
Polarium

Polarium
NDS
- Genre
- Puzzlespiel
- Entwickler
- Mitchell
- Publisher
- Nintendo
- Konsole
- NDS
- Spieler
- 1–2 lokal
Denkspiele faszinieren Menschen seit eh und je. Im Bereich der Videospiele hat dieses Genre mit Tetris die Gehirnwindungen der Spieler zum ersten Mal beansprucht. Der Sprung in die dritte Dimension in Tetrisphere wurde auf dem N64 möglich gemacht. Mit dem Nintendo DS wird nun, dank seines Touchscreens, die nächste Generation dieses Genres eingeläutet. Obwohl die Spiele augenscheinlich viele Gemeinsamkeiten haben, es geht darum möglichst viele Steine durch geschickte Handlungen verschwinden zu lassen, sind sie dennoch grundverschieden.
Aus Schwarz mach Weiß – Aus Weiß mach Schwarz
Wenn man das Modul zum ersten Mal eingelegt hat, wird man mittels Tutorium in die Regeln und Prinzipien des Spieles eingeführt. Im Grunde geht es darum, Schwarze und Weiße Steine so umzudrehen, dass in einer horizontalen Reihe jeweils nur noch eine Farbe vorkommt. Ist das der Fall, dann verschwindet die Reihe und man kann sich der nächsten zuwenden. Die Steine ändern ihre Farbe, wenn man sie mit dem Stylus markiert und dann nochmals anklickt. Das klingt jetzt zwar im ersten Moment ein wenig farblos, aber man stellt schnell fest, dass dies nicht so ist.
Der Trick ist es nämlich, möglichst viele Steine auf einmal zu markieren um Zeit zu sparen und Punkte zu gewinnen. Setzt man den Stift an einer Stelle an, dann kann man nach oben, unten, rechts oder links eine gerade Linie ziehen, bis man den gewünschten Zielpunkt erreicht hat. Von dort aus kann man dann wieder in einer der drei anderen Richtungen weiterziehen. So kann man alle benötigten Steine markieren und sie dann mit einem einzigen Klick umdrehen. Alle Reihen, die nach dieser Aktion nur noch einfarbig sind lösen sich auf. Um noch größere und komplexere Puzzle-Variationen zu ermöglichen, gibt es einen Rand um das Spielfeld, der nicht von Steinen belegt wird, aber als „Fahrbahn“ für die Markierungen nutzbar ist. So kann man auch solche Steine in einem Zug erreichen, die sonst auf die zweite Runde warten müssten.
Die Idee ist einfach genial und auch mindestens genauso gut umgesetzt. Das System und die Regeln sind sehr intuitiv und daher schnell erlernt. Nach nur wenigen Runden begreift man immer besser, wie man die Steine drehen muss um viele Reihen auf einmal aufzulösen. Es gibt dabei viele verschiedene Muster, die man bald verinnerlicht hat und somit schnell große Fortschritte macht.
Fesselnde Aufgabe inklusive
Die zwei wichtigsten Spielmodi sind „Aufgaben“ und „Taktik“. Im Aufgaben-Modus fallen von oben immer neue Steine nach und man muss die unten liegenden schnellsten verschwinden lassen, damit die Oberkante des Spiels nicht den Bildschirmrand erreicht. Dieser Modus ist gut mit Tetris vergleichbar, allerdings ungleich schwerer. Denn hier fallen, statt einzelner Steine, immer mehrere Reihen auf einmal von oben herab, die man dann möglichst gezielt auflösen muss. Dazu sollte man mit dem Stift möglichst viele Steine gleichzeitig markieren und umdrehen. So ist es möglich, viele Reihen auf einmal verschwinden zu lassen, was natürlich auch zu mehr Punkten führt.
Im Taktik-Modus wird das Spiel zu einem echten Denkspiel. Die Entwickler haben hier 100 verschiedene Puzzles integriert, die man in einem Zug komplett auflösen muss. Das Feld ist hierbei maximal 10x10 Felder groß und komplett mit schwarzen und weißen Steinen gefüllt. Es gilt nun, den richtigen Ansatzpunkt zu finden und alle Steine auf einen Schlag so umzudrehen, dass alle Reihen nachher nur noch einfarbig sind und verschwinden. Während die ersten Levels noch recht einfach und schnell durchschaut sind, wird es spätestens in den oberen 50 immer schwieriger. Die Bilder sind nicht mehr so leicht zu durchschauen und man muss teilweise sehr lange nachdenken, bis man auf eine Lösung kommt. Diese 100 Puzzles sollten den Durchschnittsdenker etwa 10-15 Stunden fesseln, bevor auch das letzte geknackt ist. Ein weiteres interessantes Feature ist die eigene Erstellung von Puzzles. Man kann eigene Konstellationen aufbauen und auf dem Modul speichern. Mittels eines Codes oder W-LAN kann man diese Puzzles an andere Denker übermitteln. Insgesamt kann man bis zu 100 solcher selbst erstellter Aufgaben speichern, wobei die Anzahl der Speicherplätze von der Anzahl geschaffter Puzzles im Taktik-Modus abhängt.
Den Aufgaben-Modus kann man im Prinzip unbegrenzt genießen, allerdings gibt es auch hier ein Ziel. Wenn man es geschafft hat, 1.000 Reihen abzubauen, darf man sich zu Recht Polarium-Mastermind nennen, denn diese Aufgabe ist kein Kinderspiel. Es bedarf dazu eines guten Auges, umfassender Kenntnisse der verschiedenen Figuren, einer ruhigen und schnellen Hand sowie einer lang andauernden Konzentration.
Besonders hervorzuheben ist, dass man zur Steuerung des Spiels nur den Touchscreen nutzt und niemals einen Knopf auf dem DS drücken muss. Dadurch vermittelt das Spiel ein völlig neues Gefühl, denn man interagiert die ganze Zeit unmittelbar mit der Hardware um die Aufgaben zu lösen.
Duelle unter Menschen
Natürlich nutzt das Spiel auch die W-LAN Fähigkeiten des DS aus. So kann man mit nur einem Spielmodul zu zweit gegeneinander antreten. Das Prinzip eines solchen Duells ist denen in Tetris sehr ähnlich. Reihen die ein Mitspieler abbaut, werden zum anderen Spieler „geschickt“. Wer zuerst alle Reihen abbauen kann, oder bei Zeitablauf weniger Reihen übrig hat, gewinnt das Spiel. Für ein solches Duell kippt man den DS um 90 Grad nach Rechts, so dass die Bildschirme nebeneinander liegen. Auf dem Touchscreen sieht man sein eigenes Feld und auf dem normalen Bildschirm das Feld seines Gegners. So hat man stets im Auge, was auf einen zukommt und wie nah man dem Sieg oder der Niederlage ist.
Ein weiteres interessantes Feature im W-LAN ist die Möglichkeit der Übermittlung einer Demo auf einen anderen DS. Hat man das Modul eingelegt, dann kann man schnurlos eine Probeversion an einen anderen DS übertragen. Danach kann das Spiel auf der anderen Konsole so lange gespielt werden, bis sie ausgeschaltet wird und es werden dadurch Duelle mit nur einem Modul möglich. Leider liegt es in der Natur des Spieles, dass maximal zwei Spieler gegeneinander antreten können, denn sonst würden die Duelle schnell unübersichtlich werden.
Action in zwei Farben
Ein Blick auf die Screenshots verdeutlicht schnell, was man vermutlich schon befürchtet hat. Die Grafik ist nicht unbedingt atemberaubend, sondern eher schlicht und zweckmäßig. Es gibt sicher Personen, die das stören würde, allerdings dürfte es sich dabei nur um eine Minderheit handeln. Schließlich kommt es hier nicht auf die atemberaubende Darstellung sondern auf die Gehirnzellen fordernden Aufgaben an. Somit gibt dieser Punkt nicht wirklich Anlass zur Kritik, sondern im Gegenteil eher Raum für Lob. Trotz der grafischen Fähigkeiten des DS sind die Schöpfer am Boden geblieben und haben sich auf das wesentliche konzentriert um dafür zu sorgen, dass das Spiel Spaß macht.
Etwas hätten die Entwickler jedoch besser machen können. Die Musik als eintönig zu bezeichnen wäre absolut untertrieben, da die Melodie nur einige Sekunden lang ist und sich ständig wiederholt. Mag sein, dass das etwas übertrieben ausgedrückt ist, aber genau dieser Eindruck entsteht beim Spielen. Allerdings passen sowohl Melodie als auch Soundeffekte unglaublich gut zum Spiel, denn sie lenken den Spieler beim Denken kaum ab, aber sorgen gleichzeitig dafür, dass man nicht in akustischem Vakuum zocken muss. Dies ändert aber nichts daran, dass dem Spiel hier etwas mehr Abwechslung gut getan hätte.
Fazit
Mit Polarium kommt garantiert keine Langeweile auf. Die Entwickler haben es geschafft ein Spiel zu kreieren, das es ohne weiteres mit Tetris & Co aufnehmen kann. Die zwei sehr unterschiedlichen Spielmodi bieten mehr als genug Abwechslung und sowohl Aufgaben für kurzzeitige Langeweile als auch als langfristiger Zeitvertreib. Grafik und Sound sind zwar nicht auf der Höhe der Zeit, aber das ist in diesem Genre sowieso weder gewollt noch sinnvoll. Vor allem wegen des fairen Preises von unter 30 Euro sollte kein DS Besitzer auf das Denkspiel der neusten Generation verzichten.
- Unschlagbarer Preis im DS-Lineup
- Fesselndes Gameplay
- Knackige Rätsel
- Steuerung nur mit dem Stylus
- Grafisch eher zurückhaltend
Vielen Dank an die Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

