
PANGYA! Golf with Style
Zumindest verspricht PANGYA! Golf with Style schon im Titel, dass Stil hier großgeschrieben wird. Allerdings scheint "Stil" hier eher für "typisch japanische Kuriositäten" zu stehen - oder wurdet ihr schon einmal beim Golfspielen von einem Hybriden aus Papiertüte und Katze begleitet? Wie auch immer - hier könnt ihr nachlesen, wie sich der Titel schlägt: Seid ihr in der Welt von Pangya gut aufgehoben, oder solltet ihr doch besser bei Wii Sports bleiben?

Pangya! Golf with Style
WII
- Genre
- Sportspiele
- Entwickler
- Tecmo
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- WII
- Spieler
- 1–4 lokal
Ich bin in puncto abenteuerliche – im Sinne eines Euphemismus für „bescheuerte“ - Videospiel-Hintergrundstorys ja schon einiges gewohnt: Der absolute Spitzenreiter war hier bisher wohl Mario Party 6 – in jenem Titel streiten doch tatsächlich Sonne und Mond miteinander, wer von beiden die besseren Partys veranstalten kann. PANGYA! Golf with Style schlägt in dieser Hinsicht jedoch dem Fass dem Boden aus – dieses Golfspielchen wurde doch tatsächlich mit einer „epischen“ Geschichte ausgestattet: Vor langer, langer Zeit wurde die Insel Pangya von einer bösen Macht bedroht, welche sich mittels eines Kraftfeldes doch tatsächlich erdreistete, die Energie der Natur von dem friedvollen Eiland abzusaugen – ts, ts, ts. In solchen Situationen sind aber natürlich immer gleich ein paar Weise, Zauberer oder sonstige Taschenspieler zur Hand, für die es kein Problem ist, während der Mittagspause mal rasch sämtliche präsenten dunklen Kräfte zu bannen. Diesmal allerdings nicht in Form eines Bannsiegels oder dergleichen; vielmehr wurde eine Kristallkugel aus purer Energie geschaffen. Was aber tun damit? Nun, da augenscheinlich alle Bösewichter immer eine Hintertür einbauen, die zu ihrer eigenen Niederlage führen können (siehe Bowser und sein architektonisches Meisterwerk aus Holz über brodelnder Lava, ausgestattet mit einer formschönen Axt), bauten jene dunklen Mächte nach dem „attack its weakpoint for massive damage“-Prinzip in das Kraftfeld ein Loch ein – sollte rein zufälligerweise eine magische Kristallkugel des Weges kommen und hineinrollen, so wird das Kraftfeld unverzüglich atomisiert. Beim Lesen des Booklets kam mir ungefähr an diesem Punkt der Gedanke „Nicht wirklich, oder?“ - und ihr wisst sicher auch, was jetzt kommt: Da man jene Kugel um der Story Willen nicht mit bloßen Händen anfassen kann, wurde rasch ein „magischer Stock“ (= Golfschläger) geschaffen, welcher diesen Ball in besagtes Loch manövrieren soll. Natürlich gelingt dieses Vorhaben, das Kraftfeld gibt den Löffel ab und ein Spiel wird ins Leben gerufen, welches an diesen historischen Moment erinnern soll. Überraschung: Jenes Spiel ist natürlich das Golfturnier PANGYA! Golf with Style.
Stilvoll?
Jetzt aber genug der Quälerei; bei einem Golfspiel geht es nun mal primär um, nun ja, das Golfen. Bevor wir das tun dürfen, müssen wir uns allerdings zunächst für unser Anime-Alter Ego entscheiden (Junge oder Mädchen) und einen Namen eingeben, dann geht’s los: Wahlweise in einer Art Story-Modus (inklusive kleinen Zwischensequenzen, in denen sich die Kontrahenten ein kurzes Wortgefecht liefern – wenig spektakulär) gegen einen stets wechselnden CPU-Gegner oder in einem klassischen 18 Loch-Golfturnier (entweder werden die erzielten Punkte oder die gewonnenen Löcher gezählt; der Spieler tritt gegen mehrere Gegner an, die aber nur in Form einer Rangliste in Erscheinung treten) darf auf den kleinen weißen Ball eingedroschen werden. Zuerst sind übrigens nur drei Kurse mit jeweils 18 Löchern anwählbar, diese Zahl erhöht sich jedoch mit der Zeit immer mehr auf einen reichhaltigen Fundus, welcher etwa die sechs Szenarien von Mario Golf Toadstool Tour locker überflügelt. In puncto Umfang liegen also selbstverständlich Welten zwischen dem Wii Sport Golf und PANGYA!, aber wie sieht es spielerisch aus? Nun, vieles funktioniert ähnlich: Die Standardansicht ist natürlich wieder die Seitenansicht unseres Golfers mit Blick auf den Kurs, inklusive einiger Angaben wie Windstärke und Punktezahl. Wer zweimal den 1-Button drückt, darf sich den aktuellen Kurs aus der Vogelperspektive ansehen und hier auch per Pointer-Funktion der Wiimote den Zielpunkt des nächsten Schlages anwählen; ein weiterer Druck auf „1“ zeigt die aktuelle Position des Balles an. Natürlich kann man dies aber auch klassisch regeln – mit oben und unten auf dem Steuerkreuz wird durch die verschiedenen Schläger gescrollt, während links und rechts den Golfer eben nach links und rechts dreht und damit die Flugrichtung der kleinen weißen Kugel ändert. Klar, was zu tun ist: Auf Wind sowie Bodenunebenheiten achten und den Ball mit so wenig Schlägen wie möglich ins Loch mavörieren. Aber wie funktioniert das nun genau?
Abschlag!
Unschwer zu erraten ist, dass der Schwung mittels Bewegungssteuerung der Wiimote ausgeführt wird – wer die Fernbedienung nach rechts (beziehungsweise nach links als Linkshänder) schwingt, füllt die Leiste am unteren Bildschirmrand – je voller sie ist, desto stärker fällt der Schlag aus. Dann muss mit gedrücktem A-Knopf möglichst schnell wieder nach links geschwungen werden (wer dasselbe mit B tut, führt einen Übungsschlag ohne Folgen aus) – macht man das gut, so fliegt der Ball auch wirklich in die vorgesehene Richtung; andernfalls kann es sein, dass er irgendwo im Out landet. Wer einen perfekten Schlag erzielt, darf sich ein etwas genuscheltes „PANGYA!“-Sprachsample anhören; danach füllt sich die Pangya-Leiste ein wenig auf – nun können, solange diese Anzeige nicht vollkommen leer ist, auch Power-Schläge ausgeführt werden (serienmäßig wird hier die Kraft um 10% erhöht, optional können auch Gimmicks zugeschaltet werden, die z.B. den Ball nach Bodenkontakt nicht mehr rollen lassen). Nun, so nett sich das Ganze auch liest – die Frage ist natürlich allem voran, wie gut es funktioniert. Und hier muss ich ehrlich sagen, dass mir der Einstieg hier deutlich weniger leicht fiel als etwa bei Wii Sports – ständig schlug ich den Ball irgendwohin ins Out und der scheinbar kerzengerade Schlag entpuppte sich am Bildschirm als mittlere Katastrophe mit extremen Linksdrall. Ab und zu gelang dann doch ein passabler Schwung, aber gezielt wusste ich ihn nicht herbeizuführen. Klar, dass auch die Neigung der Wiimote beim Hin- und Herschwingen Einfluss auf den endgültigen Schlag hat, aber mir war es unbegreiflich, wie die Schläge so extrem verzogen werden konnten und ich war schon kurz davor, die Steuerung als übermäßig sensibel einzustufen – doch dann kam das Aha-Erlebnis: Bis zu diesem Zeitpunkt stand ich beim Schwung, wie ich es von Wii Sports gewohnt war, im rechten Winkel zum Fernseher (eben so wie mein Charakter im Spiel) und holte aus, indem ich die Fernbedienung vom TV weg bewegte. Dann kam mir der Gedanke „vielleicht geht es ja besser, wenn ich mich parallel zum Bildschirm stelle, nach rechts aushole und nach links schlage“, und tat es, ohne wirklich daran zu glauben – PANGYA! Bitte? PANGYA! Und nochmal PANGYA! Mir, der ich gerade noch einfach nur grottenschlecht spielte, gelangen plötzlich kerzengerade Schläge, und die Steuerung offenbarte sich als wirklich gar nicht übel. Meine „Warnung“ an alle also: Stellt euch parallel zum TV, dann geht es deutlich besser. Woran das denn nun liegt – ob ich beim Versuch, aus jener Position die Anzeigen am Screen gut erkennen zu können, wirklich unwissentlich einen schiefen Schwung ausführte oder ob der Schlag bei dieser Methode aus welchem Grund auch immer schlechter erkannt wird – weiß ich nicht; ich rate aber definitiv von erstgenannter Methode ab, welche den Spielablauf einfach unnötig erschwert. Trotzdem: Einsteigerfreundlich ist was Anderes, auch bei der Nutzung letzterer Variante; während man in das Wii Sports Golf sehr rasch reinkommt, ist bei PANGYA! doch zunächst einige Einarbeitungszeit notwendig, um das System dann wirklich zu beherrschen. Löblich übrigens: Optional kann auch eine klassische Buttons-only-Steuerung gewählt werden – einmal B drücken, um die Kraft-Leiste aufzubauen, mit einem weiteren Druck auf die Taste nach links wandern lassen und wieder mittels B die Richtung festlegen – die Methode, mit welcher z.B. auch Mario Golf gesteuert wurde. Klappt gut und ist deutlich weniger gewöhnungsbedürftig als die andere Art – nur will man die „Real Life“-Steuerung schon bald nicht mehr missen, da sie einfach spaßiger ist.
Man sieht sich am Grün!
Natürlich wurden auch Multiplayer-Features (für bis zu vier Spieler) eingebaut – die beiden Modi „Wer mehr Punkte macht, gewinnt“ und „Wer mehr Löcher besser absolviert als der Mitspieler, gewinnt“ (letzteres aus unerfindlichem Grund nur für zwei Spieler) wurden aus dem Singleplayer übernommen; neu hinzu kommt der „Ballonplatzer“ (gut mitgedacht, hier gewinnt tatsächlich derjenige, welcher die meisten Ballons – welche übrigens mit seltsamen Hamstergesichtern versehen wurden – mit dem fliegenden Ball zerplatzt; Spezial-Items wie ein Stift, der das Display des Gegners vollkritzelt, bringen zusätzliche Würze ins Spiel). Alle drei Varianten machen eine ganze Menge Spaß; unverständlich ist nur, warum zwar je nach Modus bereits drei bis vier Kurse anwählbar sind, von den insgesamt acht Figuren zunächst allerdings nur eine einzige – eine Vier-Spieler-Partie mit (gezwungenermaßen) vier identischen Charakteren wirkt schon ziemlich, nun ja, merkwürdig. Außerdem ist es wie gesagt sehr unverständlich, warum im „Zählspiel“ nur zwei Spieler antreten können – die Anzahl der von drei oder vier Spielern spielbaren Modi reduziert sich somit auf schlappe (und unterhaltsame, aber einander sehr ähnliche) zwei.
Die technische Seite
Zu Grafik und Sound gibt es hingegen wenig zu sagen – Figuren wie Kulissen sind knallig bunt und ganz nett anzusehen, aber Zooms offenbaren des Öfteren äußerst schwache Texturen. Die Musik hingegen fällt mal wieder unter die Kategorie „angenehm, aber unspektakulär“ - kurz gesagt, fröhliches Gedudel, das nicht nervt, aber auch keinen Ohrwurm-Charakter besitzt; und Sprachausgabe ist hier ungefähr genauso selten wie dreiköpfige Affen außerhalb von Monkey Island. Was allerdings extrem nervt, sind die – besonders in den Menüs – immer wiederkehrenden, langen Ladezeiten; das sollte am Wii – und in Anbetracht der wirklich nicht sonderlich aufwändigen Grafik – eigentlich wirklich besser gehen.
Kurz: Macht Spaß!
Wir haben hier also ein wirklich nettes Golfspiel vor uns, das zwar nicht unbedingt brilliant daherkommt – zu einem Bronze-Award reicht es da nicht ganz – aber einfach gut unterhält. Der Multiplayer gefällt da noch etwas besser und schafft es tatsächlich knapp in den 8er-Bereich, da der Spaß mit mehreren Mitspielern einfach steigt – „knapp“ aufgrund der in diesem Bereich sehr dünnen Modi-Vielfalt. Das Gameplay kommt unkompliziert, aber nicht oberflächlich daher, aufgelockert durch Power-Schüsse und – im Ballon-Modus – Spezial-Items. Ach ja, ein Feature habe ich noch nicht erwähnt (wäre eigentlich auch völlig irrelavant, da es überhaupt keinen spielerischen Nutzen mit sich bringt): Nach und nach werden auch die acht Caddies (im Gegensatz zu den Golfern selbst ist hier knapp die Hälfte nicht menschlich) freigeschaltet, welche beim Abschlag immer zu sehen sind und dann dem Ball hinterherfliegen – mein absoluter Favorit dabei ist Papel, die extrem niedliche Kreuzung aus einer Papiertüte und einer Katze. Und weil es ebenso witzig anzusehen wie sinnlos ist, wenn das Tierchen am Fairway herumsteht und hin und her wackelt, nenne ich es einfach mal abseits jedweden seriösen Journalismus als expliziten Pluspunkt. Blödsinn? Ich weiß. Aber ich mag Katzen. Auch solche aus Papier.
Fazit
Um die Seriosität dieses Artikels wiederherzustellen: Wer bei Wii Sports auf den Geschmack gekommen ist und gerne einmal ein ausgewachsenes Golfspiel für die schlanke weiße Konsole spielen möchte, darf sich PANGYA! gerne mal ansehen – die Steuerung ist hier zwar nicht ganz so intuitiv wie bei erstgenanntem Titel geworden und erfordert etwas Eingewöhnungszeit, aber gefällt dennoch. Ein guter Fun-Golf-Titel, wenn auch kein Mega-Hit.
- die süße Papiertüten-Katze
- ein ganzer Sack voll Kursen
- spaßiger Multiplayer
- grundsätzlich gute Steuerung...
- ...wenn man erstmal den Bogen raus hat
- wenig Variantenreichtum im Multiplayer
- nur 8 Spieler, davon 7 (!) erst freizuspielen
- nervige Ladezeiten
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


