
Pokémon: Smaragd Edition

Pokémon: Smaragd Edition
GBA
- Genre
- Rollenspiel
- Serie
- Pokémon
- Entwickler
- Game Freak
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- GBA
- Spieler
- 1–4 lokal
Seit dem Herbst 1999 wissen auch wir Europäer, was im Gange ist, wenn Exorzisten, Snowboarder, Weise, Menschen mit psychokinetischen Veranlagungen, Matrosen, Angler, Schwimmer, Techniker, Wanderer, Käfersammler, Schulkinder, Teenager, Streber, Schnösel, Ladys, Zwillinge, Karatekämpfer, Gitarristen und sonstige Menschen sämtlicher sozialen Schichten und Altersklassen kollektiv mit Bällen um sich werfen und mit niedlichen bis seltsamen Wesen gegeneinander antreten: Es ist mal wieder Pokémon-Zeit! Nach einer Fotosafari, einer sprachgesteuerten Simulation, Knobelspielen, Arena-Prügeleien, einem Point&Click-Adventure mit einem Fernseher im Mittelpunkt und vor allem massenhaft Rollenspiel-Editionen, welche namentlich außer dem Farbspektrum auch auf Edelmetalle und –Steine zurückgreifen, ist immer noch kein Ende in Sicht. Nach den Rot und Grün-Remakes im letzten Jahr erschien nun kürzlich die Smaragd-Edition – wie auch damals Gelb und Kristall eine Special-Edition, diesmal zu den 2003 erschienen Rubin- und Saphir-Editionen. Die Frage ist nun, ob sich auch jene zu bewähren weiß.
Same procedure as every year?
Auf die höchst abgedroschene Phrase „das Spielprinzip muss ja wohl kaum mehr einem erklärt werden“ verzichte ich. Dennoch entspräche sie weitgehend der Wahrheit, denn das grundlegende Gameplay respektive der Spielablauf ist – wäre auch verwunderlich wenn nicht – gleich geblieben. Der junge Held – wahlweise auch die junge Heldin – muss die acht Orden der Pokémon-Liga erringen und danach die besten Trainer der Hoenn-Region – die Top Vier (respektive „Fünf“, da seit Gold/Silber nach den vieren noch ein absoluter Champion wartet) – bezwingen. Nebenher sollte er – oder sie - noch mal eben eine verbrecherische Organisation (oder in diesem Fall sogar zwei, aber dazu später mehr) zerschlagen. Dazu steht eine Reise quer durch die Spielwelt an: Es müssen die Arenaleiter der jeweiligen Städte zur Herausgabe der begehrten Orden mittels Kampf überredet, Streifzüge durch Höhlen und Wildnis unternommen sowie Einkäufe und Tauschhändel getätigt werden und allem voran muss sehr, sehr viel im gewohnten rundenbasierten RPG-Stil gekämpft werden. Wie gewohnt findet man die begehrten Tierchen in der Oberwelt meist nur im hohen Gras; bei Überseereisen oder Höhlenexpeditionen kann es jedoch jederzeit zu unerwarteten Taschenmonster-Attacken kommen. Kämpfe, in denen die illustre Pokémontrainer-Gesellschaft unsere(n) Held(in) zum Kampf herausfordert, sind natürlich ebenfalls reichlich vorhanden. Aber auf welche Art auch immer – wir schicken unsere Monsterchen sehr häufig in den Kampf, leveln sie fleißig auf, bringen ihnen immer heftigere Attacken bei und gehen mit ihnen auf Erkundungstour, um weitere kleine Biester zu fangen. Dies machen wir mittels meist im Shop gekauften Pokéball, den wir aber erst einsetzen, wenn wir das zu schnappende Vieh mit unseren Attacken schon ordentlich geschwächt haben, damit es uns auch ja nicht entkommt. Aber wie immer müssen wir natürlich auch auf die Elementklassen achten – ein Wassertierchen sieht gegen ein vor elektrischer Spannung sprühendes Monstrum aufgrund der Gesetze der Physik ausgesprochen alt aus, und auch wenn unser Pflanzenmonster noch so stark ist – ein Feuerpokémon verarbeitet es rasch zu Humus. Und wie gehabt gibt es auch wieder – mit einigen Ausnahmen - männliche und weibliche Pokémon, die wir auch züchten und kreuzen dürfen – wer zwei Monster verschiedener Geschlechter in einer Pension abgibt, darf mit Glück ein Ei und den daraus resultierenden Poké-Nachwuchs mit nach Hause nehmen. Wie erstmals in R/S können unsere Begleiter wieder an Wettbewerben teilnehmen, in denen es um Schönheit, Anmut, Coolness und ähnliches geht; wer Beeren von Bäumen pflückt und zu schmackhaften Riegeln verarbeitet, kann diese Werte erhöhen (natürlich können die Beeren auch pur genossen werden – diese wirken dann wie Heilmittel und ähnliches). Wenig komplexe Dungeons, kaum Rätsel, dafür viel Geheimnisse und noch viel mehr Kämpfe – so weit, so gehabt.
Pflicht und Kür
Aber natürlich sind auch Neuerungen in der smaragdfarbenen Hoenn-Region zu verzeichnen. Zuallererst sind die Pokémon der im Zeichen des Rayquaza stehenden Edition natürlich wie immer an vielerlei Orten anders verteilt als in Rubin und Saphir. Weiters kann nun mit nur einem Modul eine Versammlung der legendären Arten zustande gebracht werden, was früher nur mit Link zwischen Rubin und Saphir funktionierte – neben Rayquaza können nämlich auch sowohl Groudon als Kyogre und sowohl Latias als auch Latios gefangen werden. Wenn die Pokémon aber derart gleichberechtigt werden, wollen die Schurken natürlich auch nicht zurückstehen – so darf der Spieler in der Smaragd-Edition sowohl gegen das verbrecherische Team Magma als auch das bösartige Team Aqua antreten. In Rubin und Saphir konnte man schließlich nur gegen jeweils eine dieser kriminellen Gruppierungen kämpfen. Und eine weitere positive Neuerung ist, dass die Doppelkampf-Rate deutlich gestiegen ist – wo in den R/S-Editionen eher selten 2vs2-Fights ausgetragen wurden, passiert dies in der aktuellen Version weitaus häufiger. Außerdem schließen sich im Gegensatz zu früher diesmal oft ziemlich verschiedene Trainer zusammen – wo damals nur eingespielte Teams wie Zwillinge zwei Tierchen gleichzeitig in den Kampf schickten, darf man sich heute oftmals gegen spontane Allianzen grundverschiedener Personen, wie beispielsweise aus einer Kämpferin und einem Gitarristen, zur Wehr setzen.
Weitere Neuigkeiten
Aber auch sonst gibt es selbstverständlich noch einige weitere kleinere und größere Veränderungen und Verbesserungen: Der Pokémon-Navigator (PokéNav) wurde mit einer zusätzlichen Funktion ausgestattet – abgesehen von der Weltkarte und der Anzeige der Wettbewerbs-Werte für die Monster, welche bereits in Rubin und Saphir vorhanden war, können nun manche der getroffenen Trainer jederzeit angerufen werden (eine integriertes Telefon gab es damals auch schon im PokéCom von Gold und Silber, es konnte sich jedoch nicht nach Rubin und Saphir retten). Bezüglich Sidequests kamen ein paar Dinge hinzu, und ein neuer Charakter taucht immer wieder auf. Sehr nett sind auch die neuen „Kampfcamps“, welche in manchen Städten aufgestellt wurden: Hier leiht ihr euch Kampfmonster aus und kämpft nacheinander gegen drei Trainer – im Falle eines Sieges lässt die Turnierleitung einen Preis springen. Außerdem wurde der achte Arenaleiter ausgewechselt, und via Wireless Adapter darf man, gemeinsam mit anderen Spielern, gefundene Beeren zu Pulver zermahlen, welches als Rohstoff für neue Medizin dient. Apropos „andere Spieler“: Natürlich sind wieder verschiedene Multiplayer-Modi – für manche ist ein Wireless Adapter notwendig, anderen genügt das altgediente Link-Kabel – anwählbar, in denen Tierchen getauscht oder als Gladiatoren in den gemeinsamen Kampf geschickt werden können (Diese Basisfunktionen klappen natürlich auch mit der Verkabelung, manche Gimmicks wie jene Beeren-Mühle oder der Chat setzen jedoch den kabellosen Adapter voraus). Mit Rubin, Saphir, Blattgrün und Feuerrot kann Verbindung aufgenommen werden; via GCN-GBA-Kabel natürlich ebenfalls mit Colloseum und wohl auch mit Pokémon XD. Neben all diesen hübschen Erweiterungen und ein paar sehr kleinen Änderungen wie das grüne Outfit des Hauptcharakters und einem leicht variierten Vorspann ist die das neue, nach dem Bezwingen der Top Vier zugängliche Gebiet der sogenannten „Kampfzone“ die wohl drastische Neuerung: In diesem komplett neuen Areal können an sieben verschiedenen Stätten ausgiebig Pokémon-Fights ausgetragen werden, in jeder mit anderen Besonderheiten und Regeln. Somit gibt es also doch eine ganze Menge an Updates gegenüber den 2003er Versionen – auch wenn diese natürlich kein komplett neues Spiel ausmachen.
Lom-bree-ro!
Dies muss natürlich auch erwähnt werden: Ein wirklich neuer Teil ist Smaragd, wie damals schon Gelb und Kristall, nicht. Komplett neue Pokémon sind nicht vorhanden, und Hoenn ist größtenteils unverändert geblieben. Die Neuerungen sind aber wie erwähnt dennoch sehr nett und ansprechend. Besitzer von Rubin und Saphir können sich eine Anschaffung gerne überlegen, müssen sich aber schon bewusst sein, dass der grundsätzliche Spielablauf und die der Großteil der Locations unverändert geblieben ist. Auch an der eher mauen Technik wurde wenig geändert; die Grafik unterscheidet sich nach wie vor nicht so sehr von den GBC-Versionen, wie man es sich wünschen würde. Ähnliches gilt für die Musik: Diese ist ebenfalls kompositorisch wie technisch eher gehobener Durchschnitt (auch wenn manche Tracks durchaus nette Highlights darstellen und nahezu alle ihre Ohrwurm-Qualitäten besitzen) und Sprachausgabe ist nach wie vor nicht vorhanden – hübsch sind aber die kurzen Bewegungsanimationen, welche am Anfang eines jeden Kampfes abgespielt werden. Geflügelte Tierchen flattern, oder Zigzachs bewegt sich – Überraschung! – stilecht im Zickzackmuster. Allerdings muss gesagt werden, dass solches bereits in Pokémon Kristall vorhanden war – in Rubin und Saphir war dieses Feature jedoch nicht mehr enthalten. Wer sich aber damals schon als Besitzer von Rot/Blau und/oder Gold/Silber die jeweilge(n) Special Edition(s) geholt hat und damit zufrieden war, kommt an Smaragd auf keinen Fall vorbei. Und wer weder Rubin noch Saphir besitzt und sich von der Edelsteingarnitur nur einen Teil besorgen will, ist mit der smaragdgrünen Edition auf jeden Fall am besten beraten. Aber zu welcher Gruppe man auch gehört, und obwohl Story und Technik nach wie vor schwächeln, die Dungeons etwas komplexer und abwechslungsreicher sein könnten und das sehr auf Kämpfe fokussierte Spielprinzig nach wie vor Geschmackssache ist: Mit Pokémon Smaragd erhält man ein sehr unterhaltsames Rollenspiel mit großem Umfang, einwandfreiem Gameplay und unzähligen möglichen „Partymitgliedern“.
Fazit
Mal wieder eine Special Editon eines bereits davor bestehenden Spiels – aber wenn wahrlich keine üble. Einen komplett neuen Teil der Serie darf der geneigte Spieler wie schon bei Gelb und Kristall nicht erwarten – trotzdem dürfen auch Besitzer von Rubin und Saphir gerne mit dem Gedanken spielen, sich Smaragd zuzulegen, und Neueinsteiger werden mit dieser Version auf jeden Fall am besten bedient. Nächstes Mal aber bitte eine umfangreichere Story und ansprechendere Technik, dann klappt es auch mit der 9er-Wertung!
- unverwüstliches Gameplay
- großer Umfang
- sehr nette Neuerungen...
- ...aber wie erwartet kein komplett neues Spiel
- Grafik und Sound nach wie vor veraltet
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

