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Tony Hawk`s Downhill Jam

Tony Hawk`s Downhill Jam

S.T.E.G.I.

Die Tony Hawk`s-Reihe hat sich seit ihrem Debüt im Jahre 1999 einen Fixplatz im jährlichen Weihnachts-Portfolio von Activision erkämpft. Entwickler Neversoft hat es mit diesem Extremsport-Spektakel geschafft, den Fans bei jeder neuen Runde genügend Gameplay-Evolution zu bieten, um sie über die Jahre bei der Stange zu halten - mich persönlich inklusive. Bei Teil 7, "Tony Hawk`s American Wasteland", wurde allerdings deutlich, dass der Serie schön langsam die Luft ausgeht und das tiefgreifendere Neuerungen notwendig sind, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. Das wird wohl auch Publisher Activision eingesehen haben, denn für ihren achten Jahrgang wurde die Serie in zwei Reihen aufgesplittet. Während XBOX360- und PS3-Besitzer von Original-Entwickler Neversoft mit "Tony Hawk`s Project 8" ein klassisches Tricksport-Spiel mit innovativem "Nail the Trick"-Feature aufgetischt bekamen, ging die von Toys for Bob entwickelte Wii-Version in eine völlig neue Richtung. In "Tony Hawk`s Downhill Jam" stehen nämlich action-geladene Wettrennen im Mittelpunkt, während die präzise Trickausführung in den Hintergrund rückt. Ob dieser Richtungswechsel gelungen, soll folgender Test klären.

Keep rollin`, rollin`, rollin`...

Dass dieses Game auf schnellen, unkomplizierten Spaß aus ist, merkt man sofort. Nach dem rockigen Intro und der Auswahl, ob man ein neues Spiel starten oder einen bestehenden Spielstand laden will, kommt man ins übersichtlich aufgeräumte Hauptmenü. Neben den gewohnten Optionen und der Hilfe-Rubirk, in der ihr Tipps zum Spiel und ein Tutorial findet, habt ihr die Wahl zwischen dem Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler und dem Herzstück des Spiels, der Downhill-Herausforderung. Somit steht einem schnellen Einstieg ins Spiel nichts im Wege. Der ebenfalls vorhandene Spielfiguren-Editor ist über den Charakterauswahl-Bildschirm zugänglich.

Wie bei anderen Wii-Rennspielen auch, wird Tony Hawk`s Downhill Jam gesteuert, in dem ihr die Fernbedienung quer mit beiden Händen haltet. Der Nunchuck wird für dieses Game nicht benötigt. Dabei lenkt ihr euren Skater ganz intuitiv, indem ihr die Wii-Mote nach links bzw. nach rechts neigt. Der Neigungssensor wurde hier recht sensibel abgestimmt, was bedeutet, dass ihr feinfühlig mit euren Lenkbewegungen arbeiten müsst, um euren Skater elegant um die Kurven gleiten zu lassen. Allerdings werden auch Grobmotoriker wie ich in kürzester Zeit mit der Lenkung zu Recht kommen. Das restliche Bewegungsrepertoire wird hauptsächlich mit den Tasten 1 und 2, sowie mit dem Steuerkreuz ausgeführt. Bei gedrückter 1-Taste geht euer Skater in die Knie, was eure Geschwindigkeit erhört. Lasst ihr den Knopf los, macht euer Skater einen Ollie. Zum Grinden benutzt ihr den 2-Button. Die Balance auf der Rail wird dabei naheliegender weise durch Kippen der Wii-Mote gehalten. Seid ihr in der Luft, könnt ihr mit dem 2-Knopf und den Richtungstasten am Steuerkreuz verschiedene Grab-Tricks machen, benutzt ihr statt dem 2-Button die Taste 1, vollführt euer Skater einen Flip-Trick. Zudem könnt ihr noch Wallrides, Sticker Slpas und Powerslides ausführen. Auch könnt ihr vorbei fahrenden Konkurrenten einen Schlag mit auf den Weg geben, der sie zum Sturz bringen kann. Seid ihr selbst mal am Boden, könnt ihr durch Schütteln der Fernbedienung schneller wieder zurück aufs Board kommen. Durch bestandene Tricks wird euer "Zone-Bone", eine Totenkopf-Anzeige am rechten Bildschirmrand, gefüllt. Hat der Schädel einen Flammenkranz, könnt ihr einen Tempoboost einsetzten, in dem ihr die Wii-Mote schnell nach vorne bewegt. Zudem füllt sich bei bestandenen Tricks auch noch eure Spezialanzeige. Habt ihr genügend Tricks gelandet, fängt das Wort "Spezial" an zu blinken und ihr könnt mit Hilfe des A-Buttons Spezialtricks ausführen. Damit hätten wir alle möglichen Trickarten angesprochen. "Tony Hawk`s"-Experten werden sofort bemerken, dass die Trickmöglichkeiten im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduziert wurden. Wichtige Moves wie Manuals, Caveman oder Flatland-Tricks fehlen völlig. Das kann man als Nachteil ansehen, allerdings muss man bedenken, dass diese Art von Tricks wohl nicht zur Highspeed-Action von Downhill Jam gepasst hätte. Ich finde, den Entwicklern ist es gelungen, die wichtigsten Moves der Tony Hawk`s-Reihe überzeugend an die innovativen Möglichkeiten des Wii-Controllers anzupassen. Experten der Serie werden sich mit der neuen Steuerung schnell zu recht finden, aber auch komplette Neulinge schaffen hier leicht den Einstieg, was in den Vorgängern wegen dem komplexen Handling nicht so leicht möglich war.

Abgedrehte Freaks in den Straßen von San Francisco

Fans der Skateboard-Szene werden vielleicht ein wenig enttäuscht sein, dass sich bei Downhill Jam bis auf Titelgeber Tony Hawk nur Fantasie-Charaktere in der Skaterliste befinden. Und selbst Tonys Charaktermodell wurde dem leicht comic-haften Stil des Games angepasst. Aber auch diese Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar. Die abgedrehten Persönlichkeiten der Skater passen einfach perfekt ins Konzept dieses Titels. Da wären der von sich selbst überzeugte Ammon, die sarkastische Gothic-Braut Jynx, der muskelbepackte Möchtegern-Hip-Hopper Gunnar oder das eingebildete Society-Girlie Tiffany, um nur einige der insgesamt elf verfügbaren Skater zu nennen. Vor jedem Rennen läuft übrigens immer ein kleines Interview mit einem der Skater, in denen wir einige Details aus dem Leben der fiktiven Personen und deren Beziehung untereinander erfahren. Man kann diese Filmchen zwar auch überspringen, allerdings würde ich empfehlen, zumindest hin und wieder einige der witzigen Kommentare anzuhören, da sie auch etwas zum Flair dieses Spiels beitragen.

Wenn man zum ersten Mal in den Hauptmodus des Spiels einsteigt, und seinen bevorzugten Skater ausgewählt hat, muss man eines aus vier Events auswählen. Ja, die Zeiten der frei erforschbaren Areale sind vorbei, bei Downhill Jam geht es geradliniger zu. In den Events geht es immer darum, von einem Startpunkt aus so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Damit keine Langeweile aufkommt, gibt es verschiedene Eventarten. Beim normalen Rennen geht es lediglich darum, vor euren drei Mitfahrern ins Ziel zu kommen, bei den Trick-Events müsst auf eurem Weg nach unten so viele Trickpunkte wie möglich sammeln, beim Slalom müsst ihr durch so viele Kreise wie möglich fahren, um euer immer kleiner werdendes Zeitkontingent wieder aufzufüllen und bei den Kampf-Events müsst ihr so viele Gegenstände und Personen, wie angezeigt, anrempeln. Die Events finden dabei in acht, sehr abwechslungsreichen Locations statt, welche sich von den geradlinigen Straßen von San Francisco über die mystischen Schluchten von Machu Pichu bis hin zu den verwinkelten Gassen von Rio erstrecken. Acht Welten mag auf den ersten Blick vielleicht wenig erscheinen, allerdings sind die Levels sehr groß und gespickt mit Abkürzungen. Zudem haben die unterschiedlichen Events auch verschiedene Anfangs- und Endpunkte, so dass jede der über 90 Missionen einzigartig bleibt. Die Events sind dabei in Baumstruktur angeordnet. Jeder bestandene Event schaltet wieder eine oder mehrere neue Herausforderungen frei. Jede Mission kann mit den Rängen Bronze, Silber und Gold abgeschlossen werden. Je höher der Rang, desto mehr Punkte bekommt ihr. Ab einer gewissen Punkteanzahl wird ein neuer Level mit neuen Events frei geschaltet. Nach und nach kommen auch immer mehr Locations dazu. Zudem werden die Herausforderungen natürlich im Spielverlauf immer kniffliger, dafür erhöht sich aber auch die Punkteanzahl, die ihr für einen gewissen Rang gutgeschrieben bekommt. Was die Motivation zudem hoch hält, ist die Tatsache, dass ihr für gutes Abschneiden bei den Events auch neue Skater, Outfits und vor allem auch neue Boards frei geschalten bekommt. Letztere haben sehr unterschiedliche Stat-Attribute. Dadurch kommt auch ein wenig Taktik ins Spiel. Bei geradlinigen Renn-Missionen solltet ihr ein Board mit hohem "Tempo"-Wert nehmen, bei Locations mit vielen Rails ein Board mit hohem "Balance"-Wert usw. Insgesamt gesehen bietet das Spiel genügend Herausforderung, um euch auch längere Zeit an den Bildschirm zu fesseln.

Und sollten ihr dann doch alle Events perfekt auf Gold geschafft haben, bleibt euch immer noch der Mehrspielermodus mit bis zu vier Spielern. Dabei habt ihr die Wahl zwischen den Modi "Schnelles Spiel", bei dem der Computer alle Einstellungen trifft, "Einzelevent", bei dem ihr ein bestimmtes Event auf einer bestimmten Strecke festlegt oder einer ganzen "Eventserie", in der ihr gegen eure Kumpels eine ganze Reihe an Missionen in unterschiedlichen Locations fahrt. Diese Modi bringen dem Spiel durchaus einen Mehrwert, zumal auch der Gamespeed nicht unter dem Splitscreen leidet. Schade ist nur, dass ihr hier keine zusätzlichen CPU-Gegner einstellen könnt. Zudem wird das Spielgeschehen auf dem geteilten Bildschirm leicht unübersichtlich. Ein Online-Modus wäre hier sehr wünschenswert gewesen, aber da kann man sich wohl weniger bei den Entwicklern beschweren als viel mehr bei Nintendo, die immer noch sehr zurückhaltend mit ihren Onlineplänen sind.

Mit High Speed um die ganze Welt

Die ersten Screenshots, die auf der letzten E3 von diesem Titel gezeigt wurden, ließen nichts Gutes von der Grafik erhoffen. Von Dreamcast-Niveau war da unter den Fans die Rede. Toys for Bob scheint aber dann doch noch die Kurve gekriegt zu haben, denn das fertige Spiel ist optisch durchaus akzeptabel. Zwar bewegt sich die Grafik immer noch lediglich auf gutem Gamecube-Niveau, vom in Gamerkreisen oft zitierten "Augenkrebs" sind wir aber weit entfernt. Das Spiel bietet satte Farben und einen flüssigen Bildaufbau, die größte Stärke liegt aber sicher beim angenehm hohen Gamespeed, der zusammen mit der stabilen Framerate das Spiel erst zu dem macht, was es sein will - ein pfeilschnelles Rennspektakel.
Auch an der Musik gibt es nichts zu meckern. Die rockigen Tracks sind wie gemacht für diese Art von Spiel. Die Sprachausgabe der Skater wurde ordentlich ins Deutsche übersetzt und bei den Soundeffekten ist alles dabei, was ein gutes Tony Hawk`s-Spiel ausmacht.

"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!" wird sich wohl Activision gedacht haben, als sie mit Tony Hawk`s Downhill Jam ein völlig anderes Skateboard-Spiel in Auftrag gegeben haben. Aus meiner Sicht ist die Rechnung aufgegangen. Man mag die fehlende Komplexität im Vergleich zu den Vorgängern bemängeln oder die nicht ganz Next-Gen würdige Grafik, aber wenn man sich auf das Spiel einlässt, bekommt man ein unterhaltsames Rennspiel auf vier Rollen, das nicht nur Tony Hawk`s-Cracks, sondern auch Genre-Neulingen viel Spielspaß bereiten wird.

8.5Wertung

Fazit

Mit Downhill Jam ist es den Entwicklern von Toys for Bob gelungen, die alt ehrwürdige Tony Hawk`s-Reihe in eine völlig neue Richtung zu lenken, welche viele spaßige Stunden garantiert. Das Spiel kann sowohl Kennern der Vorgänger, die sich an der Komplexitätsreduktion nicht stören, als auch allen anderen Spielern, die schnelle Racing-Action lieben, ans Herz gelegt werden.

Design
7.5
Sound
8.0
Online Multiplayer
7.0
  • Steuerung gut umgesetzt
  • hoher Game-Speed
  • motivierende Events
  • abwechslungsreiche Locations
  • grafisch nur mittelmäßig
  • Tricksystem gegenüber Vorgänger stark vereinfacht

Vielen Dank an die Firma Activision für die Bereitstellung des Testmusters.

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