
FIFA Football 2005

FIFA Football 2005
NGC
- Genre
- Sportspiele
- Entwickler
- EA Sports
- Publisher
- EA Sports
- Spieler
- 1–4 lokal
Ein Jahr ist vorüber und so selbstverständlich wie ein schwächelnder Sommer und ein verregnetes Weihnachten erschien kürzlich das neueste Update der FIFA-Serie auf dem GameCube. Schnörkellos ohne Intro, wie es noch im Vorgänger die frische, aber leider auch völlig verkorkste Off-the-Ball-Kontrolle näher brachte, werden wir über die gewohnt übersichtliche Menüführung zu einem ausgebauten Karrieremodus geführt, bei dem wir uns nicht bloß fünf, sondern gleich fünfzehn Jahre als Trainer unter Beweis stellen. Als unterschätzter (?) Nobody heuert man bei einem kleinen Verein unterer Leistungsstärke an und kämpft sich bis in die höheren Ligen vor. Die Mannschaft besteht zu Beginn noch aus Halbinvaliden und notorischen Fehlschützen, aber mit ersten Erfolgen verdient man sich nicht nur Bestätigung in seinem Job als Coach, sondern auch Punkte, die wir in Sport- und Managementabteilungen unterbringen, um die Truppe im Sturm oder in der Abwehr zu stärken oder die Heilfähigkeit des Medizinmannes zu verbessern. Erste Effekte werden mit der Zeit spürbar. Mit einem prallen Budget kann man sich auch prima auf dem Transfer-Markt austoben. In erster Linie geht es hier darum, als Trainer voranzukommen, sich endlich fünf Sterne auf die Brust schreiben zu können und bei Top-Clubs eine Anstellung zu finden, wo Siege zur Pflichtsache erklärt werden. Uns steht die Entscheidung frei, jedes einzelne Spiel selbst zu bestreiten oder mittels Telegrammbox simulieren zu lassen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Karrieremodus durch die zahlreichen Einflussmöglichkeiten sehr viel motivierender ausgefallen ist als das Vorgängermodell. Eine weitere Neuheit in FIFA 2005 stellt der Spieler-Editor dar, wo wir unser Alter Ego nach unseren Vorstellungen aus zig Einstellungen zusammenschustern. Das Bestimmen der Statur oder der Haarfarbe und Star-Allüren wie Accessoires sind nur wenige Beispiele für den God-Mode unter den Fußballsimulationen.
These 1: FIFA 2005 spielt sich flüssiger
Vergessen wir aber jetzt einmal das ganze Drumherum und widmen uns dem wirklich Essentiellen - der Spielbarkeit. Inwiefern hat sich die FIFA-Serie weiterentwickelt? Wie sind die neuen Features gelungen? Um diese Fragen zu klären, ist es ratsam, jedes Element einer genaueren Analyse zu unterziehen. Als erste These möchte ich nach etlichen Spielstunden in den Raum werfen, dass FIFA 2005 einen flüssigeren Spielablauf als der Vorgänger bietet. Die Beweise für diese vielleicht kühne Behauptung liefere ich nun en detail. Nach anfänglichen Irritationen, wie sie bei jedem Spiel der Serie auftreten, fällt sogleich die gesteigerte Präzision auf, die sich an Pässen, Kopfballvorlagen, Flanken oder Torschüssen nachvollziehen lässt. Dadurch werden nicht nur einige Frustmomente vom Platz gestellt, sondern auch Passstafetten ermöglicht, die flugs – das Mittelfeld überbrückend – bis in den gegnerischen Torraum reichen. Hilfreich sind zudem Pässe zu unseren Spitzen, obwohl diese noch gar nicht auf dem Bildausschnitt zu sehen sind. Ein bisschen Mut zum Risiko und eine „Vision“ zahlen sich aus. Die gewöhnliche Ballannahme vollzieht sich nun deutlich geschmeidiger, wird aber durch die neue First-Touch-Control in den Schatten gestellt. Erstaunlich effizient legt sich der Spieler den Ball in eine beliebige Richtung vor, wenn wir den C-Stick vor der Ballannahme entsprechend bewegen. Das funktioniert nicht nur bei seichten Kullerbällen. Hoch angespielt lässt der Künstler die Kugel an der Brust abtropfen oder führt sie mit dem Fuß galant zum Boden. Je mehr Talent unser Fußballer hat, umso sicherer geht er mit dem Leder um und kann eine starre Abwehrmauer mit einem solchen Trick aushebeln. Apropos Trick: Mit C werden auch in Ballbesitz Täuschungsmanöver oder Übersteiger ausgeführt, die nicht selten den Verteidigungswall durchbrechen und zu Torchancen führen. Das Arsenal solcher Finten ist im Vergleich zum „Prequel“ noch einmal aufgestockt worden. Die komplizierte Off-the-Ball-Control, die erstmals in FIFA 2004 eingeführt wurde und selbst Profis nicht auf die Z-Taste drücken ließ, ist entknotet worden und gestaltet sich jetzt übersichtlicher und vor allem genauer. Mit Z-Druck werden drei Vorläufer durchnummeriert und einzeln ausgewählt. Mit X oder Y lassen sich dann spielöffnende Flanken respektive Pässe zum Adressaten schlagen. Dennoch gebührt dieser Technik immer noch ihre stiefmütterliche Behandlung, da sie durch die zielsicheren Heber in den Lauf oder Pässe in den freien Raum (L gedrückt halten plus X beziehungsweise Y oder A) ersetzt werden. Aus dem Mittelfeld gedroschen finden die visionären Zuspiele ihre Empfänger. Wie ich oben beispielhaft vorgeführt habe, lässt sich meine These von einer flüssigeren, weicheren Spielbarkeit verifizieren, wenngleich die FIFA-anhaftende Trägheit der Spieler in Ballbesitz und deren Ungelenkigkeit und manchmal krampfhaftes Verdribbeln einzuräumen sind.
These 2: FIFA 2005 schafft Räume
Erste Eindrücke von einem weit weniger zugestellten und umkämpften Mittelfeld führen zu der Annahme, dass FIFA 2005 dem kreativen Angriffsfußball gewisse Freiräume zugesteht. Und tatsächlich: Das Mittelfeld ist meist schneller zu überbrücken, was natürlich auch auf die höhere Ballsicherheit zurückzuführen ist. Die Gegenspieler decken aber mit einem ehrfürchtigen Abstand und lassen sogar kilometerlange Solo-Dribblings zu, bis die Sturmspitzen auf die doch recht dichte Abwehrmauer als letzte Instanz kurz vor dem 16-Meter-Raum prallen, bei der schon ein kreativer Pass oder Mut zum Risiko abverlangt wird, um zu Abschlussgelegenheiten zu kommen. Besonders zu empfehlen sind Flankenläufe in die Nähe der Grundlinie, eine leicht aus dem Fußgelenk gezauberte Hereingabe mit X oder der überholten Off-the-Ball-Control, glänzend abgeschlossen mit einem getimt-wuchtigen Kopfball ins Tornetz. Die Möglichkeiten, seine Ideen auch auf dem Platz umzusetzen, werden durch die geschaffenen Freiräume verbessert und führen zu einem komplexeren, reichhaltigeren Spiel, weil weder Solo, Flanke oder Kurzpassspiel zum Torerfolg von vorne herein zum Scheitern verurteilt sind. Die zermürbende Hilflosigkeit vor dem Strafraum im Vorgänger wurde erfreulicherweise enorm gedämpft. Aber auch die künstliche Intelligenz beansprucht hier noch einmal ein gesondertes Lob. Auch die Computergegner beherrschen Flanken, um das Spiel zu öffnen, spielen strategisch sinnvolle Rückpässe, um Ballsicherung zu betreiben oder begeistern durch Stakkato-Zuspiele. Somit bewahrheitet sich auch meine zweite These.
These 3: FIFA 2005 belohnt
Spielerisch belohnt FIFA 2005 unser ideenreiches Spiel. Und womit erfreut man einen Fußballer? Natürlich mit traumhaften und zahlreichen Toren. Bei FIFA scheint es fast obligatorisch, dass wir den neuesten Ableger anfangs als vollkommen missraten und als weitere Verschlimmbesserung des Vorgängers betrachten. Aber ich gewöhne mich langsam an den Gedanken und bin sogar ein bisschen froh über das Umdenken bei jeder Jahresversion. So wird nämlich schon von Beginn an spürbar, dass EA Sports Veränderungen vorgenommen hat, dass sich eine Entwicklung vollzieht und nicht bloß ein belangloses Update präsentiert wird. Nach der alljährlichen Einarbeitungszeit lassen sich durch oben genannte Vorteile ganz hervorragende Treffer gestalten. Ob volles Rohr aus dreißig Metern, akrobatische Volley-Einlagen wie Fallrückziehern im Strafraum oder ein klassischer Durchmarsch mit gequetschtem C-Stick – Tore sind nicht mehr Elfenbein, sondern Gummibärchen. Quod erat demonstrandum.
These 4: FIFA 2005 setzt Standards (-ituationen besser um)
Um sich der vierten These anzunähern, müssen wir vier Standardsituationen beleuchten. Den Beginn in unserer Abhandlung machen dabei die direkten Freistöße. Fast schon frustrierend, wie häufig bei FIFA 2004 selbst die scheinbar am besten getroffenen und mit dem nötigen Effet ausgestatteten Schüsse in den meisten Fällen „an den Fingerspitzen“ des Torhüters abprallten. Nicht so bei FIFA 2005: Der Balken auf dem Bildschirm, auf dem ein Cursor hin und her schnellt, ist in den höheren Ligen mit einem viel breiteren Genauigkeitsbereich ausgestattet. Außerdem schleicht der Cursor ganz gemütlich über den Streifen, sodass wir mit ein wenig Timing den Großteil unserer Freistöße verwandeln. Fouls vor dem Strafraum sind also tödlich, dem Torhüter schlottern die Knie. Eine vielleicht zu starke Vereinfachung auf diesem Gebiet, wo bleibt denn da die Kunst? Aber, aber: Es geht doch hier ums Toreschießen, nicht wahr? Die Elfmeter sind hingegen kaum von der Restaurationswelle beeinflusst worden und sind tadellos. Ein Lob ist den Einwürfen auszusprechen, bei denen sich nun drei Fußballer um die Gunst der Kugel bewerben. Zwischen ihnen wird ein passender Adressat ausgewählt, der sich freiläuft und via X das Leder zugeführt wird. Insgesamt handelt es sich hier um eine positiv zu bewertenden Erweiterung. Die These wird jedoch durch die Eckstöße in ihrer Stichhaltigkeit beeinträchtigt. Vollkommen ineffizient und unzugänglich wie in der 2004-Version wird von den Eckfähnchen geschossen. Während der fast bewegungslose Angreifer am kurzen Pfosten noch die besten Chancen auf Torerfolg hat, fällt es unseren Strafraum-Invasoren, die sich an einem bulligen Abwehrspieler bedrängen und zurückstoßen (B oder C) lassen müssen, bedeutend schwerer, im richtigen Moment und am richtigen Ort, einem markierten Kreis, die B-Taste zu drücken. Ähnlich unübersichtlich handhabt es sich da mit den Freistößen, die noch einen Mitspieler im 16-Meter-Raum suchen und ebenfalls einen Flankenaufschlagszirkel angezeigt bekommen. Wir wünschen uns für den Nachfolger eine komplett überarbeitete Eckball-Variante. Die These kann im Übrigen so nicht standhalten.
Da wir jetzt das Gameplay so akribisch seziert haben, wollen wir uns der Aufmachung zuwenden. Eine Selbstverständlichkeit ist (auch wegen des Vollpreises) die Aktualisierung und Erweiterung der zur Verfügung stehenden Clubmannschaften und Nationalteams. 11.000 echte Spieler, 18 Ligen und 38 Nationalmannschaften sind die beeindruckenden Zahlen, die kein anderes Fußballspiel zu bieten hat. Vorbildlich sind auch die nochmals reduzierten Ladezeiten vor den Spielen und das gänzliche Fehlen von Auswechslungspausen zu beurteilen. Grafisch wirkt noch alles einen Tick detaillierter, angefangen von den Spielermodellen über die Stadien bis hin zur Rasentextur. Schön, dass die blank polierte Optik auch noch weniger Ruckler vorzuweisen hat wie in FIFA 2004. Die Animationen hingegen sind ein zweischneidiges Schwert: Während die Bewegungen zur Ballannahme sehr weich wirken, fallen Spurts über den Platz eher negativ auf: Die hölzerne Fortbewegung des Ballack-Verschnitts ähnelt dann nicht einem flotten Fußballgott, sondern eher einem humpelnden Schimpansen. Der vielgescholtene deutsche Kommentar versucht zwar, mit einem aufgestockten Inventar an Phrasen und einleitenden Worten vor jeder Partie, Informationen zum Stadion oder Auswechslungen das Gefühl einer TV-Übertragung zu erreichen, was allerdings durch widersprüchliche Aussagen und inhaltslosem Geplapper des Öfteren zu einem Hauch von Surrealismus führt. Vielleicht nächstes Mal, Herr Bartels und Herr König.
Fazit
FIFA legt einen beachtlichen Teil der erdrückenden Simulationslast des Vorgängers ab und kommt mit einer frischen Leichtigkeit daher, dass es wieder Spaß macht, sich solo oder mit ein paar Freunden vor dem Bildschirm zu versammeln und einfach ein paar schöne Tore zu schießen. Fußballfreunde finden auf dem GameCube trotz kleiner Schwächen im Gameplay nichts Besseres.
- flüssiges Passspiel
- First-Touch-Kontrolle
- Top-Präsentation
- träge Spieler
- Kommentar
- teils hakelige Animationen
Vielen Dank an die Firma Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.

