
Super Monkey Ball: Touch & Roll

Super Monkey Ball: Touch & Roll
NDS
- Genre
- Puzzlespiel
- Entwickler
- Sega
- Publisher
- Sega
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1–4 lokal
- Freigabe
USK ab 6
Affen gibt es in den verschiedensten Farben, Formen, politischen Einstellungen, Verhaltensmustern und Geschmacksrichtungen: Manche wollen – in der Regel nachdem sie eine hübsche Frau geraubt haben – hoch hinaus, fallen aber auch tief (wenn das Empire State Building nicht in der Nähe ist, muss es für manche Exemplare eben auch ein normales Baugerüst tun – hier kann sich der geneigte Primat zumindest fässerwerfend die Zeit vertreiben). Andere sind kapitalistisch veranlagt, hochbezahlt und verbringen ihren Tag damit, verschlossene Türen versiegelter Paläste zu öffnen. Dann gibt es noch solche, die - dem Größenwahn verfallen - Galaxien erobern – und seltsamerweise nur aus zwei Händen und einem Kopf bestehen. Manche machen am Amazonas Jagd auf greise Enten, andere stehlen arglosen Installateuren ihre Kopfbedeckungen und wieder andere werfen mit überreifen Orangen nach Bären und Vögeln. Tja, wie schon die alten Römer sagten: „So viele Affen, so viele Meinungen.“ Vier ganz besonders seltsame Exemplare wurden in dieser Aufzählung jedoch noch nicht genannt: Jene rollen, in durchsichtigen Hohlkugeln befindlich, aus unerfindlichem Grund auf in Kilometerhöhe schwebenden Plattformen umher, sammeln Bananen und machen immer wieder einen unfreiwilligen Abgang in irdene Gefilde, um mit rasender Geschwindigkeit dem Erdboden einen ungesunden Besuch abzustatten. Es wäre sicher interessant, einen solchen Affen zu fragen, warum er denn nicht in weniger luftigen Gefilden die begehrten Südfrüchte erntet. Aber wie auch immer, sollen diese merkwürdigen Tiere eben ihrem seltsamen Tagwerk nachgehen – solange es Spaß macht!
Marble – ähh, Monkey Madness!
Und das macht es definitiv, auch wenn am Spielprinzip mal wieder rein gar nichts verändert wurde: Nach einem noch quietschbunterem Titelscreen als gewöhnlich – inklusive neonfarbenen grinsenden Blumen – gelangt der geneigte Spieler ins Hauptmenü, wo ein relativ merkwürdig aussehender Vogel auf dem Topscreen landet und die ausgewählten Menüpunkte mittels Sprechblase (zumindest dem Titel nach) erläutert. Zur Auswahl stehen wie gewohnt neben dem Hauptspiel auch sechs Partyspiele – ebenso viele waren es zum Cube-Launch bei der ersten Affen-Kugelei, doppelt so viele beim zweiten Teil – zur Auswahl. Doch zunächst zum Kernstück von Touch&Roll (welches aus vollkommen unverständlichem Grund im Gegensatz zu den GCN-Versionen nicht mehr im Multiplayer bestritten werden kann – dieser ist auf die Partyspiele beschränkt): Nach der Auswahl eines der seit Teil 1 gleichbleibenden Affen (welche sich auch nicht in ihren Fähigkeiten unterscheiden) – Titelheld AiAi, dessen spätere Frau MeeMee, deren späterer gemeinsamer Sohn Baby (welcher, wie wir seit Teil 2 wissen, aus der Zukunft zurückgereist ist. Da dies aber geradezu weniger als gar keine Relevanz für das Spiel hat, könnt ihr dies Klammer getrost aus eurem Gedächtnis streichen) und Gorilla GonGon – landet man auf einer extrem bunten, bildschirmgroßen Weltkarte, auf welcher die zu spielenden Stages ausgewählt werden können. Ihr ahnt sicher schon, dass nach einer absolvierten Welt die nächste zugänglich wird - beziehungsweise manchmal auch gleich mehrere auf einmal zugänglich werden; insgesamt es über 100 Ebenen. Auf eine ähnlich kreuzdämliche – aber gerade aufgrund dessen irgendwie geniale – Story wie in Teil 2 muss diesmal verzichtet werden; der diabolische Oberschurke Dr. BAD-BOON taucht also nicht auf und eine Rechtfertigung des Umherkugelns, welche die – sicherlich komplexen und hochpsychologischen Beweggründe der Äffchen, auf in Kilometerhöhe schwebenden Inseln, stets am Rande des Absturzes Bananen einzusammeln, Zieltore zu durchrollen und immer weiter in die Höhe zu fliegen, wurde vollkommen gestrichen.
Millions of mad monkeys make mistakes
Damit ist eigentlich schon das rudimentäre Gameplay erläutert: Die in transparente Kugeln eingeschlossenen Affen tun grundsätzlich nichts anderes, als auf schwebenden Inseln und Plattformen – die meist gewissen klassischen Themen, wie Dschungel, Wasser oder Lava gewidmet sind – kugelnd ihren Weg ins Zieltor zu finden, und, wenn möglich, ihrer Sekundärmission nachzugehen: Bananen zu sammeln, um ihr Lebenskonto aufzufrischen. Während allerdings die sich am Würfel in Kugeln (paradox, eigentlich) herumtreibenden Affen erst bei 100 Bananen eines der begehrten Extraleben erhalten, dafür aber einige Continues pauschal zur Verfügung haben, wurden letztere bei den DS-Primaten komplett abgeschafft, dafür kostet ein Freileben diesmal nur noch 10 der gelben Südfrüchte. Ob dieser Umstand das Spiel nun schwerer oder leichter macht, kann nur schwerlich gesagt werden. Und sonst kommt dem Kenner der Serie auch dieser Ableger ziemlich bekannt vor – und nicht nur in Bezug auf die Affen, die Themenwelten und die klassischen Gameplayelemente wie Bumper oder Rampen: Neben neuen Stages wurden leider auch viele aus den Vorgängern bekannte Levels recycelt – in einigen Fällen mit einem neuen graphischen Kleid versehen, aber vom Design her 1:1 übernommen, was wirklich nicht hätte sein müssen. Hier fällt es auch manchmal auf, dass sie in puncto Schwierigkeitsgrad teilweise relativ willkürlich aneinandergefügt wurden – so kann auf einen relativ nervigen Level ein in zehn oder weniger Sekunden absolvierter Bereich folgen. Aber auch in den übrigen Ebenen halten sich die Neuerungen in Grenzen – was in diesem Fall nicht unbedingt besonders negativ sein muss, denn Monkey Ball-Qualität bleibt eben Monkey Ball-Qualität und die Stages unterhalten, wenn auch wenig innovativ, weiterhin sehr gut und bieten bewegliche Hindernisse, umherfahrende Zieltore, steile Rampen, Bumper, ab und an wabbelige Böden in den Bonusstages (welche leider alle mehr oder minder unverändert von den Vorgängern übernommen wurden) und ähnliche nette – wenn auch nicht neue - Ideen. Wenn ein Affe bewegt wird, neigt sich gleichzeitig auch die gesamte Plattform in diese Richtung – auch diesen Aspekt kennen wir, ebenso wie die netten interaktiven Credits, die nach jeder absolvierten Welt auftreten. Allerdings müssen diesmal die Entwicklernamen mit den Affen selbst abgeschossen, statt ihnen ausgewichen werden, und der witzige „Affenrang“ am Ende, der die Wertung der Leistung im Outro – relativ sinnlos, hat aber was – mittels Affenart bezeichnet (etwa „gehäupter Kapuziner“ oder „Humboldts Wollaffe“), fiel der Schere zum Opfer. Klingt also alles äußerst bekannt – gibt’s denn auch was Neues?
Bitte die Affen nicht berühren!
Durchaus – das Gameplay an sich ist zwar gleich geblieben, die Steuerung musste jedoch schon alleine hardwarebedingt geändert werden – mit einem Analogstick kann der DS nun mal nicht dienen, und das Steuerkreuz alleine wäre doch ein wenig grob für die filigrane Controls vorraussetzende Steuerung. Logischerweise – wie aus dem Titel des Spiels auch fast gar nicht hervorgeht – basiert die Steuerung somit auf dem Tochscreen, wobei jederzeit ohne Umstellung auch auf das Steuerkreuz umgestiegen werden kann. Auf eben jenem befindet sich ein großes Abbild des Protagonisten in seiner Kugel, und durch das Antippen dieses Bildnisses bewegt sich der haarige Held in eben jene gewählte Richtung. Schnell stellt man fest, dass der Thumbstrap hierfür relativ ungeeignet ist – auch wenn man versucht, damit sensibel zu steuern, klebt der Aff‘ bald an der nächsten Wand oder fällt eher noch augenblicklich in den nächsten Abgrund – und geht auf den Stylus über; da während des Spiels eigentlich ohnehin keiner der Buttons benötigt wird, ist es einerlei, mit welcher Hand man jenen hält, wodurch es Rechts- und Linkshänder gleich leicht haben. Wobei „leicht“ hier aber relativ ist, da man sich trotz allem doch eine Weile braucht, um sich optimal auf die sehr sensible Steuerung einzustellen. Und tatsächlich – benutzt man nun den Tochpen, gelingt nach dieser Eingewöhnungsphase doch gut, langsam und überlegt über die Plattformen zu rollen, ohne unangenehme nähere Bekanntschaft mit dem harten Erdboden zu machen. Was allerdings nach kurzer Zeit auffällt: „Langsame und überlegte“ Arbeit reicht leider nicht, es existiert auch ein Zeitlimit, welches es einzuhalten gilt. Und so kommt es doch öfters vor, dass man auf einem langen dünnen, verschlungenen Pfad, doch noch ein Stück vom Ziel weg, mit der Tatsache konfrontiert wird, dass der arme Affe nur noch zehn Sekunden zu leben hat, sofern er das Goal nicht in jener Zeit erreicht – und nicht selten darf der unglückliche Primat aufgrund aus dieser Information resultierenden hektischen und unbedachten Bewegungen umfassende physikalische Experimente zum Thema Schwerkraft und Fallbeschleunigung machen. Kurz gesagt: Gäbe es kein Zeitlimit, wäre die Tochscreen-Steuerung optimal, da man hiermit sehr sensible Bewegungen ausführen kann. Unter Zeitdruck ist sie dies jedoch nicht, da sie für dynamischere Momente einfach nicht geschaffen ist – dafür ist das Steuerkreuz schon passender, jenes ist gleichzeitig aber natürlich auch weniger ein Präzisionsinstrument. Summa sumarum ist die Steuerung also zwar wahrlich nicht misslungen, im Gegenteil – nur erreicht sie zu keiner Zeit die Qualität der GCN-Analogsteuerung, da es eben viele Momente gibt, in welchen weder das Steuerkreuz noch der Stylus die Königsklasse der Steuerungsmöglichkeiten darstellen.
Was macht ein Affe in seiner Freizeit?
Ganz klar, er spielt Partyspiele! 6 dieser netten Disziplinen haben es diesmal auf die DS-Karte geschafft, als da wären: Monkey Race, ein Mario Kart-mäßiger Funracer – nur eben mit Kugeln statt Karts und mit simpleren Strecken. Wie gehabt gibt es neben Einzelrennen auch einen Grand Prix zu fahren, und ebenso bekannt sind die einsetzbaren Items (natürlich existiert eine Bananenschale, aber auch sonstige Späße wie Bomben oder Raketen). Auch in dieser Version ist jener Modus wirklich spaßig, nur hapert es ein wenig an der Steuerung, welche – wie erwähnt – eben nicht für rasante Momente geschaffen wurde (besonders bekommt man dies in den Kurven zu spüren und fällt so manches Mal ohne echtes eigenes Verschulden in den Abgrund). Dummerweise fällt die hier wohl vernünftigere Lösung des Steuerkreuzes weg, da mit links, rechts, oben und unten Items ausgelöst werden – das Feature von vier gleichzeitig tragbaren Items ist ja ganz nett, allerdings weitaus weniger sinnvoll als eine optionale digitale Kontrolle. Nun ja, abgesehen von diesem doch recht ärgerlichem Manko macht das Rennen Spaß wie eh und je. Übrigens ist es bei allen Partyspielen nicht nur schwammiger, sondern ausgesprochen sinnlos, den Thumb Strap zu benutzen, da hier meist am Topscreen eine Karte angezeigt wird und nicht nur Steuerung, sondern auch Action am Tochscreen ablaufen – somit würde man sich mit dem eigenen Finger den Blick versperren. Ebenfalls bekannt ist Monkey Fight, auf welchem sich die vier Affen in kleinen Arenen mit durch Extras aufwertbare Boxhandschuhe von der Plattform zu schubsen versuchen. Leider ist gerade hier, wenn man ständig von den Gegnern umhergeschleudert wird, die Styluskontrolle ziemlich misslungen. Besser geht dies da in dem gemächlichem Monkey Bowling, wo ohne Zeit- und Konkurrenzdruck mittels Stylus Richtung und Stärke des Ballwurfes – wobei des Affen Kugel natürlich auch die Bowlingkugel darstellt – mittels Stylus bestimmt werden; auch ist dies die einzige Disziplin, in welcher sich die Affen hinsichtlich ihrer Fähigkeiten unterscheiden. Ähnlich gut gelungen ist die Analogkontrolle bei Monkey Minigolf, dessen Titel ja wohl schon alles über das Gameplay sagt – nur muss man sich auch hier zuerst auf die Steuerung einstellen, die doch deutlich sensibler als etwa bei Mario Golf reagiert (wobei hier aber eben auch ein echtes analoges System anstatt Marios Schwungbalken zum Einsatz kommt). Diese Partyspiele kennen wir alle schon aus Teil 1 und 2, sie wurden hier aber wie erwähnt durch den Steuerungswechsel doch ziemlich verändert und auch sonst ein wenig abgewandelt (etwa auch neue Strecken beim Rennen), dürften also auch Spielern des bisherigen Teile gefallen. Auf jeden Fall werden jene allerdings die beiden neuen Spiele mögen: Das eine ist Monkey Hockey, eine klassische, aber sehr unterhaltsame Air Hockey-Variante, in welcher man mit dem Stylus ein Paddle steuert, mit welchem man den Ball in des Gegners Tor zu schmettern versucht. Besonders spaßig ist hier die „Zeichen“-Variante, in welcher man sich das Paddle selbst malen darf – allerdings zerbricht es bei heftigen Attacken seitens des Gegners immer mehr. Das letzte Minispiel ist nun auch das unterhaltsamste: Monkey Wars ist ein waschechter Ego-Shooter, der sich mittels Stylus auch ausgesprochen gut steuert: Mittels Steuerkreuz bewegt man sich vorwärts, rückwärts und seitwärts; berührt man mit dem Stylus die Leiste am unteren Bildschirmrand, kann man sich umsehen und drehen, und wer das Sichtfenster berührt, schießt in diese Richtung. Natürlich sind die Waffen harmloser – aber witziger Natur: Ein Wassermelonenkern-Maschinengewehr ist hier ebenso vertreten wie klebrige Honigbomben. Die Kriege der Affen können wie sämtliche anderen Partyspiele auch im Multiplayer gespielt werden und machen dort ordentlich Spaß – auch wenn jeder Mitspieler eine Touch&Roll-Karte braucht, wenn man nicht die deftigen Einschränkungen (nur Race, Hockey und Wars wählbar; von vornherein festgelegte Figuren) in Kauf nehmen will.
Ugga Ugga!
In graphischer Hinsicht ist das Spiel wirklich nicht übel, jedoch ohne mit besonderen Effekten zu überraschen, wobei soundtechnisch nette, aber unspektakuläre Musik geboten und die Abwesenheit der aus den Cube-Versionen bekannten, kurzen Sprachsamples („Sturz“, „Weiterspielen?“,...) geboten wird. In Bezug aufs Gameplay ist Touch&Roll wie schon die Vorgänger wirklich unterhaltsam und auch für Besitzer der Vorgänger sicherlich kein Fehlkauf, wenn auch der recycelte Teil der Levels und die Tatsache, dass das Hauptspiel nicht im Multiplayer gespielt werden kann, ziemlich negativ auffallen. Die Steuerung hingegen ist bemüht und sicherlich nicht schlecht, in einigen Situationen aber eben nicht optimal und kommt nicht an den Analogstick des GCN-Controllers heran. Wer die Affen aber auch für unterwegs haben will und und die erwähnten Nachteile verschmerzen kann, wird an dem Spiel kaum vorbeikommen.
Fazit
Eine gelungene DS-Episode des Affentheaters, welche aber hinter seinen Vorgängern zurückbleibt. Was soll dieses Level-Recycling? Wieso bitteschön ist das Hauptspiel nun eine reine Solodisziplin? Die Steuerung hingegen kann sowohl gelobt als auch gescholten werden. Trotz allem jedoch ein wirklich spaßiges Spiel, welches aufgrund seiner Mängel jedoch nur noch sehr knapp im Bereich des Bronze-Awardes bleibt.
- wie immer tolles Gameplay
- viele Levels
- an sich gute Steuerung...
- ...welche aber in manchen Situationen zu wünschen übrig lässt
- zum Teil recycelte Stages
- Hauptspiel nur Singleplayer-Disziplin
Vielen Dank an die Firma SEGA für die Bereitstellung des Testmusters.

