
FIFA Fußball - Weltmeisterschaft 2006

FIFA Fußball - Weltmeisterschaft 2006
NGC
- Genre
- Sportspiele
- Entwickler
- EA Sports
- Publisher
- EA Sports
- Spieler
- 1–4 lokal
In wenigen Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Eigentlich ist dieser Satz vollkommen überflüssig, denn selbst absolute Abstinenzler des runden Leders werden sich unmöglich der geballten Medienpräsenz der WM im Vorfeld entziehen können. Zeiten, in denen man stillschweigend akzeptiert, dass nahezu alle Firmen meinen, sie müssten in ihrer Werbung nun wohl oder übel etwas Fußball-affines bringen. Mein bisheriger Rekord: Drei Spots hintereinander, verschiedene Produkte, immer tauchten Bälle auf. Nachdem gestern Abend sogar Arte einen Fußball im Senderlogo integriert hatte, wundert nichts mehr...
Von Löwen ohne Hosen, deren Papa im Knast hockt
Electronic Arts lässt das Medienereignis des Jahres natürlich nicht unbedacht und die starke FIFA-Lizenz wird für ein weiteres Videospiel genutzt – dem offiziellen Spiel zur Weltmeisterschaft. Gerade solche Titel lassen in der Regel die Alarmglocken angehen, denn die Qualität könnte angesichts der allgemeinen Euphorie vernachlässigt worden sein.
Beginnt der Spieler ein neues Spiel, wird er mit einer Vielzahl an Möglichkeiten konfrontiert. Ein richtiges Tutorial gibt es allerdings nicht, und so bleibt nur das Training, um sich die grundlegenden Spielzüge anzueignen, bzw. Standartsituationen zu üben. Hier fällt auch das erste Manko auf: Es ist zwar möglich die meisten Spielzüge und deren Taste angezeigt zu bekommen, ganz konsequent wurde dieses Ziel allerdings nicht verfolgt. So dauert es einige Zeit, bis man durch wahlloses Drücken die Steuerung des Keepers beim Elfmeterschießen herausgefunden hat.
Die meisten Spieler werden allerdings sofort den Punkt FIFA WM ansteuern – die Bundesligalizenzen sind übrigens nicht enthalten -, das Herzstück des Spiels. Hier besteht die Möglichkeit sich zuerst mit einer Mannschaft aus einer der Spielzonen zu qualifizieren, oder direkt in das Turnier einzusteigen. Sehr erfreulich ist, dass die kompletten Paarungen samt Spielort- und datum integriert sind. Natürlich keine große Sache, aber nett, wenn man direkt das Eröffnungsspiel am 9. Juni absolvieren kann, ohne erst die Gruppen zu editieren. Weltmeister ist man so natürlich schnell, was auch an dem frei wählbaren Schwierigkeitsgrad liegt. Sowohl für Neulinge der FIFA-Reihe, wie auch die Pros kann man die Spiele ganz nach seiner Vorliebe gestalten.
Bevor manche Abseits verstehen, sind sie im Jenseits
Um die Langzeitmotivation möglichst lange zu erhalten, wurde ein Punktesystem erdacht, das die Spieler für gute Aktionen, wie Schüsse aufs Tor, Ecken usw. belohnt und für negative Aktionen bestraft; dazu zählen gelbe und rote Karten, oder auch Abseitssituationen. Zusätzlich zu diesem System kann man auch Aufgaben erfüllen, die sehr breit gefächert sind. Für bestimmte Tore (Hattrick, frühe Tore, Tore in der Nachspielzeit, oder deutliche Führungen) erhält man weitere Punkte. Führt man ein Team durch die Qualifikation zum WM-Titel gibt es weitere Boni. So kann man jedes im Spiel enthaltene Team schlagen, was im EA-Passport abgestempelt wird und sollte aus jeder der Weltzonen einmal ein Team zur WM-Spitze geführt haben. Das ist bereits eine Menge zu tun, es gibt allerdings noch einen zusätzlichen Modus mit klassischen Aufgaben aus den letzten Jahren Fußballgeschichte. Gute Spieler holen sich hier Medaillen und werden einige Stunden in diesem Modus zu tun haben, denn der Schwierigkeitsgrad ist nicht modifizierbar. Zuerst heißt es also üben!
Die verdienten Punkte werden übrigens in neue Bälle, Schuhe, Cheats und Spieler eingetauscht. Wer unbedingt mit dem Kaiser oder Rudi Völler die WM 2006 gewinnen möchte, wird hier glücklich.
Zwei linke Füße und doch Weltmeister? Spieler sind so!
Das Gameplay der FIFA-Spiele wurde in den letzten Jahren sukzessive verbessert und mittlerweile sind auch diese Simulationen recht schnell zugängig, wobei bestimmte Spielzüge erst erlernt werden müssen. Prinzipiell wird zwischen Pässen, Pässen in den Lauf, Flanken und dem Torschuss unterschieden. Diese Bewegungen können aber natürlich verfeinert werden, und auch Taktiken wie ein Doppelpass angewandt werden. Die Abwehr gestaltet sich ebenfalls einfach: Es gibt das leichte Takling, das dem Gegner den Ball allerdings nicht leicht abluchst, oder die Grätsche, die im richtigen Moment auch den Zusatz „Blut“ verdient. Passt man nicht auf, hagelt es ziemlich schnell Karten, hier ist gutes Auge gefragt, um Spieler und Ball zu trennen. Nach einiger Zeit gelingen Spielzüge, die tatsächlich richtig gut aussehen und dem echten Spiel sehr nahe kommen. Standartsituationen bieten besonderen Spielraum, um das eigene Spiel zu verbessern. So gelingen anfangs Freistöße kaum, da man voll die Mauer trifft oder sich aufmacht das Flutlicht auszukicken. Erst später gelingen wirklich schöne Schüsse in die Ecke des generischen Tors. Die KI wirkt überzeugend, ohne zu perfekt zu sein. Nach ausgiebigem Testen ist mal ein Eigentor vorgekommen, es gab mal rot für den Gegner, aber eben alles in Maßen und keinesfalls unrealistisch. Spielerisch gibt es also wenig zu meckern, da auch Abseitspositionen und Fouls richtig erkannt werden.
Ja wo laufen sie denn?
Die Grafik spielt in der zünde gehenden Ära GameCube keine so große Rolle mehr. Hier wird man leider nicht mehr überrascht, sondern allenfalls zufriedengestellt. Mit der Standartkamera sind die Spieler so klein auf dem Feld, dass man sowieso keine Details ausmachen kann. Die Wiederholungen, die man sich auch in der Zeitlupe und aus allen erdenklichen Winkeln anschauen kann, können allerdings richtig punkten: Keine Clippingfehler und die bekannten Spieler sind alle gut vom Gesicht her zu erkennen. Im laufenden Spiel kommt es bei langen Pässen leider immer noch zu kleineren Rucklern, die einfach nicht in ein solches Spiel gehören. Die Stadien sind ihren realen deutschen Vorbildern zwar nachempfunden, aber wirklich bekommt man davon kaum etwas mit. Letztlich kann der Titel nur in den Jubelszenen, oder ähnlichen Nahaufnahmen der Spieler grafisch punkten. Bemüht war man aber nach Toren nicht nur die Standartkamera zu bemühen: So gibt es immer wieder Einstellungen, bei denen einige Fans schemenhaft hinunter ins Stadion schauen und jubeln, während die Kamera hinter ihnen positioniert ist.
„Und, was hörst Du?“ „Bumm, bumm - bumm, bumm, bumm!“
(indianisches Sprichwort)
Musikalisch hat man sich wieder mal voll ins Zeug gelegt und EA präsentiert aus vielen verschiedenen Ländern typische Musikstücke. Die Auswahl ist sehr breit gefächert und bietet für jeden Geschmack etwas. Schön auch, dass nicht nur bekannte Bands auftauchen, sondern auch einige neue Titel präsentiert werden. Trotzdem hätte ich viel drum gegeben, wenn Bob Sinclars „Love generation“ mit an Bord gewesen wäre. Das perfekte Lied für das Intro, aber gut, wir hören es auch sonst noch genug. Der Kommentar zu den Spielen ist natürlich auf Deutsch und weiß zu gefallen. Er übersteht mühelos einige Partien, ohne sich zu wiederholen. Bei besonders schnellen Aktionen kommen die Sätze zwar teils zu langsam, aber im Großen und Ganzen werden die Spielzüge gut erkannt und kommentiert. Die Stadionatmosphäre darf getrost als perfekt bezeichnet werden, von Fangesängen, über die ständige Unruhe der Zuschauer, bis zu Trommeln und Co. kommt wirklich WM-Feeling auf. Bestes Beispiel: Vor ein paar Tagen wurde ich angesprochen, welches Spiel ich denn bitteschön nachts um 2 Uhr geschaut hätte...
Fazit
Deutschland wird Weltmeister – und wenn dieser Traum doch nicht wahrwerden sollte, sollte man sich einfach das offizielle Videospiel zur WM kaufen. Große Mankos gibt es keine und EA hat sich viel Mühe gegeben, auch durch Kleinigkeiten, wie z.B. Informationen zu jedem Teilnehmerland, der WM gerecht zu werden. Wer Fußball-Fan ist und einen GameCube hat sollte zuschlagen!
- Starke Lizenz
- Videospiel zur "eigenen" WM
- Genialer Sound
- Grafik durchschnittlich
- Hohe Memorycard-Belastung
Vielen Dank an die Firma Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.

