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Geist

Geist

SuperMario80

Geist

NGC

Entwickler
n-Space
Publisher
Nintendo
Konsole
NGC
Spieler
1–4 lokal
Freigabe
USK ab 16

Die Einheit von Körper und Geist

John Raimi ist ein Spezialist für biologische und chemische Bedrohungen, der oft von Regierungen oder Unternehmen beauftragt wird, ihnen im Umgang mit gefährlichen Stoffen zu helfen. Ein solcher Auftrag erwartet ihn bei der „Volks Cooperation“, die angeblich Experimente mit solchen Stoffen durchführt. Begleitet von einer Elitetruppe macht er sich auf den Weg nach Südfrankreich, um Licht ins Dunkel zu bringen und um einen alten Freund zu retten, der als verdeckter Ermittler bei „Volks“ eingesetzt war und nun in Schwierigkeiten steckt.

Eigentlich sollte es ein kurzer Einsatz werden: Rein, Informationen sammeln und wieder raus, bevor es jemand merkt. Doch natürlich fliegt die Operation auf und das Team muss sich den Weg freischießen. Kurz vor dem Ziel dreht plötzlich ein Teammitglied durch und tötet den Rest der Truppe. Nur John bleibt verschont und findet sich kurze Zeit später in einer monströsen Maschine wieder, die gerade aktiviert wird.

Dunkelheit. Er erwacht und fühlt sich anders als jemals zuvor. Etwas stimmt nicht. Er fühlt sich leicht und scheint zu schweben. Das Licht kehrt zurück. Grüne Wiesen, Blumen und ein Hase, der sich in Zeitlupe bewegt. Was war nur passiert? Eine Stimme. Eine seltsame Stimme. Sie gibt ihm Ratschläge. Ein Geist? Er ein Geist? Nein, das kann nicht sein. Dennoch folgt er dem Rat der Stimme und nähert sich dem Hasen. Besitz ergreifen? Hat er sich verhört? Wie geht das nur? Einfach mal ausprobieren. Wow. So ist es also, ein Hase zu sein. Die Zeit läuft auch wieder in normalem Tempo. Merkwürdige Erfahrung. Nichts wie raus aus dem Karnickel. Das Licht verblasst wieder, die Farben versiegen. Alles wirkt so surreal. Erneut Dunkelheit.

Zurück auf der Erde. So langsam gewöhnt er sich an diesen Zustand. Ein anderer Geist gibt ihm Ratschläge; zeigt ihm, was er zu tun im Stande ist. Er kann nicht nur von Tieren Besitz ergreifen, sondern auch von Sachen und sogar von Menschen. Ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich. Damit ist klar, dass „Volks“ tatsächlich Experimente durchführt, allerdings ganz anders als vermutet. Schnell wird ihm klar, dass er seinen Kumpel Thomas Bryson vor diesem Schicksal bewahren muss, falls es nicht schon zu spät ist. Und seinen Körper will er auch schnellstens wieder zurück haben, falls das überhaupt möglich ist.

Schatten oder Geist?

Während man im Prolog noch davon ausgehen kann, dass es sich bei Geist um einen regulären FPS handelt, stellt man spätestens nach der Trennung von Körper und Geist fest, dass es sich um viel mehr als das handelt. Das fängt schon bei der Steuerung an, denn es gibt zwei Varianten, die unterschiedlicher und ähnlicher zur selben Zeit nicht sein könnten. Spielt man als Schatten, dann wird der Control Stick zum Drehen benutzt und der C-Stick zum Ausweichen nach links oder rechts. Als Geist sind die Funktionen genau vertauscht. Das hat aber keine Auswirkungen darauf, dass der Control Stick zum Vor- und Zurückgehen und der C-Stick zum Hoch- und Herunterschauen eingestellt ist, wobei man auch diese beiden Funktionen vertauschen kann. Somit spielt man das Spiel als Geist eher wie einen regulären FPS und als Schatten eher wie ein Adventure.

Unmittelbar nach der abstrusen Erfahrung im Jenseits beginnt Johns wahre Aufgabe. Er macht den Komplex von „Volks“ unsicher und bedient sich jeder Menge Hilfsmittel (tot oder lebendig), um seinen Freund zu retten und um seinen Körper zurück zu bekommen. Dabei stößt er auf immer neue Probleme, die sehr unterschiedliche Strategien erfordern. Will er in einen Raum, der nur Technikern vorbehalten ist, dann muss er eben einen finden und von ihm Besitz ergreifen. Das klingt zwar einfach, ist es aber nicht. Denn nicht jeder Mensch kann einfach so übernommen werden, sondern nur, wenn er sich vor Angst fast in die Hosen macht. Dazu ist John natürlich jedes Mittel recht und so wird er mal eben zum Farbeimer, Telefon, Feuerlöscher, Duschkopf, Computer oder Greifarm, um seine potenziellen Wirte soweit einzuschüchtern, dass er sich ihrer bemächtigen kann.

Dieses Feature hebt das Genre des FPS auf einen bisher ungeahnten Level, denn es ist nicht länger nur wichtig, möglichst viele Gegner zu töten ohne selbst den Löffel abzugeben, sondern viel mehr darauf zu achten, wie man am sinnvollsten mit seiner Umwelt interagiert. Im Laufe der Geschichte werden diese Vorgänge immer komplexer und später muss John sogar auf Tiere zurückgreifen, um zu geheimen Plätzen Zugang zu erhalten oder um Leute zu erschrecken.

Dabei sind die verschiedenen Level sehr sinnvoll durch Checkpunkte abgesichert, so dass man niemals denselben Boss zweimal besiegen muss. Teilweise sind die einzelnen Abschnitte zwar recht lang, und Speichern ist immer nur am Ende eines Abschnittes möglich, aber sie wirken nie unfair oder unmöglich. Dafür haben es die Bosse jedoch in sich. Wer geglaubt hat, dass er hier schon alles gesehen hat, der braucht sich nur mal eine Metamorphose zweier Endgegner aus „Metroid Prime“ und „Zelda: Ocarina of Time“ vorstellen. Anfangs sind sie zwar noch recht einfach und monoton gestrickt, aber spätestens wenn man die Möglichkeit hat auf mehrere Wirte während eines Kampfes zurückzugreifen stellt Geist alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Ein Schwachpunkt in der Steuerung ist die recht schwache Auto-Aim-Funktion, die das Zielen erleichtern soll. Bei Geist ist man quasi völlig auf sich allein gestellt, denn man wird nur durch eine Verfärbung des Zielkreuzes darauf aufmerksam gemacht, einen Gegner im Visier zu haben. Handelt es sich dabei um einen Gegner, der sich schnell bewegt, dann kann es leicht zu einem Problem werden, ihn zu erledigen. Da man im Einzelspieler-Modus jedoch in den FPS-Passagen unbegrenzte Munition zur Verfügung hat, werden diese Sequenzen meistens zu wahren Baller-Orgien.

Geisterhafter Look

Schon im Intro merkt man, dass das Spiel grafisch leider nicht auf dem neuesten Stand der Dinge ist, aber der durchschnittliche Besitzer eines GameCube ist ja seit „Resident Evil 4“ sowieso eher verwöhnt. Allerdings kann es auch nicht mit den fantastisch aussehenden Metroid Prime-Spielen mithalten. Dazu sind die Charaktere etwas zu kantig, die Levels eine Spur zu einseitig und die Texturen einen Stich zu trostlos. Trotzdem kann man ohne Weiteres sagen, dass die Optik des Spiel wirklich etwas hermacht und sich nicht zu verstecken braucht. Wir haben schon weitaus Schlimmeres erlebt.

Nur schwer zu entschuldigen ist allerdings die sehr unstabile Framerate. Meistens merkt man davon nichts, aber es gibt auf jeden Fall zu viele Szenen, in denen der Bildfluss merklich in die Knie geht. Positiv daran ist jedoch, dass es zu keinem Zeitpunkt das Spielen soweit stört, dass es ungenießbar wird. Es ist lediglich ein Ärgernis, das nicht hätte sein müssen. Dafür sehen die Endgegner wirklich toll aus und wirken so bedrohlich, wie sie sind. Hier können sich andere Spiele eine große Scheibe abschneiden!

Leider haben die Entwickler auch an guter Musik gespart, denn Geist wird nur äußerst selten von stimmungsvollen Klängen unterstützt. Das ist umso bedauerlicher, da die wenigen, die es gibt, wirklich toll zur Stimmung beitragen. An den Soundeffekten ist absolut nicht auszusetzen und auch die Stimmen sind sehr passend gewählt und gut zu verstehen. Lediglich an der Häufigkeit der stimmlichen Untermalung kann gemeckert werden, denn die beschränkt sich auf die Zwischensequenzen.

Ein weiterer großer Schwachpunkt ist das Fehlen eines 50-Hertz-Modus, so dass man das Spiel nur auf Fernsehern spielen kann, die den PAL-60-Modus beherrschen. Warum sich Nintendo zu diesem Schritt entschieden hat, ist nicht nachzuvollziehen. Andererseits hat mittlerweile so gut wie jeder Fernseher diesen Standard, wodurch sich die Auswirkungen dieser Einschränkung in Grenzen halten.

Kampf der Geister

Was ist das größte Problem von FPS im Multiplayer? Man wird getötet, kommt zurück und steht direkt waffenlos einem Gegenspieler gegenüber. Schon gehen die Lichter wieder aus. Dumm gelaufen. Nicht so bei Geist, denn wer als Geist zurück auf die Welt kommt, kann auch erst einmal nicht angegriffen werden. Es gibt also genug Zeit, sich wieder zu orientieren und einen Gegenangriff zu starten. Allerdings geht es in diesem Spiel ja nicht nur ums Töten, weshalb es auch drei verschiedene Modi gibt.

Zunächst wäre da das „Besessenheits-Deathmatch“. Hier geht es darum, möglichst viele Wirte zu eliminieren. Ergreift man von einem Wirt Besitz, kann man Waffen und Items aufnehmen und seine Gegner angreifen und töten. Wird der eigene Wirt über den Jordan geschickt, muss man sich erst einen neuen suchen, bevor man wieder auf die Jagd gehen kann. Verlässt man einen Wirt wegen Munitions- oder Kräftemangel, dann ist dieser Wirt noch für drei Sekunden verwundbar und kann so den Gegnern zu leichten Punkten verhelfen. Mittels spezieller Items übernimmt man als Geist auch Wirte, die bereits besessen sind.

Bei „Nimm den Wirt gefangen“ ist das Ziel, möglichst viele Wirte zu sammeln und zu seiner eigenen Basis zu bringen. Allerdings können auch in diesem Modus Wirte getötet werden und so dem Gegner zu Punkten verhelfen. Tötet man einen Wirt, bekommt man einen Punkt, der allerdings untrennbar mit dem eigenen Wirt verbunden ist und daher verloren geht, wenn der Wirt stirbt. Um Chaos vorzubeugen, hat jeder Spieler eine eigene Basis, die er beliefern muss.

Auf der „Jagd“ befinden sich Wirte und Geister im direkten Kampf gegeneinander. Geister töten Wirte, in dem sie von ihnen Besitz ergreifen und sie dann zum Selbstmord zwingen. Wirte töten Geister mit speziellen Items. Es gewinnt die Gruppe, die zuerst alle anderen Gruppen vollständig vernichtet hat. Insgesamt können hier acht Figuren mitspielen, wobei maximal vier durch menschliche Spieler gesteuert werden und der Rest durch KI gelenkt werden.

Am Anfang ist die Auswahl der Level und Optionen noch stark begrenzt. Im Einspieler-Modus gibt es jedoch jede Menge versteckte Artefakte, die man finden muss, um neue Dinge frei zu spielen. Man sollte also dort immer die Augen offen halten und nach Geheimgängen und versteckten Orten suchen, damit sich der Spaß zu mehreren vergrößert.

Insgesamt ist der Mehrspieler-Modus unschlagbar gut. Die verschiedenen Modi und die Möglichkeiten, die das Konzept mit sich bringt, hat es so noch nicht gegeben und machen den Titel zu einem Dauerbrenner.

Geistreiche Innovation

Da Nintendo es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Welt der Videospiele zu revolutionieren, haben wir uns überlegt, dass eine Innovationswertung in unseren Reviews her muss.

Geist schwimmt auf der Innovationswelle von Nintendo ganz oben mit. Der Titel befindet sich einerseits in einem bekannten Genre, das es allerdings durch seine Art und Weise neu erfinden will. Dabei gelingt der zweite Auftrag ein wenig besser als der erste, denn es handelt sich im Wesentlichen nicht um einen First-Person-Shooter, sondern um ein geistreiches Adventure, das aus der Egoperspektive gesteuert wird. Dabei ist das neue Feature nahezu perfekt eingesetzt und sorgt für einen wahrhaft neuartigen Spielspaß. Ein paar Schwächen in der B-Note, besonders die starke Linearität, verhindern eine höhere Bewertung.

Innovation 9

8.5Wertung

Fazit

Geist hebt dank raichlicher innovationen das Genre auf ein neues Level, lediglich technische Ungereimtheiten schmälern den Spielspaß. Dennoch bleibt ein sehr gutes Spiel übrig, das alleine fesselt und den Mehrspieler-Modus des Genres revolutioniert. So sollte man es auch anspielen, auch wenn man FPS ansonsten nicht mag, aber vor allem keinen klassischen Ego-Shooter erwarten.

Design
7.5
Sound
7.5
Online Multiplayer
9.0
  • grandiose Idee
  • tolles Gameplay
  • umwerfender Mehrspieler-Modus
  • recht schwache Grafik

Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

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