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REANIMAL

REANIMAL

Maik

Mit REANIMAL liefern die Macher von Little Nightmares und Little Nightmares II ihr bislang düsterstes Werk ab. Tarsier Studios bleibt sich stilistisch treu, geht erzählerisch jedoch noch einen Schritt weiter in Richtung Abgrund. Für THQ Nordic markiert REANIMAL zugleich ein starkes erstes gemeinsames Projekt mit dem schwedischen Studio.

REANIMAL

NSW2

Entwickler
THQ Nordic
Publisher
THQ Nordic
Konsole
NSW2
Spieler
1–2 lokal
Freigabe
USK ab 18

Wir haben das Horror Abenteuer auf der Nintendo Switch 2 ausführlich getestet, sowohl im Handheld als auch im Docked Modus, allein und im Koop. Was euch erwartet, ist eine intensive Reise durch Finsternis, Schuld und Hoffnung, die nicht immer spielerisch glänzt, atmosphärisch jedoch kaum loslässt.

Story und Weltdesign

Im Mittelpunkt stehen Bruder und Schwester, zwei Waisenkinder, die ihre verschwundenen Freunde retten wollen. Dabei geraten sie auf eine höllische Insel, deren groteske Kreaturen ebenso verstörend wirken wie die bruchstückhafte Vergangenheit der Geschwister selbst. Erzählt wird diese Geschichte weitestgehend ohne Worte, was einerseits die beklemmende Stimmung verstärkt, andererseits jedoch Verständnislücken in der Lore erzeugen kann.

Während ihr euch durch nebelverhangene Küsten, verfallene Gebäude und albtraumhafte Landschaften bewegt, wird deutlich, dass hier nicht alles ausgesprochen werden soll. Vieles bleibt Interpretation. Fragmente der Vergangenheit spiegeln sich in Monsterdesign und Umgebung wider. Allerdings hätten wir uns stellenweise mehr Kontext gewünscht, denn manche Storyelemente bleiben zu vage und werden nicht ausreichend durch Umgebungsdetails gestützt. Lauft ihr allerdings durch ein vor Tod stinkendes Kino, habt ihr auch schon wieder ganz anderes Sorgen.

Gerade hier entfaltet REANIMAL eine enorme Sogwirkung. Gerade die Mischung aus kindlicher Zerbrechlichkeit und monströser Bedrohung sorgt dafür, dass ihr euch emotional involviert fühlt, selbst wenn nicht jedes erzählerische Detail klar ausformuliert ist.

Spielsystem und Gameplay

Spielerisch setzt REANIMAL stärker auf Fortbewegung, Navigation und situative Koop Aktionen als auf komplexe Rätsel. Im Vergleich zu den geistigen Vorgängern wirkt das Puzzle Design reduziert. Ihr schiebt Objekte, helft euch gegenseitig über Hindernisse oder koordiniert einfache Mechaniken, doch die ganz großen Denksportmomente bleiben aus. Stattdessen ist dass Gameplay vielseitiger. Mal zu Wasser, mal auf der Draisine im Camper oder in schwindelerregender Höhe. Jumpscares gehören ebenfalls dazu und treiben die latente Anspannung während des Steuerns die Höhe.

Dabei funktioniert die Steuerung solide und präzise. Besonders positiv fiel uns das Arrangement auf. Die geteilte, cineastische Perspektive erzeugt ein starkes Gefühl von Klaustrophobie, bleibt aber übersichtlich. Probleme mit der Ebenenwahrnehmung, wie wir sie in anderen Genrevertretern erlebt haben, traten hier seltener auf. Vereinzelt wanderte die Kamera aber zu wenig mit, wenn einer der beiden einen Schalter erreichen oder einen Umweg laufen muss.

Auch wirkt die Verbindung mancher Areale teils weniger organisch. Übergänge erscheinen gelegentlich abrupt und das Leveldesign hätte an einigen Stellen stärker miteinander verwoben sein dürfen. Für Spieler, die in erster Linie nach anspruchsvollen Rätseln suchen, könnte die Luft hier zeitweise dünn werden. Wer hingegen Atmosphäre und Spannung priorisiert, wird dennoch absolut abgeholt.

Koop und Multiplayer

Ein echtes Highlight ist der Koop Modus. REANIMAL lässt sich allein mit einem KI gesteuerten Begleiter erleben oder gemeinsam lokal auf der Couch sowie online spielen. Besonders erfreulich ist die Möglichkeit, einen zweiten Spieler virtuell über einen kostenlosen Freundespass ins Abenteuer zu holen.

Gerade im lokalen Koop entfaltet das Spiel seine größte Stärke. Im Docked Modus profitiert ihr von höherer Auflösung und besserer Übersicht am großen Bildschirm, was der Kamera spürbar zugutekommt. Gemeinsam durch dunkle Korridore zu schleichen und sich wortlos abzustimmen, erzeugt eine intensive, geteilte Spannung, die wir als Redaktion besonders genossen haben.

Doch auch wenn ihr allein unterwegs seid, liefert der KI Partner überwiegend zuverlässig, vereinzelt festhängende Bewegungen an Treppen oder Wegpunkten konnten wir aber beobachten. Diese Momente bleiben zwar selten, reißen jedoch kurzzeitig aus der Immersion.

Grafik und Performance auf Nintendo Switch 2

Audiovisuell zeigt sich REANIMAL beeindruckend. Licht und Schatten formen groteske Silhouetten, Texturen wirken bewusst roh und unangenehm, Kreaturen sind abscheulich und faszinierend zugleich. Das schwedische Studio versteht es meisterhaft, mit visuellen Kontrasten zu spielen.

Auf der Nintendo Switch 2 habt ihr die Wahl zwischen Grafik (Quaitäts-) und Leistungsmodus. Wir empfehlen klar die leistungsorientierte Einstellung. Im Qualitätsmodus traten bei uns vereinzelt Mikroruckler auf, sogar bereits in der ersten, atmosphärisch wichtigen Boot-Szene. Im Performance Modus hingegen lief das Spiel deutlich stabiler und flüssiger.

Im Handheld Modus fallen einzelne Texturunschärfen stärker auf, zudem bemerkten wir gelegentlich kleinere Overlay Fehler. Docked spielt sich REANIMAL sichtbar klarer und ruhiger, was insbesondere im Koop einen Unterschied macht.

Sounddesign und Musik

Wenn REANIMAL in einem Bereich wirklich brilliert, dann ist es das Sounddesign. Umgebungsgeräusche, knarzendes Holz, entfernte Schreie oder das widerwärtige Atmen monströser Wesen erzeugen eine permanente Anspannung.

Soundtechnisch setzt das Studio auf zurückhaltende, aber wirkungsvolle Klangteppiche, die sich unauffällig unter die Szenen legen und bei Bedrohung intensivieren. Während unseres Tests jagte uns das Zusammenspiel aus Bild und Ton mehrfach echte Schauer über den Rücken. Hier zeigt sich die große Erfahrung der Entwickler im Horrorgenre.

Umfang, Preis und Wiederspielwert

Mit einem Preis von 39,99 Euro positioniert sich REANIMAL im an sich faireren Segment. Die Spielzeit fällt mit ca. 5-6 Stunden allerdings nicht übermäßig lang aus, bewegt sich aber im Rahmen vergleichbarer Genrevertreter. Auch sollen noch mehrere, kostenpflichtige DLCs erscheinen, die den Eindruck des Umfangs vom Hauptspiel trüben.

Der Wiederspielwert entsteht primär durch den Koop Modus und das gemeinsame Erleben der Atmosphäre. Sammelobjekte oder tiefgreifende alternative Wege stehen weniger im Vordergrund. Wer das Spiel einmal abgeschlossen hat, kehrt vor allem zurück, um die Stimmung erneut zu durchleben oder es mit einem anderen Partner zu erleben.

8.0Wertung

Fazit

REANIMAL ist ein düsteres, intensives Horror Abenteuer, das euch atmosphärisch packt und audiovisuell beeindruckt. Es beweist, dass Horror nicht laut sein muss, um euch einzuschüchtern. Spielerisch bleibt es zwar hinter seinen Inspirationsquellen zurück, doch im Koop entfaltet es eine ganz eigene Kraft. Wer schaurige Welten liebt, gemeinsam auf der Couch leiden möchte und Wert auf dichte Stimmung legt, sollte sich diesen Titel nicht entgehen lassen. Anspruchsvolle Rätsel und tief ausgearbeitete Story erwarten euch jedoch nur eingeschränkt. Am Ende gilt für uns: Atmosphäre schlägt Komplexität und genau darin liegt REANIMALs Stärke.

Design
8.0
Sound
9.0
Online Multiplayer
8.5
  • Herausragendes Sounddesign
  • Intensive, dichte Atmosphäre
  • Starker lokaler und Online Koop
  • Weniger komplexe Rätsel als erwartet
  • Story teils fragmentarisch
  • KI Begleiter mit kleinen Aussetzern

Vielen Dank an die Firma THQ Nordic für die Bereitstellung des Testmusters.

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