
X-MEN 3: The Official Game
Konsole
Nintendo GameCube
NGC
Bei einer Schatzsuche markiert das X die Position des Schatzes, in der Mathematik bezeichnet es eine Achse und im Marvel-Universum ist es das ausschlaggebende mutierte Gen, dass Superkräfte verleiht. Nicht nur Fans sollten jetzt wissen, von welchen Helden aus den Marvel-Comics hier die Rede ist: Ganz klar, es sind die X-MEN und diese tummeln sich momentan nicht nur in ihrem dritten Leinwandabenteuer, sondern auch in dem dazu passenden Videospiel von Activision.
Schlechter Ruf – gerechtfertigt?
Das Filmumsetzungen einen schlechten Ruf haben, ist nach den unzähligen miserablen Beispielen der letzten Jahre kein Wunder. Hin und wieder jedoch, gibt es Ausnahmen die allerdings wirklich selten und rar sind. Ob das offizielle Spiel zum Film eine solche Ausnahme darstellt, habe ich mich bereits gefragt, nachdem ich mir X-Men 3 auf der Leinwand zu Gemüte geführt hatte und den Kinosaal verließ. Also schnell die Disc in den Würfel geworfen und den Power Schalter gedrückt. An dieser Stelle wusste ich noch nicht, dass mir das Einschalten der Konsole einmal mehr Spaß bringen würde, als das eigentliche Spiel, nun ja, dies ist der Grund dafür:
Drei mal Langeweile pur, bitte!
Hat man sich ein Profil angelegt und für den Beginn eines neuen Spiels entschieden, erscheint der Missionsauswahlbildschirm. Dieser kommt wenig spektakulär daher, was aber nicht weiter stört denn es soll ja hauptsächlich um das Spielgeschehen in den Missionen gehen. Ein weiterer Druck auf den A Button und der Spieler übernimmt die Rolle des Ersten von insgesamt drei spielbaren Helden, Wolverine. Mit diesem wird zunächst eine Art Tutorial bestritten, in dem alle Steuerbefehle per Texteinblendung, und zwar nur in Englisch, erläutert werden. Hat man sich ein wenig eingekämpft, bekommt man es auch schon mit einem Haufen schießender Gegner zu tun. Bereits an diesem Punkt hat man 1/3 der im Spiel auftauchenden Gegner gesehen, denn bei jedem Charakter taucht immer ein- und derselbe Gegnertyp auf. Doch nicht nur hier beweisen die Entwickler ein Händchen für Schlichtheit und Monotonie, denn auch die Missionen und deren Ziele sind nicht sonderlich abwechslungsreich, sodass es eigentlich immer auf das Selbe hinausläuft: Betätige Schalter A, dann Schalter B, besiege alle Gegner und begib Dich zum Ausgang. Und dieses Schema wird auch nicht durch die individuellen Eigenschaften der drei Protagonisten durchbrochen. Zwar fliegt man mit Iceman durch die Lüfte, schleudert frostige Geschosse auf böses Gesindel und löscht hier und da ein Feuer, aber nach der dritten Mission, die nach diesem Prinzip abläuft hat auch den härtesten X-Men Fan einmal die Langeweile gepackt. Dem dritten im Bunde, Nightcrawler, sind genau wie Wolverine, Bodenmissionen gewidmet. Mit Hilfe der Fähigkeiten, sich unsichtbar zu machen und von Punkt zu Punkt zu teleportieren, durchquert man mit Nightcrawler, wie sollte es anders sein, Gebiete um Hebel umzulegen und Gegner aus dem Weg zu räumen. Obwohl jeder spielbare Charakter seine eigenen Fähigkeiten mitbringt, leiden sie doch alle unter demselben Fluch, dem der schlechten Kameraführung. Ewig justiert man mit dem rechten Analogstick die Kamera neu, nur um ein paar Sekunden später zu merken, dass es absolut nichts gebracht hat, da sie schon wieder den falschen Blickwinkel preisgibt.
Das waren doch mal mehr?
Richtig, die Reihe an Mutanten, die zum X-Men Universum gehören, ist weitaus länger als die in anderen Superheldencomics und so ist es nicht verwunderlich, dass man außer den zu steuernden Helden weitere Charaktere, wie z.B. Storm oder Sabretooth, zu Gesicht bekommt. Diese Tatsache könnte sich durchaus als Pluspunkt verzeichnen lassen, wenn sie wenigstens aus Gründen der Abwechslung zum Einsatz gekommen wären, aber leider sind auch die Missionen, in denen zusätzliche X-Men involviert sind, strikt linear und unspektakulär. Ein weiterer Störfaktor, der sich mit den zusätzlichen Charakteren einschleicht ist die wirklich schwache KI, sowohl auf Seiten der eigenen Truppe, als auch die der bösen Schergen. Hat man einmal eine perfekte Combo gefunden, um einen Gegner aus dem Weg zu räumen, braucht man diese nur schemenhaft auf alle anderen Gegner anwenden und kann so einen sicheren Durchlauf durch die Mission absolvieren, denn die Bewegungsmuster der Widersacher wiederholen sich immer und immer wieder. Apropos absolvierte Missionen: Hier haben sich die Entwickler eigentlich etwas einfallen lassen, das dem Titel etwas frischen Wind hätte bringen können. Ist eine Mission geschafft und hat man verschiedene Symbole eingesammelt, erscheint der Evolutionsbildschirm auf dem man einige Attribute wie z.B. Angriffskraft oder die Gesundheitsanzeige erweitern kann. Klingt nett, bringt aber im Endeffekt sehr wenig, denn die erweiterten Eigenschaften wirken sich unmerklich auf das weitere Spielgeschehen aus.
Kämpfen bis die Fetzen fliegen
Da die Auseinandersetzungen mit Magnetos bösen Truppen der beschriebenen Monotonie erliegen, konzentriert man sich halt einmal auf die optische Darstellung des Spektakels und stellt fest, dass diese gar nicht so übel ist. Klar, X-MEN 3 kann nicht mit Grafikfeuerwerken wie Resident Evil 4 mithalten, aber bleibt doch auf einem Level, dass man als „nett anzusehen“ beschreiben könnte. Spiegelungen, hier und da detaillierte Umgebungen und fliegende Fetzen und Funken bei Angriffen mit Wolverines Klauen oder Nightcrawlers Schlag- und Trittangriffen. Einzig die Charaktere selbst hätten vielleicht ein paar Polygone mehr vertragen können. In Sachen Musik- und Soundkulisse ist es für den Titel auch ein leichtes mit anderen Spielen mitzuhalten, schon alleine durch die Tatsache, dass der Soundtrack aus dem Film integriert wurde. Jedoch steht ein Aspekt einer höheren Wertung in Sachen Sound im Wege: Activision muss wohl selbst nicht sonderlich begeistert von der Filmumsetzung gewesen sein, sodass man sich die Lokalisierung einfach komplett gespart hat. Es gibt keine deutschen Synchronstimmen und was viel ärgerlicher ist, auch keine deutschen Bildschirmtexte (weder in den Menüs, noch im Spielgeschehen selbst). Dies erinnert ein wenig an gute alte NES oder SNES Zeiten, nicht wahr? X-MEN Fans werden vielleicht darüber erfreut sein, dass die englischen Sprachsamples durchweg von den Darstellern des Films synchronisiert wurden, aber dann wären wenigsten Untertitel in deutscher Sprache nett gewesen.
Fazit
Die Befürchtung hat sich bestätigt: X-MEN 3 ist leider kein Titel, den man unbedingt in seiner Sammlung haben müsste und auch Fans der Superhelden sollten sich den Kauf gründlich überlegen, denn die wenigen guten Ansätze wurden permanent nicht ausgearbeitet oder schlichtweg verhunzt.
- Passable Grafik
- Originalsprecher des Films ...
- ... dafür komplett in Englisch
- geringer Umfang
- langweiliges Missionsdesign
Vielen Dank an die Firma Activision für die Bereitstellung des Testmusters.

