
Diddy Kong Racing DS
Wir schreiben das Jahr 1997: Während sich Mario Kart 64 erfolgreich etabliert hatte, spaltete ein kleiner Affe mit mehr Abwechslung im Spiel die damaligen Nintendo-Fans. Rund zehn Jahre später, zu Zeiten der Virtual Console, entschied man sich, Diddy Kong Racing von Grund auf neu zu programmieren und für den DS zu veröffentlichen. Doch kann unser kleiner Primaten-Freund noch heute überzeugen?
Die Affen rasen durch den Wald
Nach dem Einlegen des Spiels und einem kleinen Intro habt ihr die Wahl zwischen drei Spielständen. Wahlweise nutzt ihr den Stylus um euren Spielstand bzw. Menüpunkte auszusuchen. Oder ihr wählt alles klassisch per Steuerkreuz und A-Button aus. Im folgenden Menübildschirm stehen euch der Einzel- bzw. Mehrspielermodus und die Optionen zur Verfügung. In diesen könnt ihr eure Speicherstände verwalten, CPU-Gegner und Waffen im Multiplayermodus ausschalten, die Sprache wechseln, Musik und Soundeffekt in ihrer Lautstärke regeln und die Y-Achse für euer Gefährt umkehren.
Im Einzelspielermodus stehen euch am Anfang nur zwei von vier Auswahlmöglichkeiten bereit. Eine der Möglichkeiten ist das Einzelrennen. Nach der Auswahl habt ihr wieder nur eine begrenzte Auswahl, da ihr die anderen Modi erst im Abenteuermodus freispielen müsst. Nun könnt ihr euren Charakter aussuchen. Davon stehen euch acht sofort zur Verfügung. Vier weitere Rennfahrer sind noch geheim. Jeder Charakter unterscheidet sich in drei Attributen: Spitzentempo, Beschleunigung und Lenkverhalten. Anfänger sollten einen ausgewogenen Charakter wie Diddy Kong wählen. Wenn ihr euch auch endlich für einen der Kurse entschieden habt, habt ihr nun die Möglichkeit, je nach Strecke, euer Fahrzeug auszusuchen. Zum einen gibt es das normale Kart, welches sich aber klobiger steuert als beim Genre-König Mario Kart, da das Sliden durch einen fehlenden Sprung sich nur minimal auf ein besseres Lenkverhalten in der Kurve auswirkt. Auch der bekannte Turbo-Boost beim Sliden fehlt. Als zweite Möglichkeit habt ihr ein Hovercraft, das durch eine unkontrollierbare Lenkung eher negativ auffällt. Das letzte Vehikel im Bunde ist das Flugzeug. Dieses ist eine echte Abwechslung zu den beiden anderen und lässt sich auch leichter und eleganter steuern.
Auf dem Touchscreen seht ihr auch die bisherigen aufgestellten Rekorde. Berührt ihr linksoben T.T., die Uhr, aktiviert ihr das Zeitrennen. Beim normalen Rennen fahrt ihr gegen sieben Mitstreiter.
Bevor ein Rennen startet, könnt ihr mit Hilfe des Touchscreens einen Turbostart hinlegen. Dabei kommt es auf euer Gefährt an: Beim Kart müsst ihr schnell an einem Rad drehen, beim Flugzeug einen Propeller aufziehen und beim Luftkissenboot ordentlich ins Mikrofon pusten. Hierbei gestaltet sich der schnelle Wechsel zwischen Touchscreen und normaler Steuerung als Übungssache. Besonders Personen, die den Finger ungern auf dem Touchscreen nutzen, haben hier ein Nachsehen.
Die Steuerung während des Rennens ist gut umgesetzt. Mit dem A-Button gebt ihr Gas, mit B wird gebremst bzw. rückwärts gefahren und mit R legt ihr euch in die Kurve. Mit L nutzt ihr ein aufgesammeltes Item oder werft es mit Y wieder weg. Mit X könnt ihr ein aufgesammeltes Power-Up nutzen, um so eure Waffe noch stärker zu machen. Ihr könnt sie aber auch durch aufsammeln von drei gleichen Luftballons aufpeppen. Wenn ihr zum Beispiel einen roten Luftballon einsammelt, habt ihr eine Rakete. Bei einem zweiten roten Luftballon wird euer Arsenal auf fünf Raketen aufgestockt. Beim dritten roten Luftballon habt ihr eine Rakete, die den Fahrer auf dem ersten Platz jagt. Der blaue Panzer aus Mario Kart lässt grüßen.Weitere Items sind z.B. Beschleunigung, Öllache, Schild oder Magnet. Sollte jemand eurer Waffe zum Opfer fallen, so wird dies auf dem Topscreen angezeigt, indem sein Abbild erscheint. Auch wenn ein Kontrahent versucht euch zu überholen wird dies angezeigt. Sollte euch die herangezoomte Streckenansicht auf dem Touchscreen nicht genügen, braucht ihr nur diesen zu berühren und schon seht ihr die ganze Strecke und die gegenwärtige Rangliste der Fahrer.
Ein affiges Abenteuer
Die Geschichte des Abenteuermodus ist schnell erzählt: Wizpig, ein überdimensionales Zaubererschwein, überfällt die friedliche Insel auf der Timber und seine Freunde leben. Um Wizpig besiegen zu können, bittet Timber Diddy Kong um Hilfe. Dieser macht sich mit Dixie und Tiny Kong sofort auf den Weg. In dieser eher flachen Story bemerken Veteranen des N64-Originals die erste Veränderung, da Tiny und Dixie Kong damals noch keinen Auftritt hatten. Die beiden Primaten-Damen fungieren nämlich als Platzhalter für Banjo und Conker.
Nach der Einleitungssequenz begrüßt euch Taj, ein blauer Elefant auf einem fliegenden Teppich, der euch in sein Zelt zaubert. In diesem Zelt befindet sich eine große Wunderlampe, die ihr mit Hilfe des Stylus antippt, um dann an ihr zu reiben. Nun habt ihr die Möglichkeit euren Spielstand zu personalisieren, indem ihr euren Namen eintippt, euch ein Symbol aussucht oder nach belieben ein eigenes erstellt. Nach diesen kleinen Strapazen fordert euch Taj in einem kleinen Rennen über die Oberwelt heraus, um einerseits sich einen Überblick zu verschaffen von der Oberwelt und andererseits beim erfolgreichen Sieg euren ersten goldenen Luftballon zu erhalten. Diese goldenen Luftballons sind auch bitternötig, da man für die unterschiedlichen Welten bzw. Strecken eine bestimmte Anzahl an Ballons braucht. Im weiteren Verlauf fordert euch Taj noch öfters auf eine Taj-Challenge heraus. Die vier Welten unterscheiden sich in ihrer Thematik: So gibt es eine prähistorische Dinowelt, sonnige Strände, eine frostige und eine mittelalterlich ausgestaltete Welt. Hinzu kommt noch eine geheime Welt zum Freischalten. Alle Welten sind gleich aufgebaut. Nach erstmaligen Absolvieren der vier Strecken tretet ihr gegen den Endgegner dieser Welt an. Habt ihr ihn erfolgreich besiegt, müsst ihr alle vier Strecken noch einmal befahren in der so genannten Ballon-Touch-Challenge. In dieser Challenge fliegt ihr mit einem Teppich auf einer vordefinierten Bahn über die Strecke. Ziel bei dieser Challenge ist es, mit Hilfe des Stylus so viele Luftballons wie möglich zum Zerplatzen zu bringen und nebenbei blaue Münzen einzusammeln. Eine nette Idee, die jedoch in der Umsetzung aufgesetzt und überflüssig wirkt, da man das Gefühl nicht los wird, dass die Entwickler auf Teufel komm raus den Touchscreen einsetzen mussten.
Neben dem normalen Rennen und der Ballon-Touch-Challenge in jeder Welt müsst ihr auch eure Augen aufhalten, denn auf einer Strecke ist ein Schlüssel versteckt. Dieser Schlüssel dient dazu T.T. zu befreien, der euch auch auf ein Rennen herausfordert. Mit Hilfe des Stylus kritzelt ihr eine Strecke vor, um diese dann zu befahren. Jedoch werden diese Strecken trostlos und detailarm dargestellt. - Aber besser als gar kein Levelstrecken-Editor.
Eine weitere Herausforderung, die auf euch in jeder Welt wartet, ist das Trophy-Rennen, in der ihr alle Strecken einer Welt in einem Grand Prix fahrt. Des Weiteren gibt es nach zweimaligem Besiegen des Endgegners die Möglichkeit diesen bei der Endgegner-Touch-Challenge zu besiegen. Hierbei zeichnet ihr mit dem Stylus den Weg vor, den euer Charakter entlang fahren soll. In der Theorie klingt dies sehr einfach. Jedoch ist es in der Praxis einfach nur nervtötend und demotivierend.
Pimp My Vehicle
Bei Taj, den ihr auf dem Touchscreen berühren müsst, damit dieser euch wahrnimmt, stehen euch mehrere Optionen zur Verfügung. Eine Option ist das wechseln eures Untersatzes, damit ihr auch die kleinsten Winkel auf der Oberwelt erkunden könnt. Eine weitere Option sind die Taj-Challenges. Hier wird euch die Möglichkeit geboten gewonnene Taj-Challenges noch einmal zu wiederholen. Noch mehr Optionsmöglichkeiten findet ihr im Wunschmenü, welches auch optional im Zelt an der großen Wunderlampe aufgerufen werden kann. Neben der Möglichkeit euren Charakter zu wechseln und euer Spiel zu personalisieren, habt ihr nun auch die Möglichkeit euer Gefährt aufzumotzen. Während des Rennens könnt ihr blaue Rare-Münzen einsammeln, die ihr gegen neues Zubehör eintauschen könnt. Dadurch könnt ihr Lenkverhalten, Spitzentempo oder auch die Beschleunigung positiv beeinflussen. Dies ist auch im späteren Verlauf notwendig, um eine Chance zu haben. Zwar vereinfachen die Tuningsmöglichkeiten das Spiel, verhindern aber auch ungewollte Frustmomente. Auch bei der Lackierung könnt ihr die Farbe nach Wünschen ändern. An drei Reglern für die Farben rot, grün und blau mischt ihr euch eure Lieblingsfarbe zusammen.
Wenn eure Münzen dafür zu kostbar sind, könnt ihr sie auch unter Freischaltbares z.B. in neue Strecken oder Editoren eintauschen. Diese Liste fungiert aber auch als Hilfe um euch aufzuzeigen, welche Charakter, Welten etc. man noch freispielen kann.
Entdecke die Möglichkeiten
Die Oberwelt des Abenteuermodus ist abwechslungsreich gestaltet. Im Zentrum der Oberwelt steht Tajs Zelt, um das Taj selbst herumläuft. Gegenüber erblickt ihr das Gesicht von Wizpig aus Stein. Kleine Details wie springende Frösche oder Regenbögen lassen die Welt lebendiger wirken. Wenn ihr die Insel erkundet, bemerkt ihr die vier unterschiedlichen Bereiche, wie Schnee oder Strand, die die individuellen Welten widerspiegeln. Erfolgreiche Entdecker finden sogar kleine Rätsel, die die Touchsteuerung ausnutzen. So könnt ihr z.B. Extra-Luftballons oder so genannte Discover Cards finden. Bei diesen Karten handelt es sich um Rubbelkarten, bei der ihr mit dem Stylus eine von drei Flächen aufrubbelt. Damit das Mikrofon des DS nicht zu kurz kommt, dürft ihr die weggerubbelten Reste im wahrsten Sinne des Wortes wegpusten.
Ein Druck auf den Start-Button und ihr könnt eure bisher gewonnen Luftballons, Pokale, Amulettteile usw. auf dem Topscreen einsehen. Des Weiteren bietet euch der Menüpunkt Statistik ein Portfolio an Informationen wie bisherige Spieldauer, Zeit in den einzelnen Fahrzeugen oder die Anzahl an gewonnen bzw. verlorenen Rennen.
Wettstreit gegen andere Affen
Der größte Reiz, der einen Fun-Racer ausmacht, ist der Mehrspielermodus. Bei Diddy Kong Racing DS hab ihr die Wahl zwischen einem Multi-Karten-Spiel, einem Einzelkarten-Spiel oder der altbekannten Wi-Fi-Connection. Bei der Online-Variante werdet ihr wieder um einen Freundescode bereichert. Ihr könnt Freunde einladen, bei Freunden beitreten oder sehen, ob Freunde aus der Freundesliste online sind. Aber auch ein zufälliges Spiel ist möglich. Dabei legt ihr eure Wünsche fest, wie viele Spieler mitspielen sollen und welchen Modus ihr gerne hättet. Des Weiteren könnt ihr wählen zwischen Einzelrennen, Trophy-Rennen und Kampfkurs. Letzteres ist allen Mario Kart-Spielern bekannt: Jeder erhält vier Luftballons, die als Leben dienen. Nun muss man mit Hilfe der Items die Gegner abschießen. Leider kommt es in Sachen Spaßfaktor nicht an Mario Kart heran. Auch hat sich in der Praxis herausgestellt, dass es sehr lange dauert, bis endlich ein Gegner beim Zufallsspiel gefunden wurde. Spielt lieber online gegen eure Freunde, denn dies geht eindeutig schneller. Oder ihr spielt offline mit einer Cartridge oder mit mehreren Cartridges gegen eure Freunde, denn auch hier stehen euch die gleichen Modi zur Auswahl. Zwei weitere Auswahlmöglichkeiten sowie neue Strecken müssen erst im Abenteuermodus erspielt werden.
Alles Banane…?
Grafisch reizt Diddy Kong Racing DS den Dual Screen nicht aus. Alles wirkt bunt und farbenfroh, aber auch ab und an detailarm. Besonders das Streckendesign ist oft eher Durchschnitt, auch wenn bewegliche Objekte wie Dinos, Wasserfälle oder ein Wal euch die den Sieg auf der Strecke vermiesen wollen. Überraschend beim Sound sind die Sprachsamples, die beim Betreten einer Welt kommen oder bei der Auswahl eines Charakters. Aber leider wirken die Melodiestücke ab und an im Spiel selbst eher monoton. Ein paar Ohrwürmer hätten nicht geschadet. Die Spieldauer für das erste Mal durchspielen kann man bei knapp 6 Stunden ansetzen. Da man aber nach erfolgreichem Durchspielen den Abenteuermodus 2 erhält und somit alles schwerer wird, wird auch der Spielspaß weiter gefördert. Auch die anderen Geheimnisse wollen entdeckt werden, sodass man im Abenteuermodus schon auf gute 15 Stunden Spielzeit kommen kann.
Fazit
Fans der Original-Version dürfte dieses Remake eher enttäuschen. Die Entwickler haben anscheinend versucht, um jeden Preis den Touchscreen zu nutzen und sind am erfolgreichen Ziel der sinnvollen Nutzung leider vorbeigeschliddert. Trotzdem bietet Diddy Kong Racing DS einen nicht zu verachtenden Spaßfaktor. Liebhaber von Fun-Racern können ruhig einen Blick riskieren - oder sich wahlweise weiterhin mit Mario Kart DS begnügen.
- an den DS angepasst
- kleine Neuerungen gegenüber dem Original
- Online-Modus
- Streckeneditor
- Ballon-Touch-Challenge fehl am Platz
- Story eher überflüssig
- Streckendesign nicht abwechslungsreich
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.



