiele greift auf die Steuerungselemente des DS zurück, die meisten bedienen sich der klassischen Bedienung über das digitale Steuerkreuz oder schnelles Knöpfchendrücken. Besonderen Spaß bereiten die Games, in denen ihr euch frei bewegt und herumhüpft. Die „Tückische Neonbrücke“ ist so ein Beispiel: Auf einem scrollenden Bildschirm wird ein löchriger Steg über einem schwarzen Abgrund nur gelegentlich eingeblendet: Ihr müsst euch nun den Weg merken, ohne dabei ins Nichts zu stürzen. Bei der „Kugel-Karambolage“ geht es ähnlich spannend zur Sache: Mit dem Touchscreen streicht ihr einen Ball, auf dem euer Maskottchen balanciert, durch einen Hindernisparcours. Die Streichrichtung gibt auch den Winkel an, in dem die Kugel rollt. Absolute Spaßblocker sind etwa die „Plüschfiguren-Panik“, bei der der nahezu chancenlose Einzelspieler mit einem sich träge bewegenden Greifhaken die drei Gegenspiele zu fassen versucht, die sich in Kugeln behände im Kreis bewegen. Ähnlich stupide fällt ein Kart-Rennspiel aus, bei dem zwei Teamkollegen jeweils einen Reifen mit Kreisbewegungen des Touchpen antreiben und so das Fahrzeug lenken. Auch die Glücksspiele bleiben Geschmackssache und sind häufig dann ärgerlich, wenn wirklich viel auf dem Spiel steht und man sein Schicksal nicht wirklich beeinflussen kann. Bei zahlreichen Minispielen büßt Mario Party DS Potenzial ein: Neben einigen sehr gelungenen und ebenso vielen grottenschlechten Spielen bleibt einfach eine große Menge Durchschnittsware übrig.
Der wirklich großartige Mehrspieler-Modus entschädigt aber für so manchen Minispiel-Aussetzer und hievt Mario Party DS in die Sahneteilchen-Elite unter den Multiplayer-Titeln. Hut ab, Hudson Soft! Mit nur einer Cartridge können vier Spieler in vollem Umfang über das Download-Spiel an der Sternenfehde teilnehmen. Die Ladezeiten sind sehr erträglich und der Spielverlauf ist überdies viel flüssiger als in den Vorgängern, wenn computergesteuerte Gegner am Zug sind. Sie bewegen sich nicht nur viel schneller, auch ihre Einkäufe in den Läden oder Minispielen mit reiner CPU-Beteiligung werden glücklicherweise übersprungen. Fabelhaft! Schade ist nur, dass Hudson Soft keinen Online-Modus integriert hat. Sicher ist es besonders motivierend, wenn ihr euch als Gegenspieler vor Ort gegenüber sitzt, um den Ärger oder die Freude über gewonnene Spiele bei euren Freunden auszuleben. Gerade für Spieler ohne Freunde mit DS-Geräten wäre eine Online-Feier jedoch die Möglichkeit gewesen, Mario Party „at ist best“ zu erleben.
Keine Freunde – keine Party?
Klar: Ein Brettspiel macht freilich mehr Spaß, wenn sich andere menschliche Mitspieler einschalten. Die Entwickler waren aber redlich bemüht, auch Solisten bei der Stange zu halten. So viel Aufmerksamkeit ist dem Einzelspieler-Modus in keinem anderen Mario-Party-Spiel geschenkt worden. Zwar fesseln die belanglose Story und das Belohnungssystem mit Requisiten und Trophäen niemanden an den Schirm, dafür tauchen jetzt nach jeder gewonnenen Brettspiel-Session Endgegner auf, die es in ganz unterhaltsamen, über mehrere Runden andauernden Maxi-Spielen zu schlagen gilt. Der Kampf gegen Knochentrocken ist da ein Highlight: Ihr lauft auf einer Plattform frei herum, weicht seinen Angriffen aus und bearbeitet farbige Platten in einer bestimmten Reihenfolge mit Stampfattacken. Jedes Spielchen lässt sich im Minispiel-Modus separat anwählen und alleine oder mit mehreren zocken. Euch steht frei, ob ihr euch ein kleines Turnier selbst zusammenstellt oder auf vorgegebene Wettkämpfe einlasst. Für jedes gewonnene Minispiel steigt ihr im „Kletterkampf“ eine Stufe hinauf. Wer als erster oben angekommen ist, wird zum Sieger gekürt. Bei der „Raum-Randale“ geht es beispielsweise darum, Minispiele zu gewinnen, um Brückenteile zu erhalten und sich damit einen Weg zur rettenden Rakete zu bahnen. Für die Puzzler unter euch bietet das Spiel noch eine Reihe von Knobel-Klassikern aus der Mario-Party-Reihe, bei denen es sich meist um Tetris- oder Dr.-Mario-Klone handelt und die für das kurze Spiel zwischendurch unterhaltsam sind.
Angst vor der Revolution?
Viel Neues gibt es in Mario Party DS wirklich nicht zu entdecken. Bei der Musikunterhaltung wird wieder Altbekanntes geboten: Nette Mario-Melodien und Sprachfetzen passen gut zum kunterbunten Ambiente. Die Grafik ist für DS-Verhältnisse sehr ordentlich umgesetzt: Neben den hübschen Artworks ist auch die dreidimensionale Gestaltung der Spielbretter und -figuren positiv aufgefallen. Unterm Strich bleibt Mario Party DS ein guter Vertreter der Reihe, bei dem die schnellen Züge der Computer-Spieler, die stets eingeblendete Übersichtskarte und der Mehrspielermodus mit nur einem Modul erfreuliche (wenn auch nur Detail-) Verbesserungen gegenüber den meisten „Prequels“ darstellen. So langsam ist es an der Zeit, das Spielprinzip etwas aufzufrischen – und es muss ja nicht gleich eine Revolution sein…
Fazit
Mario Party DS ist ein guter DS-Ableger, der vor allem durch den Mehrspielermodus mit nur einer Cartridge und den flinken CPU-Mitstreitern punktet. Trotz einiger genialer Vertreter fallen die meisten Minispiele jedoch nur mittelmäßig aus. Zeit für eine Frischzellenkur!
- nur 1 Cartridge im Mehrspielermodus
- rasche CPU-Züge
- netter Abenteuer-Modus für Solisten
- 100 neue Minispiele,...
- ... von denen die meisten nur mittelmäßig sind
- nichts überraschend Neues
- wenige Charaktere zur Auswahl
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

