
King Kong

King Kong
NDS
- Genre
- Action-Adventure
- Entwickler
- Ubisoft
- Publisher
- Ubisoft
- Konsole
- NDS
Konsole
Nintendo GameCube
NGC
Peter Jackson ist ein fähiger Mann und ihm gelingt es auch, für seine ehrgeizigen Projekte andere fähige Männer um sich herum zu versammeln. Für ein Videospiel zu seinem Gorilla-Epos „King Kong“ hat sich Jackson an Michel Ancel gewandt, der es schon bei Beyond Good & Evil verstanden hat, eine glaubhafte, fesselnde Spielwelt zu erschaffen. Die Vision der Kooperation: Die Gefühle und die Stimmung des Blockbusters in ein Game zu projizieren. Ob den beiden das gelungen ist?
Jedenfalls schlängelt sich die Story eng an der Geschichte des Films entlang: Als Drehbuchautor Jack Driscoll macht ihr euch mit der liebreizenden B-Prominenten Ann Darrow und ein paar Assistenten zu einer mysteriösen, noch unentdeckten Insel auf - mit wilden Eingeborenen, einigen bösartigen Dinos und der größten tierischen Sensation seit dem bayrischen Wolpertinger: King Kong.
Michel, du spielst mit meinen Gefühlen
Ancel und Jackson gelingt die Metamorphose eines handelsüblichen Ego-Shooters zu einem cineastischen Erlebnis, das durch zahlreiche Höhepunkte und eine dichte Atmosphäre in eurer Erinnerung haften bleibt. Dazu bedienen sich die Entwickler eines wirkungsvollen Mittels: Emotionen. Angefangen von dem hilfreichen Zurufen eurer Kameraden, die euch in der Regel bei eurer kleinen Inselexpedition begleiten, über die vielsagenden Blickkontakte mit Ann zur fantastische Inszenierung eines bedrohlich realistischen Dschungels: Ubisofts großer Urwald-Themenpark weckt starke Gefühle. Aber auch die visuelle und in besonderem Maße die auditive Gestaltung des Dschungel-Szenarios hat bei dem erfreulich tiefen Eintauchen in die Spielumgebung ein Wörtchen mitzureden. Wenn ihr so durch das Grün tappt, hört ihr Vogelgeschrei, Wasserrauschen, prasselnden Regen und plötzlich – ein Sauriergebrüll und Gestampfe aus eurer unmittelbaren Umgebung; ihr solltet die Lautstärke schon etwas hochfahren, damit euch das Herz und vielleicht auch andere Körpersubstanzen in die Hose rutschen. Optisch wird das verständlicherweise durchgängige Dschungel-Thema durch Höhlen, Sümpfe oder Ruinen aufgelockert. Die ein oder andere Textur wirkt zwar etwas fade und verwaschen, wird aber von der recht lebendigen Gestaltung des Waldes mit wehendem Farn, Insekten und der hauptsächlich fleischfressenden Fauna aufgefangen.
Die Entscheidung, sich von jeglichen Lebens- und Munitionsanzeigen zu trennen, ist in dieser Hinsicht Gold wert. Informationen über euren Gesundheitszustand oder verbleibende Munition werden euch einmal ganz anders übermittelt – durch Jack selbst. Er teilt euch mit, ob ihm noch genügend Ersatzmagazine zur Verfügung stehen oder er schon „trocken“ ist. Bei Verwundungen durch die urzeitlichen Bestien tränkt sich der Bildschirm rot, der Puls wird laut hörbar, alles verschwimmt und Engelschöre singen ein surreales Liedchen. Dann wisst ihr auch ohne Energiebalken, dass jeder weitere schwere Treffer den Tod bedeutet.
Ich bin ein Star, holt mich hier raus!
Und dabei steckt Skull Island so voller Gefahren und Rätsel, die insgesamt aber etwas eintönig ausgefallen sind. Speere nehmen eine zentrale Rolle beim Austüfteln von Wegen ins Innere der Insel ein. Es geht meistens darum, die Speerspitze in Brand zu setzen und allerorts Dornenbüsche niederzubrennen oder lauernde Krabbeltiere zu schmoren, die euch den Weg zum Levelende versperren. Ihr nutzt die Holzlanzen, um morsche Tore aufzubrechen, spießt fette Maden oder ferkelgroße Libellen auf, um die wilden Vielfraße um euch herum für eine kurze Zeit abzuwimmeln. Auf Skull Island frisst nämlich jeder jeden, sodass sich selbst Taranteln den schmackhaften, eiweißhaltigen Waber-Würmern widmen. Dieses Feature ist ganz fantastisch gelungen und bietet eine herrliche Alternative zu blinder Flucht oder teuflisch beschränktem Dauerfeuer. Denn Pistole, Schrotflinte, Maschinen- und Scharfschützengewehr sind erschreckend schnell leer geschossen. Glücklicherweise unterstützt euch ein Kamerad aus der Luft mit Munitionskisten, die aber auch sehr bescheiden mit Kugeln gefüllt sind. Hier zeigt sich erneut der nervenaufreibende Realismus in King Kong: Ihr könnt nur eine Waffe mit euch führen; habt ihr alle Kugeln verschossen, bleibt euch nur zu hoffen, dass euch Mitstreiter Hayes seine Munition zur Verfügung stellt. Geht bloß sparsam mit eurem Blei um, sonst seid ihr gezwungen, zu den Speeren oder Knochen zu greifen, die nicht immer unmittelbar in eurer Nähe platziert sind. Ein Großteil der Spannung wird eben dadurch erzeugt, dass ihr an einigen Stellen einfach unterlegen seid, dass sich Rieseninsekten oder Saurier von allen Seiten heranschleichen und euch nur ein gutes Versteck retten kann. Überleben wird in King Kong zum fesselnden Spielprinzip!
So kämpft ihr euch durch das Dickicht und sucht nach besonderen Holzhebeln, die ihr für die zahlreichen Kurbel-Mechanismen braucht, um schwere Tore zu öffnen. Im Laufe des Survival-Trips werden die Aufgaben immer komplexer: Feuer muss über weite Distanzen transportiert und an Wasserfällen vorbeigeschleust werden, während ein paar Venatosaurier, aus Büschen oder von Felsvorsprüngen hopsend, ständig dazwischenfunken müssen. Leider bieten die Ego-Abschnitte in Sachen Rätseleinlagen viel zu wenig Abwechslung. Stets werden dieselben Vorgehensweisen abgefragt, sprich: Speer auftreiben, Feuer finden und Dornenbüsche abfackeln. Die Levels sind zudem sehr linear gestrickt, sodass die Suche nach Alternativrouten auch einmal fernab des Pfades keine Früchte tragen wird.
Orgasmus-Garantie
Die Beschränkung auf wenige Gameplay-Elemente gerät aber schnell durch äußerst spektakuläre Szenen in Vergessenheit. Das erste Aufeinandertreffen mit Kong, eine Brontosaurier-Stampede sowie die Bekanntschaft mit dem Scharfzahn-Dino V-Rex gehören zu ganz starken Momenten in der Videospielgeschichte, bei denen es euch vor Erstaunen kalt den Rücken herunter läuft. Während eure Kumpanen damit beschäftigt sind, ein Tor zu öffnen, seid ihr der prächtig modellierten Riesenechse ausgesetzt. Sie ist zwar unverwundbar, ihr könnt sie jedoch ablenken, in dem ihr beispielsweise schmackhafte Flugechsen vom Himmel holt, an denen sie wortwörtlich eine Zeit zu knabbern hat. Ungemein spannend ist auch euer Ausflug auf einem Floß, bei dem ihr von beiden Flussufern von grollenden Fleischfressern attackiert werdet. In solchen Momenten steigt der Schwierigkeitsgrad dann sprunghaft an, einige etwas unfair platzierte Gegner sorgen zudem für Hilflosigkeit und ein überraschendes Ableben. Auch wenn die Spielzeit nur etwa acht Stunden beträgt, so wird sie auch durch die bombastisch präsentierten Highlights mit „Wow!“-Prädikat sehr intensiv verlebt.
Donkey Kong für Grobmotoriker
Um den Film aber emotional ganz im Spiel nachvollziehen zu können, schlüpft ihr gelegentlich in die Rolle des Gorilla-Königs persönlich, den ihr aus der Verfolgerperspektive durch den unwegsamen Busch steuert. Das Ganze erinnert ein wenig an ein ultrarealistisches Donkey Kong 64: Ihr hangelt euch von Liane zu Felsvorsprung durch die Schluchten und schlagt und schleudert um euch. Sicherlich gehören die Kämpfe gegen die Tyrannosaurier-Verschnitte mit fatalem „Kieferknacker“ zu den besagten magischen Momenten des Spiels, aber auch sonst hat der – schnief – letzte Vertreter seiner Riesenaffengattung genug zu tun: Das blonde und recht kooperative Englein Ann will vor gefräßigen Raubtieren beschützt, ein Aufstand der Ureinwohner von Skull Island will zerschlagen und die Spitzenposition in den Charts der „Most Powerful Behemoths and Lawful Kings of a Mysterious Island“ verteidigt werden. Das Herumtollen und Demolieren mit dem Grobian macht eine Menge Spaß, hat aber auch dank einer ungemein fehlertoleranten Steuerung keine große spielerische Tiefe. Problematisch gestaltet sich ab und an die starre Kameraposition, die euch häufiger den Überblick verlieren lässt. Eine tolle Abwechslung sind die affigen Alleingänge aber allemal, die in einem würdigen Finale in den Straßen New Yorks enden. Das heißt für euch aber noch nicht Schicht im Schacht. Nach einmaligem Durchspielen stehen noch einmal alle Levels zur Auswahl, in denen ihr Punkte für Zusatzmaterial wie etwa ein Interview mit dem mageren Peter Jackson sammelt. Ihr erhaltet positive Punkte für getötete kleinere und größere Urzeitviecher, von denen dann negative für verplemperte Zeit, benutzte Speere oder Verletzungen von Jack oder seinen Teammitgliedern abgezogen werden.
INNOVATION
UbiSoft erfindet das Ego-Shooter-Genre zwar nicht neu, vermag ihm aber durch eine packenden Survival-Erfahrung im prähistorischen Dschungel eine andere Richtung zu geben. Einen Riesenaffen steuert man auch nicht alle Tage...
7 Punkte
Fazit
King Kong ist eine starke Filmumsetzung, die vor allem durch ihre Emotionalität, die ungemein dichte, klaustrophobische Dschungel-Atmosphäre und einige unvergessliche Szenarien auftrumpft.
- atmosphärisch erstklassig
- toller Sound
- intensiv, aber...
- ... sehr kurz
- wenig Gameplay-Abwechslung
Vielen Dank an die Firma UbiSoft für die Bereitstellung des Testmusters.

