
Dynasty Warriors Advance

Dynasty Warriors Advance
GBA
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Koei
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- GBA
- Spieler
- 1 lokal
- Freigabe
USK ab 12
Alpha und Omega, Plus- und Minuspol, Nord- und Südhalbkugel, Gut und Böse, Licht und Schatten, Mario und Bowser, Rundenstrategie und Action - es gibt kaum andere Genres, die sich derartig stark in ihrer Ausrichtung unterscheiden. Während Action-Titel in der Regel für schnellen, unkomplizierten Spaß ohne große Eingewöhnungszeit stehen, spielen sich Vertreter des Rundenstrategie-Genres meist deutlich gemächlicher und komplexer - ein kleiner Fehler in der Planung kann schon ins Verderben führen, allerdings kommt niemals Hektik auf. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an, und natürlich wurden - wie viele andere - auch diese beiden Spieltypen schon das eine oder andere Mal gemischt - wenn auch nicht gerade allzu oft: Abseits Nintendo-Konsolen existieren etwa mit The Unholy War (PSone) oder Wrath Unleased (XBox) zwei unterhaltsame, wenn auch nicht überragende Vertreter dieser Art; ein wirklich toller Genre-Hybrid wäre auch Star Fox Command (DS), welches im Jänner in Europa erscheint. Wie steht es denn aber nun mit Dynasty Warriors Advance für GBA - garantiert die meisterliche Verbindung zweier grundverschiedener Spielprinzipien ein faszinierendes Erlebnis? Oder ist eher das Gegenteil der Fall?
Mmm, köstlich - Augäpfel!
Ein großer Unterschied zu den zuvor genannten Titeln ist auf alle Fälle einmal das Szenario: Nicht in einem Fantasiereich, sondern im historischen China des zweiten Jahrhunderts spielt Dynasty Warriors Advance - klar umrissene "gute" und "böse" Parteien gibt ebenfalls nicht, da jede der drei um die Vorherrschaft kämpfenden Reiche - Wu, Shu und Wei - ausgewählt werden können. Wenn dies dem Spieler erstmals bewusst wird, merkt er auch, dass von Anfang an erfreulich viele Charaktere zur Auswahl stehen: Zunächst drei Recken pro Königreich, also neun Stück; im weiteren Verlauf des Spiels wird jene Zahl aber auf 13 Leutchen aufgestockt. Um den historischen Touch des Spiels ein wenig zur Geltung zu bringen, inkludierte Koei auch ein kleines Menü mit Informationen über die Hauptcharaktere, zum Teil inklusive Lebens- und Sterbedaten - hier erfährt man auch so nette Dinge wie folgende Episode aus dem Leben eines der namensgebenden "'Warriors": In der Schlacht durch den Pfeil eines allzu treffsicheren Kontrahenten auf einem Auge geblendet, hielt er es in seiner Wut für eine gute Idee, das funktionsunfähig gemachte Organ kurzerhand herauszureißen und spontan zu verspeisen - stelle ich mir ausgesprochen appetitlich vor. Auch bereits gefundene Waffen, Items und Storyfetzen kann man sich hier näher ansehen - ganz nettes Feature, wenn auch nicht gar so ausführlich. Aber wie auch immer, wirklich interessant ist ohnehin nur das eigentliche Spiel - nach dem Besuch im Optionsmenü und der Kenntnisnahme, dass sich der Schwierigkeitsgrad in drei Stufen regeln lässt, wird gleich der zugehörige Menüpunkt gewählt. Doch auch hier gibt es wieder drei Möglichkeiten: Natürlich allem voran den Storymodus - oder hier "Musou Modus"-, aber ebenso ist es möglich, bereits absolvierte Stages jederzeit zu wiederholen (eine schöne Option, die z.B. Fire Emblem fehlt) oder eine von drei simplen Spielvarianten zu wehlen, die sich auf den Kampfmodus beschränkt und in dem Gegner auf Zeit, auf Anzahl oder garniert mit Schatztruhen, die dem Weiterkommen je nachdem ermöglichen oder hemmen, gemetzelt werden müssen. "Kampfmodus"? Da greife ich wohl mal wieder vor...
Schlurf-Metzel! Schlurf-Metzel! Schlurf-Metzel!
Also, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen: Nach der Wahl meines bevorzugten Reichs und der spielbaren Figur finde ich mich in der ersten Mission wieder (Sowas aber auch!). Die Wahl des Charakters beeinflusst übrigens in der Tat deutlich mehr als nur eben das Sprite: Je nach Reich werden teils komplett unterschiedliche Stages, zum Teil gleiche Schauplätze aber variierte Missionen geboten. Jetzt aber genug geredet, schließlich beginnt gerade mein Zug - es ist Zeit, meine Aktion zu tätigen: Wie z.B. bei Fire Emblemwird mit dem Steuerkreuz ein Cursor bewegt; in Kombination mit den Buttons kann das Terrain angesehen und können Informationen über die (freundlich wie feindlich gesinnten) Einheiten abgerufen werden. Eine Minikarte, ein Subscreen zum Wählen der Waffe sowie das Pausenmenü mit Zwischenspeicher-Funktion kann eingeblendet werden - keinerlei Problmeme in dem funktional sehr an die erwähnte FE-Serie erinnernden Interface. Die großen Unterschiede zwischen den Titeln werden allerdings deutlich, wenn die eigene Figur mittels Cursor ausgewählt wird: Nicht die durch Quadrate dargestellte Beweglichkeit respektive Reichweite des Charakters wird angezeigt, nein - in jede relevante Richtung wird ein einziger roter Kreis eingeblendet, welcher mit einer Linie mit dem derzeitigen Standort verbunden ist. Nun kann ich mich entweder zu einem dieser Punkte bewegen oder das Feld, auf welchem ich derzeit stehe, nach Items absuchen (zu empfehlen, wenn man arg lädiert ist und Heilung Not täte) - das war's. Wenn sowohl Spielercharakter als auch Feind auf einem Feld landen, dann kommt es zu Kampf; wurden besagte rote Felder bereits besucht, dann verfärben sich diese in blau und in einem Zug können zwei von der so gefärbten Sorte überquert werden anstatt nur eines. Ist man anfangs schon ein wenig irritiert, dass man zunächst nur eines, nachher eben zwei Felder vorrücken kann (was auch keinesfalls viel ist, wenn man dies etwa mit Fire Emblem vergleicht), so wundert man sich noch ein wenig mehr nach dem ersten getanen Turn: Nicht nur die Gegner, nein, auch die eigenen Verbündeten tätigen ihre Aktionen automatisch! Der überwältigende Großteil meiner Armee bewegt sich und kämpft also so, wie sie gerade lustig ist; Beeinflussung ist unmöglich. Ab und zu werde ich informiert, dass meine Truppen an diesem oder jenen Platz Hilfe brauchen, und manchmal muss ich darauf aufpassen, dass sich die Feinde nicht bis zu einem bestimmten NPC durchkämpfen und ihn niedermachen, aber das war's so ziemlich mit der Strategie - ja, bis zu dem werten Obermotz muss ich mich eben schlagen und ihn auf die Bretter schicken, um den Tag zu retten. Aber das Ganze spielt sich hier doch etwas arg zäh: Mein Krieger macht gerade mal einen oder zwei Schritte, dann darf ich die deutlich länger dauernden Züge von Verbündeten und Schurken abwarten, wieder einen Schritt machen, wieder abwarten et cetera - nicht unbedingt extrem prickelnd und von Dynamik kann wirklich nicht die Rede sein. Bringen wir es auf den Punkt: Ein ziemlich dünner, aber dennoch recht zähflüssiger Strategie-Anteil. Die Präsentation gibt in diesem Bereich auch nicht allzu viel her: Die Grafik ist ebenso übersichtlich (Wobei es aber aufgrund des seltsamen "Kreis"-Systems deutlich schwieriger ist, die Züge vorauszuplanene, da jene runden Elemente erst nach und nach erscheinen - bei Fire Emblem hat man die Möglichkeiten immer klar vor Augen) wie detailarm und unspektakulär und die Musik ist in Ordnung, aber sehr unauffällig. Gut, FE ist auch ganz sicher kein technisches Meisterwerk, sondern sehr zweckmäßig - aber einerseits gibt es dort doch durchaus Ohrwurm-Melodien, und andererseits wird durch die grafisch vollkommen unspektakulären aber wirklich ein gewisses Flair tragenden Zwischensequenzen und Gesprächen während der Missionen selbst eine tolle Atmosphäre geschaffen, die bei Dynasty Warriors einfach fehlt - scrollender Text als Einleitung und kurze, nichtssagende Gespräche auf dem Schlachtfeld sorgen nicht unbedingt für verzückte Gesichter. Aber halt, so ein direkter Vergleich wäre doch unfair - schließlich ist Fire Emblem ein reinrassiges Strategiespiel (mit RPG-Elementen, okay - aber darum geht es jetzt nicht), während Dynasty Warriors einen Genremix aus Strategie und Action darstellt. Ist die "Zugphase" also nur eine kleine Dreingabe, während in der "Kampfphase" so richtig die Post abgeht?
Chinesisch für Anfänger: "Woohoo! I got him!"
Nun ja, zunächst die gute Nachricht: Ja, im Vergleich zum Strategieteil sind die Kämpfe deutlich unterhaltsamer. Die schlechte: Soo der extreme Hit sind sie auch wieder nicht. Aber beginnen wir vom Anfang: Nach dem erwähnten Zusammenstoß mit den Feinden auf der Karte des Schlachtfelds finden wir uns auf einem eine Hand voll Bildschirme großem Areal in Zelda-mäßiger Draufsicht wieder, die grafisch deutlich schöner als zuvor - wenn auch nicht gerade beeindruckend - dargestellt wird, und eine Meute von Feinden stürmt mordlüstern auf uns zu. Unsere Aufgabe ist nun, eine bestimmte Anzahl von stetig nachrückenden Gegnern in einer bestimmten Zeit zu besiegen - genauer gesagt ist jenes Zeitlimit aber nicht komplett zwingend: Sind die Schurken alle in Rekordzeit KO, so bekommen wir gar einen Bonus-Zug in der Strategiephase dazu, brauchen wir länger als vorgegeben, verlieren wir hingegen einen Zug und liegt das Ergebnis in der Mitte, geht alles seinen normalen Gang. Rennt man zum Rand des Feldes und verbleibt dort eine Weile, kann der Schlacht auch entkommen werden - sonderlich zielführend ist dies aber logischerweise nicht und macht nur Sinn, wenn der Held schon auf dem Zahnfleisch daherkommt (Ihr hättet es sicher nicht gedacht, aber wenn er stirbt, so heißt's "Game Over"). Jetzt aber zum Kampf selbst: Mit dem Steuerkreuz bewegt man sich, ein zweifacher Druck darauf animiert den Helden zum Laufen. A führt einen ebenso mächtigen wie langsamen Angriff aus, während B für eine schwächere, aber schnellere Attacke steht. Mit der L-Taste wird geblockt, während Start mal wieder das Spiel pausiert. Das war's im Wesentlichen - drei Dinge wollen aber noch erwähnt werden: Jede erfolgreiche Attacke unsererseits füllt die Leiste unter dem Energiebalken, auch wird sie rascher voll, wenn wir selbst schon dem Exitus nahe sind. Ist sie gefüllt, kann mit gleichzeitigem Druck auf L und A die sogenannte Musou-Attacke ausgeführt werden, die gleich ganze Gegnergrüppchen auf einmal auf die Bretter schickt. Ebenso ist in der rechten unteren Bildschirmecke eine Anzeige mit sechs Symbolen zu sehen: Diese Icons stehen für die vier Spezialattacken (dazu gleich mehr), physische Stärke und Geschwindigkeit. Teilt man Schläge aus, so beginnt eines der Symbole zu blinken - betätigt man nun die rechte Schultertaste, wird das entsprechende Attribut erhöht. Es ist aber ebenso möglich, sich noch ein wenig mehr zu prügeln und zu warten, bis ein anderes Icon blinkt - drückt man dann R, so wird eben diese Fähigkeit verbessert. Insgesamt kann jedes Attribut zweimal erhöht werden. Und zu guter letzt gibt es noch vier Spezialattacken, die durch die einfachen Tastenkombinationen A (ja, ich weiß - nicht wirklich eine Kombination) BA, BBA und BBBA ausgeführt werden - diese Attacke ist effektiv gegen jene Charakterklasse, jener Angriff wiederum gegen diese Feinde et cetara. Soviel zur schönen Theorie, auf zur Praxis: De facto äußert sich das Ganze in wildem Knöpfchendrücken ohne großen Anspruch. Wenn man zuhaut, ausweicht, zuhaut, ausweicht und immer wieder die BBBA-Attacke benutzt, sind die Kämpfe in der Regel kein großes Problem. Der Kampfmodus von DWA ist in etwa mit den NES- und SNES-Versionen der Turtles-Spiele zu vergleichen, nur in einer anderen Perspektive und längst nicht so gut. Ja, das Prädikat "ganz unterhaltsam" hat er sich durchaus verdient, aber mehr gewiss nicht - Taktik wird hier nicht benötigt, um durchzukommen. Und wenn man doch einmal an einen stärkeren Gegner gerät, stirbt und die gesamte Mission in ihrer zähflüssigen Ganzheit erneut spielen muss, ist dies auch nicht unbedingt der Motivation zuträglich. Ach ja, bei den Bogenschützen muss man schon ab und zu blocken, denn wenn diese treffen, kann das böse Folgen haben. Nein, keine Angst - ihr müsst euch dann nicht das Auge rausreißen und essen, aber eingefangene Pfeile können leicht die gerade noch so schön verbesserten Skills herabsetzen. Summa summarum: Für ein paar ganz lustige Haudrauf-Kämpfe ist das Spiel schon gut, aber Tiefgang gibt es auch - und gerade - im Kampfmodus wirklich nicht. Ach ja - ein wenig seltsam und deplatziert wirkt gerade in diesem Teil des Titels die Musik: Irgendwie will es nicht gerade für Atmosphäre sorgen, wenn der Sound zwar qualitativ okay und kompositorisch in Ordnung ist, aber irgendwo zwischen Rock und Techno angesiedelt ist - ab und zu fühlte ich mich ein wenig an Mega Man erinnert, aber ich hätte nicht im Traum daran gedacht, angesichts dieser Töne Assoziationen mit dem alten China zu knüpfen. Und bin ich eigentlich der Einzige, den es irgendwie stört, wenn ein altertümlicher chinesischer Krieger nach dem Sieg über einen Feind fröhlich "Woohoo! I got him!" in die Runde ruft?
Fazit
Um mal wieder eine abgedroschene Phrase zu verwenden: Das Spiel will zu viel und kann zu wenig. Der Strategie-Teil ist für einen Titel dieses Genres sehr simpel und vor allen Dingen sehr undynamisch ausgefallen; man wird das Gefühl nicht los, dass ein Spiel, dass sich nur auf die Kampf-Phase konzentriert hätte, deutlich besser geworden wäre. Aber auch diese ist gewiss nicht frei von Mängeln: Taktisch anspruchsvoll ist sie sicher nicht, und die ständig gleichen Ziele - "Besiege soundsoviel Gegner in soundsoviel Sekunden" - sind auch nicht gerade ein Garant für Abwechslung. Grafisch ist der Titel hingegen okay - eine sehr unspektakuläre Map, ganz nette Kampfarenen und unauffällige Animationen - wenn auch nicht mehr, und der Sound ist grundsätzlich solide, aber will, wie gesagt, so gar nicht zur Thematik passen (besonders extrem ist diesbezüglich die Titelmelodie). Positiv sind hingegen die von Anfang an wählbaren neun Charaktere aus drei Lagern mit unterschiedlichen Missionen, die mit der Zeit auf 13 erweitert werden können. Abgesehen davon muss aber leider gesagt werden, dass der Großteil des Spiels schlicht und einfach Durchschnitt darstellt. Nicht mehr und nicht weniger.
Fazit
Weder der Action- noch der Strategie-Teil erreicht nur annähernd die Qualität der Genre-Spitzen. Insgesamt ist die "Strategie-Phase" sehr langatmig und recht simpel, während die "Kampf-Phase" Spaß macht, aber Tiefgang vermissen lässt. Wer nur Action oder Strategie will, ist anderswo deutlich besser aufgehoben, und wer - als DS-Besitzer - gerne einen guten Mix dieser Genres spielen will, sollte auf Star Fox Command warten. Kommt ihr günstig an DWA heran und fühlt euch von Setting und Konzept angesprochen, könntet ihr dem Spiel ja eine Chance geben - hohe Erwartungen sind aber wirklich fehl am Platze.
- 9 bzw. 13 spielbare Charaktere aus 3 Lagern
- Absolvierte Missionen sind jederzeit wiederholbar.
- netter Ansatz...
- ...der weniger nett umgesetzt wurde,...
- ...da der Strategie-Teil sehr langatmig und simpel ist,...
- ...der Großteil der Armee dort von der CPU gesteuert wird...
- ...und der Action-Teil recht anspruchslos daherkommt.
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.
