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Need for Speed: Most Wanted

Need for Speed: Most Wanted

Shiek Katzenwald

Need for Speed: Most Wanted

NGC

Genre
Racer
Entwickler
Electronic Arts
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 12

Es ist praktisch die Suche nach dem heiligen Gral verpackt im Pop-Zeitgeist von heute. Electronic Arts scheint ihn gefunden zu haben, den göttlichen Becher voller Erkenntnis und hat daraus ein Rezept gemacht. Man nehme für ein erfolgreiches Videospiel die folgenden Zutaten:

- Gamebreaker: Diese Gamebreaker können auch Speedbreaker heißen und dienen dem Zweck, Spielern ganz besondere Momente zu präsentieren. Dies kann eine hervorstechende Leistung sein oder die Möglichkeit, wie in Need for Speed Most Wanted das Renngeschehen zu verlangsamen, um bessere Kontrolle zu gewährleisten.

- Um die Gamebreaker gebührend zu inszenieren, muss die klassische Matrix-Zeitlupe auf jeden Fall in irgendeiner Weise Verwendung finden. Vor allen Dingen bei besonders guten Leistungen, Stunts, oder um intensive Momente hervorzuheben.

- Der Soundtrack sollte sich prinzipiell aus einigen lizenzierten Stücken bereits etablierter Künstler zusammensetzen. Insbesondere Musik aus dem Hip-Hop- und Pop-Bereich findet großen Zuspruch beim spielenden Publikum.

- Markennamen sind Pflicht. Am besten verpflichtet man eine ganze Reihe bekannter Firmen für das Endprodukt. Hier bieten sich besonders längere Partnerschaften an, um Firmen in gleich mehreren Spielen zu präsentieren; stärkt das Realismusgefühl der Titel ungemein.

- Institutionalisierte Abläufe und Begriffe spieleübergreifend verwenden – als Beispiel die „EA Trax“ oder gleiche Optionsbildschirme bei verschiedenen Spielen.

Zugegeben, diese Einleitung ist ungewohnt, aber sie soll eines verdeutlichen: EA bedient sich selbst zunehmend bei den hauseigenen Serien, mixt bestimmte Eigenschaften miteinander und heraus kommen Spiele, die sich in gewissen Strukturen immer mehr annähern. Selbstverständlich ist das legitim, aber der Hinweis sollte trotzdem an dieser Stelle zur Kenntnis genommen werden.

Nun aber zum eigentlichen Spiel, dem neusten Ableger der „Need for Speed“-Reihe. Der Test des Vorgängers schloss mit den Worten „Beim nächsten NFS-Spiel könnte trotzdem mal wieder die Sonne scheinen!“, und als ob EA mich erhört hat: Most Wanted spielt endlich wieder im Tageslicht! Der Titel „Most Wanted“ gibt auch wieder die Richtung des Spiels vor. Vorbei die Zeiten, in denen man seine getunten Kisten nur des Nachts auf die Straße lassen konnte, in der neuen Stadt Rockport haben es die Fahrer voll darauf abgesehen, entdeckt und verfolgt zu werden, denn die Polizei ist wieder elementarer Teil der Geschichte. Seit Hot Pursuit zwar alles andere als neu, aber nicht umsonst wird man wieder diesen Aspekt integriert haben.

Narrative Glanzleistung: Guter Junge gegen bösen Jungen

Die Story ist herrlich platt und wunderbar um die Hauptaufgabe gestrickt: Direkt am Anfang verliert man – natürlich durch einen miesen Trick – den sauber getunten Assi-BMW an den besten Fahrer der Stadt. Nun beginnt der Klassiker: Von ganz unten arbeitet man sich an den besten Fahrern vorbei, bis man letztlich dem Rivalen gegenübersteht, der einem das Auto geklaut hat. Der Spieler will wohl in den seltensten Fällen den BMW zurück, sind doch spätestens dann Traumautos wie der Lamborghini Murciélago und andere Kaliber über die Autohändler zu beziehen. 15 verschiedene Fahrer muss man auf dem Weg an die Spitze in verschiedenen Rennen erledigen, aber bevor es dazu kommt, müssen immer erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese reichen von verschiedenen Rennaufgaben über Meilensteine, bis hin zu Punkten für Gesetzesverstöße. Neben einfachen Rennen gegen gegnerische Fahrer gibt es Mautstellenrennen, bei denen man in vorgegebener Zeit alleine auf einer Strecke Checkpoints erreichen muss, bevor die Zeit abläuft. Radarfallenrennen nötigen den Spieler dazu, mit möglichst hoher Geschwindigkeit geblitzt zu werden. Am Ende werden diese Werte addiert und der Fahrer mit der höchsten Endgeschwindigkeit gewinnt. Beschleunigungsrennen runden das Bild ab, hier kommt es darauf an möglichst perfekt zu schalten und als erster die Ziellinie zu erreichen. Die Driftrennen aus NFSU2 sind hingegen verschwunden.

Flensburger - das Lieblingsbier der Black-List-Fahrer

Hat man genug Rennen gewonnen, wird man in die Illegalität getrieben, denn Meilensteine haben auch immer mit Gesetzesverstößen zu tun. Hier soll man sich auf möglichst spektakuläre Verfolgungsjagden mit der Polizei einlassen. Gewertet werden die Verstöße, Dauer der Verfolgung, zerstörte Polizeiwagen und einige weitere Werte. So gibt es Punkte und Meilensteine für umfahrene Nagelbänder, durchbrochene Polizeisperren oder einen möglichst hohen Sachschaden. Fast schon verzweifelt naiv wirkt da doch die Warnung am Anfang des Spiels, man solle doch vernünftig fahren und - ach ja: Anschnallen ist Pflicht. Soso, wieder was gelernt... Egal, es macht auf jeden Fall großen Spaß, die Polizei zu immer drastischeren Mitteln greifen zu lassen. Je länger man sich ihrem Zugriff entzieht, desto härter gehen die Ordnungshüter vor: Hubschrauber lassen ein Entkommen kaum zu, Straßensperren werden mit immer schwereren Fahrzeugen aufgestellt und SUVs kommen frontal auf den Spieler zugerast. Ein Kontakt mit diesen Monstern endet nicht selten mit einer Festnahme.

Put the pedal to the metal

Kritisch wird es allerdings erst, wenn man öfters festgenommen wird, denn schlimmstenfalls ist dann das liebevoll getunte Schmuckstück konfisziert. Um diesem Problem zu entgehen, muss man sich jedoch nicht nur auf seinen rasanten Fahrstil verlassen. Bestimmte Objekte fungieren als Verfolgungsstopper, die die nachrückende Polizei aufhalten und die Flucht erleichtern. Dazu zählen unter anderem Tankstellen, große Werbetafeln oder ein Wassersilo. Eine weitere Hilfe bietet zudem der Speedbreaker, der das Renngeschehen auf Zeitlupe drosselt und es dem Spieler so möglich macht, um Kurven zu driften, Schwachstellen bei Straßensperren zu finden oder besagten SUVs auszuweichen. Sinn ist aber natürlich, Meilensteine und Punkte einzusacken, um endlich den nächsten Gegner auf der Liste herausfordern zu können. Danach besteht immer eine 2:3-Chance, dass man den Fahrzeugschein des gegnerischen Fahrzeugs gewinnt. Die kann man prima zu Geld machen, bzw. die Karre einfach weiter aufmotzen und viel Geld sparen, da oft eine Reihe von Upgrades bereits eingebaut sind. Mehr als in NFSU2 kann man hingegen tuningmäßig nicht in Most Wanted machen, der Fokus liegt aber auch nicht mehr so stark auf diesem Thema, so dass dies akzeptabel ist. Ein absoluter Gameplay-Pluspunkt ist die Tatsache, dass der Spieler sofort zu jedem Renn-Event springen kann. Endlich muss also nicht mehr die ganze Stadt durchquert werden, um zu einer Herausforderung zu gelangen. Hier spart man sich viel Zeit und auch die Nerven werden geschont.

Don’t be gentle, it’s a rental

Grafisch ist NFSMW gut gelungen, die Strecken wirken bei weitem nicht mehr so willkürlich wie beim Vorgänger, was auch die taktische Komponente fördert, da man sich Abkürzungen und Schikanen viel besser merken kann. Auch die Landschaften wechseln sich angenehm ab, obwohl ein wenig mehr Vielfalt auch nicht geschadet hätte. Stadt, Hafen, Wald und ein Industriegebiet sind allesamt in sehr herbstlichen Tönen eingefärbt, hier fehlen mir persönlich die Neonfarben anderer Rennspiele, die dem Auge Abwechslung bieten. Wichtiger ist jedoch, dass Rockport im Vergleich zu Bayview viel mehr Ecken hat, die man sofort wiedererkennt, obwohl Rockport auch ein kleineres Areal zur Verfügung stellt.
Die Fahrzeugmodelle sehen wirklich genial aus und bei den vielen enthaltenen Fahrzeugen könnte man immer noch ein weiteres Traumauto in der virtuellen Garage haben. Kleinere Abzüge gibt es bei der Framerate, die einfach flüssiger sein könnte. Besonders bei vielen Fahrzeugen auf dem Screen geht die Engine etwas in die Knie. Hier ist und bleibt Burnout 2 das Maß der Dinge auf dem GameCube. Eine besondere Erwähnung sollten noch die Zwischensequenzen finden: Diese wurden mit echten Schauspielern gedreht, aber durch Filter und digitale Tricks so bearbeitet, dass das Ganze einen ganz eigenen Flair hat. Mir persönlich gefällt es sehr gut, da ein sehr realistischer Touch in die Filmchen kommt, aber trotzdem kein Kontrapunkt zur Spielgrafik entsteht. Besser als das öde Comicbuch aus NFSU2 ist es allemal und Josie Maran ist auch einige Nummern besser als Brooke Burke – meine Meinung.

V8 trifft Hip Hop

Die Musik ist einmal mehr von einer Reihe bekannter Künstler und erfrischend unterschiedlich gewählt. Leider hat sich bisher noch kein Ohrwurm eingeschlichen, aber gute Stücke sind es allemal. Enorm wichtig für ein Rennspiel sind auch die Motorensounds, die satt und laut aus den Boxen kommen. Man hört, was der Wagen gerade auf der Straße veranstaltet. Genial ist auch die deutsche Sprachausgabe, die vor allem stark ist, wenn man den Polizeifunk hört und man selbst gerade auf der Flucht ist. Da kommt echte Stimmung auf!

8.5Wertung

Fazit

EA liefert ein sehr solides Spiel ab. Neues gibt es allerdings so gut wie gar nicht, da man alle Zutaten bereits aus anderen Titeln kennt. Für Fans des Genres Pflicht und für alle, die mal wieder heizen wollen, genau richtig. Neueinsteiger sollten sich fragen, ob sie eher tunen wollen oder sich Verfolgungsjagden mit der Polizei stellen möchten.

Design
8.0
Sound
8.5
  • Große Aufgabenvielfalt
  • Geniale Polizeiverfolgungen
  • Platte Geschichte
  • Framerate nicht immer konstant

Vielen Dank an die Firma Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.

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