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Prince of Persia: Warrior Within

Prince of Persia: Warrior Within

Mana Drache

Prince of Persia: Warrior Within

NGC

Entwickler
Ubisoft
Publisher
Ubisoft
Konsole
NGC
Spieler
1 lokal
Freigabe
USK ab 16

Todesangst. Den gesichtslosen Nemesis im Nacken. Nur das Vorne im Blick. In einem Mantel verhüllt prescht ihr durch die düsteren, von Nebel und Nacht verschleierten Gassen. Schmettert über die Balustrade, trümmert über die Dächer. Flieht! Springen, hangeln, wuchten, hetzen. Nein! Sackgasse, kein Entkommen. Und mit leichtsinnigem, aussichtlosem Mut bleibt nur noch die Konfrontation. Und wie sehr habt ihr euch doch gewünscht, die beiden Säbel an euren Seiten ruhen zu lassen...

Gestatten, Dahaka, Auftragskiller der Zeit.

Das eindrucksvolle Intro könnte nicht besser auf das bevorstehende Abenteuer um den persischen Prinzen einstimmen. Mit seinem düsteren, rohen und furchteinflößenden Flair fängt es das neue Image des gejagten Blaublutes gekonnt ein: mit allen Wassern gewaschen und blutdurstiger denn je. Das kommt nicht von irgendwo: Die Geschichte spielt nämlich einige Jahre nach The Sands of Time, in dem der Prinz den besagten Sand der Zeit aus der Uhr befreite. Dem Dahaka, einem monströsen Geschöpf, geschaffen, um die Ordnung im Zeitverlauf wieder herzustellen, sagt es gar nicht zu, dass ein dahergelaufener Bengel – und sei er auch adliger Abstammung – die Zeit verknotet. Gemein. Um alles wieder in die geregelten Bahnen zu lenken, wird der Dahaka in den Außendienst versetzt – der Störenfried muss sich seinem Schicksal fügen und sterben. Seither jagt der listige Dahaka dem Prinzen hinterher, folgt ihm auf Schritt und Tritt. Um diesem Katz-und-Maus-Spiel zu entgehen, entschließt sich der des Verängstigte, zur Insel der Zeit zurückzukehren, um dort die Erschaffung des Sandes in der Vergangenheit aufzuhalten und der Herrscherin das Handwerk zu legen.

Klettern, Kampf und Köpfchen

Und schon auf der Überfährt zum Eiland tauchen erste Probleme auf. Das Schiff wird geentert und Mr. Persien jr. tanzt erstmals nach euren Befehlen. Auf dem Segelschiff könnt ihr in Form eines kompakten Tutorials den Umgang mit den Klingen lernen, wie man stilvoll tötet und dabei noch Handstand macht! Eure ersten Schritte auf der Insel werden gleich für eine Einweisung in das akrobatische Erklimmen von Bergen und Gebäuden genutzt. Nach und nach erkundschaftet ihr die gigantischen Tempelanlagen und Festungen der Insel, säbelt und dolcht euch den Weg zur Herrscherin frei. Sogenannte Warp-Räume nutzt ihr dazu, zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu wechseln. Dabei offenbart sich natürlich ein ganzer Komplex von Möglichkeiten für das Gameplay. Der Besuch zweier symmetrischer Welten verhilft euch beispielsweise dazu, Gänge, die in der Gegenwart blockiert oder unerreichbar sind, in der trümmerbehafteten Vergangenheit zu durchschreiten, dann via Warp-Portal zurück zu wechseln, um das versiegelte Tor des Herrscherinnenthronsaals zu öffnen. Neben Klettern und Kämpfen ist bei der zünftigen Zeitreise nämlich auch Köpfchen angesagt. Zahlreiche Schalterrätsel gilt es zu lösen: Ob ihr nun Wasserspeier so miteinander verbindet, dass ein durchgängiges Bächlein entsteht oder nach und nach die Zahnräder eines beeindruckenden Mechanismus zusammenführt, zeigt, dass unser Held nicht nur seinen Bizeps zu nutzen weiß. Ihr werdet zwar nicht so gefordert wie etwa der Mondphasen-Raum in The Sands of Time, dennoch sorgen die Rätsel für eine angenehme Anregung der Hirnzellen. Vom Umfang her hat Warrior Within zugelegt: Bis alle Upgrades gefunden und Artworks-Truhen aufgestoßen sind, vergehen zwischen zwölf und fünfzehn Stunden.

Das Gameplay lässt sich prima in zwei Bereiche untergliedern: in Kampf- und Kletterkünste. Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem die Schwertschlägereien wenig gehaltvoll und eintönig ausfielen und durch die stets nachrückende Sandkasten-Armee Frustmomente provozierten, hat sich das Bild in Warrior Within deutlich zum Positiven gewandelt. Das Repertoire an Schlagtechniken hat sich immens erweitert und ist dank Hinzunahme einer Sekundärwaffe in der linken Hand wesentlich facettenreicher. Einem etwas abgespeckten Beat’em Up gleich massakriert ihr mittels Joypadakrobatik zwischen A, B, X, Y und der rechten Schultertaste und führt bis zu sechsstellige Kombinationen aus. Daraus resultieren dann ganze Schlagsalven und akrobatische Elemente, die mit so prunkvollen Namen wie „Furien-Hieb“ oder „Peinigender Taifun“ ausgestattet sind und ebenso majestätisch in Szene gesetzt werden. Während der Kämpfe wird Interaktion mit der Umwelt groß geschrieben: Ganz galant schwingt sich der Prinz um eine Säule, zückt den Säbel und führt ihn wie Butter durch die Kehlen der Widersacher. Steile Wände spurtet das ganz und gar nicht zimperliche Blaublut in Windeseile hinauf, stößt sich ab, vollführt einen Rückwärtsüberschlag, landet hinter dem verdutzten Gegner und hinterlässt wortwörtlich einen zwiespältigen Eindruck. Im Wahn folgt ein „Landeschlitzer“ auf eine „Mauer-Tauch-Attacke“, gekrönt mit einem „Mauer-Sturz-Finish“, Drehung, Sprung und ... plumps! Da ist unser persischer Prahler vor lauter Arroganz wohl wahrhaft vulgär in die klaffende Schlucht gestürzt. Manchmal ist es wirklich frustrierend, wie sensibel die Steuerung reagiert. Drückt man R in der Nähe eines Gemäuers, um feindliches Eisen zu blocken, kommt es vor, dass der Zeitritter einen nicht eingeplanten Mauerlauf vom Stapel lässt und abstürzt. Auch bei Sprungschlägen landet ihr häufig, ganz heroisch mit gezogener Waffe, im Nichts und schickt den Dahaka in Frührente. Achtet also immer penibelst darauf und kontrolliert, welche Attacken umgesetzt werden sollen, sonst macht euch die leicht reizbare Steuerung einen Strich durch die Rechnung.

Klingenfutter

Neben einem Schwert, das ab und an durch noch zärtlichere Klingen ersetzt wird und euer ständiger Begleiter und scheinbar einziger Seelenverwandter zu sein scheint, finden sich allerorts Halterungen, an denen Sekundärwaffen hängen und auf einen neuen Besitzer warten. Alternativ stibitzt ihr dem unachtsamen Fußvolk Axt, Sichel oder Dolch oder schlagt zu, bis es Derartiges neben dem Löffel abgibt. Die Gegnerschar fällt nun nicht mehr unberechenbar vom Himmel: Was tot ist, bleibt tot und wird nicht durch neue Wannabe-Ninjas, mehr oder weniger sichtbare Sadistinnen oder feurige Knallköter ausgewechselt. Das obligatorische Klingenfutter wird aber durch zahlreiche Zwischengegner tatkräftig unterstützt. Da ist zu einem der immer wieder auftauchende Dahaka, seines Zeichens unbesiegbar, der euch in nervenaufreibenden und toll präsentierten Verfolgungsjagden durch die Kammern scheucht. Einem riesigen Troll geht ihr zwischen die Beine und bearbeitet - der französischen Hauptstadt ebenbürtig - die Achilles-Ferse des Wackelpuddings, bis dieser schwächelnd zusammensackt. Mit einem Hüpfer auf die Schultern nimmt sich der Prügelprinz den empfindlichen Schädel vor, immer den Pranken des Zig-Käse-Hochs ausweichend, der den kratzigen Prinzenparasiten schnellstmöglich loswerden möchte.

Geklettert wird aber am wenigsten an überdimensionalen, ehernen Speckbohnen, sondern vielmehr im architektonisch äußerst beeindruckenden Abenteuerspielplatz Persiens. Dabei sind die Aktionsmöglichkeiten herrlich vielfältig: Von Hangeln, Balancieren und Wandlaufen am Felshaufen, über Säulenklettern, Prinzenrolle und Wandspringen nach Seilschwingen sind alle leichathletischen Fertigkeiten so stimmig aneinandergereiht, so intuitiv und fordernd, dass man den Leveldesignern wegen ihrer Raffinesse und Ideenvielfalt ein großes Lob aussprechen muss. Manchmal jedoch wird ein entscheidender Sims übersehen, über den ihr zu einer höheren Ebene gelangt. Trotz hinweisender Kamerawinkel führt das hin und wieder zu Frustmomenten. Dass der Schwierigkeitsgrad trotz dreier einstellbarer Härtegrade im Vergleich zum Vorgänger deutlich angezogen hat, merkt man auch an den fallenbespickten Passagen. Da reihen sich Kreissägekolonien, zermalmende Steinquader, Nagelkissen, auf denen sich prima schlafen lässt (nämlich für immer), und rotierende Klingen in Bauchnabelhöhe aneinander, die das Meiste in den Schatten stellen, was uns The Sands of Time geboten hat. Ganz besonders knifflig gestalten sich die Gänge, an deren Ende sich der Prinz eine Erweiterung seiner Lebensenergie zuführt. Zum Glück ist der Gehetzte mit der Macht über die Zeit ausgestattet, was ihm erlaubt, bei ungewollten Basejump-Manövern ohne Fallschirm oder besonders einschneidenden Erfahrungen mit der Klinge von Nebenan die Uhr zurückzustellen. Das Spiel wird dabei eine gewisse Zeit zurückgespult und ihr dürft euch erneut ans Werk begeben. Oder aber ihr verlangsamt die Zeit um euch herum, um rechtzeitig ein sich schließendes Tor zu durchlaufen oder den Fieslingen ein paar Schritte voraus zu sein. Kostenlos ist der Spaß selbstverständlich nicht: Mit jeder Aktion wird mindestens einer eurer Sandbehälter geleert. Also achtet darauf, dass ihr Vasen oder niedergestreckten Schwertopfern die existenziellen Sandhaufen entlockt.

Schiri, Zeitspiel!

Im Verlauf des Abenteuers erlernt ihr weitere Kniffe, an den Zeigern der Uhr zu spielen. Vor allem in Situationen, in der sich eine ganze Horde schwertschwingender Handlanger um euch versammelt hat und euer rechter Zeigefinger schon ganz blau vom Durchdrücken der R-Taste geworden ist. Mit so furiosen Zeit-Mächten wie dem „Odem des Schicksals“ oder der „Verwüstung der Zeit“ entfacht ihr unterschiedliche Befreiungsschläge, die das Gesindel um euch herum zu Boden befördern oder aber – im Falle der Verwüstung – in Windeseile in einem Blutrausch geschnetzelt werden – in Diabolischrot getränktem Bildschirm natürlich. Trotz zarter Tadel haben wir es im Bereich der Spielbarkeit mit einem astreinen Vorzeigeprodukt zu tun, das nur ganz selten unfair wird. Letztendlich müsst ihr euch wohl damit anfreunden, dass sich der Fehler, den Prinzen mit einer Pirouette geradewegs in die Stachelgrube katapultiert zu haben, nicht im Spiel, sondern vor dem Bildschirm befindet. Wie flüssig die Aktionen ineinander übergehen, wie geschmeidig sich Kampf und Akrobatik verbinden lassen, macht deutlich, dass Warrior Within mit seinen Erweiterungen The Sands of Time überbietet.

Sadismus?

Die Frage nach dem Sinn der Brutalität in Prince of Persia ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits betont es das düstere, kompromisslose Image des „neuen“ Prinzen, auf der anderen Seite muss man sich doch wirklich fragen, ob die Slow-Motions der Körperspaltungen sowohl horizontaler als auch vertikaler Art oder die zelebrierte Nahaufnahme des „Greifschlitzers“ (muss wohl nicht näher erläutert werden) in einer sprudelnden Lebenssaft-Fontäne von Nöten sind. Der düstere Look war ein gewagter Schritt, so ist er auf Kosten des märchenhaften arabischen Flairs, des Zaubers von tausendundeiner Nacht, geschehen. Damit verliert das Abenteuer an Charme, die Wandlung des Prinzen zum gnadenlosen Brutalo ist für Spieler des ersten Teil etwas befremdlich.

Augen und Ohren auf!

Die thematisierte Dunkelheit schlägt sich natürlich auch auf den Grafikstil nieder. Angefangen bei dem düsteren Titelscreen über den in die Nacht gebetteten Kampf auf dem Schiff bis in die Hallen der Herrscherin, die allesamt durch ihren dämmrigen Schleier auffallen. Es ist die aus einem Guss wirkende Umgebung, die atmosphärischen Texturen und das Spiel mit den Lichtquellen und Nebelschwaden, die ein geheimnisvolles Ambiente aufkommen lassen. Den grafischen Höhepunkt stellen die hängenden Gärten dar, die mit einer üppigen Flora daherkommen und vor allem bei den Kletterpassagen einen in goldenem Licht eintauchenden Blick auf das Meer zulassen. Grafisch gehört Warrior Within zweifelsohne zur Elite auf dem GameCube. In besonderem Maße sind die Animationen des Prinzen hervorzuheben: Der Charakter und seine Bewegung verschmelzen mit der Umgebung, ein Schlag wird in einem Zug in einen anderen übergeleitet. Was traditionelle Animation doch alles leisten kann, wenn fähige Grafiker am Werke sind - Motion Capture hat die wahren Künstler noch lange nicht verdrängt!
Beim Sound hingegen werden sich die Geister scheiden: Die meiste Zeit hält sich die Musik bescheiden zurück und lässt Geräuschen von Schritten, knirschenden Zahnrädern oder plätscherndem Wasser den Vortritt. Sobald jedoch ein Bösewicht in Szene tritt, dreht der Sound auf und bombardiert den Spieler in wildem Gitarrengeschrammel mit orientalischen Touch. Das ist sicherlich eine Geschmackssache, aber für mich passt das einfach zum „Prince of Darkness“ und ist eine konsequente Unterstreichung des neuen Images auch in auditiver Hinsicht. Mit fetzigen, wilden Riffs seid ihr bestens aufgelegt, eure Feinde im Zeichen des Hardrocks ganz besonders cool aus dem Weg zu räumen. Yeah.

8.5Wertung

Fazit

Prince of Persia: Warrior Within übertrumpft seinen schon bombastischen Vorgänger aus spielerischer Sicht. Das reichhaltigere Kampfsystem geht bis auf kleinere Problemchen intuitiv von der Hand, die Kletterabschnitte überzeugen durch hohe Genauigkeit und hilfreiche Fehlertoleranz. Das neue Image mit der Abkehr vom Märchenhaften, die überzogene Gewalt und der knackige Schwierigkeitsgrad werden hingegen nicht jedermanns Geschmack sein.

Design
9.0
Sound
7.0
  • klasse Kampfsystem
  • fordernde Levelarchitektur
  • Technik
  • Image-Wechsel Geschmackssache
  • teils zu schwer
  • unnötig brutal

Vielen Dank an die Firma Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.

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